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29.10.2017

EIN KÄFER GIBT VOLLGAS (1972)

Als ich vor über einem Jahr den ersten Dudu-Film „Ein Käfer geht aufs Ganze“ erstmals seit meiner Kindheit wiedersichtete, war das Ergebnis mehr als ernüchternd zu nennen, langweilte das uninspirierte Stück Autorennen doch mit gestreckter Handlung, mangelnder Komik und einer fehlenden Orientierung dessen was man mit dem Wunderkäfer Dudu eigentlich anstellen wollte. Dessen Schöpfung fand, laut Beteuerung von Serienerfinder Zehetgruber, während einer Planungsphase statt, die angeblich vor dem Erfolg von Disneys erstem Herbie-Film „Ein toller Käfer“ stattgefunden haben soll. Erst nach diesem erschienen, wirkt diese Aussage jedoch wenig glaubwürdig, und das ideenarme Ergebnis bestätigt einen in der Vermutung aus Geldgier mit einer Schnellschuss-Produktion nur auf den erfolgreichen Zug der Disney-Produktion mit aufspringen zu wollen.

Ein Jahr später sieht dieser Versuch nun anders aus. Der zweite Dudu-Film „Ein Käfer gibt Vollgas“ gewinnt nicht nur an Sympathie weil er den stets agilen Joachim Fuchsberger mit an Bord hat, der Film kommt auch wesentlich verspielter und einfallsreicher daher als sein Vorgänger und bedient mit seiner zwanglos albernen Art und den vielen verschmitzt unreifen Gimmicks sowohl das Trivialunterhaltungsverlangen der Erwachsenen, als auch die Sehfreude für Kinder, die große Augen machen werden was Dudu so alles kann. Der ist nun glücklicher Weise endgültig lediglich der Computer eines fantasiereichen Tüftlers, die vermenschlichten Aspekte aus dem Vorgänger hat man entfernt.

Ebenso gut tut „Superbug, Super Agent“ (Alternativtitel) der Verzicht den Wagen zwingend in eine autoorientierte Handlung einbinden zu müssen. Dudu nimmt an keinem Autorennen teil, er wird lediglich Teil einer abenteuerlichen Geschichte und wirkt fern jedweder anderer Autothematik damit umso intensiver und außergewöhnlicher, eine Eigenschaft derer man sich bei Disney zwei Jahre später für den zweiten Herbie-Film „Herbie groß in Fahrt“ ebenfalls bediente.

„Ein Käfer gibt Vollgas“ versucht in seiner amüsanten Art gar nicht erst ein in irgendeiner Art authentisches Bild unserer Welt zu zeichnen. Die Figuren spielen innerhalb einer comichaften Parallelwelt, in welcher sich Schwerverbrecher wie kleine Kinder benehmen und Erfindungen wie Wunderkäfer Dudu und einige andere Überraschungen technisch machbar sind. Dementsprechend atmet Zehetgrubers zweiter von insgesamt fünf Teilen der Reihe deutlich Kinderfilmluft, wird stilistisch jedoch trotzdem nie zu einem solchen allein, vielleicht aufgrund der dominanten Agentengeschichte. Warum auch immer, „Ein Käfer gibt Vollgas“ ist viel mehr Familienfilm als Kinderfilm und bietet für Klein ebenso wie für Groß ein Auto das treten, schwimmen und auf Beleidigungen reagieren kann, das als Felsen getarnt Verbrecher zum Narren halten kann und mit der Fernbedienung in den richtigen Händen auch seinem Besitzer, den Weltvagabunden Jimmi Bondi, ans Leder gehen kann. Dudu ist nun einmal nur eine Maschine.

Gut aufgelegte, passend besetzte Darsteller hauchen dem Film, dem es eigentlich an einer wirklichen Geschichte mangelt, genügend Sehwert ein, um über die Unzulänglichkeiten gar nicht erst schimpfen zu wollen. Der Spaß am Set überträgt sich auf den Zuschauer vor dem Fernseher, eben auch weil jeglicher Beteiligter demonstrativ in überagierender Art klar macht, was für ein harmloses, gnadenlos albernes Späßchen „Ein Käfer gibt Vollgas“ sein soll. Sicherlich versuchte man dies auch beim missglückten Vorgänger, aber erst hier stimmt die Chemie wahre Sympathie zu versprühen, innerhalb eines Szenarios das teilweise die Luft eines Spencer/Hill-Filmes atmet. Die Geschichte ist abenteuerlich, schlicht, verspielt, albern und badet dabei in Stereotypen (was wichtig ist, da diverse Filmkrankheiten verarscht werden) und Geschlechterklischees. Ich hätte nach Teil 1 nicht gedacht, dass Teil 2 mir derartig viel Freude bereiten würde.  OFDb

23.03.2017

DER FROSCH MIT DER MASKE (1959)

Erst 25 Jahre nach der Komödie „Der Doppelgänger“ sollte es wieder eine deutsche Kinoproduktion zu den Vorlagen von Edgar Wallace geben. 1959 startete „Der Frosch mit der Maske“, der gleich als erster einer als Serie anvisierten Kinoreihe produziert wurde und bereits Joachim Fuchsberger und Eddi Arent als spätere Stamm-Stars besagter Filme mit an Bord hatte. Auch unter den Goldmann Taschenbüchern, auf welche sich die Filme beziehen, war der Roman „Der Frosch mit der Maske“ die erste Veröffentlichung, und diese bietet auch gleich einen „Dr. Mabuse“-ähnlichen Täter, der eine große Verbrecherbande auf die Beine stellt, ohne dass je wer die Identität des Anführers wüsste.

Da Harald Reinls Start der Wallace-Reihe noch recht ernst umgesetzt ist, darf ein solcher Schwerverbrecher noch düster und damit wirklich bedrohlich wirken. Nicht einmal sein Kostüm sieht in irgendeiner Weise affig aus, eher zweckdienlich und damit ideal passend zu einem Mann, der seine Verbrechen wohlüberlegt tätigt. Arent, der zum Humorhighlight der Reihe werden sollte und hier bereits in einem Schlusskommentar und in seiner augenzwinkernden, da übertriebenen, Butler-Art erstmals auf diese Rolle hinsteuert, wenn auch noch in keinster Weise klamaukig, tritt hier ungewohnter denn je auf, mehr noch als im Folgefilm „Der rote Kreis“, der ebenfalls noch eine ernste Herangehensweise erfuhr. Neben dem taffen Fuchsberger agierend, darf er Verbrecher vermöbeln, also auf ganz andere Art aktiv werden als in späteren Beiträgen, und das besitzt einen reizvollen Sehwert.

Die an sich noch tief bieder in den 50er Jahre badende Produktion, wird ein wenig aufgebrochen mit der Figur die Joachim Fuchsberger verkörpern darf, ein Millionär, der aus Langeweile Verbrecher fängt. Das erstaunliche an „Der Frosch mit der Maske“ ist jedoch, dass er auch die moderneren Aspekte noch stockbieder präsentiert. Der pseudo-Hauch Erotik, der anonyme Superverbrecher mit seiner großen Gefolgschaft, die Love Story, die Zwielichtigkeit des Millionärs, das alles atmet noch nicht die 60er Jahre-Luft, welche der Wallace-Reihe das gewisse Etwas verschaffte, und dies immerhin zu den Anfängen der 60er Jahre, als die Konkurrenz noch in den 50er Jahren zu Hause war.

Damit schaut sich „Face of the Frog“ (Alternativtitel) wie ein Außenseiter der eigenen Reihe, weiß doch selbst der direkte Nachfolger, trotz seiner großteils nüchternen Erzählmethode, weit weniger bieder zu wirken, als es der hier besprochene Film noch tut. Allerdings verleiht dies Reinls Werk auch einen gewissen Außenseiter-Charme, zumal die Geschichte selbst keineswegs zu langweilen weiß. Wallace hat aufregendere Verfilmungen erlebt, aber bereits der Einstieg in die Reihe kann sich sehen lassen, vorausgesetzt man findet auch Gefallen an einem trocken erzählten, klassischen Kriminalfilm, der ohne irgendwelche Gimmicks auskommt. Das Schrillste was es hier zu erleben gibt sind die Rolle des Butlers, der Millionär und der im Froschkostüm agierende Gegner. Der Rest folgt dem klassischen Muster des Genres.

Es ist schön, dass man Fritz Rasp als ehemaliges Ur-Gestein der 30er Jahre Wallacefilme für diesen Beitrag und einige Folgebeiträge gewinnen konnte, weiß er doch selbst in seiner hier recht klein ausgefallenen Rolle zu überzeugen, mimt Rasp hier doch einen Chef, den man wahrlich nicht zum Vorgesetzten haben möchte. Fast möchte ich von unheimlich sprechen, wenn ich ein Adjektiv für seine Darbietung suche. Siegfried Lowitz darf den ermittelnden Inspektor spielen, was auch nie ein Fehler sein könnte, so sympathisch wie dieser Mensch noch in jeder Rolle wirkte, selbst dann wenn er, wie in „Der Greifer“, auch einmal den Fiesling spielen durfte.

„Der Frosch mit der Maske“ hat auf Seiten der Schauspieler, zumindest bei den männlichen Parts, somit so einiges zu bieten, und dies zusammen mit der Mabuse-ähnlichen Geschichte sorgt für einen Film, den man als Cineast ruhig einmal gesehen haben sollte, auch wenn das Werk aufgrund seiner biederen Ader eigentlich noch nicht von dem Ruhm zehren darf, den sich die Reihe erst im Laufe der Zeit erarbeitet und auch definitiv verdient hat. Aber gerade weil „Fellowship of the Frog“ (Alternativtitel) im Vergleich so anders ausgefallen ist, ist er ein interessanter Blick darauf, was aus solch einem klassischen Start gedeihen kann. Freilich besitzt der Streifen auch ohne die Vergleiche zu den Folgefilmen genügend Unterhaltungswert.  OFDb

15.03.2017

DIE BANDE DES SCHRECKENS (1960)

Gerne wird der Begriff Grusel-Krimi verwendet, wenn es um die Edgar Wallace-Reihe aus dem Hause Rialto geht. Gerechtfertigt, wie beispielsweise im Stummfilm-Klassiker „Orlacs Hände“, finde ich die Bezeichnung nicht gewählt, sind es doch höchstens die Spielorte die ein wenig gothischen Touch versprühen. Die Geschichten selbst beinhalten maximal leicht angedeutet das Sinnbild eines Monsters, so beispielsweise im blinden Jack aus „Die toten Augen von London“.

„Die Bande des Schreckens“ kommt noch am ehesten an den Begriff Grusel-Krimi heran, darf hier doch ein Toter Rache nehmen. Doch nicht nur dass von Anfang an klar ist, dass hier kein Verstorbener am Werke ist, sondern äußerst lebendige Zeitgenossen, auch das Flair selbst will nicht im Ansatz Grusel-Feeling versprühen. Was soll also dieser stets verwendete irreführende Begriff bezüglich einer Reihe, die mal mehr, mal weniger klassische Kriminalfilme bietet?

