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07.09.2024

SHARKTOPUS 2 - RETTE SICH WER KANN (2014)

Ein Sharktopus wird in der menschlichen Obhut seiner Entdecker großgezogen. Als die Köpfe eines Klonprojekts, welche die Gene eines Baracudas mit denen eines Flugsauriers kreuzte, Wind von der Existenz des Sharktopus bekommen, verpflichten sie deren Besitzer ihn dafür einzusetzen, um den sogenannten Pteracuda zu bekämpfen. Denn dieser konnte sich befreien und bedroht nun die Menschheit...

Er hört nur auf eine...

So bemüht man auch um die Schöpfung besonders skurril klingender Mischwesen im Kampf der Tier-Horror-Fließbandproduktionen ist, in welcher eine bekloppte Idee die nächste toppen soll, an den Unterhaltungswert von Asylums Mega Shark-Reihe wollen die "Sharktopus"-Filme einfach nicht heranreichen, dabei unterscheidet sie wenig von der Vergleichsreihe. Es sind jedoch die kleinen Unterschiede, die entscheiden ob etwas unterhaltsam ausfällt, oder, wie hier, zu einer zähen Version eines Routinestoffes wird. Da nutzt es auch nichts die Kreaturen so oft wie möglich zu zeigen, ganz im Gegenteil sorgt dies für eine Ermüdung, denn man weiß dass da gegen Ende nichts weiteres zu erblicken sein wird, als zu Beginn. Hinzu kommt, dass der Pteracuda ohnehin wie jeder x-beliebige Flugsaurier aussieht, und damit nur vom Namen was her macht. Zumindest ein kurzer Moment zu Beginn, wenn wir einen Baby-Sharktopus sichten dürfen, bietet etwas Abwechslung und sogar einen gewissen Niedlichkeitsfaktor, ansonsten werden die freilich völlig billig animierten Figuren derart inflationär und belanglos eingesetzt, dass ihr Anblick sich schnell ausgereizt hat. Die Geschichte von "Sharktopus vs. Pteracuda - Kampf der Urzeitgiganten" (Alternativtitel, dessen erste Hälfte der Originaltitel ist) ist so 08/15 und austauschbar, wie die Figuren, die sie bevölkert, ein lahmer Routinesound von der Stange dudelt im Hintergrund vor sich hin, vom ursprünglichen Roger Corman-Flair fehlt jegliche Spur, dieser Art Billigproduktion fehlt der nötige Charme, um den nimmersatten Stammzuschauer auf Spielfilmlänge zu sättigen. Auf die etwas zu öde Art, ist er aber immerhin trotzdem noch guckbar, was man von manch anderem Werk dieser Art nicht behaupten kann. In den dritten Teil der Reihe werde ich trotz der bislang mageren Ergebnisse trotzdem irgendwann rein gucken, denn der Gegner dort, ein Mix aus Wal und Werwolf, reizt einen Schundfilm-Freund wie mich dann doch.  Wiki

17.05.2023

HOUSE 2 (1987)

Als "House" mit seinem Konzept einer familienfreundlicheren "Tanz der Teufel"-Variante erfolgreich lief, da wollte Produzent Sean S. Cunningham mit der Fortsetzung den Start einer Reihe unabhängig voneinander stattfindender Geschichten lostreten. Neues Haus, zweite Geschichte, wie man auch scherzhaft im Originaltitel "House 2 - The Second Story" ankündigte. Humor gehörte bereits beim ersten Teil der Reihe dazu, der aber genügend Horrorgehalt besaß, um beide Genres tatsächlich zu vereinen. Mit der Fortsetzung wollte man noch eine Spur familienfreundlicher vorgehen und erhöhte damit in einem auch den Humoranteil. Das Ergebnis besitzt lediglich nur noch Horrorfragmente und gehört dem Genre der Fantasykomödie an. Die Geschichte ist ähnlich wild ausgefallen, wie die erste, wirkt aber noch weniger an einem Stück wie dort, was mehrere Ursachen hat. 

Die Geschichte um einen magischen Schädel, der beschützt werden muss und immer wieder von verschiedenen Interessengruppen diverser Parallelwelten entwendet wird, lebt von seiner Episodenhaftigkeit, und dies so extrem, dass es meiner Meinung nach besser gewesen wäre aus dem Konzept eine TV-Serie zu zaubern. So wie in Spielfilmformat erfolgt, verlaufen die Geschehnisse doch ziemlich austauschbar und willkürlich. Damit haben sie in ihren Eigenschaften Übereinstimmungen mit den Charakteren und der Mentalität des Streifens, die einem Kinderfilm entliehen scheinen. Motivationen und Konsequenzen spielen keine Rolle zum Einhalt der groben Story, zum Erleben der wilden Abenteuer, für den Spaßfaktor am Übernatürlichen und Fremden. Das kann banal 85 Minuten Laufzeit abdecken, befriedigt aber freilich nicht für einen Film, der nicht als Kinderfilm konzipiert ist. 

Klar, "House 2 - Das Unerwartete..." (Alternativtitel) ist harmlos, er ist tatsächlich eher Jugendfilm, anstatt die Erwachsenen mit an Bord zu holen. Aber doch macht er den Eindruck stets eine ernstzunehmende Fortsetzung des ersten Teils sein zu wollen, und das ist mit derartigen Oberflächlichkeiten nicht drin. In Sachen Schauwerten ist er toll umgesetzt. Das Setting, die Deko, die Kostüme und die Maske wissen zu überzeugen. Und abgesehen von einem zu kitschig ausgefallenen Urzeitraupenhund, der in dieser infantilen Art eher in "Die Reise ins Labyrinth" heimisch gewesen wäre, wissen auch die Kreaturen zu gefallen. Außerdem lässt die Geschichte auch immer wieder Sympathien außerhalb der Schauwerte aufblühen, so besitzt z.B. das Mysterium rund um den Kristallschädel eine gewisse Faszination. Letztendlich ist das Komplettwerk aber nur ein großer Jungs-Traum ohne Konsequenzen, eine bewusste Wahl, was gerade das Schlussszenario unübersehbar zeigt. Das mag mich mit 15 seinerzeit fasziniert haben. Heute lächel ich da kurz drüber, schaffe es auch phasenweise das Kind in mir zu nähren, merke aber, dass das auf Spielfilmlänge nicht mehr wirklich etwas für mich ist. 

"House 2" ist ein wilder Ritt ohne Verstand, bei dem immer wieder etwas passiert, aber es existiert nicht ein Hauch Tiefgang und Konsequenz. Weniger verbohrte Freigeister als ich werden aber sicherlich noch immer Vergnügen mit diesem harmlosen Werk haben, ist es doch handwerklich geglückt und besitzt es doch sein Herz am rechten Fleck.  Wiki

18.08.2022

DIE MUNCHIES (1987)

Als "Gremlins - Kleine Monster" ein großer Erfolg wurde, und der in deren Fahrwasser entstandene "Critters" ebenfalls ordentlich abkassierte, da wollte der berüchtigte B-Movie-Produzent Roger Corman auch etwas vom Geldkuchen abhaben. Also finanzierte er "Munchies" (Originaltitel), beauftragte für die Regie die Debütantin Tina Hirsch, die danach nie wieder einen Film drehen sollte, und bekam den in den USA halbwegs bekannten Harvey Korman, der öfters mit Mel Brooks zusammen gearbeitet hatte, für die Rolle des Schurken besetzt. Ein Komödiant war wichtig, den Corman schwebte eine Komödienversion des Themas um kleine Killermonster vor, und so wurde aus dem Projekt mittels überdrehter, knallbunter und idiotischer Momente ein ziemlicher Klamaukfilm. 

Da die kleinen Monster bis auf diverse Schießübungen auf Menschen am Rande eher auf Jugendstreiche-Niveau tätig sind, geht das Genre Horror in dieser Rezeptur ziemlich unter. Und da weder das Drehbuch mit einer halbwegs durchdachten Geschichte arbeitet, noch tatsächlich funktionierende Komik vorweist, ist aus dem reizvoll klingenden Projekt doch eher ein mageres Stück Film geworden. Die "Critters" strahlten eine echte Bedrohung aus, und die "Hobgoblins" waren zumindest derart schlecht inszeniert, dass sie als unfreiwillig komischer Trash trumpfen konnten. "Die Munchies" hingegen kann nur von einem sehr wohlwollenden Publikum konsumiert werden. Aber mit gnädigem Blick zeichnen sich zumindest ein paar blasse Trümpfe ab. Zum einen steuert Corman des öfteren arg groteske Momente an, z.B. wenn er Zwerge zu Zirkusmusik im Burgerladen arbeiten lässt, oder eine Oma sich per Sylvesterknaller und Gewehr gegen Straßenrowdies zur Wehr setzt. Auch der herrlich tuntig agierende Korman hat seine Momente, und kleine politische Abrechnungen, meist in den deutsch untertitelten, seinerzeit in der VHS-Fassung entfernten, Szenen zu erleben, wissen als kleine Sprüche am Rande ebenfalls zu gefallen. 

Weit weniger weiß der Polizeijüngling zu überzeugen, geschweige denn die wenigen Verbeugungen vor dem finanzstarken Popkornkino, mehrmals freilich "Gremlins" betreffend (man achte nur auf ein Nummernschild oder eine Zeitungsüberschrift) und einmal die Fingerszene aus "E.T." parodierend. Das Ganze würde sich in seiner verzweifelten Art etwas charmanter angucken, wenn der Ursprung und das Treiben der Munchies etwas sinnvoller ausgefallen wäre. Aber warum der erste nie wieder freundlich wird, warum er lebendig am Fundort herumgeistert, warum das Wesen für jeden derart selbstverständlich ist, auf Frauenkörper abfährt, oder auch warum irgendwer auf die Idee kommen sollte einen Munchie zu zerteilen (was trotzdem zweimal geschieht) bleibt der Film alles dem Zuschauer als Erklärung schuldig. Klar, aufgrund des Extremklamauks, der eher eine alternative Idiotenwelt anstatt die unsere aufzeigt, mag das im hier gezeigten Alternativkosmos keine Rolle spielen. Der Zuschauer aber lebt nun einmal in dieser Welt und hätte in einer derart simpel ausgefallenen Trivial-Chose doch einen Hauch mehr an Zusammenhang und Sinn benötigt. 

