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22.01.2024

GHOSTBUSTERS 2 (1989)

Die Fortsetzung des Erfolgsfilms von 1989, erneut aus der Feder von Dan Aykroyd und Harold Raimis, kommt nicht so energiereich und kreativ daher wie der Vorgänger. Sie ist durchaus okay zu nennen, ein Wiedersehen mit all den liebgewonnenen Gesichtern bereitet Freude, aber trotz 5 Jahre Wartezeit und damit genügend Raum, um mehr als einen Schnellschuss abzuliefern, bleibt Teil 2 im Vergleich erkennbar schwächer. An den größeren Ideen, die seinen Plot umgeben, mangelt es nicht. Die Eingangsidee, was aus den Ghostbusters nach dem großen Sieg wurde, gehört mit zu den lustigsten Einfällen, der Fluss aus Schleim weiß zu gefallen (herrlich die Baustellenszene), New York als Ort der negativen Energie ebenso, und der hörige Lakai des Gemälde des Bösen ist mindestens in der deutschen Synchronfassung recht lustig ausgefallen. In den Details kommt "Ghostbusters 2" jedoch glattgebügelter daher, ist man doch nicht mehr um so viele Gags bemüht wie zuvor und hofft dass die Aufhänger und die Spezialeffekte allein schon für ein positives Sehvergnügen ausreichen. Tun sie irgendwie auch, aber eben nicht mit gleichem Ergebnis. Das ebenfalls von Ivan Reitman abgelieferte Sequel befriedigt die Grundbedürfnisse des von Teil 1 angefixten Zuschauer, das war es aber auch schon. 

Lustige, aus dem Standard tanzende Ideen, wie der Gedanke, dass mit dem Schleim tatsächlich auch sexuell experimentiert wurde, sind leider rar gesät, wo sie hingegen das Original noch überfluteten. Und dass es wieder Dana ist, über die man auf die nächste Katastrophenwelle des Übernatürlichen aufmerksam wird, ist schon etwas einfallslos zu nennen, zumal ihre Beziehung zu Venkman, bzw. das erneute Aufblühen dieser, etwas zu stark ins Zentrum der Geschehnisse gerückt wird. Den alten Figuren werden insgesamt keine neuen Facetten beschert, sie wirken wie Blaupausen ihrer selbst, einzig die Idee den Steuerberater ohne Selbstbewusstsein zum Anwalt der Geisterjäger ohne Selbstbewusstsein zu machen, sorgt für einige Lacher und wird zu einer wirksamen Erweiterung einer von vielen Figuren mit Potential. Auch das eigentliche Hauptereignis, das es zu bewältigen gilt, ist nicht mehr so gewaltiger Natur, wie die Katastrophe, die man seinerzeit aufhalten musste. Und dass die Freiheitsstatue keinen Marshmallowmann ersetzen kann, dürfte klar sein, hätte man also gar nicht erst versuchen sollen. Aber da reden wir ohnehin von der schwächsten Phase des Films, die aus dem simplen, aber noch akzeptablen Gag eines tanzenden Toastern nun ein Phänomen macht, das wie gelenkt wirkt. Wie das denn bitte? 

Die Botschaft, wie es überhaupt zum Sieg über den Tyrannen von einst kommen kann, ist herzlicher Natur, und letztendlich strahlt "Ghostbusters 2" eine Unschuld aus, die es einem leicht macht zu akzeptieren, dass es sich nur um eine simple Fortsetzung handelt. Sie unterhält, sie vergnügt, sie beschert schöne Momente, nicht mehr, nicht weniger, da hat es schon weit weniger gute Fortsetzungen gegeben. Bedenkt man aber, dass alle wichtigen Personen vor und hinter der Kamera wieder mit am Start waren, wirkt es dennoch wie eine vertane Chance. Da nicht jeder vom Ensemble mit der Spielfreude von einst dabei ist, schien dies aber schon während des Drehs aufzufallen.  Wiki

21.01.2024

GHOSTBUSTERS (1984)

Neben "Zurück in die Zukunft" dürfte "Ghostbusters" wohl die heute noch kultigst verehrte US-Komödie der 80er Jahre sein. Und das passt schon, verkörpert er doch alles, was die Anhänger dieses Jahrzehnts am Kino dieser Zeit wertschätzen. Er mag laut, mit Spezialeffekten überfrachtet und auf massentauglich getrimmt sein, aber das von den Hauptdarstellern Dan Aykroyd und Harold Ramis verfasste Drehbuch hält tatsächlich einige gekonnte Lacher bereit und bietet eine erzählenswerte Geschichte. Die ist zwar weit simpler ausgefallen, als das große Kawumm drumherum zunächst erkennen lässt, aber angereichert mit allerhand amüsanten Randideen und besetzt mit einer gut aufgelegten Schar Berühmtheiten, wird aus der amüsanten Chose tatsächlich ein Hingucker. Mir persönlich ging manch zu prollig ausfallender Spruch Venkmans auf den Geist, den ich entgegen der populären Meinung insgesamt eher als den Schwachpunkt der Figurenzeichnungen sehe (wobei ich trotzdem erwähnen will, dass auch er einige gute Passagen beschert bekommen hat), und das finde ich etwas schade, ist es doch Bill Murray, der diese Rolle bekleidet, und der ist äußerst talentiert. Sein Spiel und die deutsche Synchronstimme biegen manch zu plumpes Gehabe gerade, so dass die Figur trotzdem nicht zum penetranten Störfaktor wird. Und jede Menge anderer lustiger Figuren, insbesondere jene von Rick Moranis verkörperte, lassen ohnehin nicht zu, dass eine Schwäche dem kompletten Werk schaden könnte. 

Etliche Randfiguren, ob natürlicher oder übernatürlicher Abstammung, sprühen vor Einfallsreichtum und treffsicherem Humor. Die Charaktere, so oberflächlich sie auch ausfallen mögen, kommen trotz dem Meer an Spezialeffekten und einer Geschichte, die stets neue Sehwerte beschert, nicht zu kurz, entfachen Sympathie und durchdringen die Stereotype, das sie eigentlich verkörpern. Die obligatorisch integrierte Liebesgeschichte wird an der kurzen Leine gehalten. Dass ihr im Happy End mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, als zu ihrem bisherigen Gehalt passend gewesen wäre, lässt sich ebenso verschmerzen, wie das etwas zu penetrante Abfeiern der Helden bei ihrer Ankunft und nach dem Sieg. Klar, hier wurde Metaebenen-durchdringend gearbeitet, wenn die Statisten ihren Prominenten zujubeln und Regisseur Ivan Reitman dies nutzt, um es so aussehen zu lassen, dass die Geisterjäger gefeiert werden. Aber es hinterlässt einen etwas zu selbstherrlichen Eindruck, das finde ich etwas schade. Zumal "Ghostbusters - Die Geisterjäger" (Alternativtitel) ansonsten aus all den typischen Hollywoodkrankheiten das Gute herauszuholen weiß. Vieles von dem, was an anderen Werken stören würde, wird hier zum Pluspunkt, woran man erneut sieht, dass es auf das Drehbuch und professionelle Beteiligte mit Herzblut an der Sache ankommt, ob ein großes Showereignis mit lautem Dauerfeuerwerk an Gags und Effekten letzten Endes zu etwas Sehenswertem wird oder nicht. Mancher Schauwert mutet derart professionell an, dass er 9 Jahre vor dem endgültigen CGI-Einzug ins US-Kino wie ein Effekt aus dem Computer wirkt (positiv gemeint).

"Ghostbusters" mag massenkompatibel umgesetzt sein, hält seine Geschichte leicht verständlich und lässt nie Zeit zum Atmen aufkommen, aber er ist zudem ideenreich umgesetzt, schlägt inhaltlich dennoch manchen Haken, erwartet eine große Leistung von den Verantwortlichen vor und hinter der Kamera und hat auch tatsächlich Erzählenswertes  zu bieten. Er ist nicht einzig auf die Bedürfnisse des Publikums ausgelegt, wie die seelenlos wirkenden Großproduktionen von damals und heute, sondern entfacht tatsächliche Sympathie und Begeisterung, gerade auch weil er inmitten einer Geisterkomödie gar nicht erst versucht das Horrorgenre zu streifen oder zu ehren. Dies wird hemmungslos veralbert, spätestens mit der wundervollen Idee den Marshmallowmann zum Endgegner zu machen.  Wiki

03.12.2015

SPACEBALLS (1987)

Im Vergleich zur eher stimmig erzählten Mel Brooks-Parodie „Frankenstein Junior“ kommt „Spaceballs“ laut und übertrieben albern daher. In seiner Gag-Konzeption ist er aufgrund des Wunsches auf Wiedererkennung der zu parodierenden Filme eher vergleichbar mit „Scary Movie“ anstatt mit „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“, zumal man hier wie dort nicht die Mechanismen des Genres nutzt um zu parodieren und nur selten einen intelligenten Hintergedanken zu seinen Witzeleien hatte. Es wird einfach hemmungslos albern herumgeblödelt, auf allem herumgeritten was halbwegs mit dem Thema Weltraum zu tun hat, und man kann es Mel Brooks hoch anrechnen, dass er im Gegensatz zu „Robin Hood - Helden in Strumpfhosen“ und zu „Dracula - Tot aber glücklich“ den richtigen Ton und die richtige Trefferquote gefunden hat, so dass sich „Spaceballs“ rein vom Blödelniveau her trotzdem deutlich vom wesentlich unterirdischeren „Scary Movie“ abhebt.

Das Konzept der geistfreien Filmparodie an sich schafft nicht automatisch einen schlechten oder zumindest minderwertigen Film, wie „Spaceballs“ beweist, der es vom Unterhaltungswert her locker mit den geistreicheren Filmparodien dieser Welt aufnehmen kann. Mel Brooks ist ein kleines Wunder geglückt, so perfekt pointiert hier hemmungslos herumgeblödelt wird. Das Spiel mit den Stunt Doubles und die Kritik am Marketingwahn der damaligen „Star Wars“-Filme sind Beispiele höchst seltener Momente in denen ein tieferer Gedanke, bzw. eine Idee aus dem Hintergrund des Filmschaffens Pate für einen Gag stand. Der Rest kommt so angenehm sinnlos daher wie die eigentliche Geschichte des Streifens, die keines der Vorbilder Szene für Szene nachäfft wie es „Scary Movie“ tat, sondern trotz ganz direkt parodierter Filme eine eigenständige Geschichte erzählt, die so selbstständig daher kommt, dass kein dünner roter Faden sie mühsam beisammen halten muss.

Da wird Chewbacca zum Weltraumhund, genannt Möter, degradiert, Prinzessin Leas Frisur entpuppt sich bei Prinzessin Vespa als Kopfhörer, das endlos große Raumschiff wird zum Transformer, der wiederum an einer berühmten „Planet der Affen“-Szene mehr beteiligt ist als man vermuten darf. Und aus dem furchteinflößenden Herrscher Jabba wird der Mafiosie Pizzamampf, von dessen Haut auch seine rechte Hand ruhig einmal kosten darf. Wenn die einleitende „Krieg der Sterne“-Schrift damit parodiert wird, dass darauf hingewiesen wird dass man keine Brille benötigt, wenn man den Text lesen kann, dann weiß man in etwa welches Witzeniveau einen weiterhin erwarten wird. Feingeistigen Humor kann hier suchen wer will, man wird ihn nicht finden. „Spaceballs“ ist ein Film der lauten Lacher, und die bekommt er aus dem Zuschauer auch gekonnt herausgekitzelt.

Hierfür werden hauptsächlich Szenerien aus "Krieg der Sterne", aber auch aus „Raumschiff Enterprise“, „Alien“, „Der Zauberer von Oz“ und vielen anderen Filmen parodiert, und der Geräuschemacher Michael Winslow, den die meisten wohl aus den „Police Academy“-Filmen kennen werden, darf in einem kurzen Auftritt ausnahmsweise einmal witzig wirken kurz bevor geistfrei über Marmelade gewitzelt werden darf, so wie später an anderer Stelle über Joghurt. Der Möter und das Durchkämmen der Wüste haben es bei der damaligen „Spaceballs“-Generation zu geflügelten Worten geschafft, Witzbeispiele die mit als erstes genannt werden, wenn man sich über diesen recht berühmten Film unterhält.

Die Besetzung ist mit kindlisch verspielter Freude dabei, allen vorran der gern unterschätzte Rick Moranis, der die Darth Vader-Antwort Lord Helmchen aufgrund seiner Brille nicht nur optisch äußerst komisch verkörpern darf, sondern auch durch seine völlig infantile und verwöhnte Art, die zu solch großartigen Witzeklassikern wie der wahnsinnigen Geschwindigkeit führten und dem romantischen Puppenspiel mit Merchandising-Puppen. Meine liebste Helmchen-Szene ist das völlig kindische Verhalten während des Betrachtens des Mr. Radars nach einem Kaffee aus dem Mr. Coffee.

„Spaceballs“ wurde dank Witze wie der Szene im Jetzt, dem Beamen in den Nebenraum und dem schwulsten Lichtschwerterkampf der Filmgeschichte zum Kultfilm, und selten durfte so hemmungslos unter Niveau gelacht werden ohne sich hinterher dafür schämen zu müssen wie hier. Brooks Weltraum-Parodie ist ein pointensicheres Fest für die Lachmuskeln, wie es dies auf diesem unterirdischen Niveau nur selten so perfekt umgesetzt vorzufinden gibt und ist damit Werken seiner Zeit wie „Die nackte Kanone“ und „Kentucky Fried Movie“ ebenbürtig. „Spaceballs“ geht trotz hohem Gag-Tempo nie die Puste aus, die Story wird trotz der Hauptbemühung bekannte Vorbilder zu parodieren niemals langweilig, und somit kann man den König der Flachköpper als rundum gelungen bezeichnen, zumal man ihn alle paar Jahre immer wieder schauen kann, um erneut herzhaft zu lachen.  OFDb

04.11.2014

L.A. STORY (1991)

Trotz seiner groben Albernheiten, die man besonders in den Frühwerken des Komikers vorfindet, gehört Steve Martin zu den feingeistigen und intellektuell geprägten Humoristen seines Landes, was er mit seinem persönlichen Meisterstück „L.A. Story“, das freilich aus seiner Feder stammt, auch allen bewiesen hat. Diese Ader, mittlerweile auch in Buchform und Theaterstücken bewiesen, war vor hier besprochenem Film noch eine Realität, die nur der gute Beobachter wahrgenommen hatte. Am deutlichsten war sie jedoch in „Roxanne“ erkennbar, in welchem nicht nur ein klassischer Stoff neu bearbeitet wurde, sondern auch Martins Talent zur Poesie und dem distanziert humorvollen Umgang mit dieser deutlich wird.

Ohnehin kann man „Roxanne“ als Fingerübung des reiferen „L.A. Story“ verstehen, die sich zudem ein Sub-Genre teilen, das der romantischen Komödie. Reif heißt bei Steve Martin glücklicher Weise nicht, dass Albernheiten ausgeschlossen werden. Martin besitzt einen erwachsenen Intellekt und weiß dass das eine das andere nicht ausschließt und beherrscht das Talent es somit gekonnt miteinander verknüpfen zu können. Lediglich sein Drang der Sexualprovokationen, ein typisches Markenzeichen des Mannes, das ihm schon immer viel Kritik beschert hat, wirkt diesmal häufig Fehl am Platz und fügt sich nicht mehr so perfekt ein wie in „Der Mann mit zwei Gehirnen“. Es wirkt nicht einmal so sympathisch skurril platziert wie seinerzeit in „Roxanne“.

In solchen Momenten wird die Geschichte, die kaum eine ist, etwas holprig. Aber das ist die Ausnahme. Steve Martin weiß genau was er will, und Mick Jackson schien seine Vision genauestens zu teilen, denn der schafft es die Gefühle richtig zu übertragen, eines der wichtigsten Elemente dieses Streifens, denn „L.A. Story“ ist Martins gefühlvollstes Werk. Es ist den Darstellern, der Inszenierung und dem Drehbuch zu verdanken, dass man die Protagonisten so gut kennenlernt und mit ihnen mitfühlt, dass die eher kitschige Musikuntermalung von Enya nicht nur abgedämpft wird, sondern zu einem der wunderschönsten Merkmale von „L.A. Story“ wird. Wenn im Finale das Wetter mystisch tobt, fern jeder realen Erklärungsmöglichkeit, dann ist es der Musik von Enya zu verdanken, dass die Szene so perfekt zu wirken weiß.

„L.A. Story“ wird aber ohnehin von toller Musik begleitet. So erklingt zu Beginn des Streifens der Song „La mer“, und das nicht in irgendeiner lieblosen Coverversion, sondern im unwiderstehlichen Original von Charles Trenet. Der Abspann kommt fröhlicher daher mit einem selten so sympathisch wie hier wirkenden „Doo Wah Diddy“, und mittendrin gibt es auch so allerhand musikalisches zu entdecken - und seien es nur die dumpfen Tuba-Töne von Telemachers neuer Bekanntschaft, einer Engländerin, mit deren Hilfe Steve Martin seine skurrile Liebe zu einer Stadt der Verzweiflung, Dekadenz und Hoffnung zugleich dem Publikum nahe bringt.

Diese Stadt verweigert sich geradezu der intelektuellen Tiefe, isoliert Menschen, macht sie unglücklich. Und darin liegt die Herausforderung. Harris T. Telemacher wird immer wieder zu seinem Erfinder Steve Martin, zumindest kommt mir das so vor. Und der trickst die Stadt aus, indem er aus ihr etwas Wunderbares macht, in Unmöglichkeiten Möglichkeiten sieht, und die Frage nach Kunst und Schrott auf den Kopf stellt. Man merkt dass Steve Martin die Stadt dafür liebt und nicht hasst. „L.A. Story“ ist eine ehrlich gemeinte Liebeserklärung, und sicher auch ein gewolltes Sinnbild dafür, dass Dinge nur etwas wert sind, wenn man sie sich erarbeitet. Als Intelektueller in L.A. bleibt einem nichts anderes übrig um nicht geistig unterzugehen.

Martin liebt die Stadt L.A., obwohl sie den Menschen zu schaden scheint, so sehr wie Martin auf den höchst skurrilen und dekadenten Macken seiner Bewohner herumreitet. Aber jeder der einmal verliebt war weiß nicht nur dass Negatives im rosaroten Blick zu verschwinden scheint, in einer langfristigen Beziehung werden die Macken gerade zu dem was den Menschen so interessant und individuell macht, dem man sein Herz schenkt. „L.A. Story“ macht dies deutlich, sowohl anhand der Stadt, als auch anhand der Menschen die in ihr leben. Dass Steve Martin hierbei das klassische Stilmittel der Übertreibung wählt dürfte klar sein, aber das passt schon und wird zu einem passenden Kontrast mit dem Minimum an rotem Faden.

„L.A. Story“ weiß auch in seiner Besetzung zu gefallen. Neben dem Autor spielt auch seine damalige Ehefrau ein letztes Mal mit, Victoria Tennant, die der gute Mann seinerzeit beim Dreh zu „Solo für Zwei“ kennen und lieben gelernt hat. Kurz nach „L.A. Story“ kam es leider zur Trennung. Eine damals noch unbekannte Sarah Jessica Parker spielt eine nicht unbedeutende, flippige Rolle. Und in einem Gastauftritt kommt uns kurz Martins Kumpel Rick Moranis unter die Augen, mit dem er zusammen „Der kleine Horrorladen“ drehte, und dem nach „L.A. Story“ noch das weniger erfolgreiche Gemeinschaftsprojekt „My Blue Heaven“ folgen sollte. Auch Chevy Chase und manch andere Prominenz huscht mal schnell durchs Bild, jedoch nicht in solch nennenswerten Gastrollen wie der des schwarzhumorigen Totengräbers.

„L.A. Story“ dürfte Steve Martins persönlichstes filmisches Werk sein. Dieses Niveau hat er nie wieder erreicht, den Unterhaltungswert glücklicher Weise aber sehr wohl noch das ein oder andere Mal. Trotz der sehr persönlichen Handschrift schafft es „L.A. Story“ zwar nicht so perfekt zu unterhalten wie „Der Mann mit zwei Gehirnen“ und „Ein Ticket für zwei“, aber er ist trotzdem ein Liebhaberstück, eine Komödie voller fröhlicher Albernheiten in poetischem Gewand, welch sympathisch schräger Mix. Zudem ist die emotionale Wirkung des Stoffes nicht zu unterschätzen. Man liebt förmlich mit. Erst teilt man Martins Liebe zu einem skurrilen Lebensstil in einer morbid-sympathischen Stadt, später teilt man die Gefühlswelt Harris T. Telemachers zu einer ganz besonderen Frau. Wenn das mal kein Liebesfilm mit Überzeugungskraft ist, weiß ich es auch nicht.  OFDb

21.10.2014

EINE WAHNSINNSFAMILIE (1989)

Die 80er Jahre waren nicht nur der Start für Steve Martins Starruhm, dieses Jahrzehnt war in der Klasse seiner Komödien auch sein Höhepunkt. Und sein letztes 80er-Werk sollte allen Freunden von Martins provokativem Humor vor den Kopf stoßen, führte doch nicht umsonst der massentaugliche Regisseur Ron Howard Regie. „Eine Wahnsinnsfamilie“ sollte keinesfalls provozierend oder skurril ausfallen, sich damit von Martins Frühwerken stark unterscheiden, durch seine Positionierung als Tragikomödie sogar von späteren, bodenständigeren Erfolgen wie „Roxanne" oder „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“. Interessanter Weise steht „Parenthood“ (Originaltitel) den anderen 80er Jahre-Filmen Martins qualitativ in nichts nach, und das ist die wahre Überraschung daran. Allerdings muss man sich als Bewunderer seiner Filme auf etwas völlig anderes einlassen.

Den Drama-Bereich mit im Gepäck habend muss man als Europäer zunächst einmal darauf verweisen, dass es die Amerikaner nur selten schaffen lebensechte Tragik in einem Film durchgehend durchzuziehen. Gute Dramen und Tragikomödien aus diesem Land sind am Ende oftmals lediglich schön erzählte Geschichten, die einen durchaus traurig und nachdenklich stimmen können, aber im Kopf doch immer erzählte Geschichte bleiben. Werke wie "Wild Boys", „Stand By Me“, „Die Royal Tenenbaums“ und „Peggy Sue hat geheiratet“ zeigen, dass das auch gar nicht schlimm ist, kann diese Art der Erzählung doch eine starke Wirkung entfalten, und so ist es auch in dem im deutschen so unpassend benannten „Eine Wahnsinnsfamilie“ der Fall.

Der präsentiert uns anhand einer großen Familie verschiedene Perspektiven auf das Elternsein. Jeder Erwachsene hat andere Probleme mit seinen Kindern, die es zu bewältigen gibt. Fast jeder löst sie so gut es geht, den Idealfall gibt es nie, und Fehler die begangen werden, können nicht immer easy behoben werden. Das hat wie gesagt nicht immer wirklich mit einer glaubwürdigen Realität zu tun, aber das Gefühlsmeer reißt einen mal heiter, mal traurig mit, manchmal haarscharf am Sozialkitsch vorbeirutschend, aber haarscharf ist glücklicher Weise immerhin auch daneben. Gut so!

Steve Martin steht zwar im Zentrum des Streifens, trotzdem ist er nur Teil dieser großen Familie, und dass der Film so gut funktioniert liegt nicht nur an einem guten Drehbuch, das sich Zeit für Einzelsituationen nimmt und am Ende doch alles zu vereinen weiß, es liegt auch an der starken Besetzung, die ihre größten Talente neben Martin in den Schauspielern Jason Roberds als Gils Vater, Rick Moranis als Gils Schwager und Dianne Wiest in der Rolle von Gils alleinerziehender Schwester besitzt. Gerade Letztgenannte legt großes Schauspiel an den Tag, eine Leistung die häufig neben Keanu Reeves stattfindet, der trotz schwacher Begabung trotzdem nie negativ auffällt, da er die richtige Rolle zugeschrieben bekommen hat, in welcher er innerhalb seines Rahmens zu wirken weiß.

Am Ende darf man es den Talenten in Sachen Drehbuch, Schauspiel und Besetzung zuschreiben, dass „Eine Wahnsinnsfamilie“ ein solch sehenswerter Film geworden ist, der es sich zur Aufgabe macht aufzuzeigen was es für ein Geschenk ist Eltern zu sein. Das ist schon eine Leistung für sich innerhalb einer Gesellschaft, in der gerne darüber diskutiert wird welchen Vorteil das bitte haben soll, wenn man in Sachen Freizeit und Finanzen als kinderloses Paar oder Single doch viel besser darsteht. Mag die Geschichte von „Parenthood“ auch immer zu sehr Kino sein, seine Kernaussage trifft ins Schwarze, gibt Kinder-Skeptikern eine ehrliche Antwort, und wen der Film kalt lässt, der bleibt vielleicht wirklich besser kinderlos, der wird mit der Thematik einfach nichts anzufangen wissen. Jedem anderen sei diese warmherzige Komödie jedoch ans Herz gelegt.  OFDb

23.09.2014

ZUM TEUFEL MIT DEN KOHLEN (1985)

Ehrlich gesagt bin ich kein großer Fan des Komikers und Schauspielers Richard Pryor. Er ist einer der Schwachpunkte von „Superman 3“, spielt oft in lausig geschriebenen Komödien mit wie „Der Spielgefährte“, ein Remake von Pierre Richards bestem Film „Das Spielzeug“, und auch in „Zum Teufel mit den Kohlen“ hätte ich mir manch anderes Gesicht in der Hauptrolle vorstellen können, z.B. den zur Entstehungszeit noch recht unterschätzten John Candy, der hier in einer Nebenrolle völlig unterfordert wirkt und vom Drehbuch her nur selten einen Schmunzler ernten darf.

Okay, die großen Lacher gibt es ohnehin nicht, „Brewster‘s Millions“ (Originaltitel) lebt hauptsächlich von seiner Grundidee und die Welle welche diese schlägt, hat die lauten Gags somit auch gar nicht nötig, und das ist es was den etwas zu durchschnittlich geratenen Film schließlich auch rettet. Ein mauer Star, zu viel Sport in die Geschichte integriert und ein unterdurchschnittlicher Soundtrack können nicht die großartige Idee zerstören auf welcher diese Komödie baut. Klar hätte das alles auch bissiger inszeniert werden können, einen teilweise richtigen Satire-Gehalt erfährt der Streifen beispielsweise nur in seinen kurzen Momenten des Wahlkampfes. Aber Walter Hill schien ohnehin nur eine kleine, amüsante Komödie drehen zu wollen, und genau diese ist ihm auch geglückt.

Trotzdem ist das Ergebnis im Vergleich zu der tollen Idee auf die er baut mager ausgefallen. Die unnötige, aber aus Produzentensicht obligatorische, Love Story weiß nicht zu wirken, allein schon weil die Chemie zwischen den beiden Schauspielern nicht stimmt, aber auch weil es auf beiden Seiten weder einen Grund gibt den anderen zu lieben, noch sich die Gefühle von wenigstens einem von beiden auf den Zuschauer übertragen. Dem geht dieser Bereich der Story völlig am Arsch vorbei. Und auch die Verteilung von Gut und Böse hätte ruhig ein wenig subtiler ausfallen können, anstatt mit dem Holzhammer präsentiert wie hier geschehen.

Andererseits besitzt sowohl die Grundidee als auch die Handschrift des Filmes einen gewissen Grad Comiccharakter, womit die Übertreibung von Gut und Böse doch wieder legitim ist. Die Rolle des Warren will trotzdem nicht wirklich ziehen, und das verwundert, gibt es in „Summer School“ zum Beispiel doch eine ähnlich charakterisierte Figur, die rein äußerlich von der Maske her sogar noch stärker übertrieben ist als Warren, und der funktioniert wesentlich treffsicherer als zur Fleisch gewordenden Comic-Figur.

Man darf also zurecht behaupten, dass „Brewster‘s Millions“ kein großer Wurf geworden ist. Dass er trotzdem Spaß macht liegt neben besagtem Haupttrumpf an den vielen kleinen Randideen, so z.B. jener mittels einer teuren Briefmarke einen großen Teil des Geldes zu verschwenden, oder dem völlig bescheuerten Gastauftritt von Rick Moranis in der Rolle einer Nervensäge, die alles nachplappert was man ihr sagt.

Von solchen Ideen hätte es ruhig noch ein paar mehr geben dürfen, aber es reicht um mit diesem Werk von Walter Hill, jenem Mann der auch „Red Heat“ und „Nur 48 Stunden" gedreht hat und kürzlich mit dem kleinen schlichten Stallone-Film „Shootout“ überraschte, auf 90 Minuten amüsiert zu werden. Wie der Auszug aus seiner Filmographie zeigt ist der gute Mann im Bereich des Actionfilms jedoch besser aufgehoben als in dem der Komödie. Um so erfreulicher ist es, dass der hier besprochene Streifen trotz aller Makel noch so brauchbar ausgefallen ist.  OFDb

09.08.2012

DIE FAMILIE FEUERSTEIN (1994)

Um sich bei seinem besten Freund Fred Feuerstein dafür zu revanchieren, dass dieser ihm half ein Kind zu adoptieren, vertauscht Barney Geröllheimer die Bögen eines betriebsinternen Testes, was zur Folge hat, dass Fred befördert wird. Blind unterzeichnet er Verträge, nichts ahnend dass sein Vorgesetzter die Firma um eine hohe Summe prellen will, die er Fred damit anhängt. Bis Fred dahinter kommt, ist er aufgrund seiner Arroganz und des schnellen Reichtums bereits mit den Geröllheimers zerstritten, so dass diese keinen Anlass sehen den Feuersteins aus ihrer Bredouille zu helfen...

Felsenstarker Tobak...
 
Wer die Filme kennt, die Brian Levant sonst so verbrochen hat, dürfte mit Schrecken an eine Realverfilmung der Zeichentrickserie „Familie Feuerstein“ denken. Auf das Konto des Regisseurs gehen die Rohrkrepierer „Sind wir schon da?“, „Ein Hund namens Beethoven“, „Ein Satansbraten kommt selten allein“, „Versprochen ist versprochen“ und die arg gewöhnliche Fortsetzung des hier besprochenen Streifens namens „Die Flintstones in Viva Rock Vegas“.

Vielleicht lag es daran, dass Steven Spielberg (hier freilich Spielrock genannt) den Streifen produzierte und sicherlich auch die Erfinder William Hanna und Joseph Barbera Mitspracherecht bei der Realisierung besaßen. Anders lässt sich der Qualitätsunterschied zu Levants weiteren Arbeiten kaum erklären. Denn „Familie Feuerstein“ ist genau das geworden, was man sich von ihm erhofft hat: ein zu Leben erweckter Cartoon.

John Goodman zählte schon lange Zeit vor der Realisierung zu den Idealkandidaten der Hauptfigur Fred Feuerstein. Und mit Rick Moranis hatte man auch gleich eine gute Entscheidung für die Rolle des Barney Geröllheimers getroffen. Lediglich die zu mollige und ohnehin recht untalentierte Rosie O‘Donnell als Nachbarin Betty sticht als fehlbesetzt hervor, was sie jedoch durch reichlich Spielfreude wieder wett macht, kein Wunder, schien doch jeder der Beteiligten seine kindliche Freude an diesem Projekt zu entdecken.

So spielt nicht nur O‘Donnell wie beschrieben, auch dem ganzen Rest der Besetzung sieht man den Spaß an der harmlosen Sache an. Set-Designer durften sich austoben, bunte Computeranimationen bescheren uns manchen Dino, und die Crew von Jim Henson steuerte noch in gewohnter Qualität einige Puppen bei. Die Drehbuchautoren bedienten sich fleißig bei Ideen aus der Serie und bereicherten diese um einige weitere, während das Script sich inhaltlich an den üblichen Geschichten aus der Serie orientiert. Diese waren simpel, aber wer das dem Film ankreiden will, weil dessen Story damit ebenso simpel ist, hat nicht verstanden, dass auch dies als ehrfürchtige Verbeugung vor dem Original zu verstehen ist und dem Streifen aufgrund der nahen Orientierung an der Serie auch keineswegs schadet.

Außerhalb des Feuerstein-Universums ist den Leuten von Universal Pictures damit ein recht anspruchsloser Film gelungen, der lediglich unterhalten soll. Das tut er auch, und erst mit Blick auf die erfolgreichste Zeichentrickserie vor „Die Simpsons“ erkennt man auch den Anspruch hinter all dem simplen, naiven und harmlosen kindlichen Rumgekasper. Mag sein dass sich nicht jeder davon anstecken lassen kann, aber ich habe diesen Spielplatz für Erwachsene mit viel Spaß an der Sache mitverfolgt - und das schon des öfteren.  OFDb