Wie auch immer, „Hand of the Gallows“ (Alternativtitel) ist ein sympathischer, klassischer 10 kleine Negerlein-Krimi, der zwar zum Mörderraten einlädt, einem aufgrund seiner erst im Finale lüftender Geheimnisse aber keine echte Chance gibt Rückschlüsse sinnvoll ziehen zu können. Verdächtige gibt es zu genüge, und 20 Minuten vor Schluss, wenn die Leiche eines der Todeslisten-Opfer nicht gefunden wird, ist längst klar wer der Chef der hier tätigen Verbrecherorganisation ist, lange bevor es das Drehbuch so möchte. Nur den Grund begreift man erst mit Enttarnung besagter Person.

Was mir an „The Terrible People“ (Alternativtitel) besonders gut gefällt, ist seine geradezu reine Art der klassischen Wallace-Zutatenkombination, die der Streifen als dritter Teil der langjährigen Reihe sicherlich seinem frühen Erscheinen zu verdanken hat. Die Love Story wird noch offensichtlicher und ohne verkrampftes Buhlen, Komplexe oder anderweitiger Hindernisse angegangen und zeigt in der Schluss-Szene ihre Leichtigkeit in einer Form, die eher im Heimatfilm zu Hause wäre. Und ähnlich ergeht es der komödiantischen Rolle Arents, anbei der einzig humorvolle Part des Streifens, die noch mit schlichtem Running Gag auskommt, trotz teilweise etwas krampfhaft eingefügter Szenen sich großteils aber dem Gesamten zu fügen weiß und das Voranschreiten der Geschichte gar unterstützt, was in späteren Werken nicht selbstverständlich sein sollte.

Neben den weiteren Stammdarstellern Joachim Fuchsberger und Karin Dor agieren die ebenfalls gelegentlich in der Reihe vorbeischauenden Elisabeth Flickenschildt und Fritz Rasp. Letztgenannter hat schon in den 30er Jahren in Edgar Wallace-Verfilmungen mitgespielt. Beide sind gern gesehene Mimen und meistern ihre Rollen gut, Flickenschildt etwas auffälliger als der souverän schlicht, aber subtil agierende Rasp.

Harald Reinl inszeniert das Geschehen, welches schnell hätte monoton ausfallen können, flott und damit sehr unterhaltsam, liefert aber auch kein überdurchschnittliches Ergebnis ab. Ob es nötig war die Erbschaftsverstrickung zwingend in die Rachegeschichte zu integrieren, sei einmal dahin gestellt, gibt der Love Story aber freilich zusätzlichen Zunder, zumal trotz Fuchsbergers Beschützerinstinkt die Rolle Dors keineswegs hilflos gezeichnet ist, sondern stattdessen recht taff daher kommt. Von daher ist es schön, dass sie stets per Betäubungsmittel außer Gefecht gesetzt wird, so dass beide Seiten des Liebespaares ihren Part erfüllen können.  OFDb

12.03.2017

DIE TOTEN AUGEN VON LONDON (1961)

Alfred Vohrers früher Beitrag der lang laufenden Rialto-Wallace-Reihe ist bereits ein Liebhaberstück. Zwischen düsteren und heiteren Momenten schwankend, ohne dabei unausgegoren zu wirken, bietet er verschiedenste Unterhaltungswerte, die von einer Gruppe sympathischer, wie talentierter Schauspieler unterstützt wird. Fuchsberger agiert locker, dies aber noch nicht überzogen (was auch für sein Flirten mit der weiblichen Hauptrolle gilt), Arent sorgt für die Erheiterung am Rande, Kinski spielt großartig wie eh und je, und jede Menge anderweitige Figuren, von Flimmer Fred bis hin zum blinden Jack, machen aus „Die toten Augen von London“, der bereits 1939 in England als „Der Würger von London“ mit Bela Lugosi besetzt verfilmt wurde, ein Seherlebnis für Freunde nostalgischer Stoffe.

Vielleicht ist das Rätselraten nicht ganz so groß ausgefallen wie bei manch anderem Wallace-Beitrag, bis auf eine vorhersehbare Überraschung am Schluss ist eigentlich von Anfang an klar wer hier alles einen Schurken mimen darf, aber um das klassische Mörderraten geht es hier ohnehin nur am Rande, ist Vohrer doch viel eher darum bemüht mit „Dark Eyes of London“ (Alternativtitel) eine aufregende Umsetzung zu gestalten, sprich eine ereignisreiche, bei der man nie weiß was im nächsten Moment passieren wird. Das Finale, in welchem sich Karin Baal in einem großen Wasserbehälter eingeschlossen befindet ist legendär, ständig ist man Zeuge von Mordversuchen und gelungenen Attacken diesbezüglich, Vohrer lässt einem kaum Luft zum Atmen, vergisst aber auch die ruhigen Suspense-Momente nicht, die er gekonnt einzustreuen vermag, ohne den Film an diesen Stellen gedrosselt wirken zu lassen.

Die kleinen Spinnereien am Rande, die Vohrer so liebt einzubauen, finden auch in diesem humorärmeren Werk seinen Platz. So zeigt uns der Regisseur beispielsweise einen skurrilen Zigarettenaufbewahrungsort innerhalb eines künstlichen Totenschädels, um uns per Schnitt direkt im Anschluss einen schwarzen, ausgestopften Vogel sehen und hören zu lassen, dessen Augen elektronisch leuchten können. Auch der in einem späteren Werk noch einmal eingefangene Blick aus der Kehle eines der Darsteller heraus, findet bereits hier seinen ersten Einsatz.

Vohrer selbst verfilmte den hier besprochenen Streifen nur sieben Jahre später in der Buntphase der Rialto-Wallace-Reihe mit „Der Gorilla von Soho“ noch einmal neu, und schaut man sich einmal die starke, künstliche Behaarung an den Armen und an den Händen des blinden Jack an, so darf man doch behaupten dass der weitere Schritt zum Gorilla fast schon naheliegend war, zumindest in der grotesken Welt des Alfred Vohrer. An die Schwarz/Weiß-Version weiß dieser ebenso wenig heranzukommen wie der in den 90er Jahren umgesetzte TV-Film „Das Haus der toten Augen“, in welchem Eddi Arent erneut involviert war - sichtlich gealtert, diesmal den Sir John spielend.

„Geheimnis von London“ (Alternativtitel) ist einer der frühen Höhepunkte der ohnehin großartig ausgefallenen frühen Phase der Wallace-Reihe (wir befinden uns im dritten Jahr und im gerade einmal fünften Beitrag der Serie) und bereitet mit seinen düsteren Aufnahmen, gemixt mit grotesken Ideen und dem Blick in die toten Kontaktlinsen der Blinden (während einer der Sehenden als einziger eine dunkle Sonnenbrille tragen darf) auch bei der x-ten Sichtung noch genügend Freude um ins Schwärmen zu geraten. Einzig der Soundtrack ist ein wenig müde ausgefallen.  OFDb

03.03.2017

DAS GASTHAUS AN DER THEMSE (1962)

„Das Gasthaus an der Themse“ ist ein kleines Liebhaberstück aus der Schwarz/Weiß-Phase der Wallace-Reihe aus den Rialto-Studios. Von dem Aufhänger um einen tauchenden Mörder einmal abgesehen, wohnen wir hier einem sehr klassischen Fall bei, einem bei dem es eigentlich nur einen naheliegenden Verdächtigen gibt, welcher der Hai sein kann. Aber das Mörderraten ist in einem Wallacefilm nicht alles, so wie der hier besprochene Streifen zeigt, und wenn man zudem noch einen Beitrag dieser Serie inszeniert von Alfred Vohrer beiwohnen darf, dann weiß man, dass es noch genügend weitere Gründe gibt warum ein Kriminalfilm trotz nicht überraschender Täteraufdeckung ein überdurchschnittlicher Genre-Beitrag sein kann.

Vohrers optische Spielereien fallen weitaus subtiler aus, als das wofür er im Laufe der Reihe noch berüchtigt werden sollte, aufgrund dessen gehören sie jedoch auch zu den Qualitäten des Streifens und nicht zu den kleinen Gimmicks am Rande. Wie verspielt Vohrer die Kamera Spiegel, Luftblasen im Wasser und Lupen einfangen lässt, besitzt nicht nur Reiz, sondern beschert dem Film mitunter auch seine Atmosphäre. Auch die zunächst weniger auffallenden Bilder sind alle sehr hübsch fotografiert, und so manche Einstellung mit Licht, Schatten und Dunkelheit weiß auch im Bewusstsein der weniger auf so etwas achtenden Zuschauer zu gefallen.

Recht schnell steigt man in das eher schlichte, wenn auch reißerisch eingefangene, Szenario ein. Wenn Elisabeth Flickenschildt ziemlich zu Anfang ein Lied in einer üblen Spelunke vortragen darf, dann erkennt man bereits welch besonderem Werk man beiwohnt, weiß sie doch in ihrer Interpretation des Liedes den Zuschauer an ihre Lippen zu binden, so fesselnd wie sie das augenzwinkernde Lied vorträgt. Es begegnet einem zudem als mit witzigen Geräuschen angereichtertes Titellied in Intrumental und im Hintergrund im Film ertönend von einem Akkordeon gespielt.

Die Hintergründe der zunächst nicht durchschaubaren Verbrechen sind verworren wie eh und je in einem Wallace-Film, im Vergleich zu manch anderem Werk der Reihe aber nachvollziehbar. Als Zuschauer darf man immer den Überblick behalten, auch wenn man manche Information erst spät erhält. Gekonnt inszenierte Wasseraufnahmen, deren Tempo weit besser ausgefallen sind als im James Bond-Film „Feuerball“, sorgen für aufregende Ausnahme-Momente der Reihe, während oberhalb des Wassers gekonnt routiniert vorgegangen wird.

Eddi Arents Part mag etwas zu krampfhaft ins Geschehen eingebaut sein, dennoch ist er, wie man es von diesem Mann gewohnt ist, mit dem nötigen Charme verkörpert. Fuchsberger weiß als taffer Ermittler zu gefallen, der sich diesmal weit weniger plump in die (eigentlich minderjährige) weibliche Zielperson verlieben darf. Kinski spielt gekonnt skurril, und auch wenn es nicht sein Zutun ist, so hält das Drehbuch doch was seine Rolle betrifft eine unerwartete Überraschung bereit. Siegfried Schürenberg wird als Sir John diesmal sehr klein gehalten, weiß seine Rolle aber wie gewohnt gekonnt zu verkörpern, und Elisabeth Flickenschildt weiß ihre Mimik für eine Schurkenrolle perfekt einzusetzen. Ohnehin ist jeder offensichtliche Kriminell wunderbar schurkisch besetzt.