Die deutsche Synchronisation war sich des zweifelhaften Ergebnisses bewusst, und so fällt das Ergebnis diesbezüglich trotz professioneller Sprecher extrem schrill und dümmlich aus, passend zum Film, zugegeben, aber eben doch eine Spur zu nervig. Ob "Die Munchies" erfolgreich lief, weiß ich nicht. Corman schob zumindest zwei Fortsetzungen hinterher, veränderte aber, ähnlich wie Charles Band mit seinen "Ghoulies", das Prinzip der Reihe. Während Band austauschbare Horror-Dämonen zu einem "Gremlins"-Verschnitt für einen Teil 2 umfunktionierte, machte Corman aus seinem eigenen "Gremlins"-Verschnitt in den 90er Jahren das Schmusemonster "Munchie" für den Bereich der Familienunterhaltung, ein wenig vergleichbar mit der Entwicklung von Fusseltomaten von "Die Rückkehr der Killertomaten" zu "Die Killertomaten schlagen zurück".  OFDb

31.05.2019

AUSGEBURT DER HÖLLE (1955)

Inmitten des recht guten Händchens, welche das Team rund um die Veröffentlichungen der drei Dekaden "Galerie des Grauens" beweist, schlich sich auch "Ausgeburt der Hölle" ein, bei dem selbst das sehr spezielle Zielpublikum viel Wohlwollen und Augenzudrücken beweisen muss, um mit ihm warm zu werden. Die Millionen Augen, die im Originaltitel genannt werden, mögen aufgrund der Besetzung fremder Lebewesen gemeint sein, sind in ihrer Anzahl aber selbst dann stark übertrieben (was für damalige Titel dieser Art typisch ist). Zumindest hat das kleine Vieh, welches wir gegen Ende einige Sekunden zu Gesicht bekommen, davon keine. Und ich glaube auch nicht, dass eine Millionen Augen einst den Streifen im Autokino verfolgten. Es war das ideale Werk zum Fummeln. Wer weiß wie viele Kinder während seiner Laufzeit gezeugt wurden. Denn der Streifen, an welchem Roger Corman ungenannt bei der Regie half, ist penetrant geschwätzig ausgefallen, selten passiert etwas inmitten endlosem Gelabers.

Dieses zeigt sich zunächst jedoch von der angenehmen Sorte, zeigen uns die Dialoge doch auf, dass wir es hier mit denkenden, reflektierenden Menschen zu tun haben, die nicht all zu lang ahnungslos sind, und hilflos geben sie sich schon mal gar nicht. Die sprunghafte Inszenierung, die weit wirrer als die Erkenntnisse der Familie Kelly daher kommt, sorgt für den dümmlichen Gehalt des Streifens, widerspricht sich doch Gezeigtes und Genanntes schnell nur wenige Momente später. Zwar sorgen die Dialoge immer wieder für eine Korrektur, fast jeglicher Fehler besagter Sprunghaftigkeit wird benannt, um alles wieder gerade zu rücken, aber Worte allein halten diese Sprunghaftigkeit nicht zusammen, nicht einmal dann, wenn das zuvor widersprüchlich Gezeigte, zur Auflösung beiträgt. Denn so viel sei verraten: "The Beast with a Million Eyes" (Originaltitel) ist ein Appell an die Liebe. Und die körperlosen Wesen sind gegen diese machtlos. Das braucht aber auch nicht verwundern, denn nie hat es einen Invasionsversuch im Kino gegeben, der tolpatschiger, naiver und schwächer ausgefallen ist, als dieser hier. Einen Toten gibt es zu verzeichnen und jede Menge verzweifelte (fehlgeschlagene) Versuche Menschen zu terrorisieren oder langfristig zu kontrollieren. Selbst bei dem geistig debilen Helfer der Kellys, der ein Geheimnis in sich birgt, welches der Herr Papa vor Jahren schon hätte enttarnen können (was seiner Ehe gut getan hätte), tut sich der Außerirdische schwer.

Und ja, obwohl er ein körperloses Wesen ist, bekommen wir trotzdem noch einen Alien für wenige Sekunden am Schluss präsentiert, was wie jeder Fehler des Streifens ebenfalls per Vermutungsäußerung der Familie Kelly schnell wegerklärt wird. Denn darin sind die Verantwortlichen von "The Beast with 1.000.000 Eyes" (Alternativtitel) wirklich meisterhaft: sie bauen zwar immer wieder Mist in der Logik, bemerken dies jedoch und benennen ihn dann, anstatt ihn vor der Veröffentlichung tatsächlich zu eliminieren. Damit bleibt die Familie für den Zuschauer schlau, der Film bleibt dumm und ist in seiner Botschaft und seiner insgesamt naiven Art jedoch recht putzig zu nennen, wenn auch nicht befriedigend unterhaltsam. Zumindest gibt es einige Vogelattacken acht Jahre vor Hitchcocks "Die Vögel", freilich nicht so gekonnt und intensiv dargeboten wie dort. Ohnehin sind die Tierattacken, neben dem ollen Raumschiff und der Zehn-Sekunden-Puppe, der einzige Schauwert (es sei denn man zählt die amourösen Bildchen an der Wand des geistig Minderbemittelten mit dazu). Und dass man eine Kuh und einen Hund mit wedelndem Schwanz ebenso schwer gruselig eingefangen bekommt wie wilde Hühner und vom Himmel aus attackierende anderweitige Vögel, beweist "Ausgeburt der Hölle" mit seinen nicht funktionierenden Schreckmomenten sehr gut. Die Vögel wirken eher wie tot vom Himmel fallend, anstatt zu attackieren, und die Kuh versucht man per Schnitt als wild gewordenes Wesen zu zeigen, was ebenso charmant in die Hose geht. Gesichtet habe ich anbei die amerikanische Fassung, die neben der deutschen auf der Anolis-DVD enthalten war. Worin sich beide Fassungen unterscheiden weiß ich nicht, aber ich greife, wenn ich die Möglichkeit habe, stets lieber zum unverfälschten Original zurück, anstatt mir eine fremd bearbeitete Erweiterung anderer Länder anzutun.  OFDb

24.01.2018

CAMEL SPIDERS (2011)

Dass sich in einer Monsterfilmproduktion für das amerikanische Fernsehen allerhand genre- und filmerfahrene Gesichter zusammengetan haben, hat noch lange nichts über die Qualität eines solchen Werkes zu sagen, zumal alle hier namhaften Beteiligten seit je her, meist im B-Film-Bereich, wechselhafte Qualität abgeliefert haben. Produziert haben „Camel Spiders“ u.a. Roger Corman und Jim Wynorski, der unter dem Pseudonym Jay Andrews auch gleich die Regie übernommen hat, Hauptdarsteller Brian Krause begann seine Karriere seinerzeit in einer der wichtigsten Rollen im Stephen King-Film „Schlafwandler“, während C. Thomas Howell in einigen Erfolgen wie „Soulman“ und „Hitcher - Der Highwaykiller“ dabei war, lange bevor er Stammdarsteller in Asylum-Produktionen wie „Krieg der Welten 3“ und „Der Tag an dem die Erde stillstand 2“ wurde. Geschnitten hat den hier besprochenen Tier-Horror Tony Randel, der für die Regie von „Hellraiser 2“ und einigen kleineren Horrorbeiträgen verantwortlich war.

Das Ergebnis dieser Zusammenkunft B-Film-erfahrener Dauergäste: Mittelmaß. Dass „Camel Spiders - Angriff der Monsterspinnen“ (Alternativtitel) nicht die langweilige Art Routine wurde, hat man wohl Jim Wynorski zu verdanken, der bereits in seinen Anfängen mit „Der Vampir aus dem All“ und „Shopping“ bewies, dass er das rechte Händchen für kleine Schundfilmchen besaß. Selbst billigst computeranimierte Spätwerke für das US-TV, wie „Island of Beasts“ oder „Gargoyles - Flügel des Grauens“ wussten sich trotz ihres müden Standards halbwegs frischer von Konkurrenzprodukten ähnlicher Produktionsbedingungen abzuheben.

Dies ist ihm mit „Camel Spiders“ zwar nicht geglückt, zumal der ansonsten gern verwendete augenzwinkernde Ton diesmal fehlt, aber aus irgendeinem Grund weiß die monotone, schon oftmals erzählte Geschichte nicht zu langweilen. Ehrlich, ich weiß nicht warum. Die Figuren sind so egal wie ihre Darsteller, das Drehbuch ist frei von Innovationen und verherrlicht ständig das US-Militär in seiner Pazifisten-feindlichen Orientierung, die Computereffekte sind so uninspiriert ausgefallen wie die Attacken der Viecher um die es zentral geht, und auch anderweitig, z.B. in den Bereichen Soundtrack und Kameraführung, weiß „Camel Spiders“ mit nichts aufzufallen. Alles an dem Werk ist billigste Routine.

Wie auch immer Wynorski es geschafft hat: man schaltet zumindest nicht zwingend vorzeitig aus, das Ergebnis ist, obwohl alles dagegen spricht, nicht zäh wie Kaugummi ausgefallen, weiß aber maximal besonders treuen Freunden des Tier-Horrors zu gefallen. Jeder andere Zuschauer wird mit den Schultern zucken und weiter zappen. Filmfreunde, die üblicher Weise nicht im Horrorbereich unterwegs sind, werden sich eventuell noch wundern, dass sie an „Camel Spiders“ wirklich gar nichts erschreckt hat, außer vielleicht die Penetranz wirklich völlig austauschbare Wege mit der Umsetzung dieses Streifens betreten zu haben.  OFDb

02.07.2017

FRANKENSTEINS TODESRENNEN (1975)

Ein Jahr bevor Sylvester Stallone mit „Rocky“ zum Weltstar werden sollte, ergatterte er eine große Nebenrolle in „Frankensteins Todesrennen“, einer Roger Corman-Produktion, die zwar so kostengünstig ausgefallen ist wie alle Filme unter dessen Geldgebung, dem man diesen Zustand jedoch nicht so offensichtlich ansieht wie in den meisten Werken des Schundproduzenten. Regisseur Paul Bartel verleiht der spöttischen Science Fiction-Satire einen absichtlich trashigen Anstrich, so dass die Kostengünstigkeit Teil des Stilmittels wird, anstatt als Abstrich eventueller Möglichkeiten zu wirken.

Mit dem damals prominenten David Carradine in der Hauptrolle besetzt, erzählt der Film auf humoristische Art etwas Vergleichbares wie der im selben Jahr erschienene „Rollerball“. Beide kritisieren totalitäre Systeme, verurteilen den Spaß am Voyeurismus (der Gegenwart) anhand einer Sportart der Zukunft und stellen diesen durch tödliche und brutale Übertreibung dar. Beide Werke schaffen es gekonnt ihre Gesellschaftskritik an den Mann zu bringen, auch wenn es „Death Race 2000“ (Originaltitel) diesbezüglich etwas schwerer hat, eben weil er freiwillig schundig, teilweise gar recht albern inszeniert ist. Dennoch wird es nie zu zotig, der Klamauk wird dezent eingebracht und nie zu sehr vertieft. Carradine als ernster Mime hält ebenso dagegen, wie die spannend ausgefallenen Rennszenen.

