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23.12.2023

PLAY DEAD (2022)

Man nehme ein Medikament um tot zu wirken, lasse sich ins örtliche Leichenschauhaus einliefern und erstehe dort wieder heimlich auf, um ein Beweisstück einzusammeln, welches das letzte Familienmitglied, welches man hat, ansonsten für immer hinter Gittern bringen würde. Hier erlebt die Reingeschlichene nun das Grauen. Der Plot reizt. Er klingt völlig konstruiert, aber er reizt. Und das bringt "Play Dead - Schlimmer als der Tod" (Alternativtitel) insgesamt recht gut auf den Punkt. Denn so richtig konstruiert und unglaubwürdig wird er sogar erst nach dieser Anfangsphase, und er wird es mit fortschreitender Laufzeit immer mehr. Er bleibt gleichzeitig aber auch ein sympathisches, interessant gehaltenes Stück Horrorfilm, das funktionieren kann, wenn man nicht einzig auf die Kategorie Glaubwürdigkeit achtet. Dann kann man Gefallen an dem unheimlichen Spielort finden, an der Spielfreude, die Jerry O'Connell aufleben lässt, wenn er entgegen seinem Standard endlich einmal den Bösewicht spielen darf, und an dem Einfallsreichtum eines routinierten Drehbuchautors, der versuchen muss im Mainstream stets neue Möglichkeiten für die Heldin zu schaffen. Ihr Scheitern wird nie ernsthaft ins Auge gefasst, sie wird gewinnen, sie wird den grausigen Ort verlassen. Aber die Umstände werden es ihr schwer genug machen, damit der Zuschauer genug zu erleben bekommt, auch wenn die Standardumsetzung ihn für wahres Grauen zu sehr in Watte packt. 

Um ehrlich zu sein, ist "Play Dead" aber ohnehin für das Jugendpublikum konzipiert, so sehr wie er am Denken und Erleben der Protagonistin und weiteren jugendlichen Figuren orientiert ist. Deswegen verzeiht man ihm auch gerne die Naivität dieses Alters, die er immer wieder atmet. Im Gegenzug präsentiert er dem Publikum aber auch Wortgefechte zwischen der jungen Heldin und dem fehlgeleiteten Spießer, der auf Comicschurkenart verurteilen und sich rechtfertigen darf, mitten im Klischee badend, also keine Chance auf einen diskussionswürdigen Inhalt bietend, aber amüsant genug dargeboten, um Gefallen an dieser Spielerei zu finden, inmitten eines Werkes, das eher simple Geisterbahn im Psychogewandt sein möchte, anstatt ein bierernster Horrorfilm. Komik darf trotzdem suchen wer will, die gleitet nur in manch augenzwinkerndem, schwarzhumorigen Dialog daher. Regisseur Patrick Lussier hat mit "God's Army 3", "Dracula 2" und "Drive Angry" schon schwächere Filme fabriziert, mit "Trick - Dein letztes Halloween" sogar ein richtig schlechtes Werk. Seinen ersten von Wes Craven produzierten "Dracula" mochte ich, aber nur "My Bloody Valentine" ist bislang seine einzige, mir bekannte, rundum gelungene Regiearbeit. Und wie man an meinem Text sieht, muss man auch Kompromisse eingehen, um seinen Spaß mit "Play Dead" zu haben. Aber ich hatte ihn, sehe das alles nicht so streng und habe einfach die 90 Minuten simpel und trivial genossen. Wer nicht mehr als dies erwartet, und mehr muss es nicht immer sein, der wird 90 Minuten kurzweilig und morbide genug unterhalten.  OFDb

26.05.2019

ICH KANN'S KAUM ERWARTEN! (1998)