„The Inn on the River“ (Alternativtitel) mag man aufgrund seiner zwielichten Personen, aufgrund des klassischen Einhaltens von Gut und Böse und aufgrund seiner professionellen Umsetzung, in welche sich nur wenige, kaum bedeutende Inszenierungsfehler eingeschlichen haben. Der Hai mag nicht der aufregendste Oberverbrecher des Wallace-Universums sein, aber er taucht ohnehin in einer Geschichte auf, die nicht sonderlich innovativ eingefangen ist. „Das Gasthaus an der Themse“ weiß genau deshalb zu gefallen. Anstatt um krampfhafte Innovationen bemüht zu sein, serviert er uns das klassische Krimi-Geschehen hervorragend umgesetzt, dabei nie vergessend, dass es sich bei einem Wallacefilm nie um mehr handelt als um Trivialunterhaltung.  OFDb

OTTO - DIE SERIE (1994)

Nicht nur die halbe Filmwelt war begeistert von Carl Reiners Geniestreich „Tote tragen keine Karos“ mit Steve Martin in der Hauptrolle besetzt. Auch Otto Waalkes sympathisierte mit der dort umgesetzten Idee moderne Schauspieler auf Personen klassischer Filme treffen zu lassen. Inspiriert vom großen Vorbild drehte er über 10 Jahre später „Otto - Die Serie“, ein TV-Produkt, und baute sich in diverse Szenen der Rialto-Wallace-Reihe ein, die mit „Der Frosch mit der Maske“ 1959 ihren Anfang nahm.

Allein dass Otto Waalkes derjenige war, der sich an solch ein Projekt heranwagte, verursacht im Vorfeld bereits Bauchschmerzen, gehört der ostfriesische Komiker doch nicht gerade zu den einfallsreichen Männern seines Fachs. Bereits in Komödien wie „Otto - Der neue Film“ und Co bewies er, dass er sich immer wieder auf alte Lacher verließ, die ihm einst den Ruhm bescherten - und selbst mit denen kann ich wenig bis gar nichts anfangen.

Mit dieser Meinung mag ich vorbelastet sein, aber es tut mir leid, an „Otto - Die Serie“ gibt es nun wirklich nichts schön zu reden. Aus einer sympathisch klingenden Idee wurde ein verflixt mieses Werk. Nicht nur dass mich die typische Otto-Komik in ihrer alten, unkreativen Leier nervte, ihr würdeloser, inflationärer Umgang ließ es erst gar nicht zu, sich unvoreingenommen der innovativ klingenden Idee zu öffnen. Denn wo bleibt auf diese Art der Respekt vor der Vorlage? Otto bezieht sich meist nicht auf irgendwelche Wallace-Themen, er hat nicht vor diese in ihren Stärken oder Schwächen am Schopf zu packen und damit im Kern zu parodieren, nicht einmal in der Ausnahme. Sie dienen einzig der Pointenunterstützung für Ottos Kalauer.

Auch dies ginge noch halbwegs in Ordnung, wenn Mühe hinter dem Projekt zu erkennen wäre. Aber wenn fast jede klassische Szene neu synchronisiert wird, damit sie erst zur Pointenvorlge der Dialoge werden kann, dann ist das schon eine sehr dünne Nummer, die man mit jeder Art Füllstoff hätte umsetzen können. Dann hätte man z.B. nicht Ottos peinlichste Rolle, jene des Baby Otto, ausgerechnet frei jedweder Würde auf Klaus Kinski loslassen müssen, der bereits Probleme mit der Wallace-Reihe selbst hatte, so sehr wie er sich immer als Künstler der Schauspielerei sah. Was würde der sich wütend schnaubend im Grab umdrehen, wenn er sehen müsste, wie nach seinem Tod ehemaliges Filmmaterial dafür hergegeben wird, damit ein peinlich, herumkaspernder Mann in Babyklamotten seine dünnen Witzchen auf seine Kosten reißen kann?

Was lieblos mit jeglicher Neuvertonung der klassischen Wallace-Vorlagen beginnt, zeigt sich ebenso enttäuschend billig umgesetzt in dem Einsatz der Doubels, beispielsweise wenn Schauspieler der Wallace-Reihe mit neuen Personen bei Aufnahmen von hinten ersetzt werden müssen, damit Otto vor ihrer Nase herumkaspern darf. Ich will es mal so ausdrücken: selbst die 70er Jahre Schnellschuss-Produktion „Wir hau‘n die Pauker in die Pfanne“, die sich im selbigen Punkt ebenfalls keine große Mühe gab als sie Theo Lingen in einer Doppelrolle doubeln musste, hat bessere Doppelgänger vorzuweisen als Otto Waalkes mit all seinem vielen Geld bereit ist in seine TV-Sendung einzubauen.

In einem Projekt, in welchem die Liebe nur an sich selbst gerichtet ist, anstatt an die Vorbilder, die Leidenschaft vorhandene Idee umzusetzen oder die Freude den Zuschauer zu belustigen, da kann Komik nicht fruchten, erst Recht nicht wenn man eine wundervolle Filmreihe mit Füßen tritt anstatt sie zu ehren. Ich habe von Otto Waalkes nun nie viel gehalten, aber ich war naiv genug zu glauben, Otto hätte zumindest dieses Produkt nicht der schnellen Mark wegen gedreht. Wie man sieht habe ich mich diesbezüglich geirrt, so dass sich „Otto - Die Serie“ in die Schlange Ottos cineastischer Gehversuche einreihen kann, von der ebenfalls keines aufgrund einer guten Idee, einer erzählenswerten Geschichte oder dem Einbringen frischer Gags entstanden ist. Ob TV-Produkt oder Kino - das Ergebnis bleibt gleichermaßen enttäuschend.  OFDb

01.03.2017

DER SCHWARZE ABT (1963)

Ich hatte Franz Josef Gottliebs „Der schwarze Abt“ als sehr schwachen Beitrag der Rialto-Wallace-Reihe in Erinnerung und muss gestehen, nun bei meiner erneuten Sichtung recht gut unterhalten worden zu sein. In dem Plot, der kaum einer ist, werden Irrungen, Wirrungen, Irrglaube, Irrsinn, Geheimnisse und Wendungen so extrem aneinandergereiht, dass allein dies fast reicht eine Geschichte zu ersetzen. Wie Schurken sich gegenseitig, meist durch Erpressung, das Leben zur Hölle machen, wie die Autoren (u.a. Gottlieb selbst) es trotzdem schaffen noch ein Familiengeheimnis zum Thema Geisteskrankheit mit in die Geschichte zu integrieren, das hat schon meinen Respekt erlangt.

Da stört es auch gar nicht weiter, dass der schwarze Abt eher Gast im eigenen Film ist, gar nicht so wichtig ist wie der Titel vermuten lässt, so dass der Film sich am Ende sogar selbst einen Spaß daraus macht damit zu spielen, dass wir es mit mehr als einer Person bei der titelgebenden Figur zu tun zu haben. Ohnehin wird die Identität des eigentlichen, echten schwarzen Abtes relativ früh gelüftet, während die Fälschung bereits 25 Minuten vor Schluss das Zeitliche segnet. Spätestens ab dann ist der Kuttenträger endgültig uninteressant für die weiteren Vorkommnisse und wird nur noch am Rande erwähnt, damit die Person, die den Originalen mimte, erfährt, dass die Polizei längst wusste wer er war.

Viel aufregender ist aber ohnehin die zentrale Geschichte um eine Erpressung ausgefallen, in welcher Werner Peters es wieder einmal schafft den hinterlistigen Schurkentypen perfekt zu verkörpern, inklusive eines minimalistischen Gehaltes Unsicherheit. „Der schwarze Abt“ lebt viel von seiner Figur, auch wenn die zweite Filmhälfte ihm weit weniger Beachtung schenkt als die erste. Schwerpunktmäßig wechselt die Bedeutung einzelner Personen ohnehin immer wieder. Die Frauen werden trotz zentraler Eckpfeiler der Geschichte niemals wichtig, Charles Regnier, der den Kommissar treffsicher mimt und in seiner Darstellung ein Unikum innerhalb der Wallace-Kommissare darstellt, darf aufgrund nicht gezeigter Ermittlungen in London auch mal für längere Zeit pausieren, während die zwielichtige, aber doch recht sympathisch gestaltete Rolle Joachim Fuchsbergers immer mit kurzen Unterbrechungen versehen wichtig für das Komplettgeschehen ist.

Das Finale wiederum kümmert sich neben der Ermittler hauptsächlich um Lord Chelford, dessen Szenen die Geduld des Zuschauers einen Hauch zu sehr auf die Probe stellen. In der Schlussphase habe ich mir dann doch gewünscht, dass das Treiben endlich ein Ende findet. Aber bis es soweit ist wird man solide unterhalten. Die Schloss-Location wirkt, der Pseudo-Handlungs-Mix aus Schatzsuche, Erpressung und Geisteskrankheit weiß zu gefallen, und Kinski und Arent dürfen ihre Stärken erneut in Nebenrollen beweisen und werden damit zu wirksamen Randerscheinungen des Filmes (bis auf einige wenige Arent-Ausrutscher, die dann doch zu viel des Guten sind).

Das führt alles nicht zu einem großen Ergebnis, aber definitiv zu einem unterhaltsamen Beitrag der Reihe, vorausgesetzt man kann sich mit Irrungen und Wirrungen begnügen und auf eine tatsächliche Handlung verzichten. Meiner Meinung nach funktioniert dies aufgrund der interessanten Figurenkonstellation recht gut, so dass die gelungenen Charaktere den Film bis zum Schluss stemmen können, ohne dass es zu einer uninteressanten Phase käme. Ob man am Ende noch durchblickt, hängt von der Konzentration des Zuschauers ab. Wer nur mit halber Backe hin geschaut hat, hat trotzdem seinen Spaß, geht es doch nicht wirklich um einen Sinn, sondern lediglich um einen abenteuerlichen Kriminalfall - oder um zwei, oder drei.  OFDb

28.02.2017

ZIMMER 13 (1963)

„Zimmer 13“ schaut sich wie ein Mix aus den klassischen und den Ausnahme-Rialto-Wallace Filmen a la „Das Verrätertor“. Auf der einen Seite wird klassisch ermittelt, angeleitet von Sir John und Begleitet von einem von Joachim Fuchsberger verkörperten Privatschnüffler, der allerdings behandelt wird als sei er fester Angestelter des Scotland Yard, auf der anderen Seite werden wir jedoch auch ausführlich Zeuge der Pläne der Diebesbande. Zu erraten wer schuldig oder unschuldig ist, gibt es da nichts. Mit Ausnahme des zusätzlich eingefügten Elements des unbekannten Frauenmörders, das sich nie ins Zentrum drängt, sogar so wenig Beachtung geschenkt bekommt, dass man Harald Reinl keinen Einfluss auf das kommende Giallo-Genre zusprechen kann.