Da wird zur Überspitzung extrem albern das Mediengeschehen mittels überdrehter Moderatoren dargestellt, meistens arbeitet man aber recht augenzwinkernd und sarkastisch mit der traurigen Normalität der Zukunft, gepaart mit bitteren Andeutungen am Rande, wie der Erwähnung staatlicher Erziehungsanstalten, in welchen die zukünftigen Fahrer regelrecht gezüchtigt werden. Während die Manipulation der Wahrheit recht lustig thematisiert wird, in dem Feinde aus dem eigenen Land als Franzosen umgedichtet werden, zeigt sich manche Kritik auch in ihrer Härte, wenn beispielsweise recht blutig den Passanten auf der Straße das Leben genommen wird.

Dank des Mixes aus allen verwendeten Faktoren wird „Herrscher der Straße“ (Alternativtitel) damit zu keinem zweischneidigen Schwert wie „Running Man“. Bartels Film lebt nicht von dem Voyeurismus, den er gleichzeitig anklagt. Die kurzgehaltenen Gräueltaten sind Mittel zum Zweck, um inmitten eines komödiantisch angelegten Plots auf die Ernsthaftigkeit des Themas hinzuweisen. Sie sind weder das einzige Mittel zu diesem Zweck, noch zu dominant eingebracht. Teilweise geschehen diese Bluttaten gar beiläufig. Das Desinteresse der Figuren diesbezüglich stärkt die Kritik an der ignoranten Zukunftsgesellschaft, und eine übertriebene Charakterzeichnung sorgt für die satirische Distanz.

Herrlich kaputt zurecht gemachte Autos, welche die Karren aus „Die Autos, die Paris auffraßen“ müde aussehen lassen, eine temporeiche Umsetzung und ein pointensicherer Umgang mit der Gesellschaft der Zukunft machen aus „Frankensteins Todesrennen“ eine unterhaltsame, gelungene Science Fiction-Satire, die es auf spaßige Art schafft ernste Bedenken der Gesellschaft der damaligen Gegenwart an den Mann zu bringen. Gerade die kostengünstige, fast schon unprofessionell wirkende Umsetzung wirkt zum Erreichen dieses Ziels vorteilhaft. Bartel hält jedoch immer die Grenze gekonnt im Auge, so dass der Streifen nie wirklich amateurhaft oder dilettantisch ausfällt. Er und Corman wussten genau wie sie stilistisch vorgehen mussten, um das gewünschte Ziel zu erreichen.  OFDb

01.05.2017

WAR OF THE SATELLITES (1958)

Immer wieder stoße ich beim Stöbern von Leserkommentaren auf Online-Zeitungen auf diese Menschenhasser, die darüber jammern dass der Mensch eine Seuche wäre, dass der Planet Erde besser dran wäre wenn er endlich ausgestorben wäre und manch ähnlichen selbstzerstörerische Meinungen. Denen könnte die Haltung der Außerirdischen in Roger Cormans Film gefallen, sind doch genau dies die Argumente, mit denen sie die Menschheit von ihren Weltraumflügen abhalten wollen. Dass der Mensch noch nicht so weit ist mit dieser Verantwortung umzugehen, wäre ein passenderes Argument gewesen, welches vielleicht auch nicht den Widerwillen der Menschheit derart erregt hätte. Aber mit diesem arbeitet das Alien nur in einem Gespräch unter vier Augen, anstatt es der kompletten Welt auf diese Art zu erklären.

Wie auch immer, „War of the Satellites“ ist einer der moralischen Filme der Gattung Science Fiction-Klassiker. Mit seiner Warnung von Außerirdischen bedient er sich frei bei „Der Tag, an dem die Erde stillstand“. Ansonsten baut er noch die Körperverdoppelungs-Thematik ein, die es z.B. später auch in der Serie „Raumschiff Enterprise“ mit einem doppelten Kirk geben sollte, Cormans Film spielt mit der Thematik wie Außerirdische unfreiwillig die Menschlichkeit erlernen (hier äußerst naiv dadurch eingebracht, dass sich der Materiemagier from Outer Space ein Herz herbei zaubert, wodurch er sich fortan mit bislang nicht gewohnten Gefühlen auseinandersetzen muss), und auch das häufig verwendete Thema um Sabotage im Weltall findet hier ihren Platz.

Dieser Mix klingt recht aufregend, kommt aber arg monoton daher und ist zudem recht lustlos gespielt. Das merkt man überdeutlich in einer Kampfsequenz, von der ich behaupten kann, dass ich noch selten so etwas verkrampft hölzernes gesehen haben wie diese magere Choreographie. Die eigentliche Geschichte beginnt erst nach ewigem Hinhalten, wobei sich aber so ziemlich jede Aktion vor dem Weltraumflug im nachhinein als die besseren Szenen herausstellt als alles was schließlich doch noch im Weltall stattfindet. Und mit Weltraummonstern, Robotern oder ähnlichem braucht man hier leider auch nicht zu rechnen.

Zumindest wissen manche Dinge das müde Treiben unfreiwillig zu belustigen, sparte Roger Corman doch wie immer an allen Seiten an Geld, so dass der Weltraumflug z.B. in bequemen Wohnzimmersesseln stattfinden darf, ohne dass diese optisch in irgendeiner Weise aufgepeppt wurden. Da hängen Planeten bei einem Weltraumbild überdeutlich an Seilen, und das kleine Feuerchen am Ende der Rakete verrät mir endlich, von welchem Film man sich bei einer Parodie diesbezüglich in „Amazonen auf dem Mond“ inspirieren ließ, wo dieser sich ansonsten doch eher an „Cat-Women of the Moon“ orientierte.

An dessen müdes Niveau kommt Cormans Streifen dann auch eher heran als an die besseren Weltraum-Filme der 50er Jahre. Zwar ist mit „Planet der toten Seelen“ auch eine deutsche Veröffentlichung erschienen, da diese aber um 14 nachgedrehte Minuten ergänzt wurde und ich solchen Pfusch an Originalen so gar nicht leiden kann, hat mich diese Version nicht interessiert. Soll man doch einen komplett eigenen Film drehen, wenn einem der Stoff eines ausländischen Filmes nicht passt. Dieses Verfahren des Aufpeppens eines eingekauften Filmes durch neue Szenen werde ich nie verstehen, dennoch ist es freilich gut, dass auf der von mir erstandenen DVD beide Fassungen enthalten sind. Mag sich „War of the Satellites“ auch keinesfalls so unterhaltsam schauen wie ich es mir eigentlich von ihm erhofft hatte, selbst dieses Ergebnis verleitet mich nicht dazu die manipulierte deutsche Fassung zu schauen.  OFDb

15.09.2016

PIRANHAS (1978)

Piranhas waren gern gesehene Randerscheinungen der Bedrohung in Abenteuerfilmen. Zum Star ihres eigenen Filmes sollten sie jedoch erst nach dem bahnbrechenden Erfolg von „Der weiße Hai“ werden, der in den 70er Jahren eine Tier-Horror-Welle entfachte, bei der auch Roger Corman sein Stückchen vom Kuchen abhaben wollte. Also engagierte er den späteren „Gremlins“-Regisseur Joe Dante „Piranhas“ zu drehen. Der machte aus dem Projekt eine Satire mit Seitenhieben auf das Militär und dem großen cineastischen Vorbild Steven Spielbergs, nebenbei aber auch auf geldgeile Unternehmer und autoritäre Erzieher.

Nach einer stimmigen Einführung der Bedrohung folgt zunächst das Kennenlernen der Figuren und deren Nachforschungen nach vermissten Personen, die sie recht schnell auf das verlassene Militärgelände der ersten Sequenz stoßen lässt. Von nun an lässt der Film den Helden kaum Atempausen, werden sie doch ganz im Gegensatz zu „Der weiße Hai“ fast zu Statisten im eigenen Film, die von einem Ort zum nächsten hetzen und in der Regel dort zu spät erscheinen. Dante beschert den zwei zentralen Figuren genügend Grundcharakter, damit einem die beiden Hauptfiguren nicht völlig egal sind. Und der abwechslungsreiche Rest sorgt dafür, dass dies „Piranhas“ in seinem Ergebnis nicht schadet.

Zwar wissen kleine Fische optisch nicht so toll zu wirken wie ein großer Haifisch, Dante gibt sich jedoch größte Mühe aus den Attacken mehr zu machen als ein sich rot färbendes Wassergeblubber, wie man es aus manch anderem Tier-Horrorfilm, der im Wasser spielt, kennt. Immer wieder unterbricht der Regisseure das hektisch gefilmte Kameragewackel bei Piranha-Attacken, um uns für kurze Momente deutliche Bilder von Wunden oder gefräßigen Zähnen zu zeigen. Das weiß zu wirken. Der herrliche Sound, wenn die hungrigen Biester ihrer liebsten Tätigkeit, dem Fressen, nachgehen, sorgt für den Rest.

Sicherlich ist „Piranhas“ nicht so stimmig ausgefallen wie sein großes Vorbild, aber zumindest versuchte Dante mehr als diesen lediglich zu kopieren. Der Satire-Touch verleiht dem Streifen einen anderen Anstrich, der Humor bleibt so subtil, dass der Film nie zur Horror-Komödie verkommt, und ansonsten lebt „Piranhas“ viel von dem Effekt dass man immer vorher weiß wo die Viecher das nächste Mal zuschlagen werden, so dass das fröhliche Treiben der Ahnungslosen im Wasser um so fieser wirkt.

Dante macht durch seinen Zwischenstop im Sommercamp zwar auch nicht vor Kindern Halt (ein Ort der sich zudem toll als Ort der finalen Geschehnisse geeignet hätte), belässt es aber bei angefressenen Opfern, wohingegen Erwachsene auch des öfteren ihr Leben lassen müssen. Dante lässt uns des reißerischen Effekts wegen hin und wieder kurze Blicke auf angekaute Menschen erhaschen, gerade gegen Ende wenn Sanitäter zur Rettung eilen, im Vergleich zu heute ist das Treiben jedoch nicht all zu blutig ausgefallen, allerdings schon mehr als die eher spießigen Mitläufer von Spielbergs Hai-Film wie „Panik in der Sierra Nova“ oder „Taranteln - Sie kommen um zu töten“.

