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01.05.2015

EINER GEGEN DAS IMPERIUM (1983)

Um es gleich voraus zu schicken: „Einer gegen das Imperium“ ist eine Trashgranate, vielleicht streckenweise etwas arg zäh erzählt, aber ganz klar Kult-verdächtig. Wer das Cover je in den Hand hielt, würde ohnehin nie ein tatsächlich gelungenes Werk erwarten. Hier greift nur der Typ Cineast zu, der Schmuddelwerke genießt, jemand der mit B-Produktionen etwas anzufangen weiß, jemand der gerne außerhalb der Massenware stöbert.

Der im deutschen Titel genannte Eine sind eigentlich ganz viele, und das Imperium ist eigentlich nur eine böse Inselregierung. Aber was soll‘s, das Schlagwort war perfekt zu Zeiten von „Star Wars“, dementsprechend ist der Schriftzug des Filmtitels auch nicht zufällig gewählt, und auch die recht spät auftauchenden Roboter, gegen die unser Hercules und Conan für Arme kämpft, sehen aus wie kleine Brüder Darth Vaders. Zwar könnte man zur vollkommenen Kopie die Lichtschwerter vermissen, aber stattdessen gibt es einen Kampf mit brennenden Schwertern zu sehen, das ist für einen Billigfilmer aus Kostengründen und im Sinne des Plagiats ja fast das selbe.

Wer nun fälschlicher Weise denken mag hier würde "Star Wars" zur Tagesordnung gehören, der irrt sich. „Il mondo di Yor“ (Originaltitel) spielt in der Steinzeit (obwohl auch Dinos herum laufen), und die eben erwähnten Roboterkämpfe, die auf dem Cover anbei wie der Hauptteil des Filmes eingebracht werden, beginnen erst in der 55. Minute - was auch nicht ganz richtig formuliert ist. In besagter Minute schwenkt die Story um zu den technischen Elementen und der Außerirdischen-Thematik. Zuvor darf man sich endlosen Kämpfe mit Dinos und Urzeiteinwohnern ansehen. Das ist zwar alles recht putzig getrickst, beginnt beim vierten Kampf aber so langsam zu nerven.

Eine Handlung um diese Fights herum gibt es kaum. Mit ihnen wird lediglich eine Figur nach der nächsten ins Geschehen eingeführt, bis die Truppe vollständig ist, die dem Inselimperium den Kampf ansagt. Die weibliche Hauptrolle darf zwischendurch eifersüchteln, damit sie überhaupt irgendeinen Zweck erfüllt, und die zweite weibliche Rolle im Vordergrund ist auch ziemlich fix wieder tot.

Yor, der Held des Films, ein strahlener Blondling, mit den Muskeln eines Gladiators, dem Lächeln wie aus einer Zahnpastareklame und der Intelligenz Dieter Bohlens, stampft durch nett zurecht gemachte Kulissen und zeigt in jedem Kampf was er für ein toller Typ ist. Begleitet wird er unter anderem von einem älteren Mann, der ein väterlicher Freund von Yors Bekannter ist. Sein Part besteht darin sich pausenlos beim zum Fleisch gewordenen Groo der Wanderer zu bedanken, da dieser ihm pausenlos den Arsch rettet. Gegen Ende darf er sich endlich einmal revangieren - na, immerhin!

Wenn alle Dinos vermöbelt sind und alle bösen Urzeitstämme vernichtet scheinen, egal wie wichtig sie für die Identitätssuche des Helden auch gewesen wären, beginnt die Geschichte um das böse Imperium. Die bösen Jungs lungern auf einer Insel herum, lassen zwar auch mal Maschinenmenschen auf die andere Seite des Gewässers herüberfliegen um Ölrache an toten Robotern zu verüben, aber eigentlich erstreckt sich das Imperium lediglich über besagte Insel. Zwar plant der böse Anführer die Eroberung der Erde, was mit seinen technischen Möglichkeiten auch sicherlich zu dieser Zeit ein Kinderspiel wäre, scheinbar hatte er dafür aber noch keine Zeit.

Eine neue gentechnisch hervorgebrachte Lebensform hätte er dafür zumindest nicht benötig. Aber egal, die will er dennoch erschaffen, und zwar aus den reinen Arier-Genen unseres Helden und dessen Freundin. Dieser Storystrang wird allerdings nur sehr kurz aufgegriffen um ihn sofort wieder fallen zu lassen, frei nach dem Motto: lasst uns so viele Ideen wie möglich verwursten, irgend etwas davon wird beim Zuschauer schon fruchten. Herrlich!

