Allein der Aspekt nun tot zu sein und spuken zu müssen, um das eigene Heim zu verteidigen, hätte gereicht um einen zufriedenstellenden Plot abzuliefern. In den Händen Burtons ist dies jedoch nur ein Aspekt unter vielen und zudem einer der mit vielen Ideen ausgeschmückt wird. Besonders gut hat mir die Verwirrung der zentralen Geister gefallen und die jenseitsbürokratische Selbstverständlichkeit, mit der jegliche Kenntnis eines Nichteingeweihten geradezu erwartet wird. Jeder der einmal eine Steuererklärung abliefern musste, weiß dass das stark an der Realität angeknüpft ist. Spielereien wie die aufgemalte Tür, Figuren wie die geltungssüchtige Neuzugezogene und ihr mit Jeffrey Jones so wundervoll besetzter Ehemann und Maskeraden wie die schrägen Monstertransformationen, wenn das verstorbene Paar endlich gelernt hat anständig zu spuken, tragen diesen fantasiereichen Film, von dem ich mir manches Mal gewünscht hätte, er würde dem Zuschauer nicht alles erklären, sondern manches selbst entdecken lassen. Aber das ist halt typisch Hollywood, und was soll man bei solch kurzweiligem und einfallsreichem Ergebnis groß über derart Nebensächliches meckern? Ein Jahr später folgte dem Kinofilm eine Zeichentrickserie. OFDb
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
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22.02.2023
BEETLEJUICE (1988)
Mit Beetlejuice lieferte Tim Burton recht früh etwas ab, das man mittlerweile als geradezu typisch für den Regisseur bezeichnen würde. Sicherlich hätte er ihn später mit Stammdarsteller Johnny Depp besetzt, aber mit Keaton in der ungewohnten Rolle der schrillen Titelfigur schien er ebenfalls zufrieden zu sein, wo er ihn in seinem Folgefilm "Batman" doch den Helden spielen ließ. Und die hier noch recht junge Winona Ryder sollte er sich zwei Jahre später für "Edward mit den Scherenhänden" zurück holen, Jeffrey Jones sogar des öfteren. Hier agieren sie alle inmitten einer spielfreudigen, sympathischen Schar an kleinen und großen Berühmtheiten äußerst gelungen und werden trotzdem nicht gerade knapp mit Spezialeffekten unterstützt, die der Phantasie keine Grenzen zu setzen scheinen. Überfrachtet wirkt das nie, lediglich die extreme Art von Beetlejuice selbst empfand ich persönlich manchmal als zu viel des Guten, aber das mag jeder anders sehen und letztendlich kommt er überraschend selten vor inmitten einer wahrlich erzählenswerten Geschichte.
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30.07.2018
EIN GANZ NORMALER HELD (1992)
"Ein ganz normaler Held" beschäftigt sich mit den Funktionen der Medien, dem Konsum der Gesellschaft, dem Weltbild das man sich wünscht, jenem welches die Medien uns bieten und dem welches es in der (Kino)Realität tatsächlich gibt. Es geht um Gier und Manipulation, um Verzweiflung und Menschlichkeit, um Individuen und kreierte Mediengeschöpfe, um Gewissen und Gleichgültigkeit und letztendlich darum dass nichts so einfach ist wie es zu sein scheint. Interessanter Weise ist die hier besprochene Satire trotz ihrer Angriffsfelder keinesfalls eine sonderlich bissige ihrer Art geworden. Zwar werden besagte Anliegen gut ausgeleuchtet und gekonnt angeprangert, mit seinem Schwerpunkt auf den Bereich der Tragikomödie hebt "Hero" (Originaltitel) jedoch den menschlichen Faktor hervor und will die Menschen wie sie sind gar nicht als Wesen vorführen, die sich ändern müssten. "Ein ganz normaler Held" spielt augenzwinkernd mit den Umständen unserer Gesellschaft und macht daraus eine Liebeserklärung an die zwei Seelen die in jedem von uns ticken.
Sicherlich gelingt ein solches Vorhaben nur mit einem Ansatz innerhalb von Kinorealität. Wirklich realistisch fühlt sich da kaum etwas an, das will Stephen Frears auch nicht. Er möchte Kino bieten, die Leute sollen Kino erleben und trotzdem einem geistreichen Film folgen, der in der Lage ist die Lebenswelt in Amerika zu reflektieren. Ohne Blauäugigkeit funktioniert ein solcher Schwerpunkt freilich nicht. Aber eine Satire muss auch nicht immer zynisch und spöttisch sein, es ist schön sie auch einmal auf die lebensbejahende Art mitzuerleben. Und da sowohl die Geschichte an sich, als auch die Charakterisierung des im Zentrum stehenden LaPlante sehr individuell und greifbar ausgefallen sind, steht dem Funktionieren eines solchen Vorhabens meiner Meinung nach auch nichts im Weg. Das Drehbuch versteht seine Figuren, lässt die Geschehnisse aus dem Blickwinkel eines Gesellschaftshassers stattfinden und teilt dabei nach allen Seiten Kritik und Verständnis aus, mit dem besonderen Trick trotzdem keinesfalls naiv zu wirken.
Stephen Frears, der später noch so tolle Werke wie "Mary Reilly" und "High Fidelity" ablieferte, inszeniert gekonnt routiniert, sprich die Inszenierung lässt keine Wünsche offen, auch wenn nicht gerade mit künstlerisch wertvollen Aspekten vorgegangen wird. Dem Mann geht es um die Erzählung der Geschichte, er will Unterhaltung bieten und ein schweres Thema leicht zubereitet servieren. Und all dies ist ihm mit dem kurzweiligen und keineswegs oberflächlich ausgefallenem "Accidental Hero" (Alternativtitel) geglückt, wobei der Kniff Dustin Hoffman für die Hauptrolle zu erhaschen sich als wahrer Glücksgriff erweist, welcher den ohnehin schon geglückten Film zusätzlich aufzuwerten weiß. Ihn im Originalton vor sich hingrummeln zu hören ist bereits die halbe Miete. Die Mimen um ihn herum sind ebenfalls alle passend besetzt.
Zu meckern gäbe es höchstens etwas über die Aussagen welche der Film trifft, da kann man sicherlich über einige Punkte geteilter Meinung sein. Letztendlich betrachtet Frears das Treiben des Streifens jedoch aus einer solch großen Entfernung, die ein Verurteilen der Geschehnisse schon nicht mehr zulässt, und erwartet diese Haltung gewisser Maßen auch vom Publikum, ohne dies dabei frei von Kritik halten zu wollen. Kritisch zuschauen ohne zu verurteilen ist ein schwieriger Ballance-Akt, den nur wenige Zuschauer hinbekommen werden. Da ist es um so schöner, dass Frears dies mit diesem Werk als Regisseur zusammen mit den Autoren gelungen ist. "Hero - Ein ganz normaler Held" (Alternativtitel) sieht man seine Laufzeit von über zwei Stunden nicht an, und ich habe ihn sicher nicht zum letzten Mal gesichtet. OFDb
15.07.2018
DIE FLIEGE (1986)
Der Neuverfilmung "Die Fliege" liegt ein guter gleichnamiger Klassiker zugrunde, der seiner Entstehungszeit geschult sicherlich eine Spur zu naiv ausgefallen ist, aber nichtsdestotrotz ein gelungener Science Fiction-Horror ist. Das eine Spur wissenschaftlicher angegangene Sequel steht dem Original in nichts nach, übertrifft es meiner Meinung nach sogar, obwohl es ebenso wie die Erstverfilmung in seiner Zeit feststeckt. Eine Lächerlichkeit schwebt in der Luft, wenn man den stets gut agierenden Jeff Goldblum mit seiner widerlichen Frisur erblickt, wie es sie auch nur in den 80er Jahren geben durfte. Es dauert tatsächlich sich daran zu gewöhnen, zumal seine Mitspielerin ebenfalls zu modisch, und damit mit heutigen Augen zu veraltet und albern, wirkt. Glücklicherweise rückt diese unfaire Lächerlichkeit mit der Zeit immer mehr in den Hintergrund, da "Die Fliege" auf einer enorm stark erzählten Geschichte aufbaut, die uns für das immer poppiger werdende 80er Jahre-Kino noch angenehm sachlich präsentiert wird.
Wie schon in "Parasiten-Mörder", "Videodrome" und manch anderem Werk konzentriert sich Kult-Regisseur David Cronenberg auf sein Spezialgebiet, den Körperhorror, und gibt dem Film somit einen anderen Schwerpunkt als "Die Fliege" aus den 50er Jahren. Die Tricktechnik damaliger Zeit darf handgemacht zeigen was sie kann und bringt den Zuschauer gleichermaßen zum staunen und zum ekeln, so gekonnt geht das Effekte-Team vor. Man darf ihnen zugestehen, dass ihr Werk auch heute noch zu überzeugen weiß, so dass die Spezialeffekte weit besser gereift sind als das Aussehen der Protagonisten. Einzig die Kreatur am Schluss des Filmes kann mit den restlichen Effekten nicht mithalten, ist aber für seine Entstehungszeit ebenfalls hervorragend getrickst.
Cronenbergs "Die Fliege" hebt sich insofern von den meisten anderen Horrorfilmen, die auf Ekeleffekte setzen, ab, als dass er zum einen trotzdem andere Faktoren nicht vernachlässigt. So ist die Charakterzeichnung der beiden wichtigsten Figuren sehr tief ausgeleuchtet ausgefallen, so dass die Geschichte lange vor der Verwandlung Brundles bereits hochinteressant erzählt ist. Auch die Psychologie der Geschichte funktioniert und bleibt glaubwürdig. Zwischenmenschliche Zusammenhänge werden erkannt, Berufen werden Charaktereigenschaften zugedacht, die über die üblichen Stereotype hinausgehen, Figuren machen verschiedenste Entwicklungen glaubwürdig durch, ändern Sichtweisen, lernen durch Erfahrung, erkennen Irrtümer. Die sachliche Art der Erzählung verleiht dem flott erzählten Film einen ernsten Grundton, auf welchem im Laufe der Zeit die Spannung fußen kann, so dass die Bedrohung schnell zu spüren ist, auch wenn sie erst unterschwellig brodelt. Auf eine halbwegs trocken erzählte Art ist "The Fly" (Originaltitel) ein hoch atmosphärisch ausgefallener Film, der seine Thematik von Beginn an ernst nimmt, keinerlei Humor zulässt und inhaltlich nie zur unfreiwilligen Komik verkommt.
Zum anderen, und das ist nun der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Ekel-Horrorfilmen, nutzt Cronenberg die Spezialeffekte nicht zum Selbstzweck. Sie sind neben der Psyche der Hauptfigur der Erkennungsfaktor der Verwandlung Brundles, die das Drehbuch äußerlich wie innerlich gleichermaßen ausleuchtet, ohne einen von beiden Prozessen zu vernachlässigen oder vorzuziehen. Cronenberg zeigt Brundles Mutation in einer Gnadenlosigkeit, lässt den Zuschauer an den meisten Prozessen teil haben und verzichtet an anderer Stelle nur deswegen darauf, um das Publikum auf andere Weise schockieren zu können. Zudem nutzt Cronenberg diese Effekte, um uns das Leiden des Wissenschaftlers nahe zu bringen. Somit werden die Verwandlungssequenzen nicht nur hart und provozierend eingesetzt, sondern dienen einem psychologischen Verständnis, sie werden zu einer Brücke der Empathie, damit der Zuschauer halbwegs nachvollziehen kann, wie es Brundle wohl gehen mag. Mehr noch, über die Verwandlungen Brundles und der daraus entstehenden, erschreckenden Optik können wir uns umso mehr in die schockierte, irgendwann aus dem Prozess ausgeschlossene, Veronica hinein versetzen, die sich schließlich in jenen Mann verliebt hat, der nun einer extremen Behinderung unterliegt. Hilflos muss sie mit ansehen, wie der Mann den sie liebt nach und nach verschwindet.
Auch seelisch ist kaum noch etwas von ihm vorhanden, was nicht nur als Fakt zu akzeptieren ist, sondern aufgrund der Eigenschaften einer Fliege, die uns zuvor nahe gebracht wurden, Richtung Finale für eine weitere Ergänzung der Geschehnisse genutzt wird. Die Geschichte kostet somit jegliche Möglichkeit verspielt, aber ernst nehmend, aus, so dass der Zuschauer auf verschiedenen Ebenen immer wieder herausgefordert wird. Das Ganze wird uns spannungsgeladen präsentiert, gleichzeitig hochgradig dramatisch ohne dabei theatralisch zu werden. Cronenberg zeigt Emotionen stets innerhalb des sachlichen Grundtons des Streifens, ohne dabei unterkühlt oder empathielos zu wirken. Und man soll es kaum glauben, aber inmitten eines Filmes, der für seine heftigen Spezialeffekte bekannt ist, nutzt der Regisseur gelegentlich sogar den Kniff des Verzichts und lässt das Grauen im Kopf des Zuschauers geschehen, was erneut beweist wie vielschichtig "Die Fliege" ausgefallen ist, selbst in ihren scheinbaren Oberflächlichkeiten. Bei einem so starken Ergebnis wünscht man sich das depperte Aussehen der Protagonisten wäre nicht so extrem ausgefallen wie geschehen. Andererseits dient die äußerliche Lächerlichkeit der Hauptfiguren somit heutzutage als zusätzlicher Beweis dafür, dass der Film derart stark und intensiv erzählt ist, dass er über dieses Makel nur kurzfristig tatsächlich zu stolpern vermag. OFDb
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