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22.08.2025

5 völlig unterschiedliche Filme - Kurzkommentare (9)

 

Witches in the Woods (2019)

Eine brauchbare Schneekulisse, ein Mythos ominöser Hexenprozesse als aufregendes Urlaubsziel, das Ganze ruhig abgefilmt ohne Found Footage anzuwenden, das klingt doch soweit nach einem brauchbaren Horrorfilm. Aber wer schon die Keifereien der Protagonisten in "The Blair Witch Project" nervig fand, der bekommt hier die Königsübung dieser unangenehmen Unart serviert. Egoistische Menschen streiten miteinander, wirken vorher nicht als glaubwürdige Clique samt Außenseiter, und die selbstgefällige Heldin, deren Ansichten und Handlungen am fragwürdigsten sind, bekommt mit ihrer Art vom Drehbuch auch noch Recht und Verständnis zugeschrieben, so dass eine Identifikation mit ihr unmöglich wird. Ein ewiges Hinhalten bis tatsächlich mal etwas passiert in Kontrast mit heftigsten Streitereien, selbst dann noch wenn es endlich soweit ist, lassen den kanadischen Horrorbeitrag spätestens zur zweiten Hälfte hin unerträglich schauen.  OFDb 

 

Slave Dolls (2023)

Ach, was gibt man im Booklet für tolle Hintergrundinformationen über Cyberkriminalität, Menschenhandel im Darknet u.ä., so als ob den Machern des dazugehörigen Films eine Aufklärung wichtig wäre und das Drama der Betroffenen empathisch nachvollziehbar. Frei von Moral erzählt, das mag ein guter Ansatz sein, um ein derartiges Thema ernst zu nehmen, aber wie scheinbar schon verpflichtend für den Bereich des Undergroundfilms, geht es in "Slave Dolls" außerdem nur um ein dreckiges Flair, das Zeigen von Quälereien und dies alles in möglichst entfremdeter, fast unverdaulicher Optik. Zur Provokation noch viele detailreiche Bilder der Vagina einer misshandelten Frau in Großaufnahme gezeigt, und fertig ist für Minderbemittelte das Gefühl gerade Kunst zu schauen. Freilich ist das in seiner voyeuristischen, unreflektierten und rein der Provokation wegen abgelichteten Art stattdessen lediglich Schund. Schade um die wirklich schöne Mediabook-Aufmachung!  OFDb 

 

Vertraute Fremde (2010) 

Man stelle sich "Peggy Sue hat geheiratet" als Arthouse-Drama mit leichter Dosis Humor vor, dann hat man zur selben Idee einen völlig andersartigen, meiner Meinung nach noch besseren Film. In die Heimat nach etlichen Jahren zurückkehren, das was im Kopf vergangen ist nun in der Gegenwart zu erleben, allein dieser Einstieg wird nur wenigen Menschen keinen Zugang gewähren. Wenn dann noch im Bewusstsein des Erwachsenen entscheidend tragische Tage der Kindheit wiederholt werden, ist der Film in seiner unaufgeregten Art unbezahlbar. Sich seines Alters bewusst um keine Teenie-Romanze mit einer 15jährigen bemüht, die man einst aus der Ferne bewunderte, sein Wissen der Zukunft nicht ausnutzend: der Protagonist bleibt persönlich, geht keiner fixen Kino-Idee nach, erlebt die Dinge im Kleinen, die einem als Kind nicht bewusst waren oder durch die vielen Jahre vergessen und verdrängt wurden. Und so gnadenlos und verletzend die Methode der finalen Entscheidung des Vaters auch sein mag, am Ende geht es um das Verstehen fremder Entscheidungen und Empfindungen, und darum dass jeder Erwachsene seinen eigenen Weg geht. Der Weg zu diesem Bewusstsein ist äußerst berührend und empathischer, wie sachlicher Natur. Ein großartiges, sich authentisch anfühlendes Werk!  OFDb 

 

Timer (2009)

Man versucht gar nicht erst einen sachlichen Bezug herzustellen, wie das Messen des Idealpartners funktionieren soll. Zwar bleibt die im Mittelpunkt der Geschichte stehende Erfindung damit unglaubwürdig, für einen naiven Romantikfilm ist es aber wahrscheinlich besser, dass man darauf verzichtete, um sich voll und ganz jenem seichten Stoff hinzugeben, nach dem das Stammpublikum derartiger Thematik lechzt. Und da gab es schon plumpere und banalere Ergebnisse. "Timer" guckt sich eigentlich recht nett mit den beiden unterschiedlichen Frauenrollen und ihren tatsächlichen Gefühlswirrungen, zumal er gegen Ende erwachsenere Wege als erwartet geht. Dass das Tabuthema um einen jüngeren Freund einer Frau nie aufgesetzt oder moralisch als übertrieben korrekt eingebaut wird, sondern stattdessen als Selbstverständlichkeit, tut dem trivialen Werk zusätzlich gut.  OFDb  

 

Ausnahmezustand (1998)

Die muslemische Gemeinschaft interessiert in den USA und ihren Filmen kaum wen, da leistete "Ausnahmezustand" bereits drei Jahre vor dem Anschlag auf das World Trade Center fast schon Pioniersarbeit. Umso schöner ist es, dass der Respekt dieser unbeachteten Bevölkerung in Form von Popkornkino stattfindet, anstatt in einem schwermütig verkopften Drama. Der Titel bezieht sich lediglich auf die letzte halbe Stunde der Handlung. Eigentlich geht es jedoch um Terrorbekämpfung, den Wandel von Terror, und was es bedeuten würde, wenn die Angst das Handeln bestimmt und man schwer erkämpfte Freiheiten opfert um angebliche Freiheit zu erhalten. Wenige Jahre darauf zeigte die Wirklichkeit dass es dafür keines Militärs bedarf, sondern einer Regierung, die den Patriot Act durchwinkt. So oder so ist "The Siege" (Originaltitel) ein engagierter Action-Thriller, der im Gesamtergebnis allerdings doch "nur" unterhaltsam, anstatt bedeutend ausfällt.  Wiki  

24.03.2025

Filmtagebuch - Zuletzt gesichtet (3)

Da mir zur Zeit die Motivation üblicher Besprechungen fehlt, möchte ich die letzten Sichtungen zumindest mal mit Kurzkommentaren versehen:

 

No Man of God (2021)

Zum Thema Ted Bundy trotz True Crime nichts reißerisches und geschmacksloses, sondern stattdessen tatsachennah anhand der alten Dokumente und Erinnerungen des Ermittlers erzählt. Wir blicken ein in die Gespräche zweier intelligenter Menschen als eine Art Anti-"Der Totmacher", was sich aufgrund sämtlicher Ereignisse nach der Verurteilung als großartige Kombination zum ebenfalls bemerkenswerten "Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile" herausstellt, der sämtliche Bereiche zuvor thematisiert. Beide zusammen ergeben ein interessantes Rundumwissen, in welcher versucht wird die Natur des Verbrechens zu verstehen, anstatt uns lediglich ein Monster vorzusetzen.  Wiki

 

Rush Hour (1998)

Das übliche Actionrezept zweier unterschiedlicher Cops, die erst zueinanderfinden müssen, verwässert durch Chris Tucker, der stets eine billige Kopie von Eddie Murphy abliefert und dem ohnehin dünnen Konstrukt der wiederholten Anwendung entsprechend oft peinliche Momente beschert. Meiner Meinung nach stimmt die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren ohnehin nicht, und Jackie Chan wirkt, abgesehen von seinen eigens durchgeführten Stunts, auch nicht grad überzeugt vom Stoff, so routiniert, wie er seine Rolle herunterspielt. Ich fand das Ergebnis trotz (?) pausenloser Action arg ernüchternd.  Wiki   


Schizofrantic (1996)

Wieder einmal ein Blick in die psychopathische Serienkillerseele in einem Werk aus der Undergroundszene, von der man eher Härte anstatt psychologischen Feinsinn erwartet. Dass dies auch in einem Produkt aus dem liberalen Dänemark bei höherem Bildungsstand der Fall ist, überrascht wenig, aber zumindest ist man nicht einzig nur um brutale Bilder bemüht, sondern baut tatsächlich manch interessante Zusatzidee ins Krankenbild und den Taten des Massenmörders mit ein. Das füllt zwar keinen Langfilm, eine Kurzvariante wäre reizvoller ausgefallen, lässt einen Blick auf das Werk aber zumindest nicht verschwendete Lebenszeit sein. Auf Amateurbasis solide gespielt!  OFDb

 

Sonic the Hedgehog (2020)