"Ich kanns kaum erwarten - Can't Hardly Wait" (Alternativtitel) ist meiner Meinung nach das für die Kids der 90er und 00er Jahre, was die Werke John Hughes für jene der 80er Jahre waren. Hier entdeckt man gleiches Verständnis für die Gefühlswelt der Teenager, eingepackt in ebensolche schrulligen Figuren, mit dem nötigen Touch comicartiger Übertreibung. Am ehesten ist die wilde und gleichzeitig zarte Komödie des Regie-Duos Harry Elfont und Deborah Kaplan mit "Das darf man nur als Erwachsener" zu vergleichen. In beiden spielt eine Party eine zentrale Rolle, ebenso wie Liebe und Nerds, und in beiden ist eine vordergründige und parallel dazu eine beiläufige Liebesgeschichte vorhanden, welche beide jeweils das Herz des Zuschauers zu erobern wissen. Eine Nachahmung des Vergleichsfilmes ist "Big Party" (Alternativtitel) jedoch trotzdem nicht geworden, schlägt er inhaltlich doch andere Töne an, was nicht einzig dem aktuellen Zeitgeist von einst geschult ist, diesem jedoch auch sehr deutlich. Er sorgt für eine Entfremdung zu den Werken der 80er Jahre, so dass manche dadurch den Vergleich nicht bemerken. Aber Hughes Einfluss ist vorhanden, sehr stark sogar. Und da das Werk trotzdem innovative Luft atmet und hochgradig unterhaltsam ist, frage ich mich warum so wenig Leute den Streifen kennen und kaum über ihn berichten.

Ich habe ihn seit seinem Erscheinen nun schon etliche Male gesehen und bin bei jeder Sichtung wieder aufs Neue überrascht wie gut er funktioniert, einerseits von Klischees und Stereotype lebend, andererseits diese aushebelnd oder comicartig hochpuschend. "Party Zone" (Alternativtitel) ist der ideale Mix aus partytauglichem Teenagerfilm und herzlichem Jugendverstehen. Sein wilder Ritt weiß ebenso zu berühren, wie auch zu herrlichen Lachanfällen zu führen. Ein bunter Mix mal mehr, mal weniger im Zentrum stehender Figuren bildet den Mikrokosmos, fast einzig aufgezeigt auf einer einzigen Party, insgesamt an einem Tag spielend, Hintergründe nachholend über zeitliche Rückblicke. Auf diese wird jedoch nur selten zurückgegriffen, so dass der eigentliche Kniff der Chose darin besteht, die einzelnen Handlungsfäden stets zeitgerecht und in ihrer passenden Größenordnung in die Party einzuarbeiten, und dies möglichst mit flüssigem Übergang zum zuvor erlebten, anderen Parallelstrang. Während Seth Green, der damals wohl prominenteste Mime, der eine große Rolle in diesem Streifen ergattert hat, treffsicher wie immer herum albert und Jerry O'Connell in einem saukomischen Gastauftritt einen besonderen Moment herbei zaubert, ist es gerade Ethan Embry in der Hauptrolle zu verdanken, dass der eigentliche Motor des Films, die Liebesgeschichte rund um Preston und Amanda, derart zu Herzen geht. Sein Hundeblick verleitet zum Mitleiden, sein optimistisches Lächeln steckt an, sein milder Blick unterstützt die Gutmütigkeit und die Solidarität, die sein Charakter beinhalten soll, wie man hauptsächlich über Fremdaussagen erfährt. Einzig den finalen Kuss vergeigt er, ein übler Wermutstropfen, der ein hochgradig emotional inszeniertes Happy End ein wenig ausbremst, was man jedoch verzeiht, so genial wie der Rest der Szene und des Films inszeniert ist.

Während kleine Nebensächlichkeiten mit allerhand Running Gags und Ausnahmepassagen zu belustigen wissen, wie z.B. die nie spielende Partyband, der ewig zugreifende Kleptomane (besetzt mit dem Sherminator), die leidende Veranstalterin des Events, das hohle Püppchen, das von jedem eine Unterschrift ins Jahrbuch erhalten möchte, um nur einige wenige im Meer an lustigen Randfiguren aufzuzählen, findet der zweitgrößte Schwerpunkt des Streifens eingesperrt in einem Badezimmer statt. Dort versteckt entsteht eine nicht minder ansteckende Liebesgeschichte, dargeboten mit den vielschichtigsten Charakteren die "The Party" (Alternativtitel) zu bieten hat. Dass wir die Vielseitigkeit dieser Figuren, bzw. deren Täuschungen und Ängste und ihr wahres Ich vorgezeigt bekommen, liegt daran dass sie sich hier alleine in diesem einen Raum nicht lange verstellen brauchen, isoliert vom Rest, eine Ausnahme in einem gerade von Geltungssucht, Täuschung, Alkohol und Idealen getriebenen Selbstdarstellungsrausch, von welchem sich lediglich Preston und Amanda (mittlerweile) distanzieren. Ein weiterer Blick hinter die zerbrechlichen Fassaden von Teenagerseelen wird hingegen für einen bösen Schluss-Gag vorbereitet, nicht aber ohne authentisch, wie empathisch die Wahrheit eines alkoholisierten Gefühlslebens derartiger Partys widerzuspiegeln. Trotz aller Übertreibung atmet "Ich kann's kaum erwarten!" nun einmal lebensechte Luft. Das macht ihn gerade so besonders.