Das letzte Drittel handelt nun davon, wie unser Held dem sogenannten Imperium den Untergang beschert. Auf sein Kommen haben eine handvoll Rebellen gewartet, warum auch immer. Yor darf zwar hin und wieder die Fäuste schwingen, alles andere erledigen aber ohnehin die Rebellen von selbst. Sie sind bereits im Besitz einer Bombe, wissen wo diese am effektivsten platziert werden muss, besitzen Handfeuerwaffen, wissen diese auch einzusetzen und wissen sogar wie die Roboter damit kampfunfähig gemachet werden können. Unser Held darf lediglich ein paar Roboter killen (und dies nicht  einmal um den Weg für die Rebellen freizuräumen, was ja wenigstens noch Sinn ergeben würde) und schließlich die Bombe dort platzieren, wo es ihm von den Rebellen gesagt wurde.

Am Ende ist unser Blondling der Held des Tages, schnappt sich nach Vernichtung der Untermenschen die restlichen Leute der Herrenrasse, deren Anführer er nun ist und fliegt los um eine bessere Welt zu errichten, so der Offkommentar am Ende. Und fertig ist der krude Mix eines Filmes der nicht wirklich wusste was er eigentlich erzählen will. Dass faschistische Elemente (wahrscheinlich unbewusst) immer wieder durch die Geschichte wehen ist für einen italienischen Film nicht unüblich. Mehr als daüber sollte man sich viel eher über den kruden Mix aus „Conan - Der Barbar“ und "Krieg der Sterne" wundern. Kam die Idee erst während des Drehs? Wollte man mit dem plötzlichen Umbruch der Geschichte das Projekt schnell noch finanziell retten? Oder streckte man die Grundidee Luke & Co zu kopieren mit Barbarenelementen, um Geld zu sparen?

Wie auch immer, aus herkömmlicher Sicht ist „"Yor, der Retter der Zukunft" (Alternativtitel) einfach nur schlecht zu nennen. Es gibt nur einen brauchbaren Schauspieler, und das ist der väterliche Freund der Frau. Es gab scheinbar eher ein Szenenbuch als dass es ein Drehbuch gegeben hätte. Und die Regie Margheritis („Asphalt-Kannibalen“) ist nicht der Rede wert. Die Musik, zumindest jenes Lied das immer dann ertönt wenn Yor glorreiche Taten vollbringt, könnte ebenso von einem Schulorchester Amerikas stammen, welches die Halbzeit eines Footballspiels musikalisch überbrückt. Der Gesamteindruck für den normalen Typ Zuschauer ist somit arg dürftig zu nennen. Der Trash-Fan hingegen hat einen neuen Partyfilm entdeckt, der mit seiner unfreiwilligen Komik, gemixt mit dem Charme geglückter Elemente, zu unterhalten weiß. Aber auch dann sollte man „The World of Yor“ (Alternativtitel) zu ein paar Mann gucken, um sich in den zähen Szenen die Zeit mit etwas Geschwätz zu vertreiben. So schwungvoll wie der „Perry Rhodan“-Trasher ist „Einer gegen das Imperium“ dann doch nicht ausgefallen.  OFDb

09.08.2012

THE DEATHLESS DEVIL (1973)

Der maskierte Held Kupferkopf kämpft gegen den Bösewicht Dr. Satan, der die Erfindung eines Wissenschaftlers nutzen will, um mit Hilfe von Robotern die Weltherrschaft an sich zu reißen...

Küsperletheater...
 
Die Türken versuchten sich in ihrer cineastischen Vergangenheit des öfteren an Neuverfilmungen amerikanischer Werke. Dabei griff man meist auf Erfolge zurück, so dass aus „E.T.“ „Badi“ wurde, aus „Krieg der Sterne“ „Turkish Star Wars“ oder aus „Der Exorzist“ „Turkish Exorcist“. Im Falle von „The Deathless Devil“ griff man jedoch auf ein relativ unbekanntes Werk zurück, und zwar auf die 40er Jahre Serie „Die Rache der kupfernen Schlange“, welche die Jagd des im Titel genannten Superhelden gegen Dr. Satanas thematisierte. Aus der kupfernen Schlange wurde der alberne Name Kupferkopf und aus einer schnell heruntergedrehten, anspruchslosen Serie ein dilettantischer Haufen Unsinn.

Und was für einer... man kann es mal wieder kaum in Worte fassen. Trotz dem Einbringen peinlichster Komik, die in ihrem Stil in Europa damals leider Standard war (so auch wiederzufinden in den „Flotte Teens“-Filmen aus Italien oder in der Hausmeisterrolle des deutschen Werkes „Musik, Musik, da wackelt die Penne“), ist das untalentierte Kasperletheater an sich tatsächlich recht ernst gemeint. Scheinbar wollte man Popkornkino für die Erwachsenen schaffen.

