Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
04.07.2023
ELEMENTARY - STAFFEL 5 (2016)
11.06.2023
ELEMENTARY - STAFFEL 4 (2015)
Es bleibt dabei, dass diese Krimi-Serie lediglich Trivialunterhaltung liefern soll. Als solche funktioniert sie recht gut, mehr denn je losgelöst vom ursprünglichen Holmes. Es bleiben nur diverse Namen, der Beruf und seine Genialität, die an den Ur-Stoff erinnern, abgesehen von einer Ausnahme. In einer Folge lehnt man sich ganz leicht augenzwinkernd an das wohl berühmteste Abenteuer des Meisterdetektivs an, an den Hund von Baskerville, freilich derart entfremdet, dass alles nur ein verschmitztes Spiel mit der Vorlage bleibt, eigentlich sogar nicht einmal das. Während die Einführung einer Schwester Watsons völlig unnötig anmutet und emotional nicht nur konstruiert und distanziert wirkt, sondern auch Wendungen bereit hält, welche die Serie in anderen Seifenoper-Momenten bereits anwendete, weiß eine neue Liebesbeziehung Holmes' zu gefallen. Leider kommt die Person, in die er sich verliebt, viel zu selten vor, obwohl sie über viel Potential verfügt. Und wenn es in einer Entscheidung um Liebe und Schutz am Ende der Staffel nicht einmal in einem Nebengedanken auch um sie geht, fragt man sich, ob die Autoren sie im Laufe der Zeit vergessen haben. Das ist ärgerlich, zumal mit ihr erstmals seit dem Schmerz um Adler, maximal noch seit manchem Moment mit Kitty in Staffel 3, wieder wahre Emotionen in der sonst eher zwischenmenschlich steril gewordenen Serie auftauchen, so sehr man auch, selbst mittels Nebenfiguren, versucht derartige Momente zu entfachen.
Vieles funktioniert also nur noch des Standards wegen, einzelne Episoden reizen zumindest durch interessante Kriminalfälle. So z.B. jener, in welchem es um eine nach 10 Jahren Entführung zurückgekehrte Tochter eines reichen Ehepaares geht, oder jene Folge, in welcher selbsternannte Superhelden ohne Superkraft im Stile von "Kick-Ass" und "Super" auf Patrouille gehen. Auch Pilzkulturen und künstlich herbeigeführte Demenz sind Themen interessant ausgefallener Folgen, ohne dass diese gleich zu den Highlights zählen. Spannend in der Frage nach dem Motiv fällt jene Episode aus, in der es um eine Baugenehmigung geht. Mir persönlich hat mitunter jener Kriminalfall am besten gefallen, in welchem es um sogenannte Prepper geht, also um Menschen, die versuchen sich auf große Katastrophen der Menschheit vorzubereiten. So oder so, fällt Staffel 4 nicht sonderlich im üblichen Treiben der Serie auf. Sie bietet routinierten Durchschnitt, nicht mehr, nicht weniger. So warm wie mit den Figuren aus "The Mentalist" wird man mittlerweile nicht mehr, das macht die Serie seit Staffel 3 eine Spur zu austauschbar. Wiki
28.05.2023
ELEMENTARY - STAFFEL 3 (2014)
Dennoch packen die einzelnen Fälle einen nicht mehr wirklich, zu sehr gewöhnt man sich an den Zustand, dass letztendlich alles zu meistern ist. Da kommt es Staffel 3 nicht gerade gelegen, dass der zwischenmenschliche Part der zweiten Hälfte, Watsons damit abfinden zu lassen nie ein bürgerliches Leben leben zu können, etwas arg konstruiert anmutet und Sherlocks Einfluss auf ihre Entscheidungen zu soft und hilfsbereit für seinen an sich kühlen und egoistischen Intellekt ist, soziale Weiterentwicklung hin oder her. Wenn nun noch Sherlocks Moral etwas zu extrem zunimmt und das Autorenteam sich drauf verlässt, dass der Aspekt des vergangenen Drogenkonsums und der Möglichkeit rückfällig werden zu können, dem Zuschauer schlaflose Momente bescheren soll, ist man endgültig an einem Punkt angelangt, bei dem man sich auf ein arg schlichtes, naives Publikum konzentriert. Nun war "Elementary" nie die knifflige, individuelle Serie, sie folgte stets dem Standardmuster dieser Art TV-Reihe und servierte lediglich angenehmes Grundlagenprogramm, aber dies wackelt mittlerweile etwas arg, indem es die sonst strikt eingehaltenen zwei Hauptfiguen zu austauschbar macht. Das wird zwar in der Folge "Ein Holmes, eine Watson" thematisiert, aber nicht zur Zufriedenheit gelöst.
Noch immer funktioniert die Serie gut genug, um sich schlicht unterhalten zu fühlen. Geht der Abwärtstrend im vierten Jahr jedoch weiter nach unten, könnte es etwas zu banal werden, um sich noch interessiert genug der Serie zuwenden zu können. Dass die letzten Folgen stinknormale Kriminalfälle sind, wenn im letzten Fall auch mit persönlichem Bezug zu Holmes versehen, verärgert umso mehr, versucht man im Staffelfinale doch schon gar nicht mehr ein über mehrere Folgen zusammenhängendes Highlight zu konstruieren. Nicht einmal die zu kurz kommende Moriarty tritt hier endlich in Erscheinung. Zumindest reizt der Cliffhanger zum vierten Jahr in seiner Undeutlichkeit. Das besitzt tatsächlich einen gewissen Reiz. Wiki
16.05.2023
ELEMENTARY - STAFFEL 2 (2013)
Dass die Gefühlswelt im zweiten Jahr fasst nie mit Moriarty zu tun hat, verwundert, darf der Erzgegner doch nur für eine Folge vorbei schauen, dafür wird im Gegenzug die Rolle Mycrofts vertieft, was zu gefallen weiß und erst im zusammenhängenden Vierteiler am Schluss der Staffel jenen negativen Aspekt mit sich zieht, der mich meistens an seinem Einfluss stört. Sein Arbeitgeber wird wichtig für das Geschehen dort und scheinbar auch für den weiteren Verlauf der Serie, wie eine Wendung am Schluss zeigt. Bei derartig verfremdeten Figuren hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch die Hoffnung, dass Mycroft in der hier angelegten Interpretation kein Agent ist. Aber nein, so ist es doch, und da werden wieder klassische Mordfälle gegen Spionagegeschichten eingetauscht, die einfach nicht so gut funktionieren wie Erstgenanntes. Nun beginnt dieser (noch immer unterhaltsame) Tiefpunkt zumindest erst sehr spät, und bis dahin bekommt man genügend von jenem Stoff als Freund der Reihe beschert, für den man die Serie und ihre Figuren liebgewonnen hat.
Zu Beginn der Staffel gönnt man sich den Clou, jene wichtigste Nebenfigur des Sherlock Holmes-Universums auszubuddeln, die im ersten Jahr keinen Platz fand. Die Rede ist freilich von Lestrade, was durch einen Trip nach London möglich wird. Die Figur ist charakterlich amüsant modernisiert, und es bereitet Freude, dass sie im späteren Verlauf der Staffel noch einmal auftaucht für mehrere Folgen hintereinander. Höhepunkt bleibt jene, in welcher er ebenfalls Berater für die Polizei in den USA wird und wie Holmes eine Assistentin engagiert hat, mit völlig anderen Aufgaben. Hier liegt der Humorpegel höher als üblich, aber das weiß zu gefallen. Der Rest der Staffel besteht wie gehabt aus Drama, einem Hauch Komödie, sowie hauptsächlich Kriminalfilm. Zwischenmenschliche Probleme, die über eine Folge hinaus gehen und Stammfiguren am Rande betreffen, werden recht simpel abgearbeitet, wie bei derartigen Produktionen üblich, beschäftigen den Kenner solcher Stoffe also nicht wirklich. Umso wichtiger ist das Zusammenspiel Watson / Holmes, welches nach wie vor überraschend gut in dieser Neuinterpretation funktioniert, zumal Lucy Liu ihre Sache nicht schlecht macht. Star bleibt freilich Jonny Lee Miller, der unterstützt von guten Drehbüchern, eine ganz eigene Art genialer, überheblicher und egoistischer Detektiv aus seiner Rolle hervorzuholen weiß.