Die Titelfigur ist so lahm und unkreativ animiert, wie sie im Deutschen viel zu brav synchronisiert ist, und so richtig interessant ist auch sein menschlicher Begleiter nicht ausgefallen, aber ob man es glaubt oder nicht, der von Jim Carrey als zum Leben erwachte Comicfigur gespielte Antagonist reißt das meiste wieder raus. Durch den Aspekt Geschwindigkeit gegen Technologie erinnert das zwar alles stark an Road Runner, aber es macht schlichtweg Spaß den Komiker in seiner völlig überzogenen Rolle aus Genie, Wahnsinn und Überheblichkeit beim Scheitern zuzusehen, ohne dass das Drehbuch dabei besondere Raffinesse vorweisen müsste. Glücklicher Weise pausiert Carrey immer nur in kurzen Phasen und zu Beginn der Geschichte, ansonsten ist er pausenlos zu bestaunen, so dass es stets was zu lachen gibt.  Wiki 

 

Das Geheimnis der ewigen Nacht (1956)

Dachte ich zunächst aufgrund einiger Parallelen zu Beginn hier die sowjetische Variante der Triffids zu sichten, so wie es zur Unsichtbarenthematik selten gelistete Werke aus dieser Region gibt, so entpuppt sich alles als doch in eine völlig andere Richtung gehend, leider eine die viel auf Dialog und persönliches Drama setzt, anstatt uns so wundervolle Science Fiction-Momente zu bescheren, so wie jenen während eines unheimlichen Nebels. Gegen Ende startet endlich jene Mission in die Meerestiefe, von der ansonsten nur geschwätzt wird, so dass das Gesamtergebnis mehr vom Hinhalten lebt, als von einer tatsächlich aufregend erzählten Geschichte.  Wiki 

02.11.2024

ZOMBIES FROM SECTOR 9 (2020)

Ein durch Aliens verursachtes Reaktorunglück in Critters-Ville hat eine Zombieepidemie zur Folge, in welcher ein Horrorfilm-Fan zunächst als Retter seiner Familie, schließlich nur noch als Zombie-Killer, umher schlendert...

Auf dem Weg nach Tremors-Ville...

War "Christmas Bloody Christmas" ein professionell produzierter Horrorfilm, der deutlich sichtbar der Metalszene entstammt, so ist der zwei Jahre zuvor entstandene, belgische "Zombies from Sector 9" ein Undergroundfilm aus selbiger Subkultur, mit simplen Mitteln von Amateuren umgesetzt. Deswegen kann man ihm so einiges verzeihen, aber nicht alles, bei all der sympathischen Konkurrenz, die man gelegentlich in diesem Bereich vorfindet. Die gute Nachricht: technisch ist der Film auf qualitativ gutem Niveau. Ton und Hintergrundmusik bilden eine Einheit, letzteres sorgt ab und an für Stimmung, die Bildqualität ist nur dann geringer, wenn die Verantwortlichen es auch so wollten, und die Darsteller sind für ein Amateurprodukt ebenfalls nicht von schlechten Eltern. So unsensibel der Film meist erscheinen mag, kurze Augenblicke spürbarer und verstandener Dramaturgie blitzen immer mal auf. Neben allerhand geglückter Gore-Effekte, die leider wieder einmal die Hauptaufmerksamkeit dieser Art Filmschaffender waren, bietet der von Rob Ceus inszenierte Streifen auch manch nackte Tatsachen als Schauwert, scheu waren die Mimen nicht. Dies betrifft in härteren Blutszenen auch minderjährig Beteiligte, die für Abwechslung sorgen inmitten einer Filmgattung, die hier wie anderswo ansonsten von jungen Erwachsenen dominiert wird. Schauwerte, Spielorte und die Anzahl an Beteiligten wissen zu beeindrucken. Die Kenntnis der Materie zeigt sich im TV durch Ausschnitte aus "Die Nacht der lebenden Toten", durch im Film getragene T-Shirts von "Bad Taste" und "Angriff der Killertomaten" und durch VHS-Kassetten, sowie Postermaterial von "Basket Case" und Co. Der Verweis der Städtenamen auf "Critters" und "Tremors" (obwohl letztgenannter nach der hier anvisierten Zeit entstand) zeigen ebenfalls, dass man allerhand Titel aus dem Horrorbereich kannte, verdeutlichen gleichzeitig aber auch den augenzwinkernden Umgang des Ganzen.

Schon zu Beginn, wenn statt des Zombiefilms zuerst einmal ein Fake-Trailer über einen angeblichen Nekrophilen-Film startet, macht man uns deutlich nicht bierernst an die Sache heranzugehen. Eine Komödie ist "Zombies from Sector 9" jedoch nicht geworden, dabei hätte ihm etwas mehr lockerer Umgang gut getan, so monoton wie sich alles auf etwa 85 Minuten Laufzeit streckt. Der vom selben DVD-Label veröffentlichte "Blood Gorge" macht z.B. deutlich, was bei mehr Humor und weniger Laufzeit auch aus dem hier besprochenen Werk hätte werden können, das vielleicht keinen Intelligenzpreis gewinnen könnte, uns aber sympathische Menschen zeigt, die ihren eigenen Horrorfilm drehen. Etwas durchdachter hätte der Plot dennoch ausfallen können. Die Art, wie der Held seine Familie verliert, lässt ihn nicht gerade heldenhaft oder zumindest halbwegs um Schutz bedacht, geschweige denn als Zombiewelt-Kenner erscheinen. Warum er sich erst drei Jahre nach Ausbruch der Seuche auf die Suche nach Ex-Frau und Sohn macht, bleibt das Geheimnis der Autoren, ebenso der im Zaum gehaltene Ausbruch in all dieser Zeit, der nur in wenigen Zonen nach und nach ausgeweitet stattfindet. Klar, man wollte eine Welt zeigen, in welcher Plünderer unterwegs sind, Wissenschaftler verzweifelt und zweifelhaft (überdeutlich auf "Zombie 2"-Art) nach einer Lösung suchen, aber der Zeitraum von 3 Jahren wäre stattdessen mit einem von 3 Wochen glaubwürdiger gewesen. Wie auch immer, etwas arg schleppend geht der Film nach einem charmanten Start voran, meist den immer unsympathischer werdenden Helden dabei zeigend wie er fluchend und selbstgerecht Mensch und Zombie tötet, sich manchmal in seiner zerfahrenen Art aber auch auf Figuren konzentriert, die urplötzlich auftauchen, ohne eine Verbindung zum Helden herzustellen, nur um relativ flink aufgefuttert zu werden. 

Der Schluss verweist auf eine bald folgende Fortsetzung, zu der es bislang nicht kam. Ich habe keine Ahnung, ob die wer braucht, wenn sie so inhaltsarm verläuft, wie Teil 1. "Razor Blade Smile", ebenfalls innerhalb einer Subkultur entstanden, zeigte zumindest bei ähnlicher Laufzeit und ebenfalls nur aufblitzender augenzwinkernder Umsetzung, sowie mit weniger Blut und ähnlich viel nackter Haut, wie gut das Rezept funktionieren kann, wenn man dem Drehbuch auch etwas Kreativität gönnt. Dieser Vampirfilm ist dem hier besprochenen Zombie-Werk allein aufgrund dessen definitiv vorzuziehen.  OFDb

18.06.2024

ES WAR EINMAL... DER GRUSELPETER (2003)

Eine Gruppe Teenager gerät in die Fänge eines reimenden Folterers...

Struwwel ist gruseliger...

Amateurfilmer, ihre Werke bewertet man stets anders, gibt ihnen mehr Chancen bei schwächerem Spiel, schlichter Story, mauer Optik. Aber so lobenswert das Hobby auch sein mag sich selbst an die Umsetzung eines Films heranzuwagen, etwas zu plump wird auch eine solche Privatunternehmung immer dann, wenn man unkreativ imitiert, anstatt zu versuchen sich in das, was man erzählt, hineinzuversetzen. So nervt am deutschen Hobbyfilm "Der Gruselpeter" (Alternativtitel) bereits die im Zentrum stehende Clique, die alles Irgendwers sind, unsympathische Irgendwers, die sich ständig streiten, Streits so klischeehaft vorgetragen wie die leblosen, verkrampft dargebotenen Figuren, die diese ausüben. Ebenso bemüht wirkt der Peter, aber bei ihm entdeckt man zumindest noch einen Hauch Spielfreude, wenn auch innerhalb einer ideenlosen Interpretation. Die meiste Mühe gab man sich mit seiner Optik, und schon die ist nicht der Rede wert. 

Anstatt nun aus der Masse anderer deutscher Amateurfilme herauszuragen, indem man sich, Horrorfilm hin oder her, verspielt und ein wenig lustig an die reichhaltige Märchenwelt bindet, welche die deutsche Kultur zu bieten hat, präsentiert man uns stattdessen lediglich lahme Folter in der Gewalt eines Irren, der an Märchen erinnern will ("Die unendliche Geschichte" lässt in seiner Botschaft des Vergessens grüßen) und bei dem es egal ist, ob er nun Mensch ist oder nicht. Hobby-Regisseur René Rausch ist wahrlich nichts Interessantes gelungen, in keinerlei Hinsicht, auch nicht für Stammzuschauer des Gebiets des selbstgedrehten Filmes. Den Darsteller Lars Kelich kenne ich aus seiner eigenen Regiearbeit "Abschied" und weiß bereits von dieser, dass er vor wie hinter der Kamera selbiges Untalent besitzt wie Rausch uns mit dem hier besprochenen Werk beweist. Meine Besprechung besagten Kurzfilmes habe ich damals jedoch wieder gelöscht, da er sich mutiger Weise an ein Drama wagte, dem wohl schwersten Gebiet des Amateurfilms, und ich dies trotz aufgesagt klingender Theatralik doch irgendwie respektierte, so missglückt es auch war. Nun wo ich erleben darf, dass er auch im Gebiet des Horrorfilms versagt, muss die Kritik, so vernichtend sie für einen harmlosen Hobby-Akteur auch sein mag, aber doch an die Öffentlichkeit. Es tut mir leid, aber Menschen zahlen für die DVD nun einmal Geld, da ist es nur gerecht mögliche Käufer vorzuwarnen.  OFDb

26.05.2024

BLOOD GORGE (2024)

Eine Gruppe junger Erwachsener plant ein Halloween-Event im Wald. Nach und nach werden sie von einem maskierten Psychokiller umgebracht...

Die Furzfrage...

Filme aus dem Undergroundbereich, denen es hauptsächlich um Härte geht, sind in dieser Szene üblich, aber so gar nicht mein Ding. Meist beschränkt sich die Kreativität auf die Spezialeffekte, und kurz nach dem Eintritt ins Erwachsenenleben reichte mir derartiges nicht mehr aus, um mich im Horrorbereich unterhalten zu fühlen, die Zeit der Mutproben war vorbei. Neben dem Zombiebereich sind es meist die Slasher, die in derartigen Werken imitiert werden, mit Carpenters Prototyp "Halloween" haben diese mental nichts mehr zu tun, eben weil es nur um blutige Effekte geht, und nicht mehr um einen packenden Spannungsbogen. Für diese Gattung Film hat sich auch Regie-Debütant Victor Gabriel in seinem auf 40 Minuten laufenden Kurzfilm "Blood Gorge" entschieden, und dessen Werk schaut sich für ein Projekt aus der Undergroundszene äußerst professionell umgesetzt. Die Mimen überzeugen meist, Kamera, Schnitt, Musikuntermalung und die Spezialeffekte sind nicht minder gut umgesetzt, als in einem Standardhorrorfilm, wie er alle Nase lang auf DVD und bei Streamingdiensten erscheint. Tatsächlich kommt so gut wie nie das Gefühl auf, gerade einen semi-professionellen Genrebeitrag zu sichten. So richtig bemerken, kann man dies erst im Abspann, der mit einer handvoll Szenen hinter den Kulissen des Drehs angereichert ist und einen amüsiert aus einem Film entlässt, der augenzwinkernd gemeint ist, auch wenn er ernst umgesetzt ist, abgesehen von seinem sadistischem, schwarzen Humor, der hin und wieder aufblitzt. 

Mit einer Laufzeit von 40 Minuten, muss er handlungstechnisch nichts beweisen, kann Figuren so schnell einführen, wie sie auch wieder ableben zu lassen, kann sich mit einer austauschbaren Begründung der Morde rechtfertigen und atmet trotz dem Fehlen einer tatsächlich eigenständigen Idee nie Langeweile. Die Stimmung am Set stimmte, wie der Abspann zeigt, und das zeigt sich auch im unverkrampften Spiel der Akteure und dem Stil der Regie. Uns wird zwar ein ernster Stoff serviert, aber dieser fühlt sich nie auf cool getrimmt an. Hier werden Grenzen des guten Geschmacks eingerissen, und doch schaut sich "Blood Gorge" nie, als wolle er nur provozieren. Kurzum: der Anspruch der Verantwortlichen, etwas Unterhaltsames so professionell wie möglich umzusetzen, inklusive interessanter Blickwinkel, sich individuell anfühlender Dialoge und Charaktereigenschaften, sowie einem für ein Blutbad recht ordentlich funktionierender Spannungsbogen, sorgen dafür, dass sich das Ergebnis nicht so infantil anfühlt, wie die meisten anderen Werke, die zentral die Blutorgie im Visier haben. Auch "Blood Gorge" setzt hier seinen Schwerpunkt. Und auch seine Leute sind dem Horrorfan-Bereich zuzuordnen, aber sie geben sich Mühe, sind sich nicht zu schade für aus der Norm tretende Auftritte und halten ihre alternative Mentalität nicht dafür ins Zentrum, auf den Mainstream zu spotten. Man war lediglich mit Herzblut an der Sache dabei und mit einer ordentlichen Portion abartiger Ideen. Ich würde gern mehr davon sehen, Herr Gabriel!  OFDb

20.04.2024

ATTACK OF THE ZOMBIE KNIGHTS (2004)

Eine Gruppe junger Menschen fährt zum Zelten in den Wald und stößt auf eine weitere Gruppe junger Menschen, die dort ein Überlebenstraining abhalten möchten. Die Differenzen beider Zusammenkünfte werden zum kleinsten Problem, als man versehentlich tote Tempelritter erweckt...

Der letzte Auserwählte...

Der ursprünglich als "Evil Knights" erschienene "Attack of the Zombie Knights" ist eine deutsche Amateurproduktion, die das dort so beliebte Zombiethema einmal anders angeht als üblich. Nicht nur dass man klassische lebende Tote gegen Tempelritter ausgetauscht hat, ebenso wie man auf übertriebene Goreszenen verzichtet hat, die sonst gerne inflationär über mangelnde Kreativität hinweg täuschen sollen, auch wagt man den Schritt in den humoristischen Bereich, der meiner Meinung nach das Produkt von Laien meist eher unterstützt, anstatt schadet, eben weil in einem Hobbyprojekt vieles eher bemüht anstatt gekonnt wirkt. Die Verantwortlichen gingen somit entspannt, anstatt verbissen an ihr Projekt heran, und herausgekommen ist ein charmanter No Budget-Film, der vielleicht eine Spur kürzer hätte ausfallen können, insgesamt aber eher überzeugt, anstatt zu enttäuschen. Vorausgesetzt wird freilich der Zugang zu einem Amateurfilm, manch einer kann sich in derartiges nicht einfinden. Aber Gerd Richters einziges an die Öffentlichkeit gelangtes Werk gehört zu jener entspannten und gleichzeitig engagierten Variante, in welcher man sich Schwächen und Stärken gleichermaßen bewusst war. Der anfänglich monotone Spielort des Waldes wird abwechslungsreich genug eingefangen, schließlich auch durch eine Hütte, unterirdische Gänge und einer Burgruine erweitert, das Schauspiel ist für ein Werk dieser Art gut genug ausgefallen, wurde doch so ziemlich jeder in seine zu ihm passenden Rolle gesteckt, und weiß das absichtlich comichaft übertriebene Spiel des jugendlichen Aggressors doch ganz besonders zu gefallen. 

Ebenso umgeht man nicht den schwierigen Bereich der Dramatik, die auch gerne mal, wie in einer gerade aufblühenden Liebschaft geschehen, eine morbide Wende erhalten kann, was zeigt, dass der Zuschauer mit allem rechnen muss. Klassisches Zombiefilm-Flair tritt weder durch den Inhalt, noch durch die Optik in Erscheinung. Viel machen die bösen Ritter nicht her, klassische Karnevalskostüme dienen als Grundlage der Illusion, aber ihr rarer Einsatz, ihre plötzliche Präsenz und der Versuch einer atmosphärischen Stimmung trotz Humor und Amateurhaftigkeit, lässt großzügig darüber hinweg sehen, zumal die menschlichen Figuren umso wirksamer eingesetzt sind. Dass die Geschichte ziemlich hanebüchen ist, insbesondere je mehr Hintergrund man ihr zu verschaffen versucht, ist bei einem derartigen Titel ohnehin zu erwarten gewesen, es fällt aber auch auf, dass man dennoch bemüht ist das Ganze nicht völlig schwachsinnig erscheinen zu lassen. Das zeigt auch die Orientierung der Figuren, die passend zu ihrem jeweiligen Charakter agieren und begreifen. Wer im Bereich des Amateurfilms nicht zwingend die große Schlachtplatte benötigt und es stattdessen gerne sieht, wie Hobbyfilmer darin bemüht sind etwas Erzählenswertes auf die Beine zu stellen, der kann durchaus einen Blick auf "Attack of the Zombie Knights" werfen. "Die Nacht der reitenden Leichen", samt der drei Fortsetzungen, wird überraschender Weise jedoch weder zitiert, noch anderweitig geehrt.  OFDb

08.04.2024

TIENE MIEDO (2003)

Ein Mann erwacht des nachts und erlebt unheimliche Dinge...

Ich-Verfolger...

Was "Within the Woods" für "Tanz der Teufel" werden sollte, ist "Tiene muedo" für den zu unrecht unbekannten "Terrified". Zwar ist dieser nicht die Langfilmversion des hier besprochenen 7-Minüters, das macht die Schlusspointe des Streifens deutlich, die eher Richtung "Frankenstein" aus dem Jahre 1910 tendiert. Etliche Elemente, die auch im Spukgeschehen des argentinischen Streifens von 2017 enthalten sind, verarbeitet der Regisseur beider Werke, Demián Rugna, aber bereits hier, wenn auch weit weniger gekonnt eingesetzt als dort. Auch diesbezüglich entspricht der Vergleich des Kurzfilmes von Sam Raimi aus dem Jahre 1978. Die beunruhigende Wirkung des 14 Jahre später nachgerückten Gruslers weiß "Tiene miedo" noch so gar nicht zu entfachen. Weder die Regie weiß zu überzeugen, noch der Hauptdarsteller. 

Auch mit Blick auf das was der Film ist, ein Undergroundfilm, gewinnt er bei mir keinen zusätzlichen Respekt. Die Handlung ist oberflächlich, der Aggressor uninteressant, der Verlauf der Bedrohung zu banal und willkürlich, und wie erwähnt so gar nicht gruselig, alternativ auch nicht augenzwinkernd, wild oder bedrohlich ausgefallen. Spezialeffekte bietet der kurze Ausflug ins Horror-Genre nicht, die konnte man somit nicht vermasseln. Einziger tatsächlicher Pluspunkt ist die Hintergrundmusik. Und mit Blick auf "Terrified" ist "Tiene miedo" zumindest theoretisch etwas interessant. Als Bonusmaterial auf der Bluray seines großen Bruders enthalten, wurde er leider nicht digital aufgepeppt, so dass man einer schlecht gepixelten Optik beiwohnt. Dieser technische Mangel ruiniert leider eine der Szenen, die durchaus Potential hatte, und das ist der Vergleichsblick zwischen einem leerem Zimmer und einem Blick auf einen besagtes Zimmer zeigenden Monitor, auf dem gerade ein Wesen zu sehen ist. In dieser nicht nachbearbeiteten Version ist dieser unheimliche Besucher nur leider kaum zu erkennen, bzw zunächst so gut wie nicht wahrzunehmen. Das müsste aber auch die einzige Stelle sein, in welcher die Aufnahmequalität dem eigentlichen Film ein Beinchen stellt, die restliche mangelnde Wirkung liegt tatsächlich in der Umsetzung. Das Potential des Regisseurs ist hier entsprechend noch nicht zu erkennen - ebenso wie damals im Kurzfilm Raimis.  OFDb

01.04.2024

EATERS (2011)

Einen Film, der mit der Schrifteinblendung "Uwe Boll präsentiert" beginnt, geht man als erfahrener Cineast mit Vorsicht an, selbst wenn man dem abseitigen Schaffen cineastischer Kunst gegenüber positiv eingestellt ist. Und schlecht machen möchte ich das italienische Underground-Produkt "Eaters" auch gar nicht. Es kommt weit kreativer daher, als der Standard-Kram aus dem Amateur- und Undergroundsektor, bleibt dies bis zum Schluss mit immer neuen reizvollen Ideen, und auf die Schnelle abgedreht, wurde der Streifen auch nicht. Harte Effekte gibt es ständig, trotzdem gehört "Eaters" zu den Werken, die nicht einzig einen Blick auf seine Goremomente schielt. Figuren und Darstellung sind den Laien wichtig, eine tatsächliche Geschichte erzählen sie auch. Aber wenn man schon unglaublich wenig Geld zur Verfügung hat, dann sollte man vielleicht nur umsetzen, was wirklich möglich ist. Mit manchen Szenarien übernimmt man sich einfach innerhalb der sehr begrenzten Möglichkeiten. Das mag den Spaß an den dennoch unvorteilhaft präsentierten Spezialeffekten für die Verantwortlichen ausgemacht haben, für den Zuschauer guckt sich das jedoch nicht wirklich trashig charmant. 

Nun muss man in diesem Punkt nicht all zu kritisch sein, spricht er doch eher für die Regisseure Luca Boni und Marco Ristori, sowie deren Team. Im Falle von "Eaters" wäre es jedoch ausnahmsweise einmal die bessere Variante gewesen, überfordernde Szenarien per Dialog zu erwähnen, anstatt sie tatsächlich geschehen zu lassen. Zumal der Film sowieso schon äußerst geschwätzig ausgefallen ist, und man allerlei unnötigen Dialog somit mit Informationen hätte aufwerten können. Und damit beginnt der tatsächliche Schwachpunkt eines Zombiefilms, den ich gerne mehr mögen würde: ewig begleiten wir die selben zwei Plappermäuler. Sie sind für eine quasi nicht vorhandene Produktion okay in ihrem Spiel, und vieles über das sie sprechen besitzt auch inhaltlichen Wert, aber sie stehen etwas zu stark im Zentrum, etwas Entzerrung hätte gut getan. Und da man irgendwie die konstruierte Endzeitwelt selbst dann aufrecht erhalten musste, wenn sie, wie es die Geschichte erfordert, mit dem Auto unterwegs sind, ist die Kamera immer besonders nah dran an ihren Gesichtern, so dass zu viel Monotonie in einer Optik aufkommt, die zudem einen ungünstigen Farbfilter beschert bekommen hat. Als Kurzfilm wäre mir "Eaters" herzlich Willkommen gewesen, auf fast 91 Minuten Laufzeit erwartet er zu viel Wohlwollen von einem für derartige Produkte bereits aufgeschlossenen Publikum. Trotzdem freut es mich freilich, dass nicht, wie so oft bei Underground-Werken, lediglich auf Härte und Provokation geachtet wurde, sondern tatsächlich Kreativität und eine reflektierte Geschichte zu erkennen sind. Das macht die Schelte auf ein eigentlich charmantes Produkt entsprechend schwer, vielleicht sogar unfair.  OFDb

31.12.2023

AMERICAN POLTERGEIST 2 - DER GEIST VOM BORLEY FOREST (2013)

Dass die "American Poltergeist"-Reihe lediglich eine Fake-Zusammenkunft deutscher Titelgeber ist, erkennt man spätestens daran, dass der hier besprochene, angebliche Teil 2 zwei Jahre vor dem angeblichen ersten Teil entstanden ist. Unter dem gemeinsamen Titel kommen, ähnlich wie bei "Paranormal Investigation", billig produzierte Spukfilme zusammen, die für sich genommen auf dem internationalen Markt wenig Chancen erhalten würden. Zwar ebenso kostengünstig produziert wie das unterirdische Erstling und im Bereich der Spezialeffekte nichts besseres abliefernd als dieser (eher umgekehrt), ist "You Will Love Me" (Originaltitel) ein Billigprodukt der anderen Art. Hier war man bemüht etwas auf die Beine zu stellen, zwar nicht mit dem nötigen Potential und Talent gesegnet, um etwas Professionelles abzuliefern, aber doch mit Menschen an Bord, die versuchen etwas auf die Beine zu stellen. 

Das beginnt bei den Mimen, die alles keine großen Schauspieler sind, aber auch nicht peinlich überagieren. Sie versuchen ihre Rollen bodenständig anzulegen, und das passt zum überraschend geerdeten Drehbuch, welches maximal manches Verhalten der Eltern zum Einhalten von Klischees unsinnig erscheinen lässt. Ansonsten geht das Drehbuch die Geschichte, die sie erzählen will, so minimalistisch sie auch sein mag, überlegt an, gönnt sich so gut wie keine Widersprüche und präsentiert uns Figuren, die in der Lage sind zu reflektieren. Dass in der deutschen Synchronfassung ausgerechnet die Hauptfigur mit einer quäkend, schrillen Stimme besetzt wurde, tut "The Poltergeist of Borley Forest" (Alternativtitel) nicht gerade gut, aber auch sie weiß theoretisch zu wirken, so überlegt, wie sie selbst in ihrem Teenageralter als Jüngste der Haupttruppe zu reflektieren weiß. Und das Hintertürchen, welches sich die Autoren für den Schluss aufbewahren, hätte jedem entgehen können, auch wenn der ein oder andere Stammzuschauer vielleicht bereits eine Vermutung in dieser Richtung hatte. 

So schön sich das für eine sehr billige und trotzdem mit etlichen Produzenten gesegnete Produktion auch lesen mag, sonderlich aufregend ist "American Poltergeist 2 - Der Geist vom Borley Forest" nicht ausgefallen. Langeweile würde ich die lang gezogene, stets sachlich bleibende Chose nicht nennen, aber mit ihren über 90 Minuten ist sie für die dünne Handlung und die schlicht gehaltenen Figuren einfach zu gedehnt ausgefallen, um sich wirklich für das was passiert zu interessieren. Es ist zwar schön zu sehen, wie die Geschichte ihren Weg geht, wie sie auch im Finale nicht mit Ereignissen überkocht und somit im Gesamten einen ganz klaren Kurs nachgeht, aber dieser lobenswerte Ansatz für eine derartige Billigproduktion, die im Gegensatz zu vielen anderen Undergroundprodukten nicht an Provokation und Blut interessiert ist, ist schlichtweg nicht interessant genug ausgefallen, bietet zu viel bereits Bekanntes und hätte maximal das Potential zu einem Kurzfilm gehabt. Innovativ fällt lediglich der interessante Ansatz um den Geisterforscher aus, der aufgrund nie bestätigter Aktivitäten eigentlich nur blind durch sein Forschungsgebiet tappt, bis hin zu den Apparaturen die er verwendet. 

Das wird keinesfalls humoristisch eingebracht, fördert die pessimistische Stimmung der desillusionierten Figuren aber ungemein, die das komplette Treiben eher dramatisch empfinden und nur zu einem geringen Grad gruselig. So geht es dann leider auch dem Zuschauer in einem Film einer in ähnlicher Form x-fach erzählten Geschichte, die sich mehr dem Drama als dem Spuk zuwendet. Damit bleibt "American Poltergeist 2" eher ein theoretisches Werk, eines bei dem man den Figuren beim Versuch zusehen darf Wege zu finden ihr Problem zu lösen, anstatt von einem Effekt zum nächsten zu hasten. Wie gesagt, das ist ein lobenswertes Engagement, überfordert aber auch ein geduldiges Publikum irgendwann. Ich blicke mit Wohlwollen auf diesen mutigen Versuch zurück, für ein gutes Drama benötigt man aber dann doch mehr Talent, vor wie hinter der Kamera. Von daher wäre der ein oder andere oberflächliche Schauwert doch wünschenswert gewesen, um die Protagonisten und uns Zuschauer mehr auf Trab zu halten.  OFDb

25.11.2023

COCAINE SHARK (2023)

Dass "Cocaine Bear" so wunderbar zu unterhalten wusste, bedeutete freilich nicht, dass ähnliche Stoffe in diesem Fahrwasser automatisch ebenfalls ein kurzweiliges Ergebnis bieten. Dass "Cocaine Shark" jedoch lediglich ein Amateurfilm ist, weiß dann doch ein wenig zu enttäuschen, und dies trotz geringer Erwartungshaltung. Zumindest gehört Vieldreher Mark Polonia zu den halbwegs erträglichen Gesellen seiner Art, und das Ergebnis ist in etwa so ausgefallen wie sein "Camp Blood - First Slaughter". "Cocaine Shark" ist zu monoton, um auf seine Laufzeit zu überzeugen, egal ob inhaltlich oder visuell, aber sein Hai kann sich zumindest sehen lassen, schaut er als Mix aus Krabbe und Hai doch recht putzig aus, per Stop Motion animiert vom Kollegen Brett Piper, der in Z-Movie-Kreisen für das Anwenden dieser Tricktechnik semi-bekannt ist. Der hat die hier zu erblickenden Szenen jedoch nie für Polonias Werk kreiert, sondern verwendete sie bereits 2015 für seinen bislang letzten Film "Queen Crab". 
 
Ein Hingucker ist seine Kreatur für Freunde charmant billiger Effekte auch in entliehener Form freilich trotzdem, zumal diese Art Preisgünstigkeit das Kind im Manne besser zu kitzeln weiß, als schrottige CGI-Animationen, wie sie SyFy einem gerne vor die Nase setzt, oder gar Naturaufnahmen tatsächlich umher schwimmender Haie. Ebenso wie bei sämtlichen Kulissen, verwendet der Hobbyfilmer jedoch auch bei Haiszenarien Gleiches zu oft, so dass dem Auge langweilig wird. Wie oft soll man sich an der selben Aufnahme des Krabbenhaies erfreuen? Dementsprechend ernüchternd wird im Laufe der Zeit die zunächst amüsant zu sichtende Hobbyarbeit, die im Gegensatz zum namhaften Vorbild anbei kein Tier präsentiert, welches unter Drogeneinfluss steht, sondern das Kokain-Thema des Titels ganz anders verarbeitet. Deswegen steht eine Gangsterstory leider viel dominanter im Raum, als der Tier-Horror, auf den man unter besagtem Titel hofft. Zwar weiß auch im Gangsterbereich ein gewisser Charme eine Zeit lang zu überzeugen, immerhin haben die Amateure Spaß an ihren Rollen, aber Polonia kann einfach keine interessante Geschichte schreiben, und wenn er mal über eine nette Idee stolpert, wird über diese aus Kostengünstigkeit lediglich gesprochen, anstatt sie uns zu zeigen. Glücklicher Weise läuft der zu geschwätzig ausgefallene Film nur 73 Minuten lang, so dass man sich versöhnlich mit ihm arrangiert bekommt, sofern man Zugang zu Amateurfilmen besitzt.  OFDb

14.10.2023

ZOMBIERCALYPSE (2017)

Der Amateur-Kurzfilm "Zombiercalypse" fängt eigentlich so an, wie ich mir einen Hobbyfilm wünsche. Absichtlich billig umgesetzt, mit einem glänzenden Globus, der als solcher erkennbar ist, hineinpositioniert in eine plump gehaltene Allkulisse, durch welche später auch eine Papprollen-Rakete düsen darf, gewinnt der Streifen an Sympathie. Währenddessen wird einem mit einer Off-Stimme der Auslöser einer Zombieepidemie erklärt, welcher auf herrlich plumpe Art Gesellschaftskritik an der Eitelkeit übt. Da wird albern überagiert, wenn selbst Männer begierig damit beginnen, sich ihre Bärte zu gelen und zu stylen. Die von "Futurama" entliehene Idee, den Müll ins All zu schießen, weiß in der Abwandlung zu gefallen, dass es sich hierbei um die Überreste etlicher Beauty-Produkte einer Gesellschaft der nahen Zukunft handelt, in der selbst Wissenschaftler nichts besseres zu tun haben, als ihre Eitelkeit zu frönen. Dass nun die hübschen Schickimickis jene welche sind, die ironischer Weise zu hässlichen Zombies mutieren, weiß ebenfalls zu gefallen. Doch auch jeder andere Typ Mensch, wird durch sie angesteckt, bis kaum noch wer übrig ist. 

Damit wird die Geschichte des 10minüters nun auf die Hauptfigur gelenkt, mit der es ab sofort weiter geht. Darsteller Jim Aal spielt sich parodistisch selbst, als Bier trinkender Überlebender, der im Untergang der Zivilisation lediglich das Problem sieht, dass niemand mehr da ist, der Bier braut. Es bleibt also auch unter seinem Blickwinkel lustig, "A Fucking Cruel Nightmare"-Regisseur Sebastian Zeglarski schafft es jedoch in den wenigen Minuten seines Auftretens eine Monotonie aufkommen zu lassen, die dem Streifen nicht gut tut. Da wird zwar ordentlich auf Zombies geballert, aber Aal erleben wir in ewig gleicher Pose, abwechselnd schießend und saufend, durch Schnitte unterbrochen, in denen wir in Einzelaufnahmen von Kugeln zermatschte Zombiegesichter sehen. Ja, es bleibt lustig, aber diesem Kerl nun bei seinen durchaus reizvoll bescheuerten Gedanken zuzuhören, während er ansonsten nur herum steht und schießt und säuft, verursacht nach dem kreativ schrottigen Einstieg eine Ernüchterung, die einem schwerwiegender für das flotte Fortschreiten eines Kurzfilmes vorkommt, als sie eigentlich ist. 

"Zombiercalypse" bleibt auch in dieser Phase sympathisch, wird vom kleinen Geheim-Tipp, den man an andere Freunde andersartiger Kost weitergegeben hätte, damit aber zum unterhaltsamen Zwischendurchverzehr für einen selbst, ohne den Streifen weiter zu empfehlen oder gar noch einmal mit anderen gemeinsam zu gucken. Schade, aber trotzdem eine nette Ausnahme in der sonst meist zu ernst geratenen deutschen Amateurfilmlandschaft des Zombiefilms. Dass die Schlusspointe der Geschichte vorhersehbar ist, ist nicht weiter schlimm, da sie konsequenter Natur ist.  OFDb

STUHL - FOLGE 1 "MEHRBIER" (2008)

Eigentlich nie für die Öffentlichkeit gedreht, wurde der hier besprochene 6-Minüter von seinem Schöpfer Sebastian Zeglarski, als Bonus auf die DVD zur Horror-Komödie "Zombiercalypse" gesetzt, versehen mit einem Vorwort wie der Teil einer kurz gedrehten, allmählich verloren gegangenen Serie gemeint war und dass man ihn somit als das sehen soll, was er ist: etwas das nie wer vermisst hätte, wenn es nie ausgebuddelt worden wäre. Bei der ersten Episode von Stuhl handelt es sich um ein Spezialeffekte-Experiment, um welches herum die schlichte Geschichte eines Bier trinkenden Mannes gedreht wurde, der nach einer Schnittwunde bemerkt, dass auch sein Blut bierlastig ist, und er Gefallen daran findet sich so lange den Lebenssaft abzuzapfen, bis er stirbt. Da man mit keinem Geniestreich rechnet, und der Streifen herrlich nüchtern (ironischer Begriff, ich weiß) und albern zugleich daher kommt, kann man ihm tatsächlich nicht böse sein, dass er theoretisch nichts erzählt. Er ist die angekündigte Fingerübung zum Austesten von Bluteffekten, deren trickreiche Umsetzung für jeden Laien leicht zu erkennen ist. Bis zur Blutorgie "A Fucking Cruel Nightmare" zwei Jahre später sollte Zeglarski noch einiges in diesem Bereich lernen, so ist es nett einmal den Anfängen beizuwohnen, so schlicht sie auch ausgefallen sein mögen. Freunde von Amateurfilmen, oder jene, die selbst schon einmal den ein oder anderen gedreht haben, können bei wenig Erwartung also ruhig einmal einen Blick in einen Film riskieren, der eigentlich keiner ist. Jeder andere wird mit dem Produkt ohnehin nichts anfangen können.

