Posts mit dem Label Tobey Maguire werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Tobey Maguire werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

01.11.2022

SPIDER-MAN 3 - NO WAY HOME (2021)

Nein, was haben viele damals geschimpft, als "The Amazing Spider-Man" nur 10 Jahre nach "Spider-Man" und 5 Jahre nach dessen letzter Fortsetzung die Entstehungsgeschichte des Spinnenmenschen noch einmal erzählte. "Fällt Hollywood nichts Neues mehr ein?", schimpften all jene, die nicht bemerkten dass Hollywood seit dem Aufkommen des Tonfilmes stets neu verfilmte, fortsetzte, Erfolge kopierte, und Kritiker sich mit ihrem Schimpfen unfreiwillig nur selbst als uninformiert und unreflektiert outeten in dem Glauben dies sei ein neues Verhalten innerhalb der mächtigen Filmindustrie der USA. Da war das Klagen freilich besonders groß, als Marvel sich mit dem bisherigen Rechteinhaber Sony vereinte, und es mit "Spider-Man - Homecoming" eine erneute neue Version der Anfänge rund um Peter Parker gab. Ich habe sie alle genossen, so unterschiedlich wie sie interpretiert und erzählt waren, ich habe nie geklagt. Und nun, wo mit "Doctor Strange" die Multiversen Einzug ins Marvel-Universum halten, da konnte mit einem raffinierten Schachzug das Drama der Klagenden zu einem kreativen Event umgemünzt werden. 

Ich weiß nicht wie man es geschafft hat (wahrscheinlich mit Geld), aber aus den anderen Spider-Man-Filmen wurden Helden und Gegner in gleicher Besetzung für "Spider-Man - No Way Home" zurück gewonnen, um sie als Figuren alternativer Universen vorzustellen. Das ist großartig, bereitet es doch Freude (ge)alte(rte) Gesichter wieder zu sichten, während sich die einzelnen Filme zu einem großen Ganzen vereinen können, was im letzten langen Drittel eines immerhin 142 Minuten laufenden Streifens zum Höhepunkt der ganzen Chose wird. Denn erst ab hier kämpfen die drei Spider-Man gemeinsam Seite an Seite, versehen mit allerhand Seitenhiebe auf Besonderheiten und Schwächen der jeweiligen Interpretationen (am besten ist jene zum Thema mangelndes Teamwork), und das macht so viel Spaß wie erhofft. Lediglich dass der aktuelle Spider-Man wie der einzig wahre herüber kommt, ernüchtert ein wenig, aber ansonsten gibt es nichts zu meckern, zumal die Gefühlsebene aller drei Parkers nicht zu kurz kommt. 

Was die lange Phase zuvor angeht, so ist der Film zwar auch hier ein unterhaltsames Werk, aber bei weitem nicht so geglückt, wie die beiden hervorragenden Vorgänger. Letztendlich liegt das Hauptmanko am selben Schwachpunkt, den seinerzeit auch Raimis "Spider-Man 3" hemmte: das Bekämpfen zu vieler Gegner. Klar, das ist hier aufgrund der Zusammenführung der Universen gewollt und wie erwähnt aufgrund der bekannten Schurkengesichter gern gesehen, aber es besitzt einfach nicht die Energie, die ein Film mit einem, maximal zwei Gegnern entfachen kann. Nun ist der Beginn trotzdem ein Hingucker, immerhin schloss "Spider-Man 2 - Far from Home" mit einem sehr geglückten Cliffhanger. Daraus weiß man einiges herauszuholen, wenn auch nicht in voller Konsequenz, was wohl auch den Rahmen gesprengt hätte. Etwas zu einfach macht man es sich dann doch, so dass erst mit dem Hinzustoßen von Doctor Strange die Geschichte so richtig ins Laufen kommt. Zwar ignoriert man von hier an plötzlich den Aufruhr gegen Parker, aber die Pluspunkte der Geschichte, insbesondere der schon in den Vorgängern zelebrierte Humor, lassen einen gütigst drüber hinweg schauen. Nur war dies bei den ersten beiden Teilen erst gar nicht nötig. 