Nun darf man hoffen, dass die Neuorientierung Holmes im kommenden Jahr nur eine kurze Überbrückung zurück zum Standard darstellt. Sonst bekomme ich ernsthafte Probleme mit der bislang so sympathischen TV-Serie. Wiki
30.04.2023
ELEMENTARY - STAFFEL 1 (2012)
Die darf zunächst lediglich Stichwortgeber sein, von Lu zurückhaltend gespielt, womit sie mit ihrem mangelnden Talent nichts kaputt zu machen weiß, während "Trainspotting"-Sick Boy Jonny Lee Miller in der Rolle des Sherlock geradezu aufzublühen weiß und eine recht eigene und sehenswerte Interpretation des berühmtesten Ermittlers der Welt erschafft. Doch Watsons Spiel im Schatten gehört zu jener langsamen Entwicklung, die sich die in den Einzelepisoden flott erzählte Serie gönnt, wenn es um die Charakterentwicklung der Figuren und die Informationen geht, die man dem Zuschauer zuspielt. Aus Watson wird im Laufe der Zeit ein ehrwürdiger Partner, mit jedem Schritt zur Gleichberechtigung dramatisch, humoristisch, wie menschlich andere Schwerpunkte in der Interaktion mit Holmes aufweisend, und Lucy Liu die Chance bietend sich beweisen zu können. Die wird noch immer keine Schauspielerin erster Klasse, zeigt aber durchaus Talent, sowie Freude an ihrer Rolle, ein Aspekt der bei Miller hingegen von Anfang an zu spüren ist. So sehr Sherlock Holmes in den Händen von US-Amerikanern auch in etlichen Klischees badet, inklusive moralischer Tendenzen, die so gar nicht zu seinem Intellekt passen wollen, auf ein typisches US-Makel zum Thema Holmes wurde ausnahmsweise einmal verzichtet, und das ist die extreme Schusseligkeit des Doktors. Watson ist ein ernstzunehmender Partner, der nicht durch Idiotie dabei hilft Ermittlungen vorwärts zu bringen, sondern durch Kenntnisse der Materie, aus welcher er beruflich stammt, sowie aus wachsender Kombinationsgabe, abgeguckt und inspiriert vom großen Vorbild.
Dass die Amerikaner nicht die Hände von Moriarty lassen können, wo sie doch stets die Fronten Gut und Böse aufblähen müssen, überrascht nicht, so dass es nicht verwundert, dass er bereits im ersten Jahr thematisiert wird. Hier scheint "Elementary" nun bewusster vom Vorbild "The Mentalist" abzugucken, hat doch auch Holmes jemanden, den er jagt, weil seine große Liebe von einem mächtigen Unbekannten getötet wurde, und das ist freilich Moriarty. Die Unterschiede zu Red John liegen zum einen darin, dass es nicht der Aufhänger der Serie wird und aufgrund der langsamen Charakterentwicklung erst Thema zur zweiten Hälfte der Staffel wird, zum anderen ist die Identität überraschend schnell geklärt, und die Motivation diesen mächtigen und hoch intelligenten Drahtzieher ermorden zu wollen erhält eine interessante Wendung, welche den ursprünglichen Aufhänger der zweiten Hälfte noch innerhalb der ersten Staffel beendet. Dass es auch nach dem ersten Jahr mit Moriarty weiter gehen wird, steht außer Frage, aber das erste Kapitel ist abgeschlossen, James Motivation und Verzweiflung aus der Vergleichsserie sollte ihn hingegen über einige Staffeln begleiten.
Qualitativ überrascht die auf ein simples Konzept bauende Serie "Elementary" mit einigen pfiffig erzählten Kriminalfällen. Besonders fällt die Pilotfolge diesbezüglich auf, aber selbst nur halbwegs intelligent erzählte Folge halten Überraschungen und Wendungen bereit, mit denen der Zuschauer oftmals nicht rechnet. Faszinierend bleibt die Beobachtungsgabe des Detektivs, die ihn fast zu einer Art Superheld macht, so viel Freude wie es bereitet zu erfahren welche Beobachtung ihn zu welcher Schlussfolgerung brachte. Man ist jedoch durch diese Informationen meist auf dem selben Wissensstand wie Holmes, mindestens wie Watson, so dass die Episoden dennoch herzlich dazu einladen mitzurätseln und somit nicht einzig dazu dienen der Genialität des Detektivs zu folgen. Hin und wieder wird zur Täterüberführung jedoch mit Tricks gearbeitet, in welche das Publikum erst zum Schluss eingeweiht wird, für konzeptionelle Abwechslung ist innerhalb einer simplen und häufig vorzufindenden Serienart somit zumindest halbwegs gesorgt. "Elementary" weiß zu unterhalten, in den einzelnen Episoden ebenso, wie im sich erst langsam entwickelnden roten Faden der gesamten Staffel. Und hier wie dort weiß der Mix aus Humor, Drama und Spannungsbogen zu gefallen, so dass die Serie jene kurzweilige Feierabendunterhaltung auszustrahlen vermag, die ich ihr ursprünglich aufgrund der eingangs erwähnten Veränderungen des Ur-Stoffes nicht zugetraut hätte. Wiki
24.04.2016
DETACHMENT (2011)
Wo Kayes Erstling trotz der ernst genommenen Problemthematik im Herzen noch Spielfilm ist, da wirkt „Detachment“ authentischer, fast schon dokumentarisch. Düster wird er aus einem hoffnungslosen Blick erzählt, eben so wie man an jenen Tagen drauf ist, wenn es einem nicht gut geht. Da kommen bessere Tage, optimistischere Tage, Tage an denen man wieder motivierter ist. Das ist auch bei „Detachment“ der Fall. Allerdings macht der Film trotz dieses hoffnungsorientiert scheinenden Endes kein Geheimnis daraus, dass man sich damit etwas vormacht. Das Schöne ist die Ausnahme in einer konsistent traurigen Welt, erst recht wenn sie so radikal vor die Hunde geht wie im Ghetto.