Die Geschichte macht zu kaum einem Zeitpunkt Sinn, Logiklöcher gibt es zuhauf (jemand, der im Koma liegt, kann z.B. auf ein Fluchtfahrzeug verweisen, welches er gar nicht mitbekommen hat), die Kampfchoreographie ist billigst, die Musikuntermalung passt des öfteren nicht zu den Szenen auf die sie gelegt wurde, Schauspieler unterbieten einander im Untalent, so dass der Overacting betreibende Dr. Satanas gar noch am positivsten hervor sticht, und das Drehbuch dreht sich endlos im Kreis, bis es sich nach etwa 85 Minuten dazu entschließt den Streifen endlich zu beenden.

Geld hatte man freilich nicht zur Verfügung, deswegen wurde auf verschiedenstem Filmmaterial gedreht. Und genau aus dem gleichen Grund darf man wohl auch den lächerlichsten Roboter der Filmgeschichte sichten. Ich weiß dass Stammleser nun sagen werden dies hätte ich schon oft behauptet. Aber wer konnte schon ahnen, dass selbst das Design der Roboter aus „Target Earth“ und Co noch zu unterbieten wären? Der „Deathless Devil“-Roboter wäre nach unten hin nur noch durch das Verkleiden in Alufolie zu toppen, so hirnverbrannt billig tappst er in einem Papp- oder Plastik-Kostüm umher, in welchem er nur kleine Schrittchen laufen kann.

Ein guter Teil der unfreiwilligen Komik geht auf das Konto des ab und an erscheinenden Blechkastens, der im Schneckentempo auf seine Opfer zusteuert, die sich wehrlos seinem Würgegriff ergeben, da scheinbar allein die Vorstellung eines Maschinenmenschen bei den Leuten einen solchen Angstzustand erzeugt, dass Weglaufen oder Umschubsen als Alternative gar nicht erst in den Sinn kommen. Roboter - wohl ein Wort, das im Türkischen eine mächtige Bedeutung haben muss, wenn man der lahmen Gefahr so viel Respekt entgegen bringt.

Was das Herkunftsland an sich betrifft: mit tollen Bildern dieses wunderschönen Landes braucht man nicht zu rechnen, würde dies doch Talent vom Kameramann voraussetzen, und der hebt sich diesbezüglich nicht vom Rest der Crew ab. Mit deutschen Ohren klingt es zudem noch recht ungewöhnlich, wenn türkische Ortschaften und Namen selbstverständlich durch eine Filmgeschichte geistern und eine Story auf den Werten des moslemischen Glaubens anstatt auf dem christlichen beruht. Egal ist es alle Male, und innerhalb des albernen Herumgekaspers schimmert es ohnehin kaum durch. Dagegen ist die türkische Sprache, die in deutschen Ohren so belustigend klingt wie die holländische, eine Zutat, die um so dominanter wirkt. Arte zeigte den schäbigen Streifen gütiger Weise im Original mit deutschen Untertiteln, was dem ganzen viel zusätzliche Lustigkeit beschert, zumal der Ton in seiner Qualität so schlecht ist wie der Rest des Films.

Überrascht darf man aufgrund der Herkunft des Films über seine Freizügigkeit sein. Sicherlich hätte nur jemand mit Vorurteilen mit Darstellerinnen in Kopftüchern gerechnet, aber die langen Beine im kurzen Kleid, die hier durchs Bild stolzieren und sogar die nackte Oberweite einer Darstellerin während einer Sexszene sind schon Extreme, die ich nicht erwartet hätte. Darin und in der handvoll blutiger Momente erkennt man auch das Anliegen des Filmes einem erwachsenen Publikum gefallen zu wollen. Diese Behauptung ist somit keine reine Theorie. Um so peinlicher ist das Werk im Hinblick auf sein Ergebnis.

„The Deathless Devil“ hatte so gar keine Chance ein gelungener Film zu werden, da wirklich niemand auch nur den Hauch einer Ahnung hatte was man da gerade filmisch zusammenzimmert. Dementsprechend lustig ist das Ergebnis ausgefallen, so dass der Streifen, der im Original „Yilmayan Seytan“ heißt, zur absoluten Granate für Freunde schlechten Kinos wird. Das hohe Tempo, welches der Regisseur inhaltlich an den Tag legt, wird allerdings durch das sich ständig wiederholende Drehbuch ausgebremst, da man nicht kapierte, dass man aus einer Kinoserie mit Cliffhanger für einen Kinofilm das Erzählkonzept ändern müsste. Somit wirken die 85 Minuten Laufzeit trotz aller Freude ein wenig gestreckt. Das sollte dem Fan cineastischen Unfugs jedoch nicht davon abhalten einzuschalten.  OFDb