Interessant ist, dass „Piranhas“ trotz seiner augenzwinkernden Erzählweise wesentlich pessimistischer daher kommt als Spielbergs Werk. Nicht nur dass das Teiben des Militärs düster gezeichnet wird, was noch geradezu typisch für die Erscheinungszeit des Streifens ist, gerade gegen Ende bemerkt man wie wenig es Dante darum geht seine Hauptfiguren als Helden zu feiern. Ob es für die wichtigste Person des Streifens positiv ausgeht, lässt Dante offen, ist er doch schwer angeschlagen von der finalen Piranha-Attacke und scheint noch unter Schock zu stehen.

So blauäugig zu glauben dass eine derart raffinierte Züchtung mit den finalen Erlebnissen tatsächlich ausgerottet ist, ist Dante freilich nicht und lässt seinen Film auch diesbezüglich pessimistisch enden, während er zu dem Fressgeräusch der Piranhas das Meer zeigt, dass symbolisch wenig subtil mittels eines Farbfilters in ein blutiges Rot getaucht wird, bevor der Abspann ins Bild tritt. Dass die Nachuntersuchungen jemandem in die Hände fallen, der den ganzen Film über das Militärprojekt vertuschen wollte, zeigt ebenso den Hang der Autoren zum Pessimismus. Naiv ist „Piranha“ (Originaltitel) somit wahrlich nicht ausgefallen, womit ihm die Haupteigenschaft der meisten anderen Mitläufer der Tier-Horror-Welle fehlt.  OFDb

03.04.2016

DIE LETZTEN SIEBEN (1955)

Dass „Die letzten Sieben“ mit einem Ende beginnt und mit einem Beginn endet ist kein künstlerisch kniffeliger Ansatz, der die Idee von „Memento“ vorweg nimmt, aber es ist eine kleine Spielerei, die zeigt dass Regisseur und Produzent Roger Corman bereits in frühen Jahren kreativ tätig war und sich nicht einzig auf einer Idee auszuruhen wusste. In mancher Hinsicht ist sein Werk aus dem Jahr 1955 seiner Zeit voraus, setzt Corman uns doch ein Szenario vor, welches sich heute mit „The Walking Dead“ und vielen anderen Werken großer Beliebtheit erfreut: dem Ende der Zivilisation und dem Überleben in einer Welt, in welcher der Mensch nur noch Gast zu sein scheint.

So erzählt „Day the World Ended“ (Originaltitel) von den letzten Überlebenden, für die zu wenig Essen und zu Trinken in einer verseuchten Umgebung vorhanden ist. Das Zusammentreffen verschiedenster Mentalitäten führt zu Schwierigkeiten innerhalb der Gruppe, Krankheiten aufgrund der Katastrophe sind eine alltägliche Angst, und der Fortbestand der Menschheit muss gesichert werden, indem neue Kinder gezeugt werden. Das guckt sich für damalige Verhältnisse recht modern, auch wenn man dieser Art Geschichte scheinbar nicht zugetraut hat einen kompletten Film zu tragen, so dass zudem noch das obligatorische Monster eingesetzt wurde, das in einer Samuel Z. Arkoff-Produktion einfach nicht fehlen darf.

Von ein paar Monsterszenen einmal abgesehen besteht der restliche Film fast ausschließlich aus Dialogszenen, in denen die Hintergründe der Katastrophe, ihre Folgen und die aktuelle Situation erforscht und reflektiert werden. Hin und wieder gibt es einige Spezialeffekte zu bestaunen, da einer der Sieben mutiert, und kurz eingestreute Keilereien untereinander bringen einen Hauch von Action in die arg ruhige Umsetzung. Aber hauptsächlich findet das Weiterkommen der Geschichte anhand von Gesprächen statt, was in einer intelligent erzählten Story sicherlich von Vorteil gewesen wäre. Allerdings ist „Die letzten Sieben“ ein typischer 50er Jahre-Streifen der für das Autokino produziert wurde, und so häufen sich allein in den wissenschaftlichen Begründungen genug Idiotien um reichlich unfreiwillige Komik zu ernten.

Erschwerend kommt hinzu, dass „Day the World Ended“ in einer Zeit und in einem Land entstanden ist, in welcher die Religion unumstrittene Wahrheit war, so dass viele der theoretisch gut klingenden Ansätze aufgrund des naiven Blickwinkels gottesfürchtiger Untergebenheit lediglich zu weiteren unfreiwillig komischen Lachern verkommen. Das extremste Beispiel findet sich hierbei erneut in der Thematik des Fortbestandes der Menschheit. Wenn geplant wird demnächst Frauen zu schwängern, dann geht dies nur mit göttlichem Segen, so dass man zum Ausführen des Geschlechtsaktes die Ehe geschlossen haben muss. Da kommt es der Bande Überlebender sehr gelegen, dass sich ein Kapitän unter ihnen befindet, der befähigt ist eine Trauung durchzuführen. Warum der Geschlechtsakt in einer Woche vollzogen sein muss wird widerum nicht erklärt, verdeutlicht aber um einen Punkt mehr den Tunnelblick der lediglich schwarz und weiß denkenden Protagonisten.

Trotz einiger guter Ansätze kann man „Die letzten Sieben“ nicht wirklich ernst nehmen, zu realitätsfremd wirkt die amerikanische Mentalität der 50er Jahre auf uns Europäer der Gegenwart, und zu schwach sind die zusätzlichen Stärken des Streifens ausgefallen, als dass sie gegen so viel Irrsinn gegen arbeiten könnten. Die schauspielrischen Leistungen sind gut genug um einen Monsterfilm stemmen zu können, nicht aber um ein Weltuntergangs-Drama glaubwürdig zu erzählen. Der wissenschaftliche Hintergrund ist wie bereits erwähnt ebenfalls keine Hilfe dabei den Streifen in ein ernsteres Licht zu rücken, und rein unterhaltungstechnisch schadet es dem Film unter diesen Umständen, dass er so extrem geschwätzig und nüchtern ausgefallen ist. Hier hätte die stärkere Präsenz der monströsen Bedrohung tatsächlich Wunder bewirken können.

Somit gehört „Day the World Ended“ zu jenem Schlag Film, dem die Quantitäten besser gestanden hätten als der misslungene Versuch Qualitäten in eine Produktion zu integrieren, die solche nicht glaubwürdig tragen kann. Man kann Corman durchaus dafür schätzen diesen Versuch gewagt zu haben, immerhin war dieses Experiment trotz des geringem Budgets ein finanzielles Risiko, aber mehr als ein sympathisch alberner Science Fiction-Horror ist aus „Die letzten Sieben“ eigentlich nicht geworden. Ich persönlich würde ihn sogar noch eine Kategorie schwächer einordnen, da mich der Streifen doch eher ermüdet als unterhalten hat.  OFDb

15.12.2015

DAS GRAUEN AUS DER TIEFE (1980)

16 Jahre bevor „Das Grauen aus der Tiefe“ erschien machte „The Horror of Party Beach“ mit einer sehr ähnlichen Geschichte vor wie man besagte Idee flott und einfallsreich erzählt bekommt. Mögen die Musiksequenzen den Streifen auch zu Beginn gestreckt haben, sie sind nichts im Vergleich zu dem was an Einführungszeit genutzt wird, um das Minimum an Story schwer wie Blei im hier besprochenen Werk in die Gänge zu setzen. Charaktere die keinen interessieren, das typisch schleppend ausgefallene Zeitschinden, welches 70er Jahre-Filme durch eine dichte Atmosphäre und eben griffiger Charaktere wieder wett gemacht haben, das alles setzt einiges an Geduld bei einem Publikum voraus, welches schon x bessere Werke ähnlicher Thematik kennen dürfte.

Viel zu bieder kommt das Südstaaten-Flair daher, welches in „Mörderspinnen“ durch eine spürbare Bedrohung und in „Taranteln - Sie kommen um zu töten“ durch ein solidarisches Mitfiebern überspielt werden konnte. „Humanoids from the Deep“ (Originaltitel) hingegen, der 16 Jahre später unter dem selben Originaltitel noch einmal neuverfilmt wurde, badet mitten im überholten Denken hoch konservativer Menschen, weder die Vorteile dieser Mentalität aufzeigend noch sie kritisierend, und das muss der Zuschauer immer so lange ertragen, bis sich die beiden Regisseure zwischendurch durchringen können endlich Monstersequenzen einzubringen.

Hier besitzt „Monster“ (Alternativtitel) nun seine Stärke, denn die Viecher sind ein optischer Leckerbissen, welcher das klassisch grüne Monsterfilm-Kostüm, wie wir es seit der 50er Jahre kennen, erweitert durch ein vermodertes, zerfallenes Äußeres, wie es Jason in „Freitag der 13. 7“ und die Zombies aus den Fässern in „Return of the Living Dead“ ebenfalls besaßen. Allerdings besitzen auch die Szenen in denen die Fischmenschen auftauchen lediglich quantitative Schauwerte, wirklich vorwärts bringen sie die stillstehende Story nicht, die sich neben all ihrer Langeweile zudem noch erdreistet plumpe Weiße gegen Ureinwohner-Klischees einzubauen, um sie am Schluss in geheuchelter Solidaritätssoße wieder auszuspucken.

Wenn die Fischmutanten im Finale über die Festlichkeit des kleinen Dorfes herfallen, geht zwar ordentlich die Post ab, aber das entschädigt nur Zuschauer schlichten Gemüts, wie Gorehounds, die nun endlich die gar nicht mal so unblutige Schlachtplatte serviert bekommen. Da wird man mit Spezialeffekten zugeworfen bis der Arzt kommt, und da darf auf beiden Seiten ordentlich gemordet werden, bis selbstverständlich der Mensch über eine Spezies siegt, der er nie eine Chance gab, was freilich nie kritisch hinterfragt wird.