Die Auflösung erklärt dann auch warum das Thema kürzer trat als zunächst angenommen, und trotz der dort anzutreffenden Hausfrauen-Psychologie, die anbei typisch für die italienischen Gialli der 70er Jahre werden sollte, beweist „Zimmer 13“ hier eine Ernsthaftigkeit, die ohnehin den kompletten Film umgibt. So hemmungslos hier auch teilweise herumgealbert wird, meist durch Eddi Arent, der eine Rolle erwischt hat mit der er sichtlich Spaß hatte, „Room 13“ (Alternativtitel) ist ein düsteres, ernstes Werk. Das zeigt sich auch im Agieren Fuchsbergers Rolle, die den Standard des kühnen Helden erfüllen könnte, also jene Rolle die er sonst oft verkörpert hat, mit dieser aber nur verwand ist.

Johnny Gray geht viel überlegter und sorgfältiger vor, als es die typischen Fuchsberger-Figuren in ihrem Elan je taten. Und der ständige Kontakt mit der Rolle Karin Dors (die eine pseudo-taffe Frau spielt, die doch nur ständig gerettet werden muss) wird keinesfalls genutzt um hemmungslos zu flirten, die Sorge um die Frau steht Fuchsberger ins Gesicht geschrieben. Seine flaxigen Anmachen lässt er nur zu Beginn heraus. Wenn die Situation ernst wird, dann ist es damit vorbei. Passend zu diesem ernsteren Grundton darf man auch über einen Rasiermessermord überrascht sein, in welchem für Wallace-Verhältnisse dieser Dekade überraschend viel Blut spritzt. Das wiederholt sich nicht, „Zimmer 13“ bleibt ansonsten relativ bieder und zugeknöpft, abgesehen von einer kurzen Nackedeiszene, die vorbei ist ehe sie begann.

Amourös hätte auch die schräge Thematik ausfallen können, wie der von Arent gespielte Dr. Higgins (welch herrliche Anspielung) mit seiner Versuchspuppe umgeht. Sein etwas arg persönliches Interesse für diesen weiblich geformten Gegenstand wird stets nur angedeutet, fällt wie gesagt nie amourös aus, und doch schwebt da was in der Luft. Arent überspielt es klamaukhaft, so will er sie z.B. zum Puppendoktor bringen, als sie leicht zerstört wird, und er bedauert dass sie sich in diesem Zustand befindet und damit die frisch erlangte Beförderung Higgins nicht mitbekommt. Allein hierdurch wird der Ehefrau-Ersatz überdeutlich. Mehr war in den 60er Jahren zu diesem Thema in einem Film für den einfachen Bürger jedoch nicht drin.

Zwar ist Reinl kein großer Wurf gelungen, gerade im Mittelteil schwächelt der Plot ein wenig, aber er versucht mit möglichst vielen lauteren und schnelleren Szenen dagegen zu halten, was ihm recht passabel gelingt. Das erste und das letzte Drittel schauen sich hingegen tatsächlich flott und unterhaltsam, so dass die Tendenz zur Mittelmäßigkeit noch umgangen werden konnte. „Zimmer 13“ mag nur etwas für Stammgäste im deutschen Wallace-Universum sein, aber als zwischen den Stühlen sitzendes Werk ist er für eben jenes Publikum auch recht interessant ausgefallen. Die französische Ausnahmebeteiligung an diesem Rialto-Wallacefilm merkt man meiner Meinung nach dem Werk nicht an.  OFDb

10.12.2016

DAS MÄDCHEN VON HONGKONG (1973)

Unter der Regie des für die Edgar Wallace-Filme „Der rote Kreis“ und „Der grüne Bogenschütze“ verantwortlichen Jürgen Roland wurde ein Abenteuer-Action-Mix auf Kriminalfilmbasis erstellt, verfasst von „Derrick“-Autor Herbert Reinecker und in der Hauptrolle besetzt mit Joachim Fuchsberger, wie er auch nur in den bunten 60er und 70er Jahre entstehen konnte. Der Held ist ein harter, aber souveräner, verschmitzter Sunnyboy, für den nur die eigenen Regeln gelten, und der sich stets mit seinen Fäusten zur Wehr setzt. Seine Mission ist ein unter wirren Umständen entstandener Kriminalfall, der sich während der Ermittlungen irgendwie von selbst gestaltet, während Frank Boyd selbst keinerlei Befugnis besitzt zu ermitteln, man eigentlich ohnehin nichts von ihm weiß, außer dass er laufend überall aneckt, von der Polizei aber trotzdem tatkräftig unterstützt wird.

„Das Mädchen von Hongkong“ funktioniert dabei wie ein Comicstrip, lieben die Verantwortlichen es doch sich jeglicher Klischees aus Fernost und aus der Agenten- und Krimi-Literatur zu bedienen, was mit einer augenzwinkernden Leichtigkeit angegangen wird, wie man sie in heutigen Projekten kaum noch vorfindet. Nur verbohrte Ignoranten würden bei dem lockeren Treiben auf die Idee kommen dem Film in seiner absichtlich verspielten Art besagter Klischees Rassismus vorzuwerfen oder im Umgang mit dem schwachen Geschlecht Frauenfeindlichkeit, was diverse Stimmen tatsächlich tun, was einer Arroganz gleicht der vergangenen Generation in Sachen Ethik und Moral nicht zuzutrauen Spaß von Ernst trennen zu können und zu erkennen, dass die Sichtweise auf diese Dinge eine andere, aber keinesfalls eine ignorante, war. Damals konnte man noch trivialen Unsinn von ernsthaften Beleidigungen trennen, was in einem solch herrlich verspieltem Werk, wie dem hier besprochenem, schließlich auch Sinn macht.

„From Hong Kong with Love“ (Alternativtitel) ist mitten in seiner Zeit stehen geblieben, nicht nur von seinem Lebensgefühl her, auch von der technischen Herangehensweise einen Film zu drehen. Kunterbunt, von lockerer Hand umgesetzt, sich allein durch das damals gar nicht verpönte Anwenden von Kamerazooms manchmal wie ein selbstgedrehter Film anfühlend, auf der anderen Seite aber auch sehr professionell umgesetzt, wenn man nur einmal manch gekonnt eingefangenen Kameraschwenk beachtet. Mit seiner Musik, die so bereits 10 Jahre zuvor einen Edgar Wallace-Film der Rialto-Reihe hätte schmücken können, seinem Heldenbild, welches deutlich an James Bond orientiert ist und heute nicht mehr als Identifikationsfigur verwendet werden würde und der schlagfertigen Action, die weitestgehends auf Schießereien verzichtet, ist Jürgen Rolands wilder Genre-Mix das zu Fleisch gewordene 60er und 70er Jahrzehnt, eben die Art alternatives Kino, wofür man diese vergangene Dekade des Filmemachens als Cineast liebt.

Dass dies Joachim Fuchsbergers letzte Rolle seiner Paradefigur sein sollte, liegt nicht daran, dass er langsam zu alt für derlei Filme wurde. „Das Mädchen von Hong Kong“ beweist ebenso wie der ein Jahr zuvor entstandene „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“, dass er noch genügend Charisma besaß, um in Kriminalfilmstoffen als im Vordergrund agierender Held zu wirken. Seine verschmitzte Altherren-Art, der man keinen Flirt krumm nimmt und von der man nie weiß zu welcher Dame das Herz denn nun schlägt, weiß nach wie vor zu wirken, und seine schlagfertige Haltung in Actionszenen war bereits in den Wallace-Filmen augenzwinkernd gemeint, so dass man dem guten Mann auch hier nie eine Rentenbescheinigung aussprechen würde. Freilich belustigen diese Momente in einem in Hongkong spielenden Streifen mehr denn je, weiß man doch schließlich welche Handkantenkunst in derlei Regionen dieser Welt praktiziert und zelebriert wird, das Grundprinzip, solche Schlägereien nur als Gimmick innerhalb eines pulpig angelegten Stoffes zu sehen, bleibt dennoch das selbe.

„Das Mädchen von Hongkong“ wirbelt seine Ereignisse und Zutaten wild umher. Der Zuschauer weiß nie wie ihm geschieht, wird immer mit neuen Wendungen einer eigentlich nicht vorhandenen Geschichte konfrontiert, und das sorgt in der hier angegangenen Leichtigkeit für einen hohen Sehspaß, so dass nie der Hauch von Langeweile oder Stillstand aufkommt, was bei solch dünner Handlung durchaus vorkommen kann, siehe „Sechs Pistolen jagen Professor Z“. Schämte man sich dort bei fehlendem Plot dafür, dass sich erwachsene Männer wie Kinder benehmen, so unterstützt das Infantile im hier besprochenen Film sogar den Charme des Streifens, von dem er mehr als genug besitzt.

Etwas ungewöhnlich fühlt sich der Schluss an, der an dieser Stelle freilich nicht verraten werden soll, besitzt er doch eine Ernsthaftigkeit, die man im restlichen Film selbst dann suchen kann, wenn Ereignisse eigentlich bestens dafür geeignet gewesen wären. Die Schluss-Szene wirkt fast wie die konsequente, dem Helden servierte Rechnung für dessen Gedankenlosigkeit, die dieser den kompletten Film über an den Tag legt. Allerdings kann der durch seine Unwissenheit der Ereignisse mit besagter Rechnung nichts anfangen, so dass er auch in Zukunft weiterhin gedankenlos durchs Leben gehen wird.

Der Schluss ist schwer einzuordnen, weiß in seiner Konsequenz aber zu gefallen, zumal er den ohnehin schon geforderten Zuschauer mehr denn je überrumpelt. Die Schluss-Ereignisse konnte dieser einfach nicht vorhersehen, eben weil sie nicht dem Geist des Restfilmes entsprechen. Umso erstaunlicher ist es, dass sich diese Wende trotzdem nicht wie ein Fremdkörper anfühlt. Vielleicht kommt es mir auch nur so vor, weil ich den Schluss mag, allein schon wegen der Tragik einer Figur, deren Innenleben der Egomane Frank Boyd ohnehin nie verstanden hat und in Zukunft nie verstehen würde. Der Schluss ist das einzige Geheimnis, welches Boyd nicht aufdeckt und welches Roland und Reinecker nur mit dem Zuschauer teilen.  OFDb

13.08.2016

DER HEXER (1964)

Als ich vor etwa 20 Jahren erstmals die Filme der Rialto-Wallace-Reihe sichtete, da behielt ich „Der Hexer“ als angenehm routinierten, aber keinesfalls hervorhebenswerten Beitrag der Serie in Erinnerung. Diese zweite deutsche Verfilmung eines des am meisten verfilmten Stoffe nach Edgar Wallace, entpuppte sich nun bei der Neusichtung als überraschend sehenswerter Beitrag, der nicht nur prächtig zu unterhalten weiß, sondern schon die Weichen für die Buntphase der Reihe stellt, die Alfred Vohrer später als Spielwiese für skurrile Einfälle nutzte und damit endgültig ein groteskes Alternativ-Edgar Wallace-Universum zu dem unseren schuf.

Bereits hier tobt sich Vohrer mit ungewöhnlichen Einfällen wie der Kameraaufnahme hinter der Wählscheibe eines Telefons, reißerischen Mordversuchen wie den Giftschlangen in den Manteltaschen der Ermittler und einer kleinen aber wirksamen Dosis mimischen, körperlichen und redseligem Klamauks und amouröser Anspielungen aus, so dass es ein wenig ironisch klingt dass „Der Hexer“ bis heute als der allgemein beliebteste Teil der Reihe gilt, wohingegen die meisten Zuschauer mit der Buntphase der Rialto-Wallace-Serie aufgrund ihrer Überspitzungen nichts anzufangen wissen.

In „Der Hexer“ bekommen zumindest die Freunde beider Seiten all das geboten was man sich von einem Wallace-Film der 60er Jahre wünscht. Somit bildet der Streifen eine sehr gleichgewogene Schnittstelle zwischen beiden Stilrichtungen und beschenkt den Stammzuschauer zudem damit bis auf Karin Dor und Klaus Kinski alle beliebten Gesichter der Reihe in einem Film zu vereinen, ein Star-Aufgebot welches durch die Spielfreude aller Anwesenden und der augenzwinkernden und flotten Umsetzung bereichert wird.

Higgins mag ein wenig tolpatschig und dümmlich wirken, erstaunlicher Weise hemmt dies die Wirkung des Streifens keineswegs, zumal Fuchsberger seine Stammrolle charmant zu verkörpern weiß und das Denken diesmal seinen vielen Mitermittlern überlässt. Diese sind nötig um darüber hinwegzutäuschen, dass sich „Der Hexer“ wieder einmal der Auflösung von „Der rote Kreis“ bedient, und damit der Zuschauer dies nicht voreilig errät lenkt die Rolle von Heinz Drache gekonnt von diesem Zustand ab.

Somit erzählt „Der Hexer“ nicht nur das was 30 Jahre zuvor „Der Hexer“ erzählte, auch wenn beide Verfilmungen sich eng an die Buchvorlage halten, sondern bereichert das bereits Bekannte durch einen metareflektierten Blick, durch durchdachte psychologische Methoden um mit dem Zuschauer zu spielen und durch seine ironische Distanz zum Ur-Stoff, was nicht verwundern braucht so out die Romane von Wallace zu Beginn der Rialto-Reihe galten und nur über ihren augenzwinkernden Umgang filmisch umgesetzt solche Erfolge feiern konnten. Mein liebster versteckter Meta-Verweis des hier besprochenen Kriminalfilms ist die Bekanntgabe der Vornamen von Inspektor Higgins, welche die selben sind, die auch Edgar Wallaces Sohn trug.

Ein best gelaunter Eddi Arent spielt so skurril komisch wie man ihn am liebsten sieht, Siegfried Schürenberg hat die Lacher auf seiner Seite, und die drei Ermittler sind sowohl in ihren Rollen als auch rein von den Schauspielern her solch sympathische Gestalten, dass dies zu einem guten Teil der angenehmen Chemie des Streifens beisteuert, der bereits ein Jahr später mit „Neues vom Hexer“ fortgesetzt wurde und das einzig direkte Sequel eines Vorgängerstoffes innerhalb der Rialto-Reihe bleiben sollte.  OFDb

16.07.2016

NEUES VOM WIXXER (2007)

Nachdem „Der Wixxer“ bereits allerhand Verweise, Storyfragmente, Klischees, Schauspieler, Stereotype, Stilmittel und Handlungsorte der Wallace-Geschichten, welche die hauptsächlich in den 60er Jahren entstandene Rialto-Reihe erzählte, durch den Kakao gezogen hatte, war das Wichtigste zu Parodiezwecken eigentlich schon verarbeitet. Nicht dass bei über 30 Filmen nicht trotzdem noch einiges an Material vorhanden wäre, aber „Neues vom Wixxer“ guckt sich eher im Grundton wie eine Wallace-Parodie, teilt sich inhaltlich jedoch den Bereich des humoristisch Nachgeahmten mit der kunterbunten Welt der TV-Hits und Kinoerfolge, die zur Erscheinungszeit der hier besprochenen Komödie gerade von sich reden ließen.

Obwohl nun also vergleichsweise weniger Wallace durch die Fortsetzung weht, hat man nach vergeblicher Mühe bei Teil 1 für Teil 2 nun endlich Wallace-Legende Joachim Fuchsberger für eine große Nebenrolle gewinnen können, der sichtlich in die Jahre gekommen ist, aber eine wunderbare Plattform versteckter Anspielungen auf die Originale bietet, inklusive eine „Der Zinker“-Verwechslung mit Heinz Drache. Auch mit an Bord ist Chris Howland, den man seinerzeit aber nur in Konkurrenzprodukten der berühmten Wallace-Reihe erleben durfte. Da diese aber nicht nur finanziell vom großen Kuchen mitnaschen wollten, sondern auch stilistische und inhaltliche Ähnlichkeiten zu Rialtos Geldkuh aufwiesen, geht das schon in Ordnung.

Zumal wie erwähnt diesmal nicht nur die Wallace-Filme ihr Fett weg kriegen. Da wird über Klassiker wie „Winnetou“ ebenso gekalauert wie über zur Entstehungszeit moderne Kino-Hits wie „Drei Engel für Charlie“ oder Quoten-Hits wie „7 Tage 7 Köpfe“ und „24“. Mit den Handlungsorten Kloster und Irrenanstalt konnte man zudem mit anderen Elementen vergangener Wallacefilme spielen als bisher, was mit ein Grund dafür ist warum „Neues vom Wixxer“ nicht nur wie ein wiedergekäuertes unnötiges Anhängsel des ersten Teils wirkt, sondern stattdessen wie eine kraftvolle Weiterführung. Mit dazu bei tragen die Stars, die im Vorgänger nicht mit an Bord waren, als da wären der unglaublich komische Christian Tramitz, die wie immer toll schauspielernde Christiane Paul und Judy Winter in einer mimisch großartig gemeisterten Rolle als Nonne.

In Nebenrollen und Gastauftritten tummeln sich zudem Hella von Sinnen, Martin Semmelrogge, Frank Zander, Roberto Blanko, Michael Kessler, Achim Mentzel und manch andere Prominente mit herum, während zudem auch die wichtigsten Gesichter des Originals für das Projekt zu gewinnen waren, einschließlich Christoph Maria Herbst, dessen Rolle als Hatler aufgefrischt wird durch seine Position als Leiter einer Nervenheilanstalt. Pastewkas Mimiken mögen nicht ganz so gekonnt humoristisch ausgefallen sein wie im Vorgänger, sind aber noch immer eine Wucht, und Oliver Kalkofe schlägt sich wacker inmitten der professionellen Schauspieler, so dass ich hier wie in Teil 1 nicht verstehe was die Leute an seiner Leistung stets zu meckern haben.

Sein grenzwertiger Humor, der nicht so recht in „Der Wixxer“ hineinpassen wollte, wird in der Fortsetzung auf ein Minimum reduziert, was dem Film sichtlich gut tut, und da jeder der erstmals auftauchenden Mimen zudem seinen eigenen Humor mit einbringt, guckt sich auch dieser zweite Teil frisch und angenehm und bietet gekonnter Weise so viel zu Lachen wie sein Vorgänger. Sicherlich fällt eine schnell nachgereichte Fortsetzung nie so liebevoll detailreich aus wie ein erstes Projekt, für das man in der Regel mehr Zeit besitzt und in das man Ideen einbauen kann, die einem schon lange im Kopf herumspuken. Der Feinschliff des ersten Teils fehlt und einen pompösen Moment wie die wundervolle Gesangseinlage des Originals gibt es nicht zu sichten.

Stattdessen überrascht das Drehbuch jedoch mit einem interessanten Aufhänger, einem einfallsreichen Szenario, welches trotz wirrer, irrer Ideen, die manches Mal auch die physikalischen Gesetze aus den Angeln heben, doch immer zusammenhängend und durchdacht ist, sowie einer Mörderaufdeckung, die so pointensicher wie schwachsinnig genial ist, dass sie auf ganz eigene Art Wallace-Klischees aufs Korn nehmen kann. „Neues vom Wixxer“ ist somit der würdige Nachfolger eines geglückten Nummer 1 und auch mit weniger Edgar Wallace im Gepäck noch immer eine klare Empfehlung für Freunde deutschen Humors.  OFDb

19.06.2016

DER MÖNCH MIT DER PEITSCHE (1967)

So wie später auch „Die toten Augen von London“ in der Buntphase als „Der Gorilla von Soho“ neu verfilmt wurde, so geschah selbiges mit „Der unheimliche Mönch“, der im Original von Regisseur Harald Reinl umgesetzt wurde. Wie in allen späten Beiträgen der klassischen Wallace-Filme übernahm diesmal Alfred Vohrer die Regie und besetzte von Siegfried Schürenberg als Sir John und Rudolf Schündler in einer Nebenrolle einmal abgesehen andere Schauspieler für die Geschichte, die gerade erst zwei Jahre zuvor schon einmal erzählt wurde. Zwar verweist Sir John nebenbei darauf, dass es einmal einen ähnlichen Fall gab und verrät auch gleich dazu den Filmtitel, ansonsten versteht sich „Der Mönch mit der Peitsche“ jedoch tatsächlich als Remake.

Lediglich die Farbsetzung im Vergleich zum vorher typischen Schwarz/Weiß legitimiert halbwegs eine solch frühe Neuverfilmung. Denn von der Farbe einmal abgesehen besitzt „Der Mönch mit der Peitsche“ nur recht wenige Eigenschaften die später geradezu typisch für die Buntphase wurden. Im Gegensatz zu seinen Nachfolgern ist die Geschichte um vergiftete Mädchen auf einer Mädchenschule noch nicht sonderlich schrill ausgefallen und mit abgefahrenen Bonbons verzuckert. Da fällt lediglich das in knalligem Rot gehaltene Kostüm des Mönchs als besonders greller Sehwert auf und der Drahtzieher der Untaten, der anonym wie ein Dr.Mabuse zu seinen Hilfstätern spricht, lebt in einem Haus in dem u.a. auch Krokodile gehalten werden.

Der Humor kommt noch ziemlich subtil daher, so grob herumalbern wie in seinem letzten Fall in „Im Banne des Unheimlichen“ darf Inspektor Higgins noch nicht. Und auch Sir John hält sich als der witzige Sidekick noch zurück wenn es um amouröse Anspielungen seiner Sekretärin gegenüber geht. Er darf hier noch harmlos herumalbern, wenn er sich nach einem mehr oder weniger erfolgreich absolviertem Studium als Hobby-Psychologe versucht, freilich nach ganz eigenen Vorstellungen und für die Ermittlungen so gar nicht nützlich.

Der Rest des Streifens tut jedoch so, als wäre all das was passiert völlig normal, so als ob jeglicher Kriminalfall in etwa so gestrickt wäre wie die wirre Story die uns hier vor die Nase gesetzt wird. Auf die Wallace-Welt bezogen stimmt dies prinzipiell sogar, und dem Film tut seine unnötige Ernsthaftigkeit sogar gut, aber ebenso sinnvoll war es später nach dem hier besprochenen Werk die Reihe ironischer aufzubrechen als auf dem bislang eher subtil gehaltenen Weg.

Bizarre Figuren treffen auf zwielichtige Gestalten, junge Mädchen hausen in einer Schule umgeben von einer Nebellandschaft, und mittendrin stampft ein Mönch mit Peitsche umher. Das sind die Zutaten die „The College Girl Murders“ (Alternativtitel) zum Funktionieren bringen. Für den eigentlichen Mordfall interessiert man sich nicht wirklich, der Zuschauer ebenso wie die Verantwortlichen der Geschichte. Joachim Fuchsberger agiert souverän wie immer, Schürenbergs Auftritte bereiten Freude, auch wenn der gute Mann schon die ein oder andere bessere Vorstellung abgegeben hat, lediglich Uschi Glas ist mal wieder ein Dorn im Auge. Zwar wird ihre Rolle relativ klein gehalten, aber so ziemlich jede Szene mit ihr will nicht funktionieren. Dass sie von Sir John als besonders hübsch bezeichnet wird, kann man zumindest noch seiner geistigen Verwirrtheit zuschreiben, denn bezaubern will das Hohlbrot in Wirklichkeit so gar nicht.

„The Monk with the Whip“ (Alternativtitel) erzählt seine Geschichte noch so ernst wie zu den guten alten Schwarz/Weiß-Zeiten der Reihe, und als Film für sich funktioniert er auch recht gut. Das mag anders sein wenn man erst kurz vorher die Rialto-Erstverfilmung des Stoffes gesichtet hat. Da ich aber die Buntphase der Wallace-Serie zur Zeit rückwärts sichte, kann ich davon unvoreingenommen über die Qualität des Streifens berichten, und der ist angenehm routiniert inszeniert und sehr unterhaltsam ausgefallen, wenn auch nicht sonderlich innovativ umgesetzt. Im Vergleich zum „Gorilla von Soho“ hat „The Prussic Factor“ (Alternativtitel) in Sachen Farb-Remakes für mich aber definitiv die Nase vorn.  OFDb

IM BANNE DES UNHEIMLICHEN (1968)

Während Sir Arthur ganz offiziell als Nachfolger des pensionierten Sir John eingeführt wird, und dabei bereits mit seinem Humor punkten kann, der noch nicht so zotig ausgefallen ist wie bei seinen zwei weiteren Auftritten in „Der Gorilla von Soho“ und „Der Mann mit dem Glasauge“, ermittelt Inspektor Higgins das letzte Mal für die Rialto-Wallace-Reihe. Zwar kehrte Joachim Fuchsberger im vorletzten Teil der Serie noch einmal für den deutsch-italienischen Giallo „Das Geheimnis der grünen Stecknadel" zurück, dies jedoch in einer anderen Rolle und zu einer Zeit, in welcher die Filme nichts mehr mit der eigentlichen Kriminalfilm-Reihe zu tun hatten.

Alfred Vohrer, der  für alle der letzten klassischen Wallace-Filme verantwortlich war, dreht die Schraube der abgedrehten Elemente erneut ein wenig auf. War der Vorgänger „Der Hund von Blackwood Castle“ noch der Versuch die stimmigen Schwarz/Weiß-Grusel-Krimis der Reihe mit dem schrilleren Stil der Buntphase zu vereinen, so kommt „Im Banne des Unheimlichen“ bereits viel eher wie eine absichtlich alberne Jahrmarktsattraktion daher, zwar noch weit entfernt von der Komödienvariante eines „Der Mann mit dem Glasauge“, aber schon wesentlich irrsinniger inszeniert als sein eigener Nachfolger „Der Gorilla von Soho“.

Higgins selbst wird comichafter dargestellt als üblicher Weise, pustet sinnlos in Trillerpfeifen und hübsche Damen, kann keinem weiblichen Arsch optisch widerstehen und bringt herrlich dämliche Sprüche, z.B. dann wenn er endlich sein Versprechen einhält mit der Sekretärin Sir Arthurs auszugehen, sie ihn im Restaurant bittet er möge nicht ans Telefon gehen, und Higgins flappsig damit kontert es könne sich ja eine attraktivere Frau am anderen Ende der Leitung befinden.

Zum alberneren Grundton gesellt sich zudem eine zentrale Mördermaskerade, die selbst in der Rialto Reihe, welche vor Fröschen, Bogenschützen, Gorillas und Mönchen mit Peitschen nicht Halt machte, ihresgleichen sucht. Das Totenkopfgesicht, welches mit Hut und langen Haaren so aussieht wie es sicherlich auch Udo Lindenberg bald tut, zumindest mit Blick auf das Cover dessen aktuell erschienender CD, wirkt in Nahaufnahmen tatsächlich trotz aller comichafter Verspieltheit noch halbwegs mystisch, selbst dann wenn es schwer ausatmend den Mund weit öffnet. Um so lächerlicher wirkt diese Maskerade wenn der Totenkopfmann reichlich agil hinfort laufen darf, was er öfter macht als es für eine Gruselwirkung gut für ihn wäre.

Erstaunlicher Weise wird dies gar nicht zum Nachteil des Streifens, eben weil der Grundton viel augenzwinkernder ausgefallen ist als ohnehin schon und Vohrer inszenatorisch deutlich macht, dass der Spaßfaktor im Vordergrund steht. Ein ernstzunehmender Grusel-Krimi soll „The Zombie Walks“ (Alternativtitel) gar nicht sein. Er ist als Parodie eines solchen gedacht, wenn auch noch nicht als lupenreine Komödie ausgelegt wie Vohrers letzter Streich der Reihe.

Ein souverän spielender Joachim Fuchsberger und ein wie immer gut agierender, wenn auch etwas unterforderter, Wolfgang Kieling sorgen dafür, dass das Niveau trotz alledem nicht ganz nach unten rutscht. Das Drehbuch hingegen puzzelt zum Finale hin einen scheinbar in der Not geborenen Erklärungsversuch der ganzen Umstände zusammen, die halbwegs erklären sollen was die ganze Geisterbahn-Parade nun eigentlich sollte. Es braucht also nicht verwundern, dass gerade Befürworter der Schwarz/Weiß-Phase mit „Hand of Power“ (Alternativtitel) so gar nichts anfangen können.

Was diese als Schwächen von „Im Banne des Unheimlichen“ ansehen, erkenne ich als Stärke innerhalb eines Streifens, der mir im direkten Vergleich mit seinem affigen Nachfolger besser gefällt, u.a. weil er innovativer und verspielter ausgefallen ist als dieser. Der Gorilla wirkte eher wie der Versuch mit kleinen Spielereien einen solchen Touch vorgaukeln zu wollen, der hier besprochene Film befindet sich jedoch mitten drin im provokativ anarchistischen, augenzwinkerndem Umgang mit sämtlichen Wallace-Elementen.

Was „Der Hund von Blackwood Castle“ mit seinen herrlich skurrilen Gimmicks bereits vorbereitet hat, nimmt „Im Banne des Unheimlichen“ auf und erweitert diesen Stil durch das Entfernen jeglicher ernsthaft stimmigen Gruselszenen. Damit ist er ein ehrlicher und selbstreflektierender Beitrag der Wallace-Reihe, ein Mut der den Anfang vom Ende bedeuten sollte, denn die Kinogänger von einst waren Innovationen gegenüber längst nicht so aufgeschlossen wie es Regisseur Alfred Vohrer war.  OFDb

26.05.2016

DAS GEHEIMNIS DER GRÜNEN STECKNADEL (1972)

Mit den klassischen Grusel-Krimis der Rialto-Wallace-Reihe hat „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ nichts mehr am Hut. In den Händen der Italiener wurde kurz vor dem Aus der Serie der ein oder andere Giallo unter dem berühmten Label hergestellt, jene Art harter italienischer Kriminalfilm, der sich gerade in den 70er Jahren großer Beliebtheit erfreute und heutzutage unter diversen Filmfreunden geradezu kultisch verehrt wird. Eingefleischte Fans der Reihe können mit den geschmackloser, da direkter, ausgefallenen Streifen wenig anfangen, dabei ist „The School That Couldn‘t Scream“ (Alternativtitel) keinesfalls so plump ausgefallen wie es ihm gerne vorgeworfen wird. Er beinhaltet lediglich eine alternative Methode einen Kriminalfilm zu erzählen.

Der nah am Thriller orientierte Giallo geht in der Regel härter vor als die wenigen Beiträge dieses Sub-Genres, die gegen Ende in der Wallace-Reihe vermarktet wurden. Allerdings wurden den Deutschen auch stets gekürzte Versionen vorgesetzt, so auch bei „Solange“ (Alternativtitel), dessen Mordmethode des Killers, ein Messerstich in die Vagina der Opfer, freilich nur angedeutet wird und seine drastischste Aufnahme durch ein Röntgenbild erhält.

Das Werk des vier Jahre später verstorbenen Regisseurs Massimo Dallamano, der u.a. auch für „Der Tod trägt schwarzes Leder“ und „Venus im Pelz“ verantwortlich war, verfängt sich nicht in geschmacklosen Quantitäten, auch wenn sich neben der radikalen Tötungsmethode zudem noch einige unaufdringlich eingebrachten Erotikszenen im Repertoire befinden, die ihrer Zeit geschuldet sind als der Erotikfilm, auch in Deutschland, gerade seine Hochphase erhielt. Für diese cineastisch amouröse Zeit ist „Terror in the Woods“ (Alternativtitel) sogar recht harmlos ausgefallen.

Der von einem schlichten, fast unauffälligen Soundtrack von Ennio Morricone untermalte Film setzt den ermittelnden Kommissar, besetzt mit Wallace-Urgestein Joachim Fuchsberger, mehr in den Mittelpunkt als es für den italienischen Thriller üblich ist, und das tut der Geschichte recht gut, ist die Haupt- und Identifikationsfigur Rossini doch keinesfalls sympathisch gezeichnet, so dass man sich emotional, sofern man dies benötigt, an den Kommissar klammern kann, denn der Lehrer wird erst gar nicht versucht sympathisch zu charakterisieren.

Skrupellos und plump geht er in seinen privaten Vorhaben vor, unter billigsten Vorwänden versucht er dilettantischst den Ermittlungen des Kommissars aus dem Weg zu gehen, und spätestens wenn der herrschsüchtige zu Gewalttaten bereite Mann nach einer völlig überraschenden Wendung in der Geschichte seine radikale Kaltherzigkeit offenbart indem er nicht den geringsten Hauch von Emotionen aufkommen lässt, dürfte auch der letzte Zuschauer begriffen haben, dass Rossinis Charakter nicht positiv gemeint ist und hinter der Fassade des Helden lediglich ein nüchtern kalkulierender Mann steckt, eine Eigenschaft die für die Ermittlungen des Falles zum Vorteil werden, auch wenn man sich aufgrund der charakterlichen Eigenschaften bereits denken kann, dass es erst spät und recht widerwillig zu einer Zusammenarbeit mit der Polizei kommt.

Trotz der makaberen Methode mit welcher der Killer vorgeht ist „The Secret of the Green Pints“ (Alternativtitel) nicht wirklich düster ausgefallen. Da hat Umberto Lenzis im selben Jahr erschienender Wallace-Film „Das Rätsel des silbernen Halbmonds“ diesbezüglich mehr zu bieten. Trotzdem sind beide Werke jedoch recht ähnlich unterhaltsam ausgefallen, könnten durchaus mehr bieten als das was einem vorgesetzt wird, wecken beim Zuschauer aber die Neugierde für den Ablauf und die Hintergründe der Geschichte und sind flott genug inszeniert, so dass Langeweile nie aufkommen dürfte. Wer also Filme dieser Art gerne konsumiert, macht mit dem etwas schlicht ausgefallenem „Who Killed Solange?“ (Alternativtitel), den es auch unter den Titeln „Whos Next“, „What Have They Done to Solange?“ und „What Have You Done to Solange?“ gibt, sicherlich keinen Fehler, vorausgesetzt man erwartet kein Meisterwerk dieses Genres.  OFDb

01.05.2016

DIE SELTSAME GRÄFIN (1961)

Von den Grundzutaten her ist „Die seltsame Gräfin“ ein waschechter Wallace. Es gibt Erbschaftsstreitereien, unheimliche Fremde, Verschwörungen, Geheimnisse, ein Schloss, strahlende Helden und eine versponnene Auflösung. Mit Joachim Fuchsberger, Eddi Arent und Klaus Kinski mit den wohl beliebtesten Wallace-Veteranen auf Nummer Sicher in ihren jeweiligen Paraderollen besetzt, kann der Film auf seine geradezu typische Art nicht scheitern. Allerdings fehlt ihm der düstere Stil eines „Der Frosch mit der Maske“ oder eines „Die toten Augen von London“, so dass sich der hier besprochene Stoff etwas leichter guckt.

Nicht nur der obligatorische Humor Eddi Arents hat darauf Einfluss, zumal der nicht so stark ausgeprägt ist wie in manch anderem Werk der Rialto-Reihe. Auch die Dreistigkeit in Sachen Klischees nicht zu dünn aufzutragen sorgt für ein inzwischen nostalgisches Augenzwinkern, so sind doch z.B. gerade die völlig überzogenen Psychoanrufe Kinskis ein kleines Highlight, eben weil er völlig Comic-verstört wirres Zeug redet, in einer Tonlage die selbst für Kinski wunderbar verstörend neben der Spur klingt.

Aber auch sie ist nur ein Teilbaustein inmitten eines herrlich abgedrehten Filmes, in welchem es vor skurrilen Figuren und Situationen nur so wimmelt. Der Hintergrund ist für erfahrene Wallace-Zuschauer spätestens mit dem Besuch im Gefängnis ziemlich zu Beginn schnell ausgemacht. Allerdings löst dieser sich nicht erst zum Finale hin auf, sondern sorgt im letzten Drittel für weitere verästelte Hintergründe, so dass selbst jene Krimi-Fans, die Probleme mit Vorhersehbarkeit haben, noch ihren Spaß haben könnten. Ein sinnvolles Mörderraten ist inmitten solchen Irrwitzes aber ohnehin nicht möglich. Und ein souveräner Kriminalfilm wird mit den hier angegangenen Überspitzungen ohnehin nie angestrebt.

Spätestens mit „Die seltsame Gräfin“, und damit gerade einmal zwei Jahre nach dem Start der Reihe, ist die Rialto-Wallace-Serie in ihrem eigenen Universum angekommen, die sie so stilbildend für kommende Werke werden lassen sollte, auch für Trittbrettfahrer oder Wiederkehrer, wie z.B. die in den 60er Jahren wieder aufgelebte Mabuse-Reihe, gestartet von ihrem Ur-Regisseur Fritz Lang höchst persönlich.

Die sehenswerten, recht gewagten Projekte der innereigenen Reihe stammen eigentlich von Alfred Vohrer und Harald Reinl, also von keinem der beiden Regisseure des hier besprochenen Streifens. Doch „Die seltsame Gräfin“ schaut sich wie die Blaupause all der späteren, oftmals besseren Werke, selbst die experimentelleren oder die von RTL später eigenproduzierten Nachzügler, von Letztgenannten ganz besonders der Pilot des zweiten Versuches „Schloss des Grauens“.

Es ist schade, dass „Die seltsame Gräfin“ atmosphärisch nicht etwas düsterer ausgefallen ist. Das würde ihm die nötige Note verleihen, die ihm zur Oberliga der Reihe fehlt. Aber seine Handlung bereichert um solch kaputte Ideen wie Zwangseinweisungen in eine Nervenheilanstalt, ominösen Heilmethoden für Geisteskranke, einer mörderischen Falle im Bücherregal, ein seine Mutter per Elektronik belauschender Sohn, in Käfigen gehaltene Psychos, verstörende Anrufe, einem baufälligen Balkon, einem nach der Bühne sehnenden Adelsnachkommen und verbrecherisch wirkende Angestelle der Polizei ist ein Spaß für sich und sollte trotz mangelndem Spannungsbogen von Freunden trivialer, augenzwinkernder Krimiunterhaltung unbedingt einmal angeschaut werden.  OFDb

30.04.2016

DAS GEHEIMNIS DER GELBEN NARZISSEN (1961)

Nur zwei Jahre nachdem mit „Der Frosch mit der Maske“ die Edgar Wallace-Reihe von Rialto startete, versuchte man sich an einer deutsch/britischen Zusammenarbeit, indem man einen gemeinsamen Film produzierte, der für das jeweilige Land jedoch mit verschiedener Prominenz besetzt wurde, so dass diverse Szenen doppelt gefilmt wurden. Dass bei solch finanziorientiertem Denken der Zuschauer auf der Strecke bleibt, braucht nicht zu überraschen, ist „Das Geheimnis der gelben Narzisse“ doch tatsächlich einer der wenigen Beiträge der Reihe, der durch gar nichts zu gefallen weiß.

Der Kriminalfall reißt nicht vom Hocker, die Inszenierung ist träge, und die Optik ist eine Beleidigung. Das Set-Design stellt uns drei Tische hin um uns einen Nachtclub zu präsentieren, und eine billig im Studio gedrehte Verabschiedungsszene an einem Zug ist so schluderig umgesetzt, dass die Illusion sich an einem echten Bahnhof zu befinden, gar nicht erst möglich ist. Der unterforderte Christopher Lee darf in seiner dümmlichen, wie nervigen Rolle, optisch zum Asiaten zurecht gemacht, kein Charisma versprühen. Und Joachim Fuchsberger hat auch schon mal besser ausgesehen, wirkt würdelos und klein, nicht einmal seine Haare wirken gekonnt frisiert. Klaus Kinski wird uninteressant in Szene gesetzt, auch hier vernachlässigten die Verantwortlichen für Kostüm und Maske ihre Arbeit.

Dass „Das Geheimnis der gelben Narzissen“ zudem unglaublich langweilig ausgefallen ist, ist bei solch üblen Umständen fast schon eine Erleichterung, wäre doch alles andere nur Perlen vor die Säue gewesen. So aber geht zumindest alles gemeinsam den Bach herunter, selbst für jemanden wie mich, der stets Freude mit den damaligen Filmen der harten Welle hatte, selbst bei mittelmäßigen Produktionen. Zumindest die amouröse Theatervorstellung einer leichten Dame im Umgang mit einem Polizisten lockert das dumpfe Geschehen kurzfristig auf. Verglichen mit dem ein Jahr später in „Das Gasthaus an der Themse“ präsentierten musikalischen Auftritt von Elisabeth Flickenschildt bleibt aber selbst der blass.

Fast schon bekommt man das Gefühl der Film wurde absichtlich gegen die Mauer gefahren. Zumindest habe ich es als extrem ärgerlich empfunden, welch schwache Vorstellung Walter Grotell als Oberinspektor von sich gibt. So ein offensichtlich desinteressiertes Spiel habe ich in einer Kinoproduktion noch selten erlebt. Vielleicht hat er aber auch einfach nur erkannt in welch uninspiriertem Wallace-Film er gelandet ist. Da kann ich ihn schon fast verstehen.  OFDb

05.08.2015

ICH, DR. FU MAN CHU (1965)

Fu Man Chu machte schon seit der 20er Jahre die Kinoleinwand unsicher, in den 30er Jahren verkörpert von Horror-Legende Boris Karloff. Als die harte Welle der 60er Jahre in vollem Gange war, entsann man sich aufgrund der Erfolge der Dr. Mabuse-Reihe des ähnlich angelegten asiatischen Größenwahnsinnigen und startete eine Reihe, im ersten Teil besetzt mit den Wallace-Veteranen Joachim Fuchsberger und Karin Dor, sowie Christopher Lee als Dr. Fu Man Chu, was wohl der größte Clou der Produktion sein dürfte.

Über die zuvor gedrehten Fu Man Chu-Filme weiß ich nichts zu sagen, aber verglichen mit der Wallace-Reihe, welche die harte Welle überhaupt erst ins Leben gerufen hatte, schaut sich „Ich, Dr. Fu Man Chu“ schon ein wenig mager. Der sonst so taff wirkende Fuchsberger, der nie ein großer Schauspieler war, wirkt eher albern als heldenhaft und scheint nie so ganz bei der Sache zu sein. Vielleicht verblasst er aber auch nur neben dem bedacht wirkenden Partner Nigel Green, welcher den Scotland Yard-Kommissar Nayland Smith mimt, der Fu Man Chu bereits seit Jahren jagt. Fuchsberger wirkt wie ein Kasper neben ihm, eigentlich immer nur treudoof der wichtigeren Hauptrolle folgend ohne von wahrer Bedeutung für die Geschichte zu sein.

Aber auch Christopher Lee hat man schon wesentlich überzeugender erlebt. Zugegeben: die Verantwortlichen der Maske haben ihn hübsch zurecht gemacht, aber eine diabolische Magie strahlt der Superverbrecher überhaupt nicht aus. Die Wirkung des Dr. Mabuse in seinen besseren Filmen erreicht die asiatische Konkurrenz nie. Da freilich auch die Story austauschbar ist, weit davon entfernt einen Innovationspreis zu gewinnen, dümpelt „The Face of Fu Manchu“ (Originaltitel) auch für einen Trivialfilm zu seicht daher um mit den interessanteren Werken seiner Zeit mithalten zu können.

„Ich, Dr. Fu Man Chu“ ist weit davon entfernt eine reine Actiongurke wie „Sechs Pistolen jagen Professor Z“ zu sein, dafür steht der Horror- und Kriminalpart zu sehr im Zentrum. Und auch in diesem Fahrwasser bildet er keinen Tiefpunkt wie „Hotel der toten Gäste“ oder „Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse“. Sharps Werk befindet sich irgendwo im Mittelmaß, sich etwas besser guckend als „Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse“, aber doch nie wirklich interessant werdend.

Zwar weiß zumindest der ein oder andere Dialog zu belustigen, und die Heldenhaftigkeit der beiden Hauptfiguren wirkt selbst für einen Film dieser Art ein wenig überzogen, aber solch ein Werk möchte man eigentlich nicht aufgrund unfreiwillig komischer Peinlichkeiten sehen, ein Zustand von dem „Ich, Dr. Fu Man Chu“ glücklicher Weise auch weit entfernt ist. Aber letztendlich sind es die aus heutiger Sicht unzeitgemäßen Schrulligkeiten, die dem Film seinen einzigen Charme bescheren. Weder die eingefangenen Bilder noch die grundlegende Atmosphäre ragen über Mittelmaß hinaus. Von daher darf es verwundern, dass Regisseur Sharp auch den ein Jahr später folgenden „Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu“ inszenieren durfte. Auch sein „Fluch der Fliege“ fiel im selben Jahr nicht wesentlich origineller aus. Und Spätwerke wie „Der Frosch“ und „Das Geheimnis der Phantom-Höhlen“ sprechen mit ihrem plumpen Ergebnis auch nicht gerade für ihn.  OFDb

03.07.2015

DAS MÄDCHEN MIT DEN KATZENAUGEN (1958)

Bevor 1959 die Edgar Wallace Reihe mit „Der Frosch mit der Maske“ startete und damit das Genre des Kriminalfilms stark beeinflusste, da sah die Welt besagten Genres noch etwas anders aus. „Das Mädchen mit den Katzenaugen“ neigt noch viel mehr zum klassischen Kriminalfilm, hat aber schon so einige berühmte Gesichter an Bord, die später in der harten Welle ordentlich mitmischten. Mit dabei sind Joachim Fuchsberger („Der Hexer“, „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“), Gert Fröbe („Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“, „Der grüne Bogenschütze“), Hans Clarin („Das indische Tuch“), Wolfgang Preiss („Scotland Yart jagt Dr. Mabuse“, “Der Henker von London“) und Vera Tschechowa („Die Gruft mit dem Rätselschloss“).

Der deutlichste Unterschied zu besagter Welle war zu Zeiten von „Das Mädchen mit den Katzenaugen“ der Spielort Deutschland anstatt London, was am fertigen Werk jedoch herzlich wenig ausmacht. Geradezu austauschbar wirkt die Stadt innerhalb einer Geschichte, die meist innen an recht wenigen Orten spielt, inhaltlich dafür aber einen komplexen Erzählstrang aufweist. So vielschichtig die Geschichte auch sein mag und so toll die Besetzung auch glänzt und in der jeweiligen Rolle überzeugt, etwas zu lahm ist Eugen Yorks Werk dann doch ausgefallen, kommt der Streifen doch etwas zu steif und umständlich daher, und tritt er manches Mal doch zu lang auf der Stelle. Auch die eingebauten Liebesszenen zwischen Katja und Norbert wollen sich nicht gut ins Gesamtbild einfügen, zumal die Chemie zwischen den beiden nicht zu stimmen scheint. Ein völlig rabiater, unromantischer Kuss zwischen den beiden macht dies nur um ein weiteres Mal deutlich.

Immerhin erlaubt sich „Das Mädchen mit den Katzenaugen“ jedoch den Luxus sich mit der Vorgeschichte Zeit zu lassen. Bis Hauptermittler Norbert Wilms ins Geschehen tritt vergeht fast eine halbe Stunde. Um so mehr darf es verwundern, dass der Mittelteil sich zu zäh schaut. Bei Laune gehalten wird man immerhin mit einem schurkisch spielenden Hans Clarin, der seine humorvolle und sensible Seite noch gar nicht zeigen darf und mit einem Gert Fröbe, der vom Alkohol so herrlich fertig und heruntergekommen spielen und aussehen darf, dass es eine Freude ist ihn einmal so ganz anders zu sehen, trotz der Tragik seiner Rolle.

Um heute noch vom Hocker zu reißen fehlt dem fertigen Werk jedoch die nötige Dynamik in der Erzählung, sowie die ein oder andere Überraschung innerhalb einer Geschichte, die viel zu vorhersehbar ausgefallen ist. Vieldreher Eugen York, der seit der 30er Jahre als Regisseur tätig war, im selben Jahr von „Das Mädchen mit den Katzenaugen“ auch noch die Kriminalfilme „Der Greifer“ und „Der Mann im Strom“ (beide mit Hans Albers in der Hauptrolle besetzt) inszenierte und mit „Der Nebelmörder“ später auch noch in der harten Welle mitmischen durfte, schafft es nicht dem hier besprochenen Werk einen eigenen Stempel aufzudrücken. Zu austauschbar guckt sich das fertige Werk. Gut genug um ihn sich als Vielseher des Genres mit geringen Erwartungen einmal zu geben ist „Das Mädchen mit den Katzenaugen“ durchaus. Mehr aber auch nicht!  OFDb

26.05.2015

SCHREIE IN DER NACHT (1969)

Das Grundkonzept des Films klingt zunächst einmal interessant. Eine Gruppe von Menschen, die alle Dreck am Stecken haben, veranstaltet nachts im Haus eines Unbekannten, der ihnen bei einem Unwetter Zuflucht gewährt, eine Seance, bei welcher ein jeder der glaubte die Wahrheit eines vor zehn Jahren vergangenen Verbrechens zu kennen, die kompletten Ereignisse besagter schicksalhafter Nacht erfährt. Hierfür wird viel mit Rückblicken gearbeitet, die nach und nach für Klarheit sorgen. Schicht für Schicht wird die Wahrheit freigelegt. Währenddessen müssen sich die Gäste fragen ob die Mutter des Gastgebers wirklich ein Medium ist, oder ob das alles nur ein linkes Spiel zufällig Eingeweihter ist.

Allein aufgrund dieses Rätsels pendelt der Film zwischen Horror und Thriller hin und her, wird dabei jedoch nicht, wie das Cover von X-Rated dreist behauptet, ein Giallo oder ein Kriminalfilm im Edgar Wallace-Stil. Es verkauft sich halt gut in einer deutsch-italienischen Zusammenarbeit selbiges zu behaupten, zumal Spätwerke der Rialto-Wallace-Reihe eine Symbiose aus beiden Filmrichtungen präsentierten. Mit Joachim Fuchsberger an Bord war die Neugierde für das deutsche Publikum 1969 sicherlich geweckt, und wäre der Film so deutsch wie in der OFDb behauptet, könnte er sicherlich auch wie gewollt funktionieren.

Aber leider ist „Schreie in der Nacht“ ein sehr italienischer Film. Und das italienische Schundkino, zu welchem der Streifen zählt, hat nun einmal keinen Zugang zu psychologischer Glaubwürdigkeit, und Regisseur Antonio Margheriti, der so reißerischen Trash inszenierte wie „Asphalt-Kannibalen“, „Einer gegen das Imperium“ und „Das Alien aus der Tiefe“, besitzt einen Zugang dazu erst recht nicht. Er liefert das ab was er beherrscht: eine Billigproduktion angereichert mit quantitativen Elementen wie nackter Haut, Verschwörungen und spirituellem Hokuspokus.

Dieser quantitative Schund mag im Italo-Kino ja oftmals funktionieren, allein was es an sehenswerten Giallos zu erleben gibt, denen ebenfalls eine glaubwürdige Psychologie fehlt, zeigt wie gut das italienische Kino jenseits des Mainstreams sein kann. Aber wenn man bedenkt was „Contronatura“ (Originaltitel) möchte, übernimmt sich Margheriti mit seinen geringen Fähigkeiten auf übelste Weise, und serviert statt einem packendem Psychogramm einen lächerlichen Langeweiler, der so penetrant reißerisch erzählt ist, dass man sich für Fuchsberger für sein Mitwirken fremdschämt.

Glaubwürdig ist hier nichts, weder die Zufälligkeit wie die Gesellschaft zusammenfindet, noch die Rückblicke in welchen uns keine jüngeren Figuren als zehn Jahre später begegnen. Die Bereitschaft zur Seance widerspricht den Grundcharakteren, die nicht gerade sehr tief gehen, und der Weg zum Ziel ist gespiekt mit reißerichsten, auf niedere Instinkte des Zuschauers abzielenden Elementen, anstatt mit interessanten Informationen, die bislang Gezeigtes intelligente Wendungen bescheren.

„The Innaturals“ (Alternativtitel) war leider der falsche Stoff für banalstes Trivialkino im Italo-Stil. Deswegen funktioniert er auch nicht alternativ auf schlichterer Ebene. So schön die Kulisse des verlassenen Hotels auch ist, sie ist auf Dauer zu monoton. Die Musikuntermalung nervt mehr, als dass sie eine stimmige Atmosphäre heraufbeschwören könnte, die Schauspieler verkörpern ihre eindimensionalen Charaktere sichtlich mit Müh und Not, und auf Dauer ist man auch die Rückblicke und das Geschwafel des Mediums leid, die als einziges die viel zu langweilige Geschichte vorwärts bringen, die Margheriti krampfhaft mit lesbischer Erotik versucht aufzupeppen.

Das Konzept klingt gut, sogar noch in der reißerischen Trash-Variante, und als Kurzfilm innerhalb eines Episoden-Horrors hätte die Geschichte bei besserer Charakterisierung und dem Verstehen der Figuren sogar gut funktionieren können, aber in einem Langfilm bei gleichen Schwächen führte das leider zu einem Totalversagen. Das überrascht mich schon ein wenig bei Billigfilmer Margheriti, hat er mich auf Routineebene doch sonst meist schlicht unterhalten. Seinem „Schreie in der Nacht“ kann ich in seiner peinlichst reißerischen Inszenierung, die wohl nur ein echter Macho nachvollziehen kann, jedoch nichts, aber auch wirklich gar nichts abgewinnen.  OFDb