HITLER IS BACK FROM THE GRAVE (2016)

"Hitler is Back from the Grave" ist ein 4 minütiger Amateurfilm, der vom Titel her erst einmal herrlich geschmacklos und abgedreht klingt, letztendlich aber nur eine Holzhammer-Humor-Proletennummer geworden ist, der es für meinen Geschmack an reflektiertem Humor mangelt. Der ist nicht gewollt, ich gehöre somit nicht zum Zielpublikum, aber da man so wenig über den Streifen im Netz liest, gebe ich freilich dennoch meinen Senf zu einem Werk ab, das als Fake-Trailer zu einem nicht existierenden Kinofilm daher kommt. Auch dies mag eine nette Idee sein, und alles was wir hier sichten ist absichtlich billig umgesetzt und freiwillig übertriebener Natur, aber diese Fick- und Blutkomik ist mir in ihrer extremen Art einfach zu mager ausgefallen, um dem Unterhaltungszweck zu dienen. Das mag manch einer schön saufen können mit hochprozentigem Alkohol, und die Beteiligten dieses Amateur-Projektes haben sicherlich Spaß mit dem Ergebnis ihrer Dreharbeiten, auf mich wirkt das alles jedoch zu plump, insbesondere die erste Filmhälfte, in der es lediglich sexuell pervertiert zur Sache geht. Da kommt der Goregehalt der zweiten Hälfte schon sympathischer daher, zumal die Tötungssequenzen nun in einer Schlagzahl erscheinen, die manch anderer Undergroundfilm nicht in 90 Minuten bietet. Man sieht den Beteiligten den Spaß an der Sache an, und Hitler wird nicht von irgendwelchen rechtsgerichteten Fanatikern verharmlost, das ist wohl die wichtigste Info, die ich zu diesem Kurzfilm geben kann. Und letztendlich ist er zu kurz um gnadenlos über ihn herzuziehen, aber er ist einfach etwas, aus dessen Alter ich doch entwachsen zu sein scheine. Ein simpler "Kettensägen Zombies", den ich ebenfalls nicht zu den geglückten Horrorfilmen der deutschsprachigen Amateurfilm-Szene zähle, gefällt mir da schon etwas besser, zumindest in der später nachgereichten, gestrafften Fassung. Eine solche hätte "Hitler is Back from the Grave" freilich mit seinen 4 Minuten Laufzeit sowieso nicht nötig. Mit Zombies hat das alles, im Gegensatz zum Vergleichsfilm, anbei herzlich wenig zu tun.  OFDb

01.06.2023

50 WAYS TO KILL A TEDDY (2004)

Es klingt erst einmal recht lustig, dass sich ein paar Amateurfilmer den Spaß gemacht haben für ihr Produkt ein paar Stofftiere über die Klinge springen zu lassen, ja dies sogar zur Hauptattraktion ihres Kurzfilmes von unter 40 Minuten werden zu lassen. Den Charme eines "Die Killerkuscheltiere" bekommt man jedoch nicht eingefangen, indem man Episodenfilm-artig einfach einen Teddykill an den nächsten reiht. Damit bekommt der mit jedem zerstörten Teddy musikalisch anders untermalte Streifen eher einen infantil kreativen Touch, wie er auch in "Jackass - The Movie" vorzufinden ist, und damit kann auch ich als bekennender Freund trashiger Ware und verspielter Amateurfilme herzlich wenig anfangen. Mag die Abwechslung, mit welcher Methode die Teddys über den Jordan gehen, auch hoch sein, von Ertränken, über in die Luft sprengen, einzementieren, von der Sonne verbrutzeln lassen, über Erschießen, bis hin zum Köpfen sind einige Varianten enthalten, sie muten jedoch kaum witzig, da nicht wirklich verspielt dargeboten an. Klar, da wird nach den Taten oft schadenfroh gekichert, aber ich fand "Ready, Teddy, Death" (Alternativtitel) weder aus kreativer Sicht interessant, noch aus mentaler. Es wäre jetzt übertrieben zu sagen, dass hier ein fragwürdiger Sadismus gelebt würde, aber mein Kind im Manne hatte einfach nur Mitleid mit den ganzen Teddys, die alle gleich aussehend günstig in Masse gekauft wurden, anstatt eine abwechslungsreiche Stofftiervielfalt zu bieten. Da die gewählte Gattung ihre Wirkung in Sachen Mimik jedoch nicht verfehlt, geht dieser Minuspunkt eigentlich in Ordnung. Zudem nutzten ihn die Verantwortlichen des Streifens zum Ende hin für den einzig tatsächlich halbwegs funktionierendem Gag, wenn es nach dem Abspann um den Unterschied von Massenware und Markenware geht. Ich weiß nicht was ich mir vorgestellt habe, ich fand Titel und Idee theoretisch eigentlich reizvoll, aber selbst der nur halb funktionierende Vergleichsfilm, den ich zu Beginn der Besprechung nannte, funktioniert in meinen Augen besser als dieses lieblos aneinandergereihte Stofftiermassaker. 39 Minuten können sich echt unerträglich lang anfühlen.  OFDb

01.04.2023

CAMP BLOOD 666 (2016)

Die Hoffnung war bescheiden, aber vorhanden, dass mit einem Wechsel zum mittlerweile 4. Regisseur der "Camp Blood"-Filme Besserung aufkommen könnte, nachdem Dustin Ferguson mit seinen zwei Beiträgen die Amateurfilm-Reihe zuvor tief nach unten riss. Bereits sein Vorgänger Mark Polonia lieferte mit seinem "Camp Blood 3 - First Slaughter" (der eigentlich Teil 4 ist) nicht mehr den charmanten Hobbyfilm ab, wie die ersten drei Teile, die Brad Sykes fertigstellte. Aber der ließ sich zumindest noch mit halber Backe gucken. Ted Moehring, der nicht ganz so viele Werke inszenierte wie seine Vorgänger, sondern stattdessen lediglich erst "Bloodbath in the House of Knives" und "Invasion of the Reptoids" fertigstellte, beschert dem Amateur-Franchise mit seinem Beitrag, der im selben Jahr von "Camp Blood 4" und "Camp Blood 5" entstanden ist, leider keinen frischen Wind, ja nicht einmal eine leichte Brise der Besserung. Starr stehen, sitzen und liegen die Hobby-Mimen in ihren Szenen vor der Kamera, brav sagen sie ihre unnatürlichen Dialoge nur auf, nie bekommt man das Gefühl echter Interaktion zwischen den Figuren. 

Dies betrifft auch den Horrorclown, der diesmal mit einer Vampirzahnmaske tätig werden darf und über übernatürliche Energien verfügt, wie uns zusätzliche, simple Spezialeffekte zeigen, ohne dass diese für die Geschichte von Nutzen wären. Denn trotzdem wird nur stumpf mit der Machete gemetzelt, und da steht man so steif voreinander, wie die restlichen Figuren in ihren Szenen außerhalb des Horrorszenarios. Man spielt lieblos, frei jedem sich Reinfühlens in die gerade stattfindende Situation, und gerne mal am selben Ort abgedreht agierend, wo selbiges mit einem anderen Opfer stattfand. Die Szenen werden stumpf runtergedreht, so als sei das Abschlachten in simpel getricksten, aber zum Hauptaugenmerk werdenden, Goreszenen schon genug Sehwert, um "Camp Blood 666" einem Publikum außerhalb des eigenen Bekanntenkreises vorzusetzen. Der lieblos inszenierte Film ist zudem mit nerviger Musik untermalt, die so gut wie nie pausiert, fast nie zum jeweiligen Szenario passt und die dröge Langeweile damit zu einem höchst nervigen Erlebnis zaubert. 

Eine kleine überraschende Wendung am Schluss, das Einbringen eines okkulten Zirkels, bzw. einer Sekte, sowie besagtes übernatürliches Element schaffen es nicht dem siebten Teil der Endlos-Reihe etwas Erzählenswertes zu bescheren, oder zumindest reizvolle Zusatzwerte. Hier geht es nur um blutige Szenen (die ziemlich mager getrickst sind), sowie weitere Quantitäten, wie u.a. ein nacktes Opfer, dass in ihrem Geburtstagsanzug durch den Wald rennen darf. Leider ist sie nicht hübsch anzuschauen, somit funktioniert die Szene nicht einmal vom niedrigsten Trieb heraus betrachtet. Schade, es wäre schön gewesen, aufgrund des abwechselnden Miteinanders verschiedener Hobbyfilmer, wenn die Reihe wieder etwas Charme gewonnen hätte. Stattdessen darf man nur lieblose Scheiße erleben, simpel abgefilmt und unnötig mit gefühlsschwangeren Dialogen angereichert, die eine Dramaturgie vorgaukeln sollen, und den ohnehin schon schlechten Film mit ihrem häufigen Einbringen somit jedesmal zusätzlich ausbremsen. Die einzig gute Idee des Streifens ist es, dass der Regisseur alte Aufnahmen verwendete, in welchen er mit Geschwistern als Kinder einmal Gast in einer Clownsshow war. Das bietet sich freilich augenzwinkernd für einen Killerclown-Horror an. Leider ist es das einzig tatsächlich augenzwinkernde Element, welches dieser viel zu ernste und unkreativ umgesetzte Amateurfilm zu bieten hat.  OFDb

27.03.2023

CUT CHARACTER (1993)

Hinter dem unauffälligen Titel "Cut Character" verbirgt sich ein äußerst sympathischer Amateurfilm, der zwar einen düsteren Blick in die Zukunft wirft (die mittlerweile unsere Gegenwart wäre), dies aber gleichzeitig mit jeder Menge Humor vermengt, so dass ein schwarzhumoriger Blick auf eine alternative Gesellschaft geworfen wird. An Einfällen mangelt es den Verantwortlichen des Streifens nicht. Ob inhaltlich, oder optisch, ob Kostüme oder herrlich billige Spezialeffekte, über die komplette Laufzeit von lobenswerten 66 Minuten (schön dass mal wer erkannt hat, dass die klassischen 90 Minuten nicht nötig sind) gibt es für den Zuschauer immer etwas zu erleben, so dass sich nie Monotonie oder gar Langeweile entwickeln kann. Allerdings bietet man uns hierfür auch allerhand interessante Drehorte und erstaunlich viele Mitwirkende verschiedenen Alters. Hier hat man sich wohl das komplette soziale Umfeld zur Unterstützung dieses Hobbyprojektes herbeigeholt. 

Der auf DVD als "Cut Character - Tödliche Trennung" erschienene Film besitzt eine einfallsreiche und erzählenswerte Geschichte, arbeitet mit Wendungen und Überraschungen, baut fast nie Szenen zum Selbstzweck ein, sondern sorgt stets dafür, dass alles Erzählte miteinander zu tun hat. Dass daraus kein konzipiertes, zu verkrampftes Vorhaben wurde, lässt die Spiellaune der Darsteller und das gewitzte Drehbuch gar nicht erst zu. Ob Dialogwitz, Politsatire, Filmzitate, absichtlicher Trash, comicartige Figuren oder kreative Gimmicks, "Cut Character" ist eine Popkorntüte voll von gelungenen Ideen innerhalb eines Genres, das im Amateurfilmbereich relativ selten ins Visier genommen wird. Neben Komödie und Science Fiction tobt man sich zudem im Bereich des Krimis und Kriegsfilms aus, für Abwechslung ist definitiv gesorgt. Zudem ist der Streifen weit geistreicher ausgefallen, als es manchem in dem absichtlich simplen Gewand vielleicht auffallen wird. 

"Cut Character" ist der richtige Mix aus genügend betriebener Aufwand, statt auf die Schnelle abgefilmt zu sein, und dem Bewusstsein dass vieles gar nicht erst professionell anmuten muss, eben weil das Selbstdreh-Feeling einiges vom Charme ausmacht. Ein Bewusstsein für die Figuren, die man verwendet, findet ebenso statt. Das hat der Film vielen anderen Amateurwerken voraus, was man auch anhand den Dialogen sieht, die sich tatsächlich lebendig und mit der jeweiligen Sache befassend anhören und zudem meist nicht wie aufgesagt wirken, es sei denn die Regie möchte es so. Es sei also jedem Freund von verspielten und kreativen Amateurfilmen von Herzen zu "Cut Character" geraten, der mich wahrlich positiv überrascht hat.  OFDb

23.03.2023

DIE KILLERKUSCHELTIERE (1990)

Der privat aus Hobbygründen in Quickborn und Berlin gedrehte "Die Killerkuscheltiere" setzt nicht auf den Versuch besondere Spezialeffekte umzusetzen, wie im Amateurfilm oftmals zum Hauptzweck üblich. Es wird stets die simpelste Methode verwendet, wie man eine Idee umgesetzt bekommt. Daraus zieht der Streifen, an dem Vater, Mutter Kind und Freund von Kind vor der Kamera mit Spaß an der Sache beteiligt waren, seine Sympathie. Er will keine Illusion erschaffen, die Heimfilmherkunft soll nicht verschleiert werden, der Drang zur Perfektion ist nicht vorhanden. Der Dreh ist ein Spaß an sich, und das steckt den Zuschauer entweder an oder nicht. Hätte man die titelgebenden Aggressoren nicht an mancher Stelle sprechen lassen, hätte mir das Ganze eine Spur besser gefallen, aber zum einmal Reingucken geht der Kurzfilm für sein kleines Publikum meiner Meinung nach schon in Ordnung. Uns werden zumindest sehr verschiedene Kuscheltiere präsentiert, mal mit mehr Wirkung, mal weniger Ausstrahlung besitzend, so oder so sind sie aber definitiv nicht die Liebhaberstücke aus der Kindheit der Verantwortlichen, so böse wie ihnen mitgespielt wird. Am übelsten erwischt es den Teddy, wenn er mit einem Sylvesterböller in die Luft gesprengt wird. 

Der Titel ist ohnehin übertriebener Natur. Ja, die von drei Jägerseelen besessenen Spielzeuge sind aggressiv und versuchen höchst wahrscheinlich die sich frisch einlebende Familie zu töten, es bleibt in diesem völlig unblutigen Streifen jedoch nur bei den Versuchen. Die Tiere erwischt es weitaus mehr. "Killerkuscheltiere" ist zu harmlos für den Stammzuschauer im Amateur-Horrorsektor ausgefallen und richtet sich eher an den verspielten Allesgucker, der kindliche Freude für ein derartiges Produkt entwickeln kann. Mit seiner kurzen Laufzeit von 20 Minuten ist der Film gar nicht in der Lage Langeweile aufkommen zu lassen. Und Regisseur Boris Bürgel, der selbst keine Rolle übernahm, dafür aber auch für Schnitt, Musik und Buch verantwortlich war, setzt zumindest nicht auf eine Dauer-Tierattacke-Schleife, sondern gönnt der Geschichte trotz besagter kurzer Laufzeit einen ruhigen Einstieg, der Hintergründe klärt, im Übergang eine Atmosphäre des Ungeklärten, um dann schließlich auf einzelne Attacken zu setzen, die schließlich in einer flotter ablaufenden Dauerattacke diverser Stofftiere endet. Das ist alles wie gesagt höchst simpel getrickst, täuscht nicht wirklich das vor, was bezweckt wird, ist den Verantwortlichen dieser Hobbyarbeit aber auch durchaus bewusst. 

Schön verspielt mutet anbei auch der klassische "etwas hat überlebt"-Schluss an. Eine Fortsetzung gab es 7 Jahre später bei ähnlicher Lauflänge tatsächlich. Und beide Filme sind auf der DVD von "Blut für die Götter" als Bonus enthalten - freilich in der popeligen VHS-Qualität, in der das Ganze auch gedreht wurde. Aber darüber maulen ohnehin nur die Technik-Freaks, die nicht zum Zielpublikum dieses absichtlich auf lustig und schrottig getrimmten Amateurfilms gehören.  OFDb

06.02.2023

CAMP BLOOD 5 (2016)

Dustin Ferguson hatte mit dem fünften Teil der Reihe, der den Titel "Camp Blood 4" trägt, als dritter Regisseur dieser Amateurfilme um Killerclowns, den bis dahin schlechtesten Beitrag abgeliefert. Da ernüchterte es am Ende zu erfahren, dass der Film halbiert ist und vom selben Regisseur fortgesetzt wird. Zumindest dachte ich, dass es trotz aller anderen Makel und Fehlentscheidungen eine gute Idee ist, solch einen Film besser zu halbieren, anstatt 120 Minuten am Stück zu präsentieren. Das hätte selbst den geduldigsten Zuschauer dieser Art Film wahrscheinlich überfordert. Hat man "Camp Blood 5" jedoch gesichtet, ist dieses Argument hinfällig, denn es gab nichts zu halbieren. Der Streifen besitzt letztendlich nur geschätzte 20 - 25 Minuten neues Filmmaterial. Der Rest sind Szenen aus dem Vorgänger und aus anderen Filmen des Hobby-Regisseurs, die wir sehen dürfen, weil die Protagonistin sie im Fernsehen sichtet. 

Das neue Material hingegen besteht aus viel Geschwafel während einer Therapiesitzung, in welchen uns die Rückblicke aus Teil 5 präsentiert werden, aus Leergeschwätz in der Wohnung, sowie aus Hinhaltematerial vom Aufstehen nach Alpträumen, vom Umherlaufen und ähnlichem. Ein langsam laufender Abspann von 8 Minuten macht aus diesem Zusammenschnitt einer Nichtgeschichte 67 Minuten, die uns einen Film vorgaukeln sollen. Etwa 15 Minuten vor Schluss beginnt die Suche nach dem Killerclown, der die finale Tat des Vorgängerfilms beging, was sich noch bescheuerter schaut als sonst, da die Motivation der Heldin idiotisch ist, die Mitreisenden unnötig zu Kanonenfutter verarbeitet werden, und der Killerclown all die Jahre wohl im Wald auf die nächsten Opfer gewartet hat... herrlich. Dass der Mythos eines immer wiederkehrenden Clowns für die Gesamtreihe schwachsinnig ist, weiß zumindest der Kenner der anderen 5 Filme, war doch stets wer anders der Täter. 

Als Täter kann man wohl auch Dustin Ferguson bezeichnen, der die rar vertretenden Konsumenten einer solchen Amateurfilmszene lediglich finanziell ausbeutet, anstatt ihnen etwas zu schenken. Charles Band hat in "Puppet Master - The Legacy" mit dem hauptsächlichen Verwenden von bereits aus anderen Filmen bekanntem Material, etwas bezweckt, was dem Zielpublikum gefallen könnte, wenn auch nicht muss. Fergusons (leider nicht letzter) Beitrag der "Camp Blood"-Reihe, die mit ihrem ersten Regisseur einst so sympathisch begann, ist jedoch nur dreiste Geldmacherei, eine Verarsche an den Fan naiver Kost, einen Schlag ins Gesicht eines jeden Neugierigen, der sehen will was manche Menschen in ihrer Freizeit so für Horrorfilme drehen. Eine Daseinsberechtigung für diesen "Film" gibt es eigentlich nur des Geldes wegen. Scheinbar kann man mit solchen Werken doch so einiges verdienen, wenn es sich lohnt dafür eine derartige Täuschung auf das Stammpublikum loszulassen. 

Glücklicher Weise übernimmt in "Camp Blood 666" wieder ein anderer Amateurfilmer das Zepter. Vielleicht schafft der es ja endlich an das simple, aber unterhaltsame Niveau der ersten drei Teile anzuknüpfen. Ich werde davon berichten.  OFDb

01.11.2022

RAZOR BLADE SMILE (1998)

Was wir über Vampire zu glauben wissen, ist ein Witz, und die Protagonistin des Films wird uns dies immer wieder beweisen. Eine der zu Beginn genannten Wahrheiten, wird zur Kernessenz des kompletten Filmes, welche sich erst über eine äußerst gelungene Schluss-Pointe offenbart. Mit dieser rechnet man nicht, obwohl der Streifen von Beginn an augenzwinkernd erzählt ist, ohne dabei zur Horror-Komödie zu verkommen. Dabei rückt der Witz manches Mal für einen kurzen Hauch in den Vordergrund, z.B. wenn wir erfahren dürfen, wie der Detektiv im Finale auf die Umstände reagiert, die das Ende offenbaren, oder wenn eine Grufty-Frau, die gerne ein Vampir wäre, die Worte der Heldin belächelt, da sie nicht ahnt dass diese tatsächlich ein Vampir ist und mit allen unwahrscheinlich klingenden Worten Recht besitzt. An der Besetzung fällt auf, dass der Streifen inmitten der britischen Gruftyszene entstand. Daraus resultiert neben manchem Vorteil auch der Nachteil der Eitelkeit, so stylisch wie der Film erscheinen will und dabei eine Coolness atmet, die der Leichtigkeit des Stoffes im Weg steht. Doch neben solch offensichtlicher Schwachpunkte, die fast schon zum Standard eines Undergroundfilmes gehört und zu denen sich auch die unnötig zelebrierte Nacktheit zählen darf, umgeht "Vampire Avengers" (Alternativtitel) andere Schwachpunkte dieser Art Film. 

Er mag reißerische Momente und aufgesetzte Coolness ausstrahlen, er zelebriert aber keine Blutmomente, baut sie nur förderlich für die Geschichte ein, und mehr noch: er besitzt eine. Die Erzählung ist nicht von schlechten Eltern, dient keinem Alibi, um nachzuahmen, was man woanders besser sah. Stattdessen bietet man eine erzählenswerte Geschichte, mit Haken und Ecken, mit Überraschungen und Pointen, und die weit weniger schwachsinnig ausgefallen ist, als sie lange Zeit anmuten darf. Für einen Undergroundfilm ist da also tatsächliche Mühe und Kreativität zu erkennen. Und das Bemühen zu einem den Umständen entsprechend professionellen Ergebnis zu kommen, erkennt man auch im Versuch der Darsteller als Laien möglichst gut zu spielen und in den gekonnt eingefangenen Bildern, die nicht auf die Schnelle abgefilmt wurden und nur dann äußerst billig wirken, wenn Computereffekte zum Einsatz kommen. Leider kommt dies etwas zu häufig vor, so dass "Razor Blade Smile" einen weiteren Schwachpunkt besitzt, der das an sich lobenswerte und charmante Projekt nur für ein wohlwollendes, alternatives Publikum bekömmlich macht. Mag der klassische, leicht mit Splatstick zufriedenzustellende, Horror-Fan auch eher auf die professionelleren Folgewerke von Jake West abfahren (am berühmtesten sind wohl die sich sehr ähnlichen "Evil Aliens" und "Doghouse"), dem geduldigen und nach Alternativstoffen Ausschau haltenden Cineasten, zumindest jene Sorte, die auch vor Amateurfilmen und Undergroundprodukten nicht Halt macht, wird hingegen mit dem kreativeren Ergebnis des hier besprochenen Horrorstreifens ein kleines, unbedeutendes Werk für zwischendurch vorgesetzt. Sicherlich muss man sich aufgrund der etwas arg cool gelebten Mentalität und der billigen Video- und Computeroptik erst in ein solches Projekt hinein gucken, aber ist man erst einmal drin, kann man sich an den Besonderheiten laben, mit welchen dieses Hobbyprojekt sich von vergleichbaren Filmen abhebt.  OFDb

28.07.2022

DER WOLF (2021)

Oh nein, so geht Horror mal gar nicht! Der Underground-Filmer David Brückner (den man nicht mit dem Regisseur des "Hellraiser"-Remakes verwechseln sollte) versucht seinen eigenen Slasher auf die Beine zu stellen, steckt den Killer in eine eigentlich recht wirksame Wolfsmaske, lässt ihn auch wie einen grummeln, was mal stimmig, mal lächerlich anmutet und somit gerne verziehen ist, bekommt es aber nicht hin diesen entweder geheimnisvoll, bedrohlich, mystisch oder von mir aus auch einfach nur sleazy in Szene zu setzen. Der Handlungsort eines Theaters, welches Werke wie "Aquarius" weit besser zu nutzen wussten, bekommt einen ironischen Touch, wenn wir Darstellern beiwohnen, die ihre Texte wie abgelesen vorsprechen und wir meist einer einfallslosen Kamera beiwohnen, bei der man auch gleich hätte Theater gucken können. Ja, da gibt es auch mal den Versuch interessanterer Blickwinkel, sie gehört nicht zu den Tiefpunkten des Streifens, aber sie steuert auch nichts Entscheidendes bei das Ruder herumzuwerfen. 
 
"Der Wolf und die 7 Geißlein - Theater des Todes" (Alternativtitel) ist nach "Rapunzels Fluch - Sie will Rache" der zweite Streich des Regisseurs, der mit dem Vorgaukeln einer Märchenverwandtschaft auf mehr Käufer hofft, und das wird im kleinen Rahmen sicherlich der Fall sein, so reizvoll der Gedanke einer gelungenen Märchenversion im Horrorbereich doch grundlegend klingt. Ich kenne die anderen Werke Brückners nicht, war aber geschockt zu lesen, dass Leute im Netz, die seinen Wolf noch als mittelmäßig empfunden haben, behaupteten dies sei immerhin bisher sein bester Film. Na danke, dann kann ich auf den Rest verzichten. Undergroundfilm als Beitrag auf einem anderen Niveau im Vergleich zum professionellen Kino schön und gut, aber "The Wolf" (Alternativtitel) baut keinerlei Stimmung oder Spannung auf, bietet auch nichts vom Kunstaspekt her, lernt nix aus den vielen Vorgängern des Slasher-Genres, trumpft nicht mit speziellem deutschen Flair bei der meist üblichen US-Konkurrenz und nervt zudem mit derart plump dargebotenen zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen von besonders dick aufgetragenen Stereotypen, dass man nicht einmal die Chance bekommt zu schnuppern, ob hinter all dem amateurhaften Getue eine brauchbare Geschichte steckt. Da sind mir selbst die Provo-Filme von Black Lava lieber, wenn ich Underground-Horror sichten möchte, als dieser vollkommen talentbefreite Mist, der theoretisch doch so reizvoll klang.  OFDb