Sicher kann man das zähe Werk schauen, wahrlich schlecht sieht anders aus, aber es ist traurig dass ein Genre-Beitrag aus den 80er Jahren so wenig aus den Krankheiten des 50er Jahre Monsterfilms gelernt hat, während viele Konkurrenzprodukte gleicher Zeit fortschrittlicher ausgefallen sind. Aufgrund der Lustlosigkeit und der fehlenden Experimentierfreude wird „Das Grauen aus der Tiefe“, den man nicht mit dem gleichnamigen 50er Jahre-Krakenfilm verwechseln sollte, auch nie zu einer würdigen Verbeugung zu den trashigen Vorfahren seiner Gattung. Was die beiden ansonsten Horror-unerfahrenen Regisseure auf die Beine gestellt haben kann man wahrlich nur als mau bezeichnen, so dass mich der kleine Fan-Kult um diesen unbedeutenden Streifen sehr verwundert. In seiner Gesamtheit kann man den Film durchaus mit dem unbekannteren „The Being“ vergleichen.  OFDb

19.09.2015

NIGHT OF THE BLOOD BEAST (1958)

„Night of the Blood Beast“ ist ein schrulliger, kleiner Science Fiction-Horror aus den 50er Jahren, der auf der einen Seite so ziemlich jedem Klischee dieser Art Produktionen seiner Zeit entspricht, auf der anderen Seite jedoch auch eine sehr eigenständige Geschichte erzählt, die einige Ideen enthält, die für seine Zeit zu überraschen wissen. Der Film an dem drei Cormans beteiligt waren, wobei der berühmteste von ihnen, Roger Corman, freilich die Produktion übernahm, nimmt mit der Thematik eines Menschen als Wirt für die außerirdische Brut bereits eine der wichtigen Ideen von „Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ voraus. In der Frage ob die Kreatur eine Bedrohung ist, begibt sich „The Monster from Galaxy 27“ (Arbeitstitel) sogar auf ein mutiges Terrain.

Letztendlich bleibt es am Ende Interpretationssache ob der Außerirdische gute oder böse Absichten hatte. Zwar manipuliert er den Astronauten und schleicht immer neugierig umher, aber er präsentiert sich dem Rest der Truppe gegenüber als Erretter der Menschheit, was die Aliens in den diversen „Invasion of the Body Snatchers“-Filmen in ihrer Bösartigkeit allerdings auch so gesehen haben. Und so bleibt die merkwürdige Form unter welcher die Kreatur hier die Errettung der Menschheit versteht doch als lebenswürdige Form des Weiterlebens zu diskutieren. Zudem könnte sie auch nur ein Trick sein um mit Hilfe einer Fremdspezies die eigene zu retten. Schön dass die Protagonisten des Streifens die Frage ob sie richtig oder falsch gehandelt haben, bzw. ob der Außerirdische gelogen hat oder nicht, sich am Ende selbst stellen und damit kein so klares Helden-Ende präsentiert wird, wie es in Produktionen dieser Art damals üblich war.

Auch der Härtegrad ist für einen Film dieser Zeit nicht ohne, zumindest was das theoretisch Angesprochene betrifft. Gezeigt wird nichts, härtere Momente werden lediglich durch Schattenaufnahmen dargestellt, aber allein dass der Schädel des Toten nur noch zur Hälfte besteht ist in seiner Vorstellung schon ein widerlicher Gedanke, der das in Sachen Härtegrad nicht gerade verwöhnte Publikum von einst sicherlich geschockt haben dürfte.

Was „Night of the Blood Creature" jedoch seinen wahren Sympathiegehalt beschert ist der wunderbar naiv-skurrile Mix aus völlig blödsinnigen wissenschaftlichen Erklärungen und echtem rationalen Denken innerhalb der Gruppe. Während man in naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen allerhand Fehlinformationen, Fantastereien und Idiotien ertragen muss, tut es gut zu sehen, dass wir eine Gruppe Menschen durch den Film begleiten, die ihre Situation logisch überdenken und auch über mögliche Folgen geplanter Aktionen diskutieren. Auch über die Frage ob der Astronaut fremdgelenkt ist, obwohl er sich nicht so fühlt, wird ausreichend diskutiert. Kann man ihm trauen? Letztendlich traut er nicht einmal sich selbst. Da bietet das Drehbuch für seine Zeit für einen Genre-Bereich der damals nie sehr ernst genommen wurde doch einige Überraschungen mit Potential, die es zwar nie zu wahrem Tiefgang schaffen, aber doch nicht geistlos aufgegriffen werden.

Zu den Sympathiepunkten eines solchen nah am Trash-Bereich orientierten Streifens zählt natürlich auch die Kreatur, und die pendelt zwischen einfallslos und interessant hin und her, ist sie doch eigentlich nur ein klumpiges Etwas, was wie typisch für Geschichten dieser Art mit einem Menschen im Kostüm umgesetzt wurde, andererseits besitzt das Aussehen des Außerirdischen aber auch eine Andeutung an eine vogelartige Gattung, und das beschert ihr optisch einen Reiz, der auch beim x-ten Blick auf das fremde Wesen nicht vergeht. Auch weitere Spezialeffekte laden zum Schmunzeln ein. Ein Blick auf die Blutkörperchen stellt hierbei den Höhepunkt an unfreiwilliger Komik dar, aber auch der Blick auf die Brut des Aliens im Bauch des Astronauten weiß in seiner naiven Art optisch zu gefallen, wird jedoch durch jene Idiotie überschattet, mit der es überhaupt möglich ist einen Blick auf die Ungeborenen zu werfen.

Zwar wurde „Night of the Blood Beast“ mit „Das Grauen kam um Mitternacht“ eine deutsche Vertonung und Veröffentlichung beschert, dabei handelt es sich aber nicht wirklich um den hier vorliegenden Film, ist der Streifen mit besagtem deutschem Titel doch ein Zusammenschnitt aus dem hier besprochenen Alien-Streifen und aus „Attack of the Giant Leeches“, der es in seiner Originalversion ebenfalls nie nach Deutschland geschafft hat. Glücklicher Weise ist auf der DVD zu „Das Grauen kam um Mitternacht“ jedoch die Möglichkeit gegeben sowohl das Fake-Werk, als auch den richtigen amerikanischen Film mit deutschem Untertitel zu sichten, und so habe ich mich selbstverständlich für den Originalfilm entschieden anstatt für einen Streifen der in Wirklichkeit keiner ist. Die Trennung dieser beiden Werke ist für Interessierte also unbedingt zu beachten.

Zumindest hat Regisseur Kowalski (der anbei auch für besagten „Attack of the Giant Leeches“ verantwortlich war) unter der Fuchtel von Vielfilmer Roger Corman ein sympathisches und innovatives Stück Science Fiction-Horror auf die Beine gestellt, das ich Freunden der 50er Jahre-Kost definitiv empfehlen kann. Sein naiver Charme gepaart mit einfallsreichen Ideen macht ihn zu einem geglückten, aber auch schwer einzuordnendem Stück Film. Sicherlich ist „The Creature from Galaxie 27“ (Alternativtitel) ganz deutlich ein Trash-Film, aber er bietet auch so einige Komponenten, die über reine unfreiwillige Komik hinaus gehen. Einen Platz in meinem Cineastenherzen hat er sich jedenfalls mit seiner sympathischen und kurzweiligen Art verdienter Maßen ergattert.  OFDb

17.07.2015

MUTANT - DAS GRAUEN AUS DEM ALL (1982)

Was wie ein wundervoll billig getrickstes Stück „Krieg der Sterne“ beginnt, entpuppt sich in seinem weiteren Verlauf als einer der vielen „Alien“-Klone, welche der Kultfilm von Ridley Scott nach sich zog. Während Werke wie „Targoor“ und Co maximal ein müdes Lächeln ernten, da weiß die kostengünstige Roger Corman-Produktion aus der Feder von Trash-Regisseur Jim Wynorski („Shopping“) sympathisch zu unterhalten, was mitunter wohl auch an der unter 80 Minuten laufenden Spielzeit liegt, die im Vorfeld jegliche Länge die entstehen könnte verhindert.

Kurz nach der Ankunft des Helden, von dem niemand weiß warum er eigentlich gerufen wurde bevor die Hölle herein bricht, setzt „Mutant - Das Grauen im All“ (Alternativtitel) eine kleine Pause ein. Zuvor durfte man an einer Weltraumschlacht teilnehmen, einen Roboter und den pulsierenden Kokon der zukünftigen Bedrohung sichten und herrlichem Wissenschaftsnonsens lauschen. Aber langweilig wird es dem Freund trivialer Popkorn-Unterhaltung in der kurzen Verschnaufpause danach trotzdem nicht, spart Regie-Debutant Allan Holzman doch nicht an Tittenszenen, und dank dem wundervollen Mix freiwilliger und unfreiwilliger Komik besitzen diese Erotikszenen sogar tatsächlich Reiz.

Danach greifen Drehbuch und Spezial Effekte in die Vollen, dann geht das große Geglibber los. Monsterszenen und ein sich zersetzender Mensch sorgen für einen wohligen Mix aus Ekel und naivem Charme. Manches Mal überrascht eine Szene mit wahrer Härte, zimperlich geht das Mutantenvieh nicht mit den Menschen um, nicht einmal wenn sie naiv genug sind zu glauben mit ihm kommunizieren zu können.

„Forbidden World“ (Originaltitel) ist reißerisch, aber augenzwinkernd erzählt, und mit dieser Tonlage weiß er in seinem flotten Tempo einfach zu gefallen. Ein schräg quietschender Synthesizer-Sound sorgt für den übrigen Charme, darf sich hin und wieder aber auch in Anlehnung an Kubricks „2001“ mit klassischer Musik abwechseln.

Da das Monster zu gefallen weiß und an schleimig-glibberigen Spezialeffekten nicht gespart wurde, können Freunde quantitativer B-Filme des Science Fiction-Genres bei „Subject 20 - Horror im All" (Alternativtitel) bedenkenlos zugreifen. Dem augenzwinkernden Spaß gelingt die perfekte Ballance nie zu albern und nie zu ernst zu wirken. Und wer würde nicht mit dem Helden tauschen wollen, wenn er Dawn Dunlap in der Sauna begegnet?  OFDb

30.03.2015

DAS VERMÄCHTNIS DES PROFESSOR BONDI (1959)

Der deutsche Trailer verkauft Roger Cormans Film als Fortsetzung von „Das Kabinett des Professor Bondi“ und als knallharten Horror-Thriller, letztendlich hat der berühmte Billigfilmer aber eigentlich eine eigenständige Horror-Komödie geschaffen, die ein wenig auf der Grundidee des Vincent Price-Klassikers aufbaut und nebenbei, mal subtil und mal penetranter, die Kunstszene aufs Korn nimmt, mit einem Anti-Helden im Zentrum, wie Corman ihn ein Jahr später auch, durch wen anders besetzt, in seinem „Kleiner Laden voller Schrecken“ präsentierte: ein etwas dümmlicher Loser auf Abwegen.

Ist seine Vorlage zu Frank Oz‘ 80er Jahre Musical „Der kleine Horrorladen“ tief im Genre der Komödie verankert, so mischt Corman in „Das Vermächtnis des Professor Bondi“ die Genres Horror und Komödie noch wesentlich gleichberechtigter. Zudem ist der Streifen für ein humorvoll orientiertes Werk für seine Zeit recht morbide ausgefallen. Mag der Mord mittels einer Kreissäge auch im Off stattfinden, er ist schon eine harte Methode für einen Genre-Beitrag aus den 50er Jahren. Was damals sicherlich zu schockieren wusste ist heutzutage als Film mit einer FSK 16 erhältlich. Zeiten ändern sich.