„Detachment“ ist somit nicht ganz frei von Hoffnung, ist aber alles andere als ein lebensbejahender Film. Er ist auch nie das Gegenteil, gibt sich nicht dem Wunsch nach Suizid hin, sondern sieht in ihm etwas sehr Trauriges. Aber „Detachment“ ist ein pessimistischer Film, und damit ehrlich ohne damit objektiv realistisch zu sein. Er ist ein subjektiv realistischer Film. Die Welt ist so wie sie Henry in seiner Gefühlslage wahrnimmt und interpretiert.
Der Wandel von einem zwar engagierten, aber auf Nummer Sicher gehenden Lehrer, der gerne den Rückzug antritt, zu einem Mann der wirklich Verantwortung übernimmt, ist nachvollziehbar erzählt, sicherlich nicht immer frei von Klischees, was in einer Geschichte um eine Ghettoschule auch so gut wie unmöglich ist, fühlt sich aber trotzdem echt an, weil die Probleme bei Henry wie bei den Schülern oder seinen Kollegen real existierende sind, und weil es diese düsteren Tage gibt, in denen man diesen Blick auf die Welt hat, wie „Detachment“ sie uns zeigt. Nur gibt es viel zu selten Filme, die konsequent aus dieser Perspektive erzählt sind, und da ist es um so angenehmer, dass es Werke wie das hier besprochene gibt, die eine solche Lücke füllen.
Der Wandel vom Rückzieher zum festen Fels klingt nach einer formelhaft erzählten Geschichte, wie sie geradezu typisch für den Dramenbereich amerikanischem Kinos ist. Aber „Detachment“ gibt sich keinem typischen Erzählfluss hin, komponiert keinen Kitsch um einen gewandelten Mann, sondern geht mit seiner nah ans Dokumentarische grenzenden Art recht unkonventionell an das Thema heran.
Wir lernen die Figuren des Films gut kennen, Henry freilich am besten. Empathisch lässt Kaye uns eintauchen ein in eine Seele, die der Film nicht verurteilt, denn der Aushilfslehrer ist nicht Schwarz/Weiß-gezeichnet und bereits vor seinem Wandel ein hilfsbereiter Mensch. Und es ist die Nähe zu der Figur, die dafür sorgt dass das Erzählte so glaubwürdig bleibt. „Detachment“ will keinen allgemeingültigen Blick auf Ghettoschulen in Amerika werfen. Er tut es aus der höchst persönlichen Perspektive eines seelisch leidenden Mannes. Und in jeder Verschlimmerung oder Heilung seines Zustandes ist der Zuschauer involviert. Und da wirkt so ziemlich jede Charakterentwicklung höchst glaubwürdig.
„Detachment“ lebt von seiner gewagt pessimistischen Art, von seiner fotografisch toll eingefangenen tristen und düsteren Optik und von seinen guten Schauspielern. Auch wenn mit dem aus „Breaking Bad“ bekannten Bryan Cranston auf dem Cover geworben wird, so zähle ich ihn trotz seines großen Talentes in diesem Falle nicht dazu, taucht er doch nur in kurzen Augenblicken als der Mann der Direktorin auf, und sind diese wenigen Szenen doch keine besonderen Momente, weder für die Geschichte noch als Anforderung an Cranston.