Inmitten von wahr gewordenen Kinoträumen in Sachen Romantik und Partygeschehen existieren gleichzeitig gut beobachtete Tragödien, Macken und Charaktere aus der echten Welt. Die Vielseitigkeit an Figuren und Situationen, die das Gesamtergebnis nie überfrachten, sondern stets bereichern, sorgt dafür dass Kino und Echtheit, dass Comic und Realismus, dass Partytauglichkeit und emotionale Ruhe nebeneinander co-existieren können, ohne stets das eine gegen das andere austauschen zu müssen. "Can't Hardly Wait" (Originaltitel) vermittelt ein Lebensgefühl, erinnert an alte Zeiten, gefällt als Comic, lässt einen mitfühlen und beschert uns dies alles mit einem Meer an gut aufgelegten Darstellern in verschiedenen Geschichten zur selben Zeit am selben Ort. Sie, ebenso wie Regie, Schnitt, Drehbuch, Kamera, sorgen für das Chaos und den Überblick innerhalb eines wildzahmen Szenarios. Sie schaffen es uns schnell an Begebenheiten und Personen zu binden, uns deren Anliegen verstehen zu lassen, einen anderen Moment an den vorherigen flüssig und verständlich anzuknüpfen und gleichzeitig wild losgelassen uns ein Partychaos zu offenbaren, das anzustecken weiß. Man muss kein Teenager sein, um sich hier auf verschiedensten Gefühlsebenen mitreißen zu lassen. Der satirisch und ironisch distanzierte Stil lässt auch den erwachsenen Blickwinkel zu, ebenso wie Wehmut, Retro-Charme und Nostalgie mitwirken können. "Ich kann's kaum erwarten!" ist ein emotionales Feuerwerk an Komik und Gefühlen, pointensicher umgesetzt, zum Schmunzeln ebenso animierend, wie zum großen Lacher und geistreicher ausgefallen, als uns sein wildes Daherkommen weiß machen möchte.  OFDb

11.04.2015

SCREAM 2 (1997)

Hatte ich in meiner Review zum ersten „Scream“ noch behauptet die Fortsetzung klammere sich arg brav an die Formel des ersten Teils und sei eher mittelmäßig ausgefallen, so muss ich das nach erneuter Sichtung großteils doch revidieren. „Scream 2“ erzählt die Geschichte des ersten Teils interessant und mit anderen Schwerpunkten versehen gekonnt weiter, nimmt sich Zeit die bereits bekannten Figuren psychologisch näher zu vertiefen, vernachlässigt darüber hinaus aber neue Figuren so gut kennen zu lernen wie die alten in Teil 1. Das ist schon etwas schade, schadet dem Streifen aber nicht wirklich.

Dass die Intensität der Eingangssequenz vom Vorgänger nicht so leicht ein weiteres Mal einzufangen ist, geschweige denn getoppt werden kann, ist klar, aber sie kann sich sehen lassen, die Eröffnungssequenz von Teil 2, die einem vernachlässigten Thema zu den Überlegungen der Gesetzmäßigkeiten eines Horrorfilms nachgeht. Auch sie ist packend inszeniert, doch das ist nichts gegenüber manch spannender Sequenz die uns im Laufe der Story noch erwartet. In Sachen Spannungsgehalt toppt Teil 2 den Vorgänger sogar, innerhalb einer Inszenierung die ebenso flüssig ohne Stolpersteine daher kommt wie Teil 1.

„Scream 2“ könnte mit all seinen neuen Ideen (alles zum Thema Fortsetzungen) und Erweiterungen alter Ideen (Cotten in die Haupthandlung einzubauen), sowie mit dem Luxus sich Zeit für ausgefallene Suspense-Momente zu nehmen (die Theater-Probe) locker mit dem Erstling mithalten, wenn... ja wenn die Auflösung nicht völlig enttäuschend ausgefallen wäre. Da wird geredet und geredet um der Begründung für die Morde einen Sinn zu geben, aber das ist vergebens, weiß das alles doch nicht wirklich zu überzeugen, zumal die Figur, soviel sei verraten, zuvor nur hin und wieder unbedeutend durchs Bild huschte und deswegen eine Zuschauerverarsche als der aufgedeckte Täter ist.

Zudem ist das Finale nach der Aufdeckung zu lang geraten, ohne mit ausgefallenen Überraschungen eine solch ausgedehnte Sequenz zu legitimieren. Hier hatte Teil 1 die Nase um Längen vorn, konnte noch einmal als individuelles Produkt trumpfen, welches den Kult-Status zurecht verdient, während das Gebrabbel in Teil 2 ziemlich viel vom eigentlich positiven Restergebnis kaputt macht. Schade, aber wenn man drauf eingestellt ist macht der Streifen trotzdem viel Spaß. Mit „Scream 4“ kann er, entgegen dem was ich zuvor behauptet habe, also doch locker mithalten.  OFDb

02.11.2013

SCARY MOVIE 5 (2013)

Die „Scary Movie“-Reihe stand nie für ein hohes Niveau und litt immer unter der Schelte von Kritikern, egal ob es nun professionelle oder welche aus Lust an der Freude waren. Mir haben die Filme auf niedrigem Niveau jedoch recht gut gefallen, darf man in ihnen doch keine Parodie sehen (dafür gehen sie nicht nah genug an die Wurzeln der Vorbilder heran), sondern als humoristische Variationen der Originale. Da sammeln sich Zoten, da gibt es immer wieder Momente des Fremdschämens, aber irgendwie hat es doch meistens funktioniert. Teil 2 war weniger mein Ding, ist aber durchaus konsumierbar, Teil 4 bekam gerade noch die Kurve zur charmanten Mittelmäßigkeit, aber Teil 1 und 3 finde ich recht kurzweilige Filmchen für den Schnellverzehr, auch gerne mal in der Wiederholung.

„Scary Movie 5“ ist nun der erste Teil, der für meinen Geschmack die Grenze überschritten hat, die einen solchen Film von Nieten wie „Date Movie“, „Mega Monster Movie“ oder „Disaster Movie“ getrennt haben. Vereinzelt schleichen sich zwar noch nette Ideen ein (z.B. ein wunderbarer Dialog, in welchem immer wieder eine Hütte im Wald betont wird), insgesamt ist das Kasperletheater sich selbst- oder fremdverletzender Leute jedoch endgültig auf Kindergarten-Niveau angekommen, zumindest weiß ich nicht was das Slow Motion-Verfahren, welches man in Anlehnung an „Paranormal Activity“ aufgriff, an solchen ausgelutschten Witzchen lustiger machen soll. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber diese bleiben rar gesät.

Das Hauptaugenmerk liegt bei "Paranormal Activity 2", und das scheint zunächst eine gute Idee zu sein, ist das Found Footage-Verfahren doch bislang nicht geglückt parodiert worden. Meist griffen Soft Erotik-Filmer auf diese Idee zurück, produzierten aber freilich nur unterirdischen Schrott wie „The Bare Wench Project“. Klar, wie eingangs erwähnt, die „Scary Movie“-Reihe war nie wirklich Parodie, aber was man hier im Found Footage-Stil auf die Beine stellt ist schon erbärmlich. Da bieten sich so viele einfallsreiche, humoristische Ideen mit diesem Verfahren an, und man greift keine von diesen auf. Dass der Film nicht komplett in diesem vergeigten Verfahren gedreht ist, könnte einen aufatmen lassen, der Rest von „Scary MoVie“ (Originaltitel) ist aber leider nicht viel besser.

Kaum zu glauben, aber am Drehbuch werkelte wieder David Zucker mit, ein Drittel des berühmten Zucker/Abraham/Zucker-Gespanns, denen wir Meisterwerke wie „Die unglaubliche Reise in einem verrücken Flugzeug“ und „Die nackte Kanone“ verdanken und solch geglückte Filme wie „The Kentucky Fried Movie“ und „Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone“. Als David Zucker mit Teil 3 die „Scary Movie“-Reihe übernahm, da erwartete so manch einer dementsprechend einiges. Zwar war „Scary Movie 3“ schon wesentlich treffsicher und bot sogar den ein oder anderen versteckten Verweis auf Werke aus Zuckers Vergangenheit, aber ein Film auf dem Niveau der 80er Jahre-Werke ist trotzdem nicht dabei heraus gekommen - bei weitem nicht.

Nun ist David Zucker am Bodensatz der Komödienkunst angekommen, ein trauriger Fall eines Mannes, der es wesentlich besser konnte, vorausgesetzt er wurde nicht von den anderen beiden des eben erwähnten Regisseur- und Autoren-Trios mitgetragen. Klar, das Zielpublikum eines „Scary Movie"-Films ist die Jugend, und da lacht man noch über albernere Dinge als später, aber das bedeutet ja noch lange nicht, dass Teens sich jeden grenzdebilen Schrott antun. Das tut nur ein geringer Prozentsatz den es auch im Erwachsenenalter noch immer vorzufinden gibt. Also ist der Fingerzeig aufs Zielpublikum in meinen Augen lediglich Ausrede anstatt Alibi.

Zumindest kann ich in einem Punkt Entwarnung geben: wer sich vor „Scary Movie 5“ lediglich scheut weil er die Originale nicht kennt, der braucht sich nicht länger zu bremsen. Die hier zitierten Werke braucht man nicht zu kennen, wahre Insider-Jokes gibt es nicht, nur albernes Herumgehampel vor geklauter Kulisse, bzw. in kopierten Kostümen. Am enttäuschtesten war ich von den Szenen, die an „Planet der Affen - Prevolution“ angelehnt sind. Mir hat der Film gefallen, aber er bot so einiges an Potential zur Veralberung. Schade dass im hier besprochenen Werk lediglich ein Fäkal-Gag der Affengeschichte zu belustigen weiß, mehr leider nicht.

Zwei Faktoren machen deutlich was u.a. an „Scary Movie 5“ nicht funktioniert. Das ist zum einen das Fehlen von Hauptdarstellerin Anna Faris, die sich für kein Geblödel zu fein war und doch immer mit einem Hauch Reststolz aus den peinlichsten Momenten hervorstach, und die nun ersetzt wurde von einer Frau, die das Herumalbern nicht im Ansatz beherrscht und stets viel zu ernst guckt. Der zweite Fakt betrifft Autor David Zucker. Der schaffte es in den Teilen 3 und 4 die völlig unterschiedlichen Stoffe der Vorbilder zu einem interessant-schrägen Mix zu vereinen, so dass man nicht nur das Gefühl hatte einer lieblos aneinandergereihten Nummern-Revue beizuwohnen. In „Scary Movie 5“ gibt es nicht einmal mehr diesen dünnen roten Faden. Die Komödie wirkt noch mehr zusammengeflickt. Wirklich zusammengehören will da nichts, auch wenn man krampfhaft versucht dieses Wirrwarr zu vereinen.

Leute die bislang über „Scary Movie“ geschimpft haben waren mir viel zu streng und verkrampft. Schließlich macht es auch mal Freude unter Niveau zu lachen. Und wenn Beteiligte mit Spaß an der Sache dabei sind, macht das schon mal viel am Ergebnis aus im Vergleich zu Filmen, in welchen die Verantwortlichen nur aus Pflicht bei der Sache dabei sind, so wie es in vielen Leslie Nielsen-Filmen der Fall war. „Scary Movie 5“ war nun der erste Teil der Reihe, bei dem ich es berechtigt finde, wenn man auf ihn schimpft. Toll war das nicht. Allerdings ist der Tiefpunkt noch nicht erreicht. Mit etwas Langeweile als Wegbegleiter kann man „Scary Movie 5“ zumindest noch durchhalten. Und die ersten 10 Minuten machen sogar Spaß. Aber eine Komödie muss nicht erst „Disaster Movie“-Niveau erreichen um zur Gurke zu werden. Schade, da gab es nach so vielen Jahren endlich mal eine Fortsetzung, und dann liefert man uns so einen schlechten Film ab. Jetzt erwarte ich aber auch möglichst zügig einen „Scary Movie 6“ zur Wiedergutmachung.  OFDb

23.07.2013

PIRANHA (2010)

Ausgerechnet während des Spring-Breaks geraten versehentlich freigesetzte, todgeglaubte Urzeit-Piranhas in den Lake Victoria und greifen die Party feiernden Badegäste an...
 
Uralt und doch mit festen Zähnen gesegnet...
 
Wer für diesen Sommer noch einen feucht-fröhlichen Video-Tipp passend zum Wetter benötigt, und so wie ich Neuerscheinungen meist erst Jahre später entdeckt, dem rate ich zu „Piranha“, der freilich kein Geheim-Tipp mehr ist, so gut wie er von der Horror-Fan-Gemeinde angenommen wurde, aber das hat Qualitäts-technisch ja leider nicht immer etwas zu bedeuten. Im Falle von Ajas Remake von Joe Dantes „Piranhas“ aus den 70er Jahren kann ich jedoch grünes Licht geben. Der Hype ist berechtigt. Der Film macht ordentlich Laune.

Freilich erfindet Aja das Rad nicht neu, und so kann man zu Recht kritisch sein wenn es darum geht sich einen Film anschauen zu sollen, dessen Thema auf Video (meist mit Haien) todgeritten wird. Aber Ajas weiß mit welcher Inszenierung er der ausgelutschten Story begegnen muss, und die orientiert sich an den so quantitativen Punkten flotter Sound, viel nackte Haut und ordentlich Blut. So plump das klingt: es funktioniert nicht nur, es rockt.

Schön selbstironisch, dabei aber ehrlich zu sich selbst, kommt die Nebenstory um einen Pornofilmer daher, der spielfreudig von Jerry O‘Connell verkörpert wird. Seinem Sub-Plot verdanken wir jede Menge weibliche Freizügigkeiten, die ebenso wie die Szene eines abgebissenen Pimmels zeigt, wie losgelöst die Amis mittlerweile von ihrer einstigen Prüderie sind. Die Verantwortlichen dieser traurigen Vergangenheit Hollywoods, die Verfechter des Christentums, werden am Rande gleich mit verarscht, zwar kurz, aber dafür treffsicher als Demonstranten gegen den viel zu freizügigen Spring-Break.

Ohnehin ist der Grundton von „Piranha“ lustiger Natur, und das lebt man nicht nur in wunderbar ekligen und fiesen Goreszenen aus (die dank kranker Ideen nicht immer nur den Piranhas zuzuschreiben sind), was ein Glück ist, zeigten doch Filme wie „Dead Snow“ wie unbefriedigend eine Horror-Komödie ist, die einzig darauf achtet. Nein, auch die Figuren und die kleinen Situationen die diese erleben wissen humoristisch zu wirken, auch wenn große Lacher meist den kleinen Schmunzlern weichen müssen.

Die Piranhas sind dank des hohen Produktionsniveaus ein Augenschmaus, und Ajas liebt es mit Ideen zu jonglieren wie er sie optisch eingefangen kriegt und was er sie alles anstellen lassen kann, damit der Film nicht zu monoton ausfällt. Und da kommt einiges an fiesen Momenten zusammen. An Zeigefreudigkeit mangelt es dem Film in keiner Nische, und so wird der Freund anspruchsloser Popkorn-Unterhaltung bestens bedient.

Die Schauspieler schlagen sich alle wacker, die obligatorische Love Story kommt süß und nicht all zu wichtig daher, und kleine Gastauftritte absolvieren Richard Dreyfuss (der als „weiße Hai“-Veteran bereits vor dem Vorspann ableben darf) und „Doc Brown“ Christopher Lloyd, den es auch in die Fortsetzung gezogen hat, die gerade mal zwei Jahre später erscheinen sollte.

Viel zu sagen gibt es ansonsten nicht. Ajas, ein Regisseur dessen Filme meiner Meinung nach qualitativ immer sehr unterschiedlich ausfallen, macht das beste aus einem längst ausgeschöpften Thema und holt dabei ein Ergebnis heraus, das ich der Story gar nicht mehr zugetraut hätte. Dass er sich hierfür stark von Joe Dantes Original distanziert war wohl eine gute Entscheidung. Vielleicht hätte dies das erste Remake namens „Die Rückkehr der Piranhas“ ebenso machen sollen, um nicht in Vergessenheit zu geraten. Andererseits, warum wird ein Werk wie Ajas Tier-Horror dann als Remake angekündigt? Man stelle sich mal vor jeder auf Video erschienende Hai-Film würde als Remake von Spielbergs großem Blockbuster beworben werden. „Piranha“ sollte man also als eigenständiges Werk einer nicht eigenständigen Idee ansehen. Filme wie diese machen den heißen Sommer erträglicher.  OFDb