„A Bucket of Blood“ (Originaltitel) guckt sich recht routiniert inszeniert, lebt hauptsächlich vom Überagieren Dick Millers und dem Running Gag dass sein Chef schnell hinter das Geheimnis des „Künstlers“ kommt, ohne dass Walter dies bewusst wäre, und dem armen Mann grundsätzlich anders wird, wenn der aufsteigende Stern der Kunstszene ihm immer wieder neue Werke präsentieren möchte. Warum der Mann ihn nicht der Polizei ausliefert wird angedeutet, aber nie wirklich vertieft, vielleicht weil die Andeutung ohnehin wenig Sinn ergibt. Aber das ergibt die finale Flucht von Walters Love Interest ebenso wenig. Die flüchtet nach der Entdeckung von Walters Geheimnis aus einem Lokal voller Menschen in die einsamen Gassen der Stadt, anstatt im Schutz der Menge den Künstler als Mörder zu entlarven.

Es ist dem augenzwinkernden Grundton des Streifens zu verdanken, dass man sich an solchen Schwachpunkten nicht aufhängt. Etwas mehr nagt manch ungeschickter Handlungsstrang am Gesamtergebnis. Die Rahmenhandlung um einen Einsatz des Drogendezernats wird auf halber Strecke liegen gelassen, anstatt sie in den Haupterzählstrang mit einzubinden. Und noch kläglicher schaut sich der für das deutsche Publikum zusätzlich gedrehte Beginn des Streifens, der im langweiligen Monolog bemüht versucht inhaltlich eine Brücke zu „Das Kabinett des Professor Bondi“ zu schlagen, der inhaltlich nicht einmal nötig gewesen wäre, so sehr die Geschichte um den Loser der unbedingt als Künstler Anerkennung ernten möchte für sich alleine steht und als Unikum zu funktionieren weiß. Der Verweis auf den 1953 entstandenen Bondi-Film wurde rein des Kommerz wegen eingebaut.

Dementsprechend dauert es etwas, bis man sich in „Ein Eimer voll Blut“ (Alternativtitel) als Zuschauer zurecht gefunden hat. Ist man aber erst einmal dort angekommen weiß Roger Cormans Pseudo-Fortsetzung, die 1995 als „Bloody Secret“ mit Anthony Michael Hall in der Hauptrolle neuverfilmt wurde, durchaus zu gefallen, wenn auch nur mit heruntergeschraubten Erwartungen. Im direkten Vergleich gefällt mir Cormans konsequenterer Schritt Richtung Komik mit „Kleiner Laden voller Schrecken“ besser, da Corman dort bewusster zu sein schien welchen Schwerpunkt er mit seinem Werk setzen wollte. „A Bucket of Blood“ schaut sich hingegen etwas unausgegoren und phasenweise orientierungslos. Aber er weiß diese Schwäche über seinen Charme zu überspielen, so dass zumindest Genre-Freunden ein unterhaltsamer Film geboten wird.  OFDb

09.07.2014

PIRANHACONDA (2011)

Ein Monsterfilm von Produzent Roger Corman und Regisseur Jim Wynorski, das ganze handelnd von einem Wesen halb Anaconda und halb Piranha, trashig betitelt als „Piranhaconda“ - das klingt alles so als wäre es ein Fest-Happening für Trash-Freunde, eine Party für Fans unterster Schubladen-Filme monströser Schlechtigkeit. Dass in Zeiten billigster Computeranimations-Streifen The Asylum im Vergleich zur Corman-Schmiede die Nase vorn hat, beweisen Werke wie „Sharknado“ und „Mega Piranha“. Trotz solch herrlicher Tierkreationen wie der des hier besprochenen Streifens oder anderer Corman-Produktionen wie „Sharktopus“ und „Scorpius Gigantus“ und oft besserer Finanzierung als im untersten Bereich der Asylum-Schmiede, fallen neuere Produktionen des gefeierten B-Movie-Papstes oft zu routiniert aus.

Nicht dass unterhaltsame Werke dieser Sparte Film wie Rays „Supershark“ oder „Sand Sharks“ überdurchschnittlich zur Sache gingen, sie verpackten die Routine jedoch auf unterhaltsame Art, mal humoristisch, mal mit schrägen Gymmicks versehen, in der Not auch mal von Charakteren handelnd, die andere Nichtigkeiten erlebten als Vergleichsfiguren anderer Streifen dieser Art. Es ist nicht immer einfach deutlich zu machen woran die eine C-Produktion Monsterfilm scheitert und eine ähnliche nicht. Wie auch immer: „Piranhaconda“ gehört leider zu den scheiternden, was mitunter auch daran liegt, dass die so plump originell klingende Titelkreatur gar nicht so interessant ausgefallen ist, wie sie zunächst klingt. Okay, das Vieh hat Zähne, ansonsten unterscheidet das Biest jedoch nichts von anderen Riesenschlangen aus Filmen wie „Python“, „New Alcatraz“, „Island Of Beasts“ oder „Killer Kobra“.

Hätte man dem Wesen einen wissenschaftlichen Hintergrund a la Genmanipulation beschert, so wie seinerzeit in Dantes „Piranhas“, hätte man die Story noch ein wenig aufpeppen können. Aber Menschen an einem exotischen Ort nach und nach einer natürlich mutierten Kreatur ins Fressmaul laufen zu lassen ödet auf die Dauer an. Erst recht wenn Figuren erst kurz vor ihrem Verzehr eingeführt werden und begonnene Alternativ-Twists nicht mit der Hauptgeschichte verbunden werden. Lustig ist zumindest für den Trash-Fan, dass das Vieh fast immer nur dürre Schönheiten zu fressen kriegt. Das ist wie Rippchen-Essen auf Diät-Basis und macht garantiert nicht satt. Endlich bekommt eine Dauerfressorgie in solchen Streifen mal halbwegs Sinn.

Während in den meisten der von mir genannten Vergleichsfilme mit Riesenschlangen die Opfer in der Regel nur mit einem Happs verzehrt werden, was animationstechnisch die leichteste Lösung ist, spielt das Mutantenvieh aus „Piranhaconda“ wenigstens ein bisschen mit seinem Essen. Wynorski genießt es ein Opfer auch ruhig erst einmal ein Bein verlieren zu lassen, bevor das Ungetüm sich den Rest von Blondchen holt. Aber er belässt es bei ein paar Beispielen und lässt die Kreatur sich ihre Nahrung ansonsten auf die gewohnte Art zu holen. Jagdgeist muss sie dabei fast nie beweisen. Die meisten Menschen bleiben vor Panik stehen, ducken sich und warten bis sie Vergangenheit sind.

Auch in der Hauptgeschichte geht es nicht interessanter zur Sache. Die Charaktere sind austauschbarer als man es sich wünschen würde, die Darsteller schlecht bis halbwegs akzeptabel, und nicht einmal das Spiel mit den Klischees aus den „Freitag der 13.“-Filmen, das durch die Geschichte eines Horrorfilm-Drehs Einzug in „Piranhaconda“ hält, weiß zu gefallen, auch wenn vereinzelt geglückte Gags vorhanden sind. „Piranhaconda“ ist langweilig, und mir ist bis heute schleierhaft warum „Island Of Beasts“ es bei gleicher Rezeptur nicht war. Der war ebenfalls von Wynorski inszeniert, der in der Regel unterhaltsamen Trash auf die Beine stellt seit er in den 80er Jahren mit „Shopping“ und „Der Vampir aus dem All“ begonnen hat popligen Horrorschund zu drehen.

Nennenswert an „Piranhaconda“ ist lediglich die angenehme Erscheinung, dass der Vorspann hierzulande deutschsprachig eingebracht wurde, ein Zustand der in den 70er Jahren Standard war und im Zuge der Massenproduktionen und Einsparungen schon recht früh in den 80er Jahren eingestellt wurde. Schön dass es die gern geschundenen C-Filmchen sind, die in solchen ungeahnten Bereichen plötzlich Pluspunkte sammeln können. Schade dass es davon in Wynorskis Piranhaschlangen-Film nicht mehr gab. Ein derartig enttäuschendes Ergebnis bin ich von ihm einfach nicht gewohnt.  OFDb

30.05.2014

DEMENTIA 13 (1963)

Inhaltlich kommt Francis Ford Coppolas frühe Regiearbeit unter der Produktion von Billigfilmer Roger Corman recht schlicht daher. Eine recht sorgsam verfolgte Rachethematik wird von der Geschichte eines Axtmörders abgelöst, sichtlich am drei Jahre zuvor entstandenen „Psycho“ orientiert. „Dementia 13“ ist jedoch wesentlich ruppiger erzählt, ist aber trotzdem nicht frei von Wirkung und Charme, wissen doch allein die hübschen Fotografien in Schwarzweiß zu gefallen, und weiß die Schlosslocation, wenn auch viel zu zahm eingesetzt, doch zu wirken, am meisten wohl in jener Szene, in welcher die rachsüchtige Witwe hoch oben vom Turm die Verwandtschaft belauscht.

Ohnehin wissen die Blonden und hell gekleideten Figuren im Kontrast zum düsteren Umfeld hervorragend zu wirken. Da benötigt die Geschichte nur ein winziges Rätsel am Rande und eine morbide Rahmenhandlung und schon weiß ein Horrorfilm auf solch schlichte Art zu wirken. Zu mehr wird es nie, auch wenn der Streifen mit seiner Axtthematik und den drastischen Bildern der Leichen seiner Zeit voraus war. Der nötige Pfiff, um aus „The Haunted And The Hunted“ (Alternativtitel) mehr wachsen zu lassen als sympathisch routinierten Grusel, ist nicht vorhanden, zumal der Zuschauer immer eher unsanft von einem Storyumschwung zum nächsten geschubst wird, ohne sich dabei wenigstens an eine bestimmte Sympathie-Figur klammern zu können.

Letztendlich guckt sich „Fright Night“ (Alternativtitel) eher wie ein Edgar Wallace-Krimi als wie ein waschechter Vorläufer der Slasher-Welle, in welcher Axtmörder zum Standard werden sollten. Wer klassischen Grusel mag, dessen Wirkung wichtiger findet als das Drehbuch und die innereigene Logik, und wer trotz seines Hauptaugenmerks auf die Wirkung mit lediglich durchschnittlichem Gruselgehalt leben kann, der ist bei „Dementia 13“ im richtigen Film, zumindest in der von mir gesichteten Director‘s Cut-Fassung. Zur herkömmlichen, weiter verbreiteten Originalfassung kann ich nichts sagen.

Wer gerne Mörderraten spielt ist übrigens mit „Dementia 13“ im falschen Film. Ich weiß nicht ob es am aufpolierten DVD-Bild liegt, aber in einer recht frühen Mordsequenz kann man deutlich den Killer erkennen. Ich gehe mal davon aus dass das Filmmaterial einst schlechter war, immerhin endet der Film mit der Aufdeckung des Täters. Da hier aber ohnehin nur routinierter Grusel mit Charme serviert wird, ist das nicht wirklich ernüchternd. Spaß macht das etwas ungeschliffene Stück „Psycho“-Klau trotzdem. Lediglich die deutsche Synchronisation ist in ihrer Stimmauswahl etwas unglücklich ausgefallen.  OFDb

13.02.2014

VOODOO CHILD (1970)

„Voodoo Child“ ist ein Horrorfilm nach einer Geschichte von H.P. Lovecraft, das dürfte so  manchen Zuschauer locken. Ebenso dürfte er so manchen Zuschauer enttäuschen, denn wirklich aufregend ist Daniel Hallers Werk nicht ausgefallen. Bereits sein Science Fiction-Horror „Das Grauen auf Schloss Witley“ war nicht gerade das Gelbe vom Ei im Gruselsektor, sein Ausflug in die Welt eines der legendärsten Horrorautoren überhaupt kann nicht einmal das schlichte Niveau seines Karloff-Filmes erreichen.

Anstatt uns Horror vorzuführen wird über all das was man miterleben könnte nur geredet. An sich talentierte Mimen wirken gelangweilt in trockenen Dialogen, die nie wirklich authentisch wirken, dem Film aber zunächst Charme bescheren. Bevor diese einem zu unangenehm werden, wird man noch kurz mit den Settings des Schlosses abgelenkt, die für eine Corman-Produktion recht aufwendig ausgefallen sind und zu wirken wissen. Danach ist es vorbei mit positiven Elementen. Die konstruierte Story konzentriert sich wieder einzig auf besagte steife Dialoge, und da man dem auf altbackenem Horror setzenden Film schnell anmerkt was er erzählen möchte, bleibt er auch immer überraschungsfrei, so offen wie er mit seinen Karten spielt.

Je mehr „The Dunwich Horror“ (Originaltitel) voranschreitet, desto mehr versteckt Haller, der meist für TV-Serien wie „Ein Colt für alle Fälle“ und „Kampfstern Galactica“ zuständig war und u.a. den Pilotfilm der Erfolgsserie „Knight Rider“ fertig stellte, den tatsächlich aufkommenden Horror hinter optischem Budenzauber, wie eingefärbte Aufnahmen im Negativmodus und anderen billigen Tricks die das Bild verfremden. Damit wird Geld für wahre Spezialeffekte gespart, so dass man nie Vergnügen am finalen Treiben Wilburs erfährt, geschweige denn an den Monstren der anderen Dimension, von denen uns ohnehin gerade einmal eins -mit besagter Schrottoptik-  präsentiert wird.

Nach einem nüchternen Einstieg, aus dem stilistisch noch etwas hätte werden können, folgt gähnende Langeweile einer unglaubwürdig eingefädelten Story, vielleicht auch deshalb konstruiert wirkend, da man Lovecrafts Geschichte, falls dieser Teil der Story überhaupt auf seinem Werk beruht, nicht einfach ins Jahr 1970 versetzen kann, einer Zeit der Emanzipation, einer Zeit des Horrorfilms als akzeptiertes Genre im Kino, das selbst im B-Film-Bereich Erfolge feierte und einer Zeit in welcher die von Wilbur gesetzten Fallen zum Grundlagenprogramm der Alarmzeichen zum Selbstschutz gehören, erst recht wenn man bedenkt, dass hier eine gebildete Frau ins Zentrum gesetzt wird, so dümmlich naiv sie auch erscheinen mag.

Eine moderne Frau wäre nie auf die billigen Tricks Wilburs hereingefallen. Das mag ins Jahrhundert von Lovecraft passen, aber nicht in die zum Entstehungszeitpunkt dieses Filmes moderne Zeit. Ich bezweifele aber ohnehin dass die Kurzgeschichte Lovecrafts überhaupt auf so plumpe Art eingefädelt wurde. Wie auch immer, „Voodoo Child“, produziert von Samuel Z. Arkoff und Roger Corman, ist eine Enttäuschung und garantiert kein Hingucker.  OFDb

08.11.2013

KATAKOMBEN DES GRAUENS (1959)

Ich habe mich sehr auf diesen Film gefreut, bin ich doch für Monsterfilme immer wieder gern zu haben und brachten doch die 50er und 60er Jahre jede Menge Trash ins Lichtspielhaus, ob nun freiwilligen oder unfreiwillig komischen. Welcher Freund von Tier-Horror und Monsterfilmen würde sich nicht über eine solch groteske Idee freuen, dass es diesmal mutierte Blutegel sein dürfen, welche die Menschheit bedrohen? Die Suche nach besonders bekloppten Gebieten dieses Sub-Genres begannen erst mit dem Aufkommen der schlecht computeranimierten Billigfilmchen, wie sie zuhauf auf Tele 5 laufen. Dort weiß man, dass man nichts zu erwarten hat. Das schlechte Ergebnis einer 60er Jahre-Produktion ist auch nicht zwingend unmöglich, aber die Wahrscheinlichkeit etwas Gelungenes sichten zu dürfen war vergleichsweise hoch.

Wie das so mit Wahrscheinlichkeiten ist, müssen sie in der Vermutung nicht stimmen. „Attack Of The Giant Leeches" (Originaltitel) ist alles andere als ein sympathischer Vertreter seiner Nische geworden. Zwar ist der Film mit 60 Minuten ziemlich kurz geraten, langatmig ist er dennoch. Ewiges Hinhalten steht auf dem Programm, und selbst für einen Streifen seiner Zeit sind die Blutegel viel zu selten zu sehen. Meist wirken sie wie Menschen, die sich einen leicht überarbeiteten Müllbeutel über den ganzen Körper gezogen haben. In einer der wenigen Nahaufnahmen und einer der wenig geglückten Szenen sieht man dann herrlich schlecht getrickst, wie die Blutegel sich einen Menschenimbiss gönnen. Mehr solcher Szenen und ich wäre happy gewesen, zumal die Darsteller für eine solche Billigproduktion positiv überraschen, ohne gleich kleine DeNiros zu sein. Zumindest stapfen sie nicht wie Vollidioten durchs Bild.

Auch die Musik gehört zu den positiven Seiten des Films. Nostalgisches Trash-Flair kommt hierbei auf, es ist ein Spaß für die Ohren. Und passend zu einigen Unsinnigkeiten ist dies auch die richtige Vertonung für einen solchen Film. So sieht man beispielsweise bei einigen Unterwasseraufnahmen die dreckige Scheibe des Aquariums in welchem gedreht wurde. Trotz solcher Momente wird Kowalskis Schund nicht zu jener Kategorie, die Partylaune verursacht, dafür ziehen sich die 60 Minuten viel zu sehr, zäh wie Kaugummi, sich anfühlend wie die doppelte Laufzeit.

Schade, aber zumindest hat man nur eine Stunde seines Lebens vergeudet. Als ich gelesen habe, dass dieser Film 2008 eine Neuverfilmung beschert bekommen hat, hat mich das zunächst aufhorchen lassen. Ein näherer Blick auf der OFDb den Regisseur betreffend, ließ jedoch wieder Ernüchterung folgen, ist doch der selbe Mann für das Remake verantwortlich, der den unterirdischen „Jurassic Shark“ umsetzte. Also wird es wohl noch immer keine gelungene Alternative zum hier besprochenen Film geben, schade! Trash-Fans können ja mal im Netz die Stelle suchen, in welcher sich die Kondom-artigen Killermüllbeutel um ihre Opfer kümmern, dann hat man den einzig schönen Moment des Streifens gesichtet. Den Rest sollte man sich sparen.  OFDb

18.05.2013

DIE WESPENFRAU (1959)

Der Wissenschaftler Dr. Zinthrop forscht für einen Kosmetikkonzern nach einem Mittel aus Extrakten der Wespe zur Verjüngung von Menschen. Als Versuchstier bietet sich die Konzernleitung Janice Starlin höchst persönlich an, die einst zu Werbezwecken das Aushängeschild ihrer Firma war, bevor sie dafür zu alt wurde. Allerdings hält die Frau sich nicht an die Anweisungen des Forschers und erhöht die Dosis der Verjüngungskur eigenmächtig. Als böser Nebeneffekt verwandelt sie sich von nun an hin und wieder in eine Wespenfrau, die nach und nach ihre Angestellten dezimiert...
 
Schönheit liegt im Facettenauge des Betrachters...
 
Es war gerade mal ein Jahr her, dass der professionell produzierte Monsterfilm „Die Fliege“ mit Vincent Price im Gepäck erfolgreich in den Kinos lief, da erschien im Jahr dessen Fortsetzung „Die Rückkehr der Fliege“ Roger Cormans Antwort „Die Wespenfrau“. Corman war schon zu dieser Zeit fleißig im B-Film-Bereich tätig, drehte seit gerade mal 4 Jahren und konnte trotzdem schon auf über 20 Regiearbeiten zurück blicken, darunter Werke wie „Attack Of The Giant Leeches“, „Teenage Caveman“ und „It Conquered The World“.

„The Wasp Woman“ (Originaltitel) war mit dem erfolgreichen „Die Fliege“ freilich gar nicht fair vergleichbar, wurde Cormans Film doch mit einem minimalen Budget fertiggestellt, was man ihm auch jede Sekunde ansieht. Außerdem waren die Ziele plumperer Natur. Immerhin wusste das Vorbild über den Dramenbereich zu trumpfen, während die Geschichte der Wespenfrau wie ein Elefant durch den Porzellanladen poltert, so sehr war man um den reißerischen Effekt bemüht.

Wo andere Werke des berüchtigten Billigfilmers noch sympathische, wenn auch kostengünstige, Kostüme zu bieten hatten, da haut „Die Wespenfrau“ in die Vollen und präsentiert uns ein plump zusammengestelltes Konzept aus unansehnlichen Einzelteilen, die am Ende so etwas wie eine Insektenfrau darstellen sollen und dabei am ehesten noch das optische Ergebnis einer Fliege erreichen. Mit ein paar ollen Handschuhen bekleidet und einer idiotisch wirkenden Facettenaugen-Maske tappst die Hauptdarstellerin in einem peinlichen Kostüm umher, was schon seinerzeit nur für Lacher gesorgt haben kann.

Die Musik, die in solchen Momenten ertönt, lässt jedoch vermuten dass Corman sich dessen bewusst war, ist sie doch recht belustigend komponiert und erinnert dabei an den späteren Soundtrack zu „Colossus“. Zumindest passt die damals so typische imposante Musik zur reißerischen Art des Corman-Films viel mehr als zu sentimentaleren Werken wie „Die Fliege“. Während das Titellied eher ein unangenehmerer Vertreter seiner Gattung ist, weiß der restliche Hintergrundsound des hier besprochenen Streifens wesentlich besser zu gefallen.

Im Gegensatz zu der Neuverfilmung „Forbidden Beauty“ von 1995 weiß das Original „Die Wespenfrau“ trotz aller Defizite zu begeistern, ist er doch genau jene Art früh erschienener Monsterfilm, der auch heute noch zu unterhalten weiß. Langweiler gab es schon damals genug, und obwohl die Wespenfrau erst spät in Erscheinung tritt und andere quantitative Sehwerte bis dahin kaum geboten werden, ist „Die Wespenfrau“ stets interessant erzählt und lässt sich trotz plumper Motivation Zeit für die Geschichte.

Dabei geht es nie um das Langstrecken der Laufzeit, zumindest fällt dies nicht als solches auf, weswegen man „Die Wespenfrau“ tatsächlich als eines der besseren Frühwerke Cormans bezeichnen kann, eben weil einfach die Chemie zu stimmen weiß. Das Thema um die Eitelkeit einer Frau ist ein zeitloses, leichte Verwandtschaft zu Klassikern wie „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ sind vorhanden, und mit den Augen von heute erfreut ein nostalgischer Blick auf die Arbeitswelt von einst, die noch menschlich orientiert war. Freilich ist das Drehbuch diesbezüglich etwas arg naiv, immerhin überschreiten Mitarbeiter ihre Kompetenzen sehr extrem, und das hier gezeigte Arbeitsklima passt eher zu einem Kleinbetrieb als zu einem ehemals marktführenden Großunternehmen, aber heute ist diese Art des Miteinander auch mit kleinen Abstrichen kaum mehr vorstellbar.

Wirklich abheben von der Konkurrenz tut sich der Film jedoch in seiner Herangehensweise mit der berühmten Mad Scientist-Thematik. Letztendlich ist der Bösewicht des Streifens diesmal nicht der Forscher mit seinem an Wahnsinn nahendem Eifer, sondern die Frau mit ihrer an Wahnsinn nahendem Eitelkeit. Das macht sie in den Momenten, in welchen sie ein Insekt ist, auch zu einem wirksameren Monster als ihr Kostüm zulassen will, denn die reine Opferrolle hätte nicht überzeugt. Lustig dass der Wissenschaftler trotzdem nach alten Genre-Regeln sterben muss, auch wenn das im hier angewandten Erzählkonzept überhaupt keinen Sinn ergibt - Corman halt!

Die in Deutschland erschienene DVD enthält lediglich den Originalton mit (gut leserlichen) deutschen Untertiteln. Erstaunlicher Weise ist der Film jedoch laut OFDb.de gar nicht die erste deutsche Veröffentlichung, was bei all den damaligen Perlen die es nicht hier her geschafft haben („The Black Scorpion“, „Invasion Of The Saucermen“, ...) gar nicht verwundert hätte. Ende der 70er jahre soll der Film bereits auf WDR gelaufen sein, und da würde es mich schon wundern, wenn es keine Deutschvertonung gegeben hätte. Wo ist diese also abgeblieben?

Eigentlich ist es jedoch egal, bin ich doch einfach froh, dass solche Trashperlen überhaupt ihren Weg auf den heimischen DVD-Markt finden, und da ist mir ein deutscher Untertitel immer noch lieber als die Wegwerf-Synchronisationen eines „Blood Cult“ oder „Day X - Outbreak Of The Zombies“. Cormans Antwort auf „Die Fliege“ ist jedenfalls ein nettes, kleines, nostalgisches Monsterfilmchen, das zwar kein nennenswertes Kostüm präsentiert, aber dafür eine kurzweilige Geschichte. Dass diese keinerlei Überraschungen bietet dürfte klar sein und ist dem Trash-Fan in der Regel sowieso egal.  OFDb

09.05.2013

DER RABE - DUELL DER ZAUBERER (1963)

Eines Abends bekommt der um seine vor zwei Jahren verstorbene Ehefrau Lenore trauernde Zauberer Craven Besuch von einem Raben. Der kann zur Überraschung des Magiers sprechen und bittet ihn um seine Hilfe. Vom bösen Zauberer Scarabus in das Federvieh verzaubert, möchte er gerne wieder ein Mensch werden. Nach getaner Arbeit reisen die beiden zum Schloss von Scarabus, denn der ehemalige Rabe Bedlo beteuert dort definitiv Lenore gesichtet zu haben. Craven glaubt der böse Zauberer habe einen Fluch über ihren Geist verhängt...
 
Was vom Raben übrig blieb...
 
Wer sich mit Monstern, Gruselfilmen und Trash im allgemeinen befasst, kommt um Regisseur und Produzent Roger Corman nicht herum, der seit etlichen Jahrzehnten im alternativen Filmgeschäft tätig ist und es mit geprägt hat. Jack Nicholson sagte einmal in einem Interview, Corman habe zwar auch hin und wieder gute Filme gedreht, aber er habe in keinem dieser Werke mitgespielt. Ich weiß nicht was der heute so berühmte Schauspieler unter einem guten Film versteht, aber „Der Rabe - Duell der Zauberer“ scheint es seiner Meinung nach nicht zu sein, in welchem er ab dem zweiten Drittel einen größeren Part übernimmt.

Verstehe einer Jack, „Der Rabe“ ist ein wundervoller, kurzweiliger Film, ganz selten vielleicht eine Spur zu albern und definitiv kostengünstig produziert, aber dennoch ein charmantes Werk das erreicht was es möchte und dessen simple Geschichte kaum auffällt dank antiquierter, aber den Produktionsumständen durchaus angemessener Spezialeffekte, improvisationsfreudiger Mimen, atmosphärischem Dekor, stimmiger Kostüme und einem Drehbuch mit Mut zur Extreme.

Dass sich das berühmte Poe-Gedicht „Der Rabe“ nicht für eine werkgetreue Verfilmung eignet, dürfte klar sein. Das Maximum dessen was möglich war erreichte man wohl im ersten Halloween-Special der Serie „Die Simpsons“. Aber was man in dem 30er Jahre Streifen „Der Rabe“ gar nicht erst versuchte, wird in der hier besprochenen Corman-Produktion durchaus ausprobiert: einen Bezug zum Gedicht zu schaffen. Den Anfängen dieser berühmten Zeilen darf man zu Beginn des Filmes lauschen, die Trauer um Lenore ist enthalten, der titelgebende nächtliche Besucher natürlich auch, sowie, am Ende und augenzwinkernd mit Absicht sinngemäß verdreht, das berühmte Nimmermehr.

Nach Ankunft des Raben verlässt man jedoch die Fährten Poes und stürzt sich in eine Geschichten um rivalisierende Magier und um Lug, Trug und Verrat. In einem Setting, welches Freunden gotischer Filme nichts zu wünschen übrig lässt und das wie der Film selbst mit den ursprünglich ernstgemeinten Elementen des Genres ironisch spielt, tapsen in stimmigen Kostümen gut aufgelegte Stars umher, die das beste aus einer eigentlich sinnfreien Geschichte machen und einem gar keine Chance geben, sich an der dünnen Story gelangweilt aufzuhängen.

Nein, „Der Rabe“ bleibt konsequent kurzweilig, in der zweiten Filmhälfte gar mehr als in der ersten, da man den manchmal arg verspielten Humor als Zuschauer dort besser einzuordnen weiß als im etwas orientierungslosen und ereignisreichen ersten Drittel. Ist man dort noch überrascht von einem Schauspieler, der mit Rabenflügeln herumblödelt, da die Verwandlung nicht hundertprozentig funktioniert hat, und über Leichen, die unverhofft Warnungen aussprechen und deren ungewöhnliche Tat von den Protagonisten keinerlei Interessen weckt und maximal zu Angstzuständen führt, gewöhnt man sich irgendwann an diesen Zirkus skurriler Ideen und lässt die Verantwortlichen des Streifens vor und hinter der Kamera einfach mal machen, während man sich zurücklehnt um sich unterhalten zu lassen.

Und die Besetzung lässt mit Vincent Price, Jack Nicholson, Peter Lorre und allen voran Boris Karloff nichts zu wünschen übrig. Letztgenannter überrascht mit einem breiten Repertoire interessanter Gesichtsausdrücke, von welchen die komischen am meisten Freude bereiten, darf man sich in anderen Filmen der Horrorlegende durch das Fehlen dieser in der Regel doch eher nicht an ihnen ergötzen. Ebenso spielfreudig erlebt man Vincent Price, dem es sichtbar Spaß macht den Zuschauer zu belustigen und auch mal den Naivling spielen zu dürfen, den man lange Zeit an der Nase herumführt.

Dass die seelischen Abgründe der Figuren nicht nur in dem Bereich der Magie liegen, verleiht dem eigentlich so sinnlosen Streifen einen letzten Rest Klasse, der zwar nie tatsächliche dramatische Bereiche erreicht, aber treffsicher augenzwinkernd mit solchen Momenten ernstgemeinter Produktionen spielt, genau jener Aspekt, der den kompletten Film ausmacht: das treffsichere Spiel mit dem ernsten Genre, das in „Der Rabe - Krieg der Magier“ (Alternativtitel) nur als Grundlage für eine Komödie dient.

Da alle Beteiligten durch ihre Erfahrung als Dauergäste des Grusel-Genres (mit Ausnahme des damals noch sehr jungen Jack Nicholson) sich mit Horrorfilmen gut auskennen, wissen sie auch wo und wie dieses parodiert werden muss, so dass man am Ende ein Ergebnis hat, welches eben den Freunden dieses Genres zu gefallen weiß und nicht nur dem Publikum komödiantischer leichter Stoffe. Zu empfehlen ist dieser kleine Kultfilm dementsprechend beiden Seiten. Wer sich nicht an der (meiner Meinung nach kaum wahrzunehmenden) Leere der Geschichte stört, wird ein Sichten nimmermehr bereuen.  OFDb