Wie auch immer, erzählenswert ist das hier Gezeigte trotzdem, auch wenn es nicht alle Erwartungen erfüllen kann. Und was mich stark überrascht und bewegt hat, ist die finale Entscheidung des Helden, die den Beititel der zweiten Fortsetzung zur Wahrheit werden lässt. Sollten die Schöpfer zukünftiger Abenteuer der Spinne nichts Vorangegangenes im Schwanzvergleich überbieten wollen, sondern lediglich solide und gute Arbeit leisten, kann es von nun an so weiter gehen, wie es ursprünglich schon immer sein sollte, bevor die Avengers dazu stießen und aus Spider-Man etwas machten, das engstirnige Fans nie gewollt haben. Diese Schlussentscheidung ist einfach großartig - solange sie auch konsequent eingehalten wird.  OFDb

26.01.2020

SPIDER-MAN 3 (2007)

Die symbiotisch wundervoll zusammen passenden Filme "Spider-Man" und "Spider-Man 2" erhalten im Abschluss der Trilogie leider nicht selbigen Zusammenhalt vom letzten Teil der Gesamtgeschichte, kommt dieser trotz gleicher Besetzung und Crew doch recht anders daher. Interessierten sich die Vorgänger überraschend eindringlich für die Psychologie der Figuren und deren Leiden, so wird bei "Spider-Man 3" hauptsächlich auf den Kampf gegen Superschurken geachtet, von denen es gleich drei an der Zahl gibt. Das überfrachtet den Film leider, da er stets darum bemüht ist, jeglichen Hintergrund der jeweiligen Figuren gerecht zu werden. In einem 3-Stunden-Film hätte das vielleicht sogar funktioniert, aber auf 130 Minuten kommen durch diese Hintergrund-Hatz der Tiefgang der eigentlichen Hauptfiguren zu kurz, die man, im Versuch die Situation zu retten, charakterlich zu sehr veränderte. Peter ist ein vom Erfolg geblendeter Egomane geworden, noch bevor er vom Alienparasit befallen wird, was aufgrund mangelnder Heranführung an diesen Charakterstatus unglaubwürdig wirkt. Und so selbstbezogen Mary Jane auch immer charakterisiert war, die Egonummer, die sie hier in der Vorgeschichte zum Besten gibt, ist kaum zu ertragen.

Freilich kommen trotz gegenteiliger Bemühung auch die Superschurken zu kurz. Die meiste Laufzeit nimmt dabei ausgerechnet der Sandmann ein, dem man einen tragischen Hintergrund wie einst Doktor Oktopus beschert, leider, wie bei den Hauptfiguren, jedoch ohne psychologische Stimmigkeit zu beachten. Das Leiden des Sandmanns ist plakativer, oberflächlicher Art, gebadet in den Klischees die zum Spider-Man-Universum dazu gehören. Der krampfhafte Versuch einer CGI-Kreatur eine tragische Mimik untermalt von theatralischem Hintergrund-Sound zu bescheren, wird zu einer der unangenehmsten Szenen in einem Film, der nur noch mit dem Holzhammer daher kommt, anstatt so sanft und leichtfüßig wie die beiden Vorgänger. Es ist das Glück des Streifens, dass er sich in seinen Actionszenen gelungen guckt, womit genau das zum rettenden Element wird, was in den Vorgängern fast schon Nebensache war. Das macht das Ergebnis nicht gleichwertig gelungen, da vieles zu gewollt daher kommt, inklusive der Phase, in welcher Peter billig frisiert zum Egomanen wird, macht aus dem Film aber zumindest eine unterhaltsame Sache, weit unter dem Niveau der Vorgänger.

Erst gegen Ende bekommt "Spider-Man 3" jene Chemie zurück, welche auch die Teile 1 und 2 trotz aller Klischees und Stereotype zu solch wundervollem Popkorn-Kino machte. Hier dürfen nun wieder die Gefühle überbrodeln, und Schicksale ereilen die Hauptfiguren, die durch diese geprägt nun endgültig ins Erwachsenenleben wechseln. Das toll anzusehende Action-Szenario des Finales macht nun verspätet deutlich, warum es wichtig war Spider-Man derartig viele Gegner um die Ohren zu hauen, was ein weiterer Bestandteil dafür ist, dass man aufgrund der letzten halben Stunde so versöhnlich mit einem Film abschließt, der eigentlich viel zu vieles falsch macht. Aber auch diese bessere Phase des Streifens lässt nicht über den Fehler hinweg sehen, dass die Figur des Venom, die zu den interessantesten der Comicvorlage zählt, eine derart geringe Beachtung erhielt, ausgerechnet jene Figur, über deren Präsenz in Filmform sich jeder Fan im Vorfeld gefreut hat. Es sollte 11 Jahre dauern, bis dem Comicfreund mit "Venom" ein würdiger Film vorgesetzt wurde, jedoch frei von der Figur des Spider-Man erzählt.

Dessen Teil 3 ist eine wackelige Angelegenheit, die wie ein Fremdkörper in der eigenen Trilogie wirkt. Ob man trotz aller Schwächen aufgrund der funktionierenden Elemente wohlgesonnen wie ich auf das Werk blickt, oder komplett enttäuscht, hängt wahrscheinlich von den Erwartungen ab und davon, ob man sich für das oberflächliche Tamtam interessieren kann, welches hauptsächlich von funktionierender Action und guten Spezialeffekten lebt. Interessanter Weise ist "Spider-Man 3" genau wegen dieser Haupteckpfeiler eher dem heutigen Marvel-Fan zu empfehlen, der sich lieber an Schauwerten ergötzt, anstatt an einer erzählenswerten Geschichte, als den Bewunderern der ersten beiden "Spider-Man"-Teile. Es ist schon schade, dass man diesen außen vor ließ, um sich einem anderen Publikum anzubiedern.  OFDb

SPIDER-MAN 2 (2004)

Die Figuren sind vorgestellt und vertieft, das Gefühlsdilemma Peters gestreut und am wirken, nun kann Teil 2 auf all dem bauen, was "Spider-Man" vorbereitet und gesät hat. Da bleibt mehr Zeit für den Gegner, der ausführlicher beleuchtet wird, zwar nicht besser besetzt ist als der olle Kobold im Vorgänger, aber die interessantere Figur verkörpert. Dass mir der Dramen-, Komik- und Abenteuerbereich der Geschichten um Spider-Man mehr zusagt als die Kämpfe gegen Superschurken, wurde in meinem Text zum Erstling sicherlich deutlich. Deswegen freut es mich auch so sehr, dass in einem Film, in welchem der Superschurke mehr in den Vordergrund rückt, der Gegner kein reiner Fiesling ist, sondern eine Figur mit dramatischem Hintergrund. Er ist nicht nur eine leidende Figur, sein an Schizophrenie erinnerndes Verhalten, bei dem man nie weiß wie viel Einfluss von den künstlichen Intelligenzen ausgeht und wie weit eine selbstständige psychische Erkrankung mitspielt, ausgelöst durch das Selbstverschulden des Todes der geliebten Ehefrau, macht die Figur ebenfalls zu einem interessanten Gegner.

Parallel zu dieser Geschichte mag Peters Entscheidung nicht mehr Spider-Man sein zu wollen etwas aufgesetzt wirken, (und sein Grund zurückzukehren, nach einer billig manipulierenden Ansprache seiner Tante, wirkt ebenso wenig überzeugend), der Comicstil, in welchen Sam Raimi das Geschehen wieder einmal badet, fängt dieses Klischee jedoch gut ein, ist doch auch die Fortsetzung leichtfüßig und augenzwinkernd erzählt, sich auch nicht zu schade für manche Albernheiten in seinem erhöhten Humoranteil, und so leidet die Stimmung und Qualität des Streifens nicht an solchen Pseudo-Dramaturgien. Zudem punktet die Fortsetzung mit den selben Stärken des Vorgängers, funktioniert die restliche Dramaturgie doch um so besser, sei es die verzweifelte Liebe zu Mary Jane, das Schuldgefühl am Tode Bens, oder Harrys Rachegelüste an Spider-Man, den er für den Mörder seines Vaters hält. Inmitten dieser wundervollen Gefühls-Auf und -Abs zwischen Abenteuer, Traurigkeit und Fröhlichkeit, gesellen sich kompatibel düstere Momente mit ein, die einen daran erinnern, dass der Regisseur einst mit "Tanz der Teufel" und manch anderem Werk, aus der Ecke des Horrorfilms kommt. Fast unauffällig sind solche Momente integriert, beispielsweise wenn wer Unbekanntes auf ein unheimliches Geräusch reagiert, welches sich als Doktor Oktopus entpuppen wird, aber sie sind da, meist um das Grauen um den Bösewicht als Gegenpol zu seiner tragischen Figur stärker zu gewichten.

Somit wurde auch in "Spider-Man 2" alles richtig gemacht, damit er sich gemeinsam mit Teil 1 funktionierend wie eine große Geschichte guckt, so dass Freunde des Vorgängers nichts an der Fortsetzung zu beklagen haben dürften. Eine Ausnahme bietet lediglich manche Ungereimtheit zeitlicher Natur, was aber auch eventuell an der deutschen Synchronisation liegen kann. Laut dieser jammert Mary Jane ihr langjähriger Freund würde nie ihr Stück besuchen, obwohl die beiden erst seit zwei Jahren befreundet sind (zuvor ignorierte sie ihn). Und dass Mary Jane in diesen zwei Jahren gleich ein derartiger Theaterstar geworden ist, der Peter von großen Plakaten aus anguckt, ist auch nicht gerade glaubwürdig. Glücklicher Weise betreffen derartige Fehler lediglich nur Randgebiete der Geschichte, während alles andere durchdacht genug ist, um innerhalb eines kurzweiligen Unterhaltungsfilmes glaubwürdig für gute Laune zu sorgen. Manch einem mag das Ende sauer aufstoßen, meiner Meinung nach atmet diese Schlusssequenz jedoch genau jene Kinomagie, für welche das Popkorn-Kino existiert, vergleichbar mit dem wundervollen Schluss des ersten "Fluch der Karibik", dem "König der Welt"-Moment aus "Titanic" oder dem finalen Off-Kommentar aus "Matrix". "Spider-Man 2" ist eine runde Sache, gerade auch in Zusammenarbeit mit Teil 1, und es wäre, gerade auch aufgrund der Schlusssituation, schön gewesen Teil 3 hätte daran ebenso kompatibel angeknüpft. Leider ist dies nicht passiert.  OFDb

25.01.2020

SPIDER-MAN (2002)

Hätte man mich gefragt, aus dem Kopf heraus hätte ich das Erscheinen des ersten für das Kino produzierten "Spider-Man" auf zwei Jahre zuvor geschätzt. Kein Wunder dass es einem länger vorkommt, folgten ihm doch nach zwei Fortsetzung bereits zwei weitere Neuansätze der Reihe mit bislang vier weiteren Filmen. Ich mag sie fast alle, und auch Sam Raimis Erstling halte ich für eine sehenswerte Angelegenheit. Man mag dem Film vielleicht vorwerfen, dass er nicht gerade mit einer ausgetüftelten Geschichte daher kommt, sondern stattdessen sehr klassisch strukturiert erzählt ist. Das ist meiner Meinung nach jedoch kein Schwachpunkt des Filmes, sondern ganz im Gegenteil die richtige Entscheidung, lebt dieser erste Teil der Trilogie doch u.a. davon überhaupt erstmals ausgereift zeigen zu können, wofür die Kraft Spider-Mans steht. Wie er sich über die Hochhausschluchten schwungvoll hinweg bewegt, gefolgt von einer ebensolch schwungvoll scheinenden Kameraführung, war seinerzeit eine wahre Wucht und weiß noch heute zu gefallen, trotz manch offensichtlicher Computeranimation. Die Schnelligkeit, mit welcher der Held loslegen kann, ist revolutionär genug als Innovation, ordnet sie sich doch nicht den Sehgewohnheiten des Zuschauers unter, stattdessen muss dieser mit dem Tempo und der Fortbewegungsart Spider-Mans optisch mithalten können. Da dient eine inhaltliche klassische Erzählung als eine Art angenehmer Ruhepol und als Möglichkeit trotz aufwändiger neuer Technik klassische Kino-Magie auszustrahlen.

Dass "Spider-Man" auch dies einzufangen vermag, liegt mitunter an einer sympathischen Besetzung in den wichtigsten Rollen und daran, dass es das Drehbuch schafft die vielen Ansätze innerer Zerissenheit des Protagonisten für den Zuschauer mitempfindbar einzubauen, zumal dieser an der Entstehung dieser Gefühlsdilemmas teilnimmt. Peter Parker ist kein hohles Gefäß, wie uns die klassische Strukturierung der Figuren innerhalb der Durchschnitts-Geschichte zunächst vermuten lässt. Sein Doppelleben findet innen, wie außen statt. Freunden und Familie kann er nicht die Wahrheit sagen, Schuld und Verrat lassen ihn leiden. Und seine große Liebe zur Mitschülerin Mary Jane kann er nicht ausleben, da er sein Geheimnis hüten muss, um sie zu schützen. Klassisches Helden-Ehrempfinden trifft auf jugendliche Flappsigkeit, in einer Inszenierung, die Raimi ohnehin nicht frei von Humor umsetzt. So werden Leichtfüßigkeit, nachvollziehbare Emotionen und tolle Spezialeffekte zu einem gut funktionierenden Motor üblicher Geschichtenerzählung, so dass ein aufregender und aufwühlender Wohlfühlfilm entstanden ist, der gerade deshalb so gut ist, weil er Kino nicht neu erfindet, sondern klassisch lebt.

