Donnerstag, 18. Oktober 2012

GRIZZLY RAGE (2007 David DeCoteau)


Die Schule ist aus, der Abschluss in der Tasche, also unternehmen vier Freunde eine Reise im Auto und nehmen spontan einen Ausflug in den Wildpark mit ins Programm, um zur Feier des Tages etwas Verbotenes zu unternehmen. Der gedankenlose Trip endet mit dem Überfahren eines jungen Grizzly-Kindes, und von nun an ist die wütende Frau Mama den Reisenden auf der Spur, um blutige Rache zu nehmen...


Jetzt kann er schlafen, der kleine Bär...

David DeCoteau, einst Amateurfilmer, dann häufig für Schund-Produzent Charles Band tätig, aber egal was anlag, immer nur im B-Film-Sektor unterwegs, ist eingefleischten Genre-Fans ein Begriff, während der Rest der Welt bei der Nennung seines Namens nur mit den Schultern zucken kann. Man weiß nicht zu welcher Seite man gehören will, bringt Unwissenheit doch auch so viel Gutes mit sich, aber DeCoteau, so selten er auch Talent aufblitzen lässt, gehört zumindest nicht zu jener Art Regisseure, über die man sich ernsthaft ärgern würde.

Gute Filme kann man bei ihm suchen gehen wie die Nadel im Heuhaufen, auf unfreiwillig komischer Basis wissen seine Werke jedoch häufig zu unterhalