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09.08.2020

KEIN PARDON (1993)

"Kein Pardon" ist im Laufe der Zeit ein kleiner Kult-Klassiker geworden. Zitate wie "Witzischkeit kennt keine Grenzen" sind vielen geläufig, alte wie neue Fans kennen die Running Gags des Streifens und können ihn fast auswendig mitsprechen. Mag die Prominenz Hape Kerkelings zur Entstehungszeit des Streifens auch hoch gewesen sein, ihren Höhepunkt hatte sie noch nicht erreicht. Und obwohl "Kein Pardon" ein kleiner Erfolg an den Kinokassen war, folgten diesem Werk lange Zeit später im Filmbereich nur noch TV-Werke. Der Nachfolger "Club Las Piranjas" stellt meiner Meinung nach den Höhepunkt Kerkelings Schaffens in diesem Bereich dar, aber auch die hier besprochene Komödie braucht sich nicht zu verstecken, bietet sie doch derlei viele kreative und pointensichere Momente, dass man gar nicht anders kann, als sie zu mögen. Der Glückshase, die persönliche Glücksmelodie, die Corega Tabs von Heinz Wäscher und der Batzen-Werbeslogan, die Liste der herrlich schrägen Ideen, die das Drehbuch bietet, könnte ellenlang fortgesetzt werden. 

Kerkeling bildete eine Schar professioneller Mimen in schrulligen Rollen um sich herum, während er selbst zunächst zusammen mit seiner Love Interest das Normale im Leben verkörpert. Heinz Schenk brilliert geradezu, was sein Ausscheiden zum Wendepunkt der Geschichte zu einer hinterlassenen Leere im Restgeschehen macht. Dirk Dautzenberg darf mit seiner herrlich mauligen Art einen zitier-würdigen Spruch nach dem nächsten raus hauen, und auch er ist nur ein Teil einer reichhaltigen Schar Bürger-naher Figuren Deutschlands, die uns hier präsentiert werden. Die Schrulligkeiten der Bevölkerung werden der Mediengeilheit und ihrer Schattenseiten der brutalen Fernsehwelt gegenüber gestellt, deren Personen im Hintergrund sich als nicht weniger schrullig offenbaren. So wunderbar auch jede von ihnen ausgefallen ist, keiner kommt meiner Meinung nach an das sture Mädchen und ihre penetrant zum Singen animierende Mutter heran, die aus ihrer Tochter unbedingt einen Medienstar zaubern möchte. Da bleibt kein Auge trocken, selbst bei der x-ten überraschenden Wiederkehr dieses Duos, von dem man dachte, es tauche nur einmal auf. Gastauftritte von Dirk Bach und den abstürzenden Brieftauben verfehlen ihre humoristische Wirkung nicht, und Kerkeling mixt Neues mit vom Fernsehen liebgewonnenem Altbewährten aus seinem Programm. Immer wieder taucht auch er zur Ergänzung in alternativen Rollen auf und präsentiert damit eine Spielfreude, die jedem anderen Beteiligten ebenfalls anzusehen ist. Ein Hauch Loriot schwebt stets mit, wenn auch humoristisch nicht so zielsicher perfekt fußend, wie vom Meister vorgemacht. 

Dass "Kein Pardon" trotz dieser Vielzahl an Pluspunkten nicht zum herausragenden Werk seines Genres wird, liegt jedoch nicht an einem mangelndem Humorgespür. Dies ist unübersehbar und treffsicher vorhanden, Loriot diente nur einem strengen Vergleich. Es ist der Mangel an Verständnis diese uns vorgelebte, kunterbunte Bürger- und Medienwelt für eine konsequente Geschichte zu nutzen, woran "Kein Pardon!" (Alternativtitel) erkrankt. Kerkelings Erstling scheitert unter anderem an seiner Liebesgeschichte, die zwar stimmig eingeleitet wird, für ihre Dominanz innerhalb der Handlung aber nicht konsequent genug vertieft wird. Der Zeitsprung zum letzten Drittel des Streifens bricht ihr endgültig das Genick, allerdings wird die Phase, die diesem folgt, ohnehin zum wesentlich schwächeren Bereich dieses Kinofilms. Zwar wissen die lustigen Figuren auch hier noch immer zu wirken und auch manch neue belustigende Idee ist neben der liebgewonnenen Running Gags mit an Bord, aber die zu schnelle Sprunghaftigkeit des Hauptcharakters ist auch für diese Art Komödienbereich nicht glaubwürdig genug ausgefallen und, was viel fataler ist, erweist sich weder als förderlich für die Geschichte, noch für ihren bislang sympathischen Grundton. Erschwerend kommt hinzu, dass die Veränderung der Hauptfigur zu keiner erzählenswerten Schlussphase des Streifens führt, diese stattdessen frei jeder Empathie urplötzlich zu einem gekünstelten Happy End herumgerissen wird und der weiblichen Hauptfigur aufgrund der Art und Weise, wie das Geschehen thematisch einen Wandel erfährt, keinen Gefallen erweist, so plump und manipulierbar, wie sie von nun an nach dem Sichten nachhallt. 

Im letzten Drittel wird nicht nur der Charakter der von Kerkeling verkörperten Hauptfigur liebloser, der komplette Film wird nur irgendwie auf etwa 90 Minuten erweitert, um ihn irgendwann plötzlich zu beenden. So reizvoll die Idee auch ist, dass das Fernsehen aus jedem am Ende einen unkreativen Miesepeter zaubert (wie war Heinz Wäscher wohl zu Beginn seiner Karriere?), aber der Film nutzt allein schon aufgrund des zu gering gewählten Zeitfensters nicht das Potential, das mit dem zu kurz angerissenen Wandel möglich gewesen wäre. Somit bremst sich am Ende ein Film selbst aus, von dem man in der ersten Hälfte dachte, er würde innerhalb seiner Gattung ein großes Meisterwerk werden. Selbstverständlich liebt man auch beim etwas magerem Ergebnis nach wie vor die höchst charmanten Pluspunkte, welche "Kein Pardon" zuhauf bietet. Allein die Idee, dass man eigentlich nie so ganz erfährt worum es in der Samstag Abend-Show eigentlich geht, ist brillanter Natur. Und doch sitzt am Ende die Ernüchterung zu tief, als dass man diesem herzerfrischenden Werk, das einem wahrlich Lachanfälle beschert, Hochachtung entgegen bringen würde.  OFDb

02.08.2013

CLUB LAS PIRANJAS (1995)

Kerkeling gehört für mich zu den Komikern, die ihren Ruf hätten erhöhen können, wenn ihre TV-Präsenz etwas zurückhaltender gewesen wäre. Hapes erster TV-Film ist, um es gleich vorweg zu nehmen, sein filmisches Meisterwerk und schlägt die ebenfalls sympathische Kinoproduktion „Kein Pardon“ um Längen. Die Charaktere sind dabei wie immer urdeutsch und im Gegensatz zum eben erwähnten Kinovorgänger sind von diesen liebevollen und schrulligen Figuren in seinem zweiten Film auch gleich mehr vorhanden. Die Besetzung ist hervorragend. Neben Kerkeling brilliert vor allen Dingen der sehr gut gewählte Darsteller des Tankwarts, Michael Brandner.

Humor muss man hier nicht suchen. Von der Urlaubwerbefilm-Parodie direkt zu Anfang bis hin zum chaotischen Ende ist alles sehr komisch, einfallsreich und spielfreudig inszeniert. Einziger Tiefpunkt ist der Schlussgag, der sich den Gesetzmäßigkeiten des Filmes nicht anpassen möchte. Da dieser aber ohnehin nur augenzwinkernd gemeint ist, will ich mich an dieser Randerscheinung auch nicht aufhängen. Das wäre dann doch etwas arg kleinlich.

Neben dem pointenreichen Drehbuch (u.a. von Kerkeling) fällt der Film auch durch seine gute Musik auf. Ob es die trostlose Hintergrundmusik ist, die den Charakteren direkt aus der Seele zu sprechen scheint, oder ob es die fröhlichen Lieder sind, zu denen das Club-Personal die Urlauber zum mitsingen nötigt - "Total Normal"-Partner Achim Hagemann hat beim Komponieren tollste Arbeit geleistet und beweist mal wieder dass er Kerkelings Humor besser zu unterstützen weiß als seine Nachfolger in späteren Arbeiten des Komikers.

Wer jemals einen Cluburlaub mitgemacht hat weiß, dass hier auf wunden Punkten echter Betroffener herumgeritten wird. Neben der Nervlieder punkten hier Einfälle wie die "Aktion sauberer Strand", der Ausflug „Land und Leute“ sowie der Umgang mit Mitmenschen, die sich nicht an die Clubregeln halten wollen. Je weiter der Film voran schreitet, desto hoffnungsloser wird der Glaube an schöne Momente, so frustriert spielen die Schauspieler ihre Rollen, von jedem anders interpretiert. Wenn eine sonst sehr optimistische Oma über einen Fluchtplan des Tankwarts nur pessimistisch sagt "damit kommt ihr nie durch", dann geht der schwarze Humor bis ins Mark.

Die Witze gehen nur selten unter die Gürtellinie. Sprüche wie "Ich han doch so 'nen Durchfall" sind keine humoristischen Königsübungen und frei von Anspruch, aber sie werden so eingebracht, dass sie zu wirken wissen. Das spezielle Beispiel verweist auf die fehlende Privatsphäre im Club Las Piranjas, somit haben selbst Tiefflieger immer eine spezielle Bedeutung und werden nicht nur sinnlos in den Raum geworfen wie in den pausenlos erscheinenden Film-Parodien Amerikas seit „Scary Movie".

Auf der Gegenseite zu solchen Momenten trumpft zudem der geringe Anteil an stillen, tragikomischen und ernsten Momenten. Wenn Mitarbeiter Edwin mit dem Schreiben eines Briefes ein trauriges Geheimnis lüftet, dann wirkt dies ehrlich und bremst nicht den Unterhaltungswert, zumal es jener Rolle einen Hintergrund verleiht, die wir bislang nur oberflächlich betrachten durften und die klar macht, dass jedes Verhalten seinen Ursprung besitzt.

Hut ab, was Hape und Filmpartnerin Angelika Milster da auf die Beine gestellt haben. Leider wurde dieses von der Kritik verkannte Werk nicht wirklich bekannt und erlangte erst etwas mehr Beachtung mit der DVD-Veröffentlichung in einer Kerkeling-Box. Spätere TV-Filme wie "Die Oma ist tot" und "Willi und die Windzors" sind leider nie annähernd an das Niveau des hier besprochenen Werkes heran gekommen, nicht mal an den etwas holpriger inszenierten "Kein Pardon". Ich habe beim Sichten immer das Gefühl, dass „Club Las Piranjas" Kerkelings ehrlichster Film ist, dass der hier gelebte Humor sein persönlichster ist und Nachfolgeprodukte zu sehr nach dem Wunsch des Zuschauers suchen. Aber das ist freilich nur eine Vermutung.

Hape könnte mit seinem Humor eine Art Nachfolger Loriots sein, wenn seine Arbeit auch ein wenig klamaukiger ausfällt als dessen Werke. Kerkeling hat den Stil und besitzt das nötige Talent. Aber leider produziert er für das TV zu viel in Masse, zugegebener Maßen meist witzige Projekte, aber sein Gesamtwerk dennoch dadurch verwässern lassend. Weniger wäre mehr, dann hätte man nicht das Gefühl, dass sich der Komiker verkauft. Denn so vergeigt er selbst seinen Einstieg in die Oberliga a la Loriot und Helge Schneider, Menschen gleicher Berufsgattung denen die Kunst stets wichtiger als der Kommerz war. Ich wünschte mir, dass Hape endlich wieder ein Projekt in der Qualität seines "Club Las Piranjas" verwirklichen würde. Es würde mich sehr glücklich machen. Mit Blick auf den Erfolg seiner eher plumpen und eher massentauglichen Horst Schlämmer-Rolle merkt man jedoch, dass dieses Wunschdenken sinnlos ist. Ich persönlich hoffe auf gelungene Spätwerke wenn die Altersweisheit Kerkeling erreicht hat.  OFDb

31.10.2012

SAMBA IN METTMANN (2004)

Olaf arbeitet in einer Reinigung und durch dumme Umstände hat er plötzlich drei Brasillianerinnen an der Backe, die auf seine Hilfe angewiesen sind. Die drei bringen Olafs Leben komplett durcheinander und das wo der gute Mann kurz vor seiner Hochzeit steht...

Kerkeling dreht fremd...
 
Der mit viel Talent gesegnete Hape Kerkeling hat einfach keinen Erfolg wenn es um Filme geht. Sein erster Kinofilm „Kein Pardon“ wurde zu Unrecht ebenso gnadenlos runtergemacht, wie sein erster TV-Film „Club Las Piranjas“, meines Erachtens seine bisher beste Komödie. Die TV-Folgefilme waren weit unter Kerkelings Niveau („Die Oma ist tot“, „Willi und die Windzors“) und langweilten mehr, als dass sie unterhielten. Wie es der Entertainer trotzdem schaffte Geldgeber für einen erneuten Anlauf im Kino zu finden, ist ein echtes Rätsel. Versteht mich nicht falsch, das hat mich sehr gefreut, aber verwundert war ich schon.

Kerkeling schrieb erneut am Drehbuch mit, das machte die Hoffnung etwas größer, trotz der letzten öden TV-Filme. Kritisch blieb ich dennoch, denn die Geschichte von „Samba in Mettmann“ klang doch recht uninteressant, ein Manko das zuvor keines von Kerkelings Komödien betraf. Und jetzt nach Sichtung kann ich sagen: Das Ergebnis ist nett, aber immer noch weit unter Kerkelings Möglichkeiten.

Ich weiß ja nicht ob sein Mitschreiberling da so viel Mist gebaut hat, ob Hape nur bedingt Mitspracherecht hatte, oder ob er selbst an der halbgaren Umsetzung schuld ist. Vielleicht wollte er diesmal alles richtig machen, nachdem er bisher immer nur Schelte erntete. Wäre ich im Kino gewesen, wäre ich mir schon etwas verarscht vorgekommen. Mehr als TV-Niveau hat dieser 2. Kinofilm leider nicht zu bieten. Zum Glück sah ich den Streifen erst im Fernsehen, und dafür war sein Unterhaltungsgrad o.k. Es fielen mir allerdings Sachen auf, die eher Kerkeling-untypisch sind und das Sehvergnügen etwas zurückschraubten.

Hapes bester Trumpf waren bislang immer die schrulligen Figuren. Das war so seine ganz eigene Handschrift, die noch in jedem seiner Werke (ob Show oder Filme) auftauchte. In „Samba in Mettmann“ vermisst man diese fast komplett. Der Opa geht noch halbwegs als solche Gestalt durch, bleibt aber auch blass im Vergleich jeglicher Nebenfiguren eines „Kein Pardon“, „Total Normal“ oder „Club Las Piranjas“. Selbst die müden Filme „Die Oma ist tot“ und „Willi und die Windzors“ boten trotz mauem Drehbuchs besagte schrullige Charaktere.

Der Polizeifreund Kerkelings, der Bierkönig, die Vermieterin, das sind alles Rollen die, anders verkörpert, Grundlage zum vermissten Figurentyp gegeben hätten. Wurden sie falsch gespielt oder waren sie nicht wie üblich gewollt? Ich weiß es nicht. Zumindest ist mit so wenig solcher Charaktere der Film lediglich eine stinknormale Komödie, in der rein zufällig Kerkeling mitspielt, es ist aber kein echter Kerkeling-Film.

Zudem ist in Mettmanns Vorgängern nie der Fehler aufgetreten, viele Handlungsstränge einfach ins Nichts laufen zu lassen, bzw. diese mit einem schnellen Schlussgag zu beenden. Die schwangere Stiefmutter, die Freundin mit ihrem Sexentzugs-Tick, der bescheuerte Sektenanführer, ja selbst der Tod des Bierkönigs wird nicht zur vollen Befriedigung zu Ende thematisiert. In seiner alten Hochform hätte sich Kerkeling gerade die Sexentzugssituation in Kombination mit dem bekloppten Christen zu Herzen genommen, um daraus etwas unglaublich witziges zu fabrizieren. Zum Zentrum der Geschichte hätte er es damals auch nicht gemacht, er hätte es aber auch nicht so sinnlos verpuffen lassen wie heutzutage.

Zu Gute halten muss man „Samba in Mettmann“ einige wirklich komische Szenen (oft durch Olafs nüchterne Art wirksam), böse Peinlichkeiten, bei denen man als Zuschauer mitleidet und die vielen kleinen lustigen Momente am Rande, ja selbst die Situation, in der sich Hape in der vollautomatischen Kleidermaschine verheddert, eine Szene die schnell ins zu alberne hätte umkippen können und die Hape auf Loriot-Art zu lösen wusste.

Auch der Stand der Sekte, mit ihrem herrlich nervigen Gesang und der Running Gag mit der deutschen Grammatik sind typische Trümpfe des Komikers, die zum Glück nicht auch noch flöten gingen. Für Fans ist der Klingelton Olafs zudem ein herrlicher Insidergag auf „Kein Pardon“, so etwas wissen Fans zu schätzen.

Schlussendlich tat es gut Kerkeling endlich mal wieder in einem Film zu sehen. Es war allerdings eine Komödie mit Hape, keine Hape-Komödie. Und mehr als angenehme Routine ist bei der lauen Story auch nicht rumgekommen. Zumal die Geschichte, obwohl sie u.a. Verklemmtheit verarscht, selbst arg verklemmt daherkommt, ab und an sogar richtig bieder wirkt. Zudem fehlte die sonst so fröhliche und unglaublich humorvolle Musik des Komikers. Das finde ich auch etwas schade. Einen nicht zu erwartungsvollen Blick kann man trotz alledem ruhig mal riskieren.  OFDb