Aufgrund einer recht ausführlichen Durchleuchtung der neuen Fähigkeiten und der damit einhergehenden neuen Lebenssituation Parkers, tut es zudem gut, dass dem Bösewicht nicht übermäßig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Verglichen mit anderen Gegnern Spider-Mans und seiner Konkurrenz, ist der grüne Kobold gar ein richtiger Waschlappen, ein weinerlicher Rächer mit geisteskranker Neigung für Gewaltmomente. Er ist somit ein perfekter Gegner für den Anfang, als Übung für kommende Superschurken. Wirksam ist er jedoch, als einzig nennenswerter Schwachpunkt des Streifens, nicht eingesetzt. Sein Herumgehampel im blöde ausschauenden Anzug erinnert eher an die ollen "Power Rangers" und ihre japanischen Vorbilder, und Willem Dafoes Overacting fand ich auch eher lästig, anstatt den Comic-Charakter des Filmes unterstützend. Zumindest sind die Kampfsequenzen zwischen beiden recht ordentlich umgesetzt, und die soziale Dynamik, die ihre Feindschaft in die Gänge bringt, unterstützt "Spider-Man" wieder an der richtigen Stelle, nämlich im Herzen des Streifens, in der Gefühlswelt der Figuren. So darf der Film auch in den schwächeren Momenten von dieser zehren. Der Herzschmerzbereich und die Komik des Entdeckens der neuen Fähigkeiten, sowie das abenteuerliche Verbrecherjagen, gehören ohnehin zu den wahren Höhepunkten und Wichtigkeiten der Geschichte, nicht der Konflikt mit dem Gegner. Der wird eingebaut, weil sich das so gehört und weil er uns aufregende Momente beschert. Am Ende bleiben jedoch eher Momente, wie der legendäre Kopfüber-Kuss, in Erinnerung, oder die unglaublich traurige und mitreißende Schluss-Szene am Friedhof - eben die großen Gefühle, anstatt die Action - im besten Fall bei genügend kindlichem Gemüt aber auch beides.  OFDb

07.08.2018

DIE WONDER BOYS (2000)

In seiner empathisch erzählten, meist ruhigen Art könnte "Die Wonder Boys" eine ganz typische Arthouse-Komödie sein, so sehr wie Charaktere vertieft werden, ja geradezu im Mittelpunkt stehen, während sich eine Geschichte erst über die Entwicklung dieser erkennbar macht. Geistreich ist Hansons Film erzählt, mit dem Bereich des Dramas parodistisch spielend, anstatt tatsächlich zur Tragikomödie zu werden, die Sorgen und Probleme der Protagonisten aber trotzdem ernst nehmend, wie die Figuren selbst und dies auch Randfiguren betreffend. Es ist der kleine Gehalt schrägen Humors, der das Klischee der typischen Arthouse-Komödie zu durchbrechen weiß, zunächst gelegentlich auftauchend, dann immer häufiger, bis sich das Finale des Streifens gar lauter und ereignisreicher guckt, als man zuvor vermutet hätte. Freilich wird "Wonder Boys" (Originaltitel) trotzdem nie wirklich laut und wild, aber die Geschehnisse sprudeln hoch für einen sensiblen, empathischen Film, und Curtis besitzt zusammen mit den Autoren das Geschick, dass die bis dahin gelebten Adjektive auch dann noch greifen.

Verglichen mit seinen Filmen "L.A. Confidential" und "In den Schuhen meiner Schwester" ist es ohnehin erstaunlich wie abwechslungsreich die Filmographie des relativ selten tätigen Regisseurs ausfällt, und wie gekonnt all diese andersartigen Ausflüge in die Filmwelt ausgefallen sind. Die schlichte Geschichte von "Die WonderBoys" (Alternativtitel) ist ergreifend erzählt, man badet mitten in den Seelen der zwei Hauptfiguren, während ein aberwitziges Treiben die beiden umweht, eines das man mit seinen innovativen Einfällen nur als kreativ bezeichnen kann. Oftmals sind es für die eigentliche Geschichte völlig unnötige Nebensächlichkeiten, die einen zum Lachen oder zum Schmunzeln bringen, wobei das freilich schwer einzuordnen ist, wenn ein Film wie dieser den Gehalt seiner Story derart intensiv aus der Charakterentwicklung zieht. Wann ist ein Erlebnis wichtig für diese Entwicklung gewesen und wann nicht? Wie auch immer, der Gesamteindruck dieser verrückten Tage, die jedoch nie schrill ausfallen, verändert Grady und den jungen James, der sich ohnehin noch sucht, sowieso.

"Die WonderBoys - Lauter Wunderknaben" (Alternativtitel) wäre schon aufgrund des geglückten Drehbuchs und der Details beachtenden Inszenierung ein wahrer Hingucker, aber die gekonnte, überraschend prominent ausgefallene, Besetzung rundet das Seherlebnis zusätzlich ab. Michael Douglas darf nach "Falling Down" endlich mal wieder völlig anders spielen, was ihm derart gut gelingt, dass man sich mehr solcher feinfühligen Ausflüge von ihm gewünscht hätte (der Versuch es mit "Das grenzt an Liebe" erneut sensibel anzugehen, scheiterte aufgrund einer müden Geschichte). Tobey Maguire weiß sein Lächeln gekonnt einzusetzen. Mal bestätigt es die Reaktion und die entstehenden Gefühle des Publikums, mal wirkt er damit skurril und sonderlich. Seine Mimik ist gekonnt gesetzt, und so beweist er sich früh neben Stars mit langjähriger Berufserfahrung. Katie Holmes hingegen darf nur süß aussehen, wird nicht wirklich herausgefordert, gefällt aber freilich in dieser niedlichen Art. Und Robert Downey, Jr. darf wieder einmal einen ungewöhnlichen Charakter spielen und macht aus der in anderen Filmen so typischen Rolle des Lektors, der Schriftstellern ein neues Buch entlocken möchte, zusammen mit den Autoren des Stoffes einen ungewöhnlichen Charakter, der nicht wirklich in irgendeine Schublade zu stecken ist.

Klischeefiguren darf man in den wichtigen Rollen ohnehin verzweifelt suchen, die tauchen nur im Randbereich auf, und dies nicht aufgrund müder, einfallsloser Autorengeister, sondern um die ansonsten tief gehenden, individuellen Charaktere mit diesen zu konfrontieren. Und selbst dann wird eine Klischeefigur nie zum reinen Stereotyp, selbst dann besitzt sie noch derart viel Realismus durch Eigenständigkeit, dass der von mir gewählte Begriff eigentlich viel zu hart gewählt ist. Es würde schließlich auch nicht zu einem Film passen, den ich aufgrund seiner sensiblen Blickweise und dem Interesse an seinen Charakteren derart zu loben weiß. Und wer Filme solcher Eigenschaften zu schätzen weiß, gerade dann wenn die Charakterentwicklung die eigentliche Handlung der Geschichte bedeutet, der sollte sich "Die Wonder Boys" unbedingt einmal ansehen. Stammzuschauer dieser Gattung Film werden sich sicherlich über den lockeren Umgang mit dem Dramabereich wundern, und wie erwähnt bricht manch wilde Idee manchmal durch den ruhig erzählten Stoff durch, aber das macht Curtis Hansons wundervollen Film nur um so einzigartiger.  OFDb

10.05.2018

THE BOSS BABY (2017)

DreamWorks fand ich immer die interessantere Alternative auf dem Markt der computeranimierten Zeichentrickfilme im Vergleich zu Pixar, deren Werken ich jedoch ebenso wenig abgeneigt war. Orientierten diese sich jedoch von je her mehr am typischen Disney-Stil einer Erzählung, herrschte in DreamWorks-Werken stets ein erwachsenerer und rebellischer Grundton, was sich deshalb nicht gegenseitig ausschloss, da man gegen die eingefahrene Erzählebene eines familienfreundlichen Animationfilmes rebellierte. Auch in Zeiten, in denen Pixar mit pseudo-reiferen Werken wie "Wall-E" große Aufmerksamkeit auf sich zog, präsentierte das Konkurrenzstudio mit "Drachenzähmen leicht gemacht" eine wesentlich unverkrampftere Variante aus dem zu fröhlich und kindlich gewordenen Standard des hart umkämpften Trickfilmmarktes auszubrechen. Mittlerweile sind interessante Stoffe rar gesät, das meiste kommt zu angepasst daher, soll besonders sanft und lieblich wirken, Innovation ist nicht mehr gefragt. Da wirkte die Idee von "The Boss Baby" doch erfrischend anders, so dass ich trotz der Ernüchterung, die sich seit einigen Jahren auf dem Animationssektor breit gemacht hat, mal wieder einen Blick in das damals so wundervolle Sub-Genre des Zeichentrickfilms warf.

Und was soll ich sagen? Auch "The Boss Bab" kann die massentauglich abgekurbelte Lethargie, in welcher sich die Trickfilm-Großproduktionen der USA befinden, nicht durchbrechen, besitzt die grundlegende Story zwar durchaus Potential, wird jedoch trotzdem nur der Standard aus diesem heraus gepresst, so dass sich selbst ein solch frisch wirkender Stoff schaut, als hätte man das alles schon etliche Male gesehen. Wie tief hätte man doch in die Eifersuchtsphase kindlichem Empfindens eintauchen können, um allein im Familienbereich dadurch eine interessante, im Emotionsbreich lebensnahe Story zu ernten? Und meine Güte, aber was bietet die herrlich schräge Idee eines Babys als BWLer doch für eine wunderbare Grundlage, um berechtigte Gesellschaftskritik am fragwürdigen, freiheitszerstörenden Treiben der Berufsgruppen um Kaufmänner, Banker und Unternehmensberater (und was es da sonst noch alles gibt, um Menschen ihrer beruflichen und finanziellen Existenz zu berauben) auszuüben. "The Boss Baby" signalisiert in beiden Bereichen das Erkennen dieser Themengebiete, indem es beide gelegentlich anstuppst, aber dann verlässt die Verantwortlichen der Story wieder der Mut und es wird wieder auf den unheimlich beliebten geistlosen, unkreativen und kritiklosen Standardkurs des Mainstreams umgeschwenkt, dabei noch weniger Tiefgang beweisend als es zumindest der eben erwähnte Roboterfilm der Konkurrenz seinerzeit gerade noch schaffte zu erreichen.

Zumindest mit Blick auf Regisseur Tom McGrath braucht das magere Ergebnis nicht zu überraschen, inszenierte er doch auch die "Madagascar"-Reihe, die neben "Happy Feet" doch die erste Welle weit weniger einfallsreicher Computeranimationsfilme auslöste, die schließlich im Standard um "Rio", "Hotel Transsilvanien" und Co mündete, und Werke wie "Rango", "Ralph reichts" "ParaNorman" und Co zu Ausnahmen im Meer der Erscheinungen machte (und selbst die erreichten meist nie ganz das Niveau eines "Antz", "Findet Nemo", "Die Unglaublichen", "Ice Age", "Shrek" und Co). Selbst sein recht sympathischer "Megamind" badete viel zu sehr im Mainstream, um mehr als seichte Unterhaltung aus der eigentlich so einfallsreichen Grundidee zu ernten. Da er jedoch nur an diversen "Madagascar"-Projekten am Drehbuch beteiligt war, kann es eigentlich nicht hauptsächlich an ihm liegen, dass ein solch interessant klingendes Projekt wie "The Boss Baby" im Sumpf an Mainstreamkrankheiten, wie zu viel Bravheit und Moral und ärgerlicher, da zu gewöhnlich und anbiedernd ausgefallener, Figurenzeichnungen (charakterlich und animationsbezogen), hängen bleibt. Mutlose Produzenten dürften ihn und die Autoren zu Auftragsarbeitern gemacht haben. Jeder andere Hintergrund würde zumindest noch mehr enttäuschen, als der Zustand der familienfreundlichen Zeichentrickfilme ohnehin schon auslöst. 

Wer alle von mir als mau bis schlecht bezeichneten Konkurrenzprodukte mochte, wird freilich auch mit "The Boss Baby" zufrieden sein, man erfüllt schließlich was der Allesfresser des Genres zu begehren wünscht. Aber für Cineasten mit einem gewissen Anspruch an Filmen ist das Werk, das ein Jahr später bereits mit einer Web-Serie fortgesetzt wurde, nur ein weiterer unbedeutender Beitrag ohne eigenes Gesicht in der Masse. Sicherlich kann man mal gelangweilt einen Blick riskieren, aber das zu überraschungsfreie Ergebnis holt einen nicht wirklich aus dieser Langeweile heraus.  OFDb

23.08.2012

THIS BOY'S LIFE (1993)

Tobias Wolff ist nicht gerade ein Vorzeigeschüler. Als er nach dem x-ten Umzug in eine andere Stadt suspendiert wird, beschließt seine Mutter, dass es so nicht weiter gehen kann. Da sie ohne Zukunftsperspektive ist, schlägt sie vor Tobias solle für einige Wochen zu ihrem neuen Freund Dwight ziehen. Wenn es mit den beiden funktioniert, kommt sie nach um zu heiraten. Dwight hat sich in den Kopf gesetzt Tobias um jeden Preis zu erziehen, und so erträgt der Teenager, der unbedingt ein besserer Mensch werden will, die fragwürdigen Erziehungsmethoden Dwights. Es kommt zur Hochzeit und das tyrannische Treiben des Stiefvaters schaukelt sich immer weiter hoch...

Die Jugend eines Literaturprofessors...
 
Als im Jahre 1997 Leonardo DiCaprio große Erfolge mit seiner Darstellung der Hauptrolle in „Titanic“ feierte, da erkannten viele noch nicht sein großes Talent. Durch seine vorherige Rolle in „Romeo und Julia“ wurde er von uninformierten Zuschauern zunächst als eine Art Romantik-Softi gesehen, also eine Form des Schauspielerdaseins, welches keine sonderliche Begabung erfordert. Übersehen hatten solche Kritiker jedoch die Leistungen, die der junge Mann zuvor vollbracht hatte, allein in den drei Jugend-Dramen „Jim Carroll - In den Straßen von New York“ (1995), in welchem er überzeugend jemand Drogensüchtigen verkörperte, „Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa“ (1993), in welchem er einen geistig behinderten Jugendlichen in einer Nebenrolle verkörperte, ohne in ein Klischee abzurutschen und „This Boy‘s Life“ (1993), in welchem er sich früh neben Robert DeNiro bewies, einem Mann, dem er nun in der Gegenwart angekommen ebenbürtig geworden ist.

Robert DeNiro zählt seit Jahrzehnten zu den talentiertesten und anerkanntesten Schauspielern der Vereinigten Staaten von Amerika. DiCaprio war noch jung und hatte noch einiges zu lernen. Aber dass er sehr begabt war und einmal eine echte Konkurrenz DeNiros werden könnte, bewies er bereits im hier besprochenen Film. Allerdings muss man hinzufügen, dass DiCaprio nicht so jung war, wie es in diesem Drama den Eindruck macht. Zur Zeit des Drehs war er bereits 19 Jahre alt. Es ist erstaunlich wie jung manche Menschen wirken können, erst recht wenn sie ein rundes Babyface besitzen wie Leonardo. Worüber andere spotteten, war sein Trumpf.

Man kann nicht gerade behaupten, dass der Film nicht etwas zu dick auftragen würde. „This Boy‘s Life“ basiert zwar auf der Autobiographie des späteren Literaturprofessors Tobias Wolff, aber ob solche Szenen wie die Autofahrt nach Concret zum Besserungsurlaub tatsächlich so stattgefunden haben wird, wie dargestellt, darf ebenso bezweifelt werden, wie manch andere Übertreibung. Dennoch sollte man in vielen anderen Bereichen nicht zu früh Übertreibung und Klischee schreien, immerhin spielt der Streifen im Amerika der 50er Jahre und dazu noch in einem winzigen Hinterwäldlerkaff. Da kann ich mir schon vorstellen, dass das meiste in etwa so stattgefunden haben könnte wie hier erzählt. Es dürfte lediglich manche Reihenfolge der Ereignisse für den dramaturgischen Effekt geändert worden sein.

Dramen aus Amerika wollen in erster Linie Unterhaltungskino sein, und das ist bei „This Boy‘s Life“ nicht anders. Trotz diverser Ausrutscher schafft er es jedoch, dass man ihn trotz dieses Schwerpunktes ernst nehmen kann. Das Anliegen Unterhaltung ist ohnehin nicht gefährdet mit den zwei heutigen Top-Stars in der Besetzung. Gerade in der Rolle des Dwight weiß auch wieder einmal die deutsche Stammsynchronstimme DeNiros zu überzeugen. Dem tyrannischen Stiefvater in den Mund gelegt, wirkt sie wahre Wunder den Kerl zu hassen, während DeNiro selbst alle Register seines Könnens zieht, um den Bösewicht psychologisch stimmig und glaubhaft als das darzustellen, was er ist: ein infantiler, dummer Mann ohne Begabung mit aufgepumpten Selbstbewusstsein.

Wolffs Geschichte spielt über mehrere Jahre. Und da ändern sich mehr als nur die Frisuren, sonst würde ich auch wohl kaum das Spiel DiCaprios so loben, welches eines seiner Höhepunkte in jener Szene erlebt, wenn der Teenager vom Lachen ins verzweifelte Heulen abrutscht. Dass er mit einem anderen Ausgang der Concret-Geschichte irgendwann zum Psychopathen hätte werden können, lässt der damalige Jungschauspieler kurz vor Schluss aufblitzen, wenn der befreite Wolff beim Jubeln aufgrund der Abreise kurz die düstere, verletzte Seite seiner Seele aufblitzen lässt, die Dwight in ihm entfacht hat.

Regisseur Michael Caton-Jones ist mit Hilfe aller Beteiligter ein kurzweiliger, intensiver und sensibler Film gelungen, der die 50er Jahre glaubwürdig auferstehen lässt und sich mit der eigentlichen Geschichte viel Zeit lässt. DeNiro selbst hat seinen ersten Auftritt erst nach etwa 30 Minuten. Dass Caton-Jones keine Eintagsfliege gelungen ist, bewies er zuvor mit „Doc Hollywood“ und danach mit dem „Der Schakal“-Remake. Mit „Basic Instinct 2“ soll er sich dann doch noch in die Brennnesseln gesetzt haben, was ich jedoch nicht beurteilen kann, da ich diese Fortsetzung nicht kenne.

„This Boy‘s Life“ ist einen und mehrere Blicke wert. Ich selbst habe ihn schon sehr oft geguckt und bin immer wieder aufs neue überrascht wie gut er funktioniert. Mag er auch manches Mal für klitzekleine Momente ins Reißerische abrutschen, in anderen Bereichen, die geradezu geeignet hierfür wären, beispielsweise in der eher kurz angerissenen Schwulenthematik, umgeht er einen solchen Stil um so mehr, was sichtlich gut tut.  OFDb