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24.05.2021

THE PUPPET MONSTER MASSACRE (2010)

Auf dem ersten Blick klingt es nach einer großartigen Idee mittels Puppen einen Horrorfilm zu gestalten. Damit ist nicht solch einer wie der Amateurfilm "Dead End Horror" aus dem Jahre 1994 gemeint, in welchem unbewegliche Plastikpuppen in einem viel zu ernsten Szenario tätig sind. Auch geht es nicht um tödliches Spielzeug, wie in so vielen Charles Band-Produktionen oder "Chucky - Die Mörderpuppe". Dustin Mills, der mit dem hier besprochenen Film sein Debüt ablieferte und seit dem Werke wie "Halloween Spookies", "Kill That Bitch" und "Night of the Tentacles" fabriziert hat, setzt die Puppen nicht als Fremdkörper innerhalb einer Menschenwelt wie bei letztgenanntem Beispiel ein, hier werden uns Puppen im Stile der Muppets präsentiert, welche jegliche Menschen ersetzen. Und dass man mit Figuren wie diesen den Horrorbereich besser humoristisch thematisieren sollte, ist die richtige Herangehensweise für solch ein Projekt. Dummer Weise setzt "The Puppet Monster Massacre", der in Deutschland nie erschienen ist, auf ziemlich plumpe, prollige Komik. Denkt man zunächst der schlüpfrige Humor würde im Zusammenhang mit den Aussagen des alten Mannes einhergehen, der zu Beginn in Szene gesetzt wird, um dessen Charakter derart humoristisch zu färben, so bemerkt man mit der Zeit dass dies die Komik des Komplettfilmes wird, und damit ruinierte man eine wundervolle Idee noch mehr als es "Disaster - The Movie" mit seiner Pfurzkomik tat. 

Nicht nur dass es um die drollig ausschauenden Puppen schade ist und gerade auch um die monströse Kreatur, die so herrlich zu wirken weiß (vom irren Prof ganz zu schweigen, auch wenn der nicht halb so krank daher kommt wie jener aus "Terror Toons"), der Film hätte in gelungener Variante außerdem der Prototyp von etwas werden können, was wir nun nicht weiter erleben. Brian Henson kam zumindest 8 Jahre später auf die Idee als Alternative zu Disney, welche mittlerweile die Muppets-Rechte besaßen, ähnlich ausgearbeitete Puppen in seinem "The Happy Time Murders" in erwachsenere Komik zu tauchen (das Action-Genre anstatt jenes des Horrors dafür nutzend). Selbst hier traten inmitten eines an sich gelungenen Werkes zu pubertäre Gags auf, eben weil man ständig provozieren wollte. "The Puppet Monster Massacre" tut dies noch mehr und schwankt zwischen inflationär eingearbeiteter, lahmer, infantiler Provo-Komik und mangelnden Einfällen. Er lässt uns nicht einmal an interessanten Gore-Effekten der Puppenwelt teilnehmen, ein Aspekt den ich aufgrund der Amateurfilm-Herkunft dieses Streifens stark vermutet hätte. Stattdessen darf man billigem CGI beiwohnen, der sich zwar besser mit der Puppenoptik verträgt, als ich vermutet hätte, aber trotzdem nicht das rechte Feeling aufkommen lässt. Somit sei jedem von dem so herrlich amüsant und innovativ klingenden Streifen abzuraten. Er ist keins von beiden, zumindest für jeden, der über Humor auf Kindergartenniveau nicht (mehr) lachen kann.  OFDb

28.04.2019

THE HAPPYTIME MURDERS (2018)

Die Firma Disney mag mittlerweile die Rechte an den Muppets besitzen, womit Brian Henson, Regisseur von "Die Muppets Weihnachtsgeschichte" und Sohn von Muppetsschöpfer Jim Henson, aus der familiären Chose heraus ist, aber das hindert ihn glücklicher Weise nicht daran sein Werk weiter zu führen. Denn rein Puppen-technisch hat er von seinem Vater einiges gelernt, was er mit der brillanten, wie verkannten Serie "Muppets Tonight!" auch bereits in den 90er Jahren herzerfrischend bewiesen hat. Und so drehte Brian erneut eine Komödie in welcher menschliche Darsteller gemeinsam mit Puppen auftreten, ganz ohne das Markenzeichen Muppet, dafür mit dem Markenzeichen Henson versehen. Und um gar nicht nach echter Konkurrenz auszusehen, orientiert sich der gute Mann an einem erwachseneren Plot. "The Happytime Murders" ist wahrlich nichts für Kinder. Allerdings ist er auch nicht immer etwas für Erwachsene, ist er in seinem pseudo-provokativen Ton doch gelegentlich eine Spur zu infantil ausgefallen.

Wenn die Worte Penis und Eier, Beschreibungen sexueller Anspielung und vulgäre Beleidigungen fallen, dann ist eher das Jugend-Publikum angesprochen, als der erwachsene Freund von Hensons bis dahin üblichen harmloserem Anarchohumors. Zwar ist "The Happytime Murders" aufgrund seiner kindischen Pimmeleskapaden keineswegs so plump ausgefallen wie der grottenschlechte "Deadpool", ein "Falsches Spiel mit Roger Rabbit" für die Puppenwelt, wie man aufgrund der Zutaten vermuten könnte, ist der Streifen allerdings auch nicht geworden. Zwar kommt er annähernd an dessen Detailverliebtheit heran, aber Drehbuch und Charme der Figuren sind weniger anspruchsvoll und treffsicher geraten, wie im großen Zeichentrickvorbild, so dass einem aufgrund der infantilen Provokationen in augenzwinkernd "harten" Bildern eher "Meet the Feebles" in den Sinn kommt. Manch einer mag bei diesem Vergleich leuchtende Augen kriegen, ist Peter Jacksons Puppen-Komödie doch allgemein sehr beliebt, ich selbst konnte mit dem Treiben dort jedoch nur bedingt etwas anfangen und sehe den Vergleich somit als Kritikpunkt.

Freunde des Vergleichsfilms mag "The Happytime Murders" zu harmlos ausgefallen sein, immerhin kommt der zentrale Humor von dort hier eher am Rande vor, während allgemein noch Brian Hensons Muppet-Humor mitten im Raum steht und sich bis auf kleine, unangenehme Ausrutscher auch recht kompatibel mit dem raueren Ton schaut. Somit bin ich trotz größerer Erwartungen und der Verwunderung darüber, dass Henson überhaupt gelegentlich auf zu primitiven Humor zurückgreift, trotzdem noch recht zufrieden mit dem Ergebnis, zumindest ab jenem Zeitpunkt, wo ich mich damit abgefunden habe gelegentlich nicht zündende vulgäre Elemente vorgeschmissen zu bekommen. In der Ausnahme wissen auch sie zu funktionieren, so z.B. der Blick auf einen Pornofilm-Dreh, in welchem eine Kuh von einem Oktopus gemolken wird. Auch die Anspielung an "Basic Instinct", die detailreicher ausgefallen ist als im Original, weiß zu gefallen. Am angenehmsten guckt sich der Film jedoch immer dann, wenn ihm menschliche Aspekte und Absurditäten des Alltags und die Verschmelzung von Puppen- und Menschenwelt wichtig sind, und glücklicher Weise ist dies trotz des Sumpfes an Drogen und Sex der Mittelpunkt des Streifens.

Während man wahre Prominenz kläglich vermisst, wissen zumindest die Puppen ein vertrautes Gefühl zu erwecken, sieht man ihnen ihre Muppetsverwandtschaft doch sofort an, auch wenn sie nicht zum bekannten Franchise dazu gehören. Sie und der Trupp meist unbekannter, aber spielfreudiger, menschlicher Darsteller sorgen für das nötige Feeling. Emotional bleibt "The Happytime Murders" aufgrund seines rauen, Actionfilm-parodierenden Grundtones eine Spur zu zurückhaltend, zumindest dauert es bis die harten Schalen aufbrechen und uns wahre Charaktere spüren lassen. Doch das wird wieder aufgewogen durch das verspielte und pointensichere Miteinander von Puppe und Mensch und durch viel flachen Humor, der sehr herzlich und angenehm kindlich albern daher kommt, so dass man trotzdem in das zu kühl angegangene Szenario einsteigen kann. Vielleicht guckt sich die Puppenkomödie diesbezüglich beim zweiten Sichten auch eine Spur besser, fand ich das späte emotionale Vertiefen der Charaktere, aufgrund des passenden Zeitpunkts und der einfallsreichen Herangehensweise das raue Verhalten der Protagonisten zu erklären, doch gut und in dieser Filmphase wohltuend eingesetzt. Vieles worüber man sich zuvor (leicht) geärgert hat, wird mit dem Gesamteindruck bereinigt.

Zudem tat es gut, dass der kurze Anflug die Puppen für das Thema der Rassenproblematik Amerikas einzusetzen, nicht zum Mittelpunkt wird, wie anfänglich vermutet, das wäre dann doch inmitten der ansonsten herrlich verspielten Art eine Spur zu moralisch und bemüht ausgefallen. Immerhin will "Happytime Murders" Satire und Parodie sein, und in seinem, trotz durch infantilem Getue noch zu erkennenden, wenn auch verwässertem, Anarchohumor kleidet sich diese angedeutete Thematik auch gleich viel wirksamer als bei zunächst zu moralisch aufdringlich scheinender Herangehensweise. Henson findet jedoch allgemein meist den richtigen Ton, haut aber, wenn er daneben liegt, immer eine Spur zu derb daneben, so dass man ihm die Ausrutscher nicht wirklich verzeihen möchte, zumal sie sich, zumindest in besagten infantilen Provokationen, wie eine Anbiederung ans Jugendpublikum anfühlen.

An sich ist das Ergebnis jedoch positiv ausgefallen. Der Film ist optisch gut abgefilmt, lustig genug ausgefallen um mit ihm zu sympathisieren, und mag der Komödie auch die Komplexität eines Krimi-Plots a la "Falsches Spiel mit Roger Rabbit" fehlen, so ist die Geschichte doch immerhin noch weit interessanter und verfahrener ausgefallen, als es für diese Art Film und das anvisierte Publikum heutiger banaler Kinozeiten nötig gewesen wäre. Da darf man in heutigen Zeiten schon dankbar dafür sein, dass das Storygerüst im Vergleich zum Kultfilm aus den 80er Jahren nur leicht vereinfacht wurde. Ich denke bei einem zweiten Sichten, mit weit weniger Erwartungen an den Stoff, wird mir "The Happytime Murders" noch eine Spur besser gefallen als nach dieser ersten Sichtung. Aber nach den bisherigen großartigen Puppenproduktionen des Sohnes Jims ist es schließlich kein Wunder, dass ich mir zuvor mehr von dieser Art Ausnahmeprodukt erhofft habe. Leider ist der Film zu unberühmt, so dass es fraglich ist, ob Brian Henson weiterhin derartiges vorlegen kann. Der Vielfältigkeit der Filmwelt wäre es jedoch zu wünschen, dass Brian seinen Kurs weiter finanziert bekommt.  OFDb

13.01.2018

GELD HER ODER AUTSCH'N (2013)

Puppen als alternative Lebewesen in der Menschenwelt können, ebenso wie die Zeichentrickalternative, zu einem funktionierenden Vergnügen werden, wie diverse Produktionen rund um die Muppets herum beweisen. Dem Konzept seine familientaugliche Herkunft zu berauben, um der Chose einen Anarcho-Touch zu bescheren, war ein Versuch an dem sich bereits Ende der 80er Jahre Peter Jackson heranwagte. Der traf mit seinem „Meet the Feebles“ nicht zwingend meinen Humor, eben weil er einzig auf Provokomik setzte, aber immerhin mangelte es ihm nicht an Ideen und dem Charme der von ihm eingesetzten Puppen. Der wesentlich später erschienende deutsche Versuch ähnliche Wege zu beschreiten, der unter dem wenig wirksamen Titel „Geld her oder Autsch‘n“ erschien, kommt schon wesentlich einfallsloser daher.

Ich habe nicht so ganz verstanden was dieses „Maulwurfn" oder „Autsch‘n" ist, worauf dieser Film basiert. Es gab da wohl mal Fernsehauftritte der Puppen, oder gar eine komplette Serie, aber was auch immer dem Film voraus ging, der Streifen soll für sich allein stehen können, das merkt man dem Konzept an. Dieses setzt jedoch ebenfalls wie Peter Jacksons Werk lediglich auf Provo-Komik und ruht sich einzig darauf aus, dass Puppen sich kriminell verhalten. Der eine nimmt Drogen und ist ein Arschloch, andere werden zu Erpressern und sind ebenfalls Arschlöcher. Man sollte meinen, dass der Aspekt es u.a. mit klassischen Puppen eines Kasperletheaters zu tun zu haben, dem ganzen Treiben mehr Sympathie bescheren würde, aber dem ist leider nicht so. Star des Films ist der halbwegs optisch wirksame Eisbär und sein berliner Dialekt.

Wie so oft bei Anarcho-orientierten Stoffen aus der Animations- und Puppentrickwelt ist das Ergebnis zu infantil ausgefallen, um jemanden nach der Pubertät ernsthaft zu interessieren. Bemühte Versuche politische Seitenhiebe, wie den Kampf um die R.A.F., per Kurzerwähnung in die sich ansonsten wenig für gesellschaftliche Belange interessierende Story zu integrieren, scheitern und ernten lediglich ein müdes Schulterzucken. Und selbst das belustigende Spiel von Christoph Maria Herbst kann sich unter einer mittelmäßigen Regie nicht richtig entfalten, was ganz extrem in jener temporär schlecht inszenierten Szene auffällt, in welcher Herbsts Figur beim Essen einer Suppe gestört wird.

Der schlichte Einsatz simpler Puppenanimation und mancher Versuch zusätzliche optische Reize ins Geschehen zu integrieren, z.B. in einer animierten Alptraumsequenz, helfen dabei im zu müden Treiben trotzdem einen gewissen Grad Restsympathie zu entdecken, zumal allein der Versuch ein solches Projekt in der müde gewordenen deutschen Filmindustrie anzugehen einen gewissen Respekt verdient. Aber auch mit viel Wohlwollen und Augenzudrücken ist das eintönige Ergebnis maximal als müdes Routineprodukt zu bezeichnen. Da wäre es schön gewesen kreative Menschen mit an Bord zu haben, die über das nötige Humorverständnis verfügt hätten. So aber bleibt „Geld her oder Autsch‘n“ lediglich eine theoretisch nette Idee in zu braver und infantiler Umsetzung, so dass die FSK 12 gut gewählt ist.  OFDb

05.04.2015

MUPPETS MOST WANTED (2014)

Ich war von dem Versuch Hensons Filzpuppen wieder auf die Kinoleinwand zu bringen nicht sonderlich begeistert. „Die Muppets“ war zu brav, zu anbiedernd, ein typisches kalkuliertes Produkt, mittendrin badend in der Political Correctness, die ich so verabscheue. Dementsprechend bin ich mit geringen Erwartungen an die Fortsetzung, dem mittlerweile 8. Kinofilm der Puppen, herangegangen. Dass ich trotzdem ein wenig Hoffnung hatte der Film könne etwas taugen lag zum einen an der Geschichte, die äußerst reizvoll klang und zum anderen an Ricky „The Office“ Gervais, der den menschlichen Hauptpart übernahm und den ich für seine Komik und sein schauspielerisches Talent sehr schätze.

Und was soll man sagen? „Muppets Most Wanted“ ist nicht nur wesentlich charmanter ausgefallen als sein träger Vorgänger, er ist trotz mancher Schwachstellen sogar einer der unterhaltsamsten Filme der Filzpuppen geworden. Das böse Kermit-Double hat eine derart fiese Fresse, dass ich noch bis hin zu seinem letzten Auftritt über dessen Mimik lachen konnte, so gelungen ist diese ausgefallen und macht somit viel am Gesamtergebnis des Streifens aus. Auch bekommen die Nebenfiguren viel mehr Beachtung geschenkt als im Vorgänger, gerade Adler Sam hat eine herrliche Nebenrolle ergattern können. Lediglich die in den 90er Jahren durch „Muppets Tonight“ neu hinzugestoßenen Puppen huschen wenn überhaupt nur mal kurz durchs Bild. Das ist schon schade, allein Andy und Randy Pig sowie der Bär Bobo haben ein ungeheures Humorpotential zu bieten auf welches der aktuelle Kinofilm komplett verzichtet.

Zudem fehlt „The Muppets 2“ (Alternativtitel) etwas, das den meiner Meinung nach besten Muppetsfilm „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ so viel Rückhalt gegeben hat: gute Songs. Dass die Puppen singen ist ein Übel das jeder Film mitträgt, aufgrund des Ursprungs der Helden, „Die Muppet Show“, gehört es freilich trotzdem irgendwie mit dazu, ob man es mag oder nicht. Aber bislang hat es nur die Muppets-Verfilmung von Dickens Weihnachtsgeschichte geschafft gelungene Lieder hervorzubringen. Trotz der eher uninteressanten Songs im hier besprochenen Film haben die Musikszenen denen des Vorgängers „Die Muppets“ trotzdem eines voraus: sie sind in die Geschichte eingebunden und nicht lediglich zur reinen Selbstdarstellung der menschlichen Darsteller gedacht. Die einzige negative Ausnahme diesbezüglich bildet der Gastauftritt von Celine Dion, die sich selbstverliebt wie in ihrem Musikvideo zu „My Heart Will Go On“ präsentiert innerhalb einer Szene, auf die man auch hätte verzichten können.

Lustiger Weise ist sie der einzige Star der negativ auffällt, und an Gaststars hat man wahrlich nicht gespart. Til Schweiger, Christoph Waltz, Danny Trejo, Ray Liotta, sie sind alle mit dabei und mittendrin auch Newcomerin Chloe Grace Moretz, die ich nicht einmal erkannt habe. Von ihrer Anwesenheit habe ich erst im Abspann gelesen. Schade! Aber ich habe „Muppets Most Wanted“ mit Sicherheit nicht zum letzten Mal gesehen, denn er ist herrlich witzig, kurzweilig und unverkrampft ausgefallen, teilweise sogar so frech wie die urigen Werke der Filztruppe, was einem kleinen Wunder gleicht. Bei meiner nächsten Sichtung werde ich also einen Blick auf Chloe werfen.

Lediglich das Einbringen der neuen langweiligen Muppet-Puppe, die mit dem Vorgänger neu zum Muppet-Universum hinzugestoßen ist, wäre nicht nötig gewesen. Die hat dem Film nichts zu bieten außer dem Wiedererkennungswert, dass man es mit einer Fortsetzung zu „Die Muppets“ zu tun hat. Trauriger Weise war der ein Hit, sonst hätte man sich davor hüten müssen mit dem in einen Topf geworfen zu werden. Andererseits hat dessen Erfolg erst die hier besprochene Fortsetzung ermöglicht, ein weiterer Grund warum man über die geglückte Stil-Verschiebung so überrascht sein darf. Danke dass „Muppets Most Wanted“ kein Klon seines Vorgängers wurde, sondern ein Streifen mit Charakter und dem Verständnis der Figuren, die er sich aus den 70er Jahren entliehen hat. Jetzt kann man nur noch hoffen dass Bobins zweite Regiearbeit eines Muppetfilms erfolgreich genug für eine weitere Fortsetzung war.  OFDb

02.06.2013

DIE MUPPETS (2011)

Kermit versucht zusammen mit einem Fan die geschlossenen Muppet Studios vor ihrer Zerstörung zu retten, indem er die alte Truppe zu einer erneuten Show zusammen trommelt...
 
Muppet Movie 3.0 ...
 
Jeder kennt die Muppets, ob jung, ob alt. Fast jeder erzählt welche Puppe er am lustigsten findet und wie toll das alles war was er da mal gesehen hat, aber zuschauen wollte scheinbar keiner mehr, wurde doch beispielsweise die „Muppet Show“ auf DVD aus mir unbekannten Gründen bereits nach drei Staffeln eingestellt, obwohl es zuvor hieß alle Staffeln würden binnen eines Jahres erscheinen. Die Muppets führen ein Rest-Prominenzleben im US-TV mit gelegentlichen Filmen und Festtags-Specials, und bereits in den 90er Jahren wurde der Versuch ihnen mit „Muppets Tonight“ wieder ein regelmäßiges Forum zu geben, von Zuschauerfüßen getreten. Keiner interessierte sich für ihre Rückkehr, da konnte auch moderne Prominenz nichts dran ändern. Die Liebe zu den Muppets war eine rein theoretische, eine nostalgische.

„Die Muppets“ setzt bewusst auf diesem Todpunkt an, weiß wie verloren sein Patient ist und weiß dass die aktiven Fans zur Minderheit gehören. Von daher ist der Gedanke 12 Jahre nach „Muppets aus dem All“ mal wieder einen Kinofilm zu drehen aus finanzieller Sicht trotz der Berühmtheit dieses Franchising  recht gewagt. Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Mitproduzent Jason Segel hat es dennoch gewagt, anscheinend war es ihm eine Herzensangelegenheit die Muppets aus der Versenkung heraus zu holen und dies scheinbar mit Erfolg, las ich doch erst kürzlich dass mittlerweile eine Fortsetzung geplant ist. Ob dieser halbwegs erzielte Erfolg gerechtfertigt ist, sei einmal angefochten. Ich wurde zumindest bereits vor der Sichtung vorsichtig, als ich las dass Ur-Puppenspieler Frank Oz für das Projekt nicht zu begeistern war. Beim Reanimationsversuch mit „Muppets Tonight“ und Henson-Sohn Brian war er noch motiviert dabei.

Zunächst einmal fällt auf, dass die Geschichte nicht viel her gibt. „Die Muppets“ soll eine Verbeugung vor dem Original sein, da mag man es als passend ansehen können dass Kermit versucht die Truppe für eine Show zusammen zu trommeln. Wenn man jedoch nicht nur im modernen Kino unterwegs ist, sondern auch ältere Werke schaut, dann hat man mit „Muppet Movie“ und „Die Muppets erobern Manhattan“ bereits zwei mal eine nahezu ähnliche Geschichte gesichtet, eine solche die schon beim ersten Mal nicht das Gelbe vom Ei war.

Als Verbeugung vor dem Original mag das in der Theorie noch funktionieren, aber „Die Muppets“ sollte mehr als das sein. Man wollte die Muppets auch ins angekommene Jahrhundert katapultieren, freilich nicht mit zu viel Gewalt, die Seele der alten Projekte sollte beibehalten werden, doch das hat nicht wirklich geklappt. Zwar kann der Film tatsächlich mit anderen Muppets-Filmen mithalten, doch waren die nie das Herz des ganzen. „Die Muppet Show“ war der Zuschauermagnet. Und die war im Gegensatz zu den Filmen recht anarchistisch aufgebaut, trotz Feinsinn für Kunst laut und provokativ für seine Zeit. Die Filme waren schon immer viel zu brav, und der neue „Die Muppets“ ist dies auch.

Brav Ende der 70er Jahre, als mit „Muppet Movie“ der erste Langfilm der Puppen in den Kinos lief, war noch etwas anderes als brav zu Zeiten der Political Correctness. An den Muppets ist nichts mehr frech. Und die Prominenz grinst nur noch lieb und zahm vor sich hin, sicherlich mit glaubhafter Liebe zum Projekt, das Urgeschehen jedoch nie verstanden habend. Einzig Jack Black ab seinem zweiten Auftritt versprüht alten Gäste-Charme und kann damit Pluspunkte sammeln, der Rest ist akzeptables aber müdes Recycling, das so in der Art nicht hätte aussehen müssen.

Was soll man z.B. davon halten, dass ein Film, in welchem die Muppets im Zentrum stehen sollen, Musicalnummern beinhaltet, in welchen die berühmten Puppen zu Statisten degradiert werden? In seiner schlimmsten Szene tanzt ein Haufen Menschen fröhlich grinsend in braver Choreographie auf der Straße, und damit das ganze noch was mit den Muppets zu tun hat, lässt man ein paar Puppen nach einiger Zeit im Vordergrund mittanzen. Das ist peinlich, ärgerlich, unnötig und eine Beleidigung an die Mühe früherer Projekte.

Die Geschichte dümpelt ansonsten seicht vor sich hin, bietet eine sympathische Ausgangslage, zu viel selbstverliebten Gesang und gelegentlich manch netten Gag. Aber so recht zünden will da lange Zeit nichts. Nichts - bis zu jenem Zeitpunkt wenn die Muppet Show innerhalb des Kinofilms startet. Hier kommt nun der nötige Gehalt greifbarer Nostalgie auf, man lächelt über simpelste Dinge und hat Spaß dem munteren Treiben zuzuschauen. Und in dem Moment wurde es mir wieder bewusst: das Kino ist der falsche Ort zur Reanimation. Wenn diese Szenen in „Die Muppets“ etwas beweisen, dann dass es einer neuen „Muppet Show“ bedarf und nicht eines neuen Filmes mit den Filzköpfen.

Warum „Muppets Tonight“ in den 90er Jahren scheiterte ist mir ein Rätsel. Abgesehen von der ersten Folge, die alles andere als gut war, war es ein mutiger und meiner Meinung nach geglückter Versuch die Muppets zurück ins Fernsehen zu holen. Man modernisierte an den richtigen Ecken, vernachlässigte zugegebener maßen etwas zu sehr den künstlerischen Rahmen, hievte dafür aber den Anarcho-Charme der alten Zeit hervor, passte sie der Neuzeit an, was im Ergebnis um so lauter, schriller und schneller wurde, so wie die Erfolge „Die Simpsons“ und später „Futurama“, „Family Guy“ und Co.

Die braven Sequenzen aus „Die Muppets“ zeigen, dass eine Show auch auf die harmlosere Art zu wirken wüsste, badend in der Political Correctness, die heute leider, spätestens angekommen in den Disney Studios, nicht mehr zu verhindern wäre. Wenn schon kein radikal-freudiges Hoch wie „Muppets Tonight“, dann doch bitte eine „Muppet Show“ wie wir sie für einige Augenblicke im hier besprochenen Kinofilm sichten durften. Dies wäre die Heimat der Muppets. Hier wären sie gut aufgehoben, und hier würden selbstverliebt grinsende Stars auch nur bedingt unangenehm auffallen.

Im Kino, gestreckt mit einer künstlichen Geschichte auf Spielfilmlänge, kann der Charme der Puppencharaktere nicht richtig greifen. Kermit mag Zugpferd sein und das Herz der Muppets, aber er im Mittelpunkt ist einfach nicht der Zuschauermagnet. Und jede andere Puppe kommt zu kurz, zumal nur die heute noch bekannte Muppet-Prominenz in den Mittelpunkt rückt und schräge unbekannte Figuren gar keinen Rahmen mehr zum wirken erhalten. Außerdem fehlen die ausgeflippten Momente eines „Schweine im Weltraum“, und auch die bloße Anwesenheit des Professors mit Beaker oder des Chefkochs allein lassen noch nicht jenen Wahnsinn entstehen, der erst dann aufkommt, wenn man ihnen auch einen kompletten Sketch gewährt.

„Die Muppets“ ist gut gemeint, aber leider zu theoretisch und typisch Muppet-Film zu brav ausgefallen. Da hätte man sich in Sachen Frechheit besser am großartigen „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ orientieren sollen, der einzige Muppet-Film der genügend Pfiff besaß den Humor der Serie auf die große Leinwand zu transferieren. Etwas weniger Ehrfurcht und etwas mehr Mut hätte „Die Muppets“ gut gestanden. Zumindest verstehe ich jetzt warum Frank Oz sich abgewendet hat, auch wenn sich oberflächlich alles so wie gehabt anfühlt. Nur der Kenner erkennt auch die fehlenden Ecken und Kanten. Glattgehobelte Muppets wissen in diesem Format einfach nicht zu funktionieren. Mit Längen versehen ist der Film aber immerhin guckbar, wenn auch nicht sehr unterhaltsam.  OFDb

20.01.2013

STRINGS (2004)

König Kahro nimmt sich das Leben. Sein Bruder Nezo lässt den Suizid jedoch wie einen Mord aussehen, begangen vom Führer eines verfeindeten Volkes. Damit beschwört er einen Krieg herauf. Hal, der Sohn des Königs, zieht hinaus den Tod seines Vaters zu rächen und muss entdecken, dass weit mehr als der Hintergrund des Königs-Todes eine Lüge war...

Ewig an der Strippe hängen...
 
Schaut man sich den Bereich des Animationsfilmes in seiner weitreichenden Deutung an, so sticht neben dem Zeichentrick und der Computeranimation heutzutage fast nur noch die Knetanimation hervor, ein faszinierender Bereich, der solch gelungene Filme wie „Der Sinn des Lebens für 9,99 $“ und „Mary und Max“ hervorbrachte. Was den Puppentrick betrifft, so gibt es neben diverser Muppets-Filme fast nichts mehr zu entdecken, und der Sub-Bereich des Marionettenfilms ist außerhalb der Augsburger Puppenkiste ein fast unangetasteter Bereich. Mit „Strings“ wagt man sich aber nicht nur an dieses vernachlässigte Genre, man wollte zudem eine reife Geschichte präsentieren. „Strings“ sollte keineswegs ein Kinderfilm werden, aber zumindest schloss man Jugendliche mit ins Zielpublikum ein.

Das macht das fertige Werk für den erwachsenen Zuschauer aber keineswegs zu kindlich, denn die Geschichte ist eng an der Basis klassischer Erzählungen und Sagen orientiert. Der Tod eines Königs, Hochverrat, Krieg, Liebe und Intrigen. Bös betrachtet gibt es da zunächst nichts was man zuvor nicht schon einmal erzählt bekommen hat. Aber die altbekannte Geschichte um die eben aufgezählten Faktoren ist abenteuerlich und gefühlvoll umgesetzt, teilweise ein wenig kitschig zu schauen, aber das dürfte gerade dem Publikum, dem es eigentlich zu japanischen Zeichentrickfilmen zieht, gerade recht kommen. „Strings“ guckt sich trotz der bewährten Rezeptur nie uninteressant und hat einen schnell in den Bann seiner schlichten Geschichte gezogen.

Allerdings hat Regisseur Anders Ronnow Klarlund, der keineswegs nur im Animations-Genre unterwegs ist, einen Kniff parat, der aus dem Film mehr macht als eine klassische Geschichte, die man in der Ausnahme mal mit Marionetten verfilmt hat. So wie erzählt könnte die Story nicht als Kostüm-Film mit echten Darstellern gedreht werden, denn die Fäden der Puppen kleiden nicht umsonst den Titel des Films, sie sind einer der entscheidenden roten Fäden (herrliches Wortspiel) des fertigen Streifens und setzen viele Regeln in einer Art Paralleluniversum fest, das von Marionetten bevölkert wird.

Wer sich zunächst also gewundert hat, warum die Fäden an denen die Puppen hängen nicht wenigstens ein bisschen retuschiert wurden, der wird sehr bald feststellen, dass die Schnüre mit zur Handlung gehören. Da darf augenzwinkernd auch mal innerhalb des Filmes das Sprichwort um den seidenen Faden fallen und sich manche Unlogik einschleichen wie Marionetten, die sich unter Wasser verstecken und trotz der Fäden in der Luft von ihren Feinden nicht entdeckt werden, aber das Rezept geht auf, entsteht um die Marionettenfäden doch eine eigene Mystik, die aus vielen verschiedenen Blickwinkeln weitergesponnen wird.

Wir erfahren wie Marionetten sterben, erleben aber auch das Gegenteil, die Geburt. Wo die Fäden enden erfahren wir nicht, auch über eine Gottheit, die das Schicksal der Figuren lenkt, wird nicht gesprochen. Vielleicht ganz gut so, dann kann der Zuschauer sich ein bisschen mit diesen offenen Fragen beschäftigen. Aber dass Schicksale oben nicht mehr sichtbar im Himmel miteinander verwoben sind, wird sehr wohl thematisiert. Schön sind auch die kleinen Gimmicks zu betrachten, wie beispielsweise ein Kinderspiel, in welchem sich zwei Kinder verheddern und die Mutter sie wieder entknoten muss. Schön auch die Idee, dass Figuren sich an ihren eigenen Fäden hochziehen oder gar die Verbundenheit mit anderen Personen dafür ausnutzen können, den uns bekannten physikalischen Gesetzen, denen wir als Menschen unterlegen sind, zu trotzen.

Da ging man insgesamt also recht einfallsreich zur Sache, was das Bekannte der Geschichte auszugleichen weiß. Schön wäre es dennoch gewesen diese Idee in einer innovativen Geschichte zu erleben, aber was will man da meckern, wenn das Ergebnis sich so angenehm guckt wie hier.

Die Puppen selbst sind schlichte Marionetten. Ihre Augen können auf und zu gehen, der Mund macht selbiges nicht. „Strings“ soll ein Marionettenfilm sein und entfremdet dafür nicht all zu sehr das was wir auch darunter verstehen. Die Figuren sind recht liebevoll geschnitzt, aber nun einmal steif wie eine Marionette sein muss. Das mag manchem Schwierigkeiten bei der Konzentration des Zuschauens bescheren, zumal sich manche Stimmen ähneln und sich bei Gruppenaufnahmen wie eben erwähnt nie Münder bewegen. Namen und Gesichter merken ist also wichtiger denn je, und aus anfänglicher Konzentration aufgrund des fremd wirkenden Materials wird ziemlich schnell ein unterhaltsamer Film, dem man die Länge eines Spielfilms kaum mehr anmerkt.

Wer klassisches Marionetten-Theater in einer klassischen Geschichte mit einer modernen Grundidee sichten will, ist bei „Strings“ auf jeden Fall an der richtigen Adresse. Selbst der Himmel darf in jeder traurigen Szene weinen, so nah baut man am bewährten Rezept einer emotionalen wie abenteuerlichen Geschichte für die ganze Familie (ab 12 Jahren) auf. Die Kulissen sind schlicht aber überzeugend, die Musik passend klassisch gewählt, Schnitt und Inszenierung förderlich für den Sehwert. Dass Szenen wie die Schlachten im Krieg im Marionetten-Stil nie ganz so imposant umgesetzt werden können wie mit manch anderer Animationsmethode, dürfte aber klar sein. Klarlund arbeitet lediglich innerhalb der Grenzen des von ihm gewählten Stilmittels. Fremd getrickst wird hier nur für die seltenen Aufnahmen aus der Ferne.  OFDb

04.09.2012

BAT THUMB (2001)

Milliardär Wuce Bayne geht nachts heimlich im Fledermauskostüm auf die Jagd nach Verbrechern. Der gefürchtete No Face ist aus dem Gefängnis ausgebrochen und schmiedet einen finsteren Plan seine ehemaligen Peiniger, die ihn wegen seines fehlenden Gesichtes ausgelacht haben, leiden zu lassen...

Fehlendes Fingerspitzengefühl...
 
Was sich Regisseur Steve Oedekerk ausgedacht hat, klingt auf dem ersten Blick recht reizvoll. Neben dem überfüllten Markt an Zeichentrickfilmen und als Alternative zum gängigen Puppentrick, drehte er Kurzfilme in Form von Fingerpuppen-Animation, und persiflierte auf diese Art berühmte Kinoereignisse. So gibt es neben dem hier besprochenen „Bat Thumb“, der sich wie unschwer herauszulesen auf die Abenteuer von „Batman“ stützt, u.a. auch Parodien zu „Star Wars“, „Blair Witch Project“ und „Der Pate“.

Während wichtige Randaktionen am Computer animiert werden, tänzeln die Finger an sich in schlichten, aber recht wirksamen Kostümen vor einer Art Kasperle-Theater-Kulisse. Um optisch nicht zu monoton zu wirken, wurden die Gesichter mit Computeranimation zum Leben erweckt, und allein hierin haben wir schon einen ersten Grund dafür, warum die Idee nicht so gut funktioniert wie sie zunächst klingen mag. Was nutzt das ganze Puppentheater, wenn das Hauptaugenmerk für den Zuschauer in der Animation liegt? Und da trauriger Weise selbst für die Verantwortlichen des Streifens das Hauptaugenmerk genau darauf lag, wurde im Gegenzug an einfallsreicher Parodie und geglückter Scherze gespart.

Um es schon einmal vorweg zu nehmen: nach 5 Jahren Fingertheaterarbeit endeten die Oedekerk-Produktionen dieser Art im Jahre 2002. Scheinbar kamen sie nicht so gut an wie erhofft, was jedoch nicht wirklich verwundern mag, klingt die Grundidee orientiert am angewendeten Humor doch erschreckend nach einer Alternative zu den Muppets, die Jahre vorher trotz großartigem Ergebnis in Amerika auch niemand mehr sehen wollte. Die Rede ist vom „Muppet Show“-Nachzügler „Muppets Tonight“. Dieser scheiterte trotz guter Herangehensweise. Nun fährt Oedekerk eine wesentlich unattraktivere Vorgehensweise gegen die Wand.

Während die Muppets durch das Sketcheverfahren immer wieder Themen wechseln konnten und der zunächst flach wirkende Humor damit nie zu eintönig wurde, stecken die Fingerpuppen in einem fast halbstündigen Abenteuer fest. Dass auch die eingearbeitete Mimik und Mundbewegung nicht für die selbe Frische sorgt, wie die aus Jahrzehnte langer Erfahrung kreierten Puppen der Jim Henson-Schmiede, überrascht wenig und sorgt für einen weiteren wichtigen Knackpunkt. All diese Unterschiede konnten bei den Muppets vor etwas hinwegtäuschen, was bei „Bat Thumb“ (und orientiert an den Trailern der anderen Fingertheater-Kurzfilme scheinbar auch bei den anderen Thumb-Filmen) nicht funktionieren will: der Humor.

Man braucht nun keine zu strengen Worte verlieren, hier wird so wahnsinnig plump parodiert, dass es teilweise schon wieder Spaß macht. Und es sind gerade die hohlen Flachköpper, die einen belustigen, aber sie halten kein halbstündiges Werk hoch, und die geglückten Witze dieser Art erscheinen nicht in einem Tempo und in einer Population, wie es für ein besseres Ergebnis ausreichen würde. Das ist schon schade um die eigentliche Grundidee und manch sympathische Gimmicks wie Oedekerks Antwort auf Two-Face, nämlich No Face, der einzigen Figur, die tatsächlich nur ein blanker Daumen ist.

Freilich sorgt auch die deutsche Synchronisation dafür, dass es nie so witzig wird, wie es werden könnte. Interessanter Weise weniger durch schlechte Übersetzung oder lustlose Sprecher in billiger Porno-Synchro, sondern durch übermotivierte Witzigkeit mit Anwenden von Dialekten, überzogener Stimmen-Klischees u.ä.

Ähnlich den Schlümpfen gibt es einige Wortwitze zum titelgebenden Grundthema, hier dem Daumen (allein die Art Kurzfilm ist es ja bereits: das Daumenkino). Und auch inhaltlich kreuzt die ein oder andere Anspielung und Handlung bezüglich der Daumen den möchtegern-chaotischen Rest. Aber eben wegen der Konzentration auf die Art, wie man die Figuren mit Leben füllt, wirkt das Ergebnis zu monoton. Daumenwitze hier, Filmzitat da, das weiß schon auf 28 Minuten nicht wirklich zu begeistern, da nutzt es auch nichts neben der großen Kinofilm-"Batman"-Reihe auch die kultige Serie aus den 60er Jahren gleich mit zu parodieren.

Was bleibt ist manch nette Idee wie Thumbmans schwuler Gehilfe, den der Superheld weder benötigt noch an seiner Seite haben will (zerstört seinen Ruf beim weiblichen Geschlecht), wie erwähnt No Face, der einen Hauch dessen versprüht, was mit der Idee des „Daumenkinos“ möglich gewesen wäre und manch kindische Gags, über die man dann doch lachen muss. Man liest es heraus: ja, ich habe auch mal gelacht, aber das Gagpotential und der viel zu beschränkte Einfallsreichtum reichten einfach nicht aus, um den nötigen Pepp zu versprühen. Schade dass die Idee des Daumenpuppen-Theaters nicht in den Händen kreativer Leute lag. „Bat Thumb“ scheint trotz weitaus weniger aggressivem Humor eher dem „South Park“-Zug aufspringen zu wollen, als dem im Kern verwandten Seelenpartner „Muppets Tonight“. Außerdem reicht es einfach nicht aus die Hülle einer Vorlage zu parodieren. Das ging gerade noch bei „Scary Movie“ gut, aber eben dieses Beispiel bildet eine von wenigen Ausnahmen. So zeigt sich in der nicht-analytischen Parodie auch die Orientierung am schnellen Dollar in Zeiten schräger Jugendunterhaltung.  OFDb