Zu den hervorgehoben nennenswerten Leistungen zählen hingegen Adrien Brody in der Hauptrolle des Henry, Sami Gayle in der Rolle der Prostituierten und James Caan als zwar Antidepressiva-schluckender Kollege, aber auch als eine gewisse Komik versprühender Mensch. Damit wird er einer der wenigen auflockernden Lichtblicke, während er trotzdem zugleich Teil der traurigen Welt bleibt. „Detachment“ bleibt sich da treu, gibt sich keinen Illusionen hin, fordert aber auch nicht zur Aufgabe auf, ganz im Gegenteil. OFDb
25.07.2012
LUCKY NUMBER SLEVIN (2006)
So einiges ist in dieser Welle mit geschwommen und meist verdienter Maßen untergegangen. Und auch das Buch zu „Lucky Number Slevin“ ist von dem Niveau eines „True Romance“ und „Pulp Fiction“ weit entfernt, was bereits zu Beginn auffällt, wenn man besonders kluge Dialoge servieren möchte, und diese als solche nicht wirklich zu wirken wissen. Doch dies ist nur eines der wenigen Wermutstropfen in einem Film, der ansonsten zu gefallen weiß.
Ein weiterer wäre, wie sollte es anders sein, Lucy Liu, die zwar nicht wirklich negativ auffällt in ihrem eindimensionalen Spiel, aber der Gedanke ließ mich nicht los, was wohl manch begabte Schauspielerin aus dieser Rolle heraus geholt hätte. Andererseits is der weibliche Part ohnehin eher Nebensache, auch wenn zunächst Gegenteiliges den Eindruck macht. Aber wenn man ansonsten ein Werk serviert bekommt, welches mit einer wirklich guten Besetzung glänzt, dann darf man auch mal auf hohem Niveau maulen.
„Lucky Number Slevin“ ist fast ein Genre-Cocktail. Sein Schwerpunkt liegt im Thriller-Bereich. Zudem ist er gespickt mit einer leichten Priese Humor, ohne deshalb gleich zur Komödie zu werden, und dem Bereich der Dramatik ergeht es ebenso. In gewisser Hinsicht spielt auch die Action eine wichtige Rolle, auch wenn es keine Autoverfolgungsjagden und keine Zerstörungsorgien zu bewundern gibt. Aber es wird häufig geschossen, und es gibt eine Explosion. Eventuell könnte man zudem von einem kleinen Hauch Erotik sprechen. Immerhin darf Frauenschwarm Josh Harnett zunächst einige Zeit lediglich mit einem Handtuch bekleidet mitspielen, was nur eine von wirklich vielen treffenden Ideen von Situationskomik ist.
Bis der Film sich nach über 100 Minuten dem Ende neigt, gibt es interessante Wendungen mitzuerleben und dies meist zu einem Zeitpunkt wo man sich ohnehin gerade gefragt hat, wohin die ganze Erzählung nun führen soll. Zwar kann man am Ende behaupten dass „Lucky Number Slevin“ nur viel heiße Luft in sich trug, immerhin ist die Geschichte nicht gerade neu, und die etwas wirr mit Informationen um sich her schießende Erzählweise verschleierte keinen all zu kniffligen Plot. Allgemein fühlte ich mich von diesem Film jedoch sehr gut unterhalten, eben weil er flott und kurzweilig erzählt ist. Außerdem weiß die kühne Art Slevins zu gefallen, der diese Wirkung immer dann auf die Spitze treibt, wenn er unüberlegt etwas sagt. Er ist nun mal ein Klugscheißer.
Außerdem imponiert es in Zeiten, in denen im Kino immer die Post abgehen muss, dass das Finale einer Gangstergeschichte derart ruhig abläuft, anstatt sich im Actiongewitter dem Massengeschmack hinzugeben. Zwar wird im Finale nichts mehr erzählt was man nicht längst begriffen hätte, aber auch hier weiß der Film in seinem Stil zu gefallen und bleibt sich mit dieser Ruhe in seiner Art treu.
Vielleicht liegt es genau daran, dass „Lucky Number Slevin“ in Deutschland nur auf DVD erschien. Zu einer Kinoveröffentlichung kam es nur bei Spezialaufführungen. Somit reiht sich der Film in die lange Schlange der dem deutschen Publikum im Kino verweigerten Veröffentlichungen ein neben „Der blutige Pfad Gottes“ und „Donnie Darko“, alles Werke die dem Stammbesucher im Lichtspielhaus hätten zeigen können, wie ein guter Film aussieht. Aber dort serviert man ja lieber Blockbusterquatsch mit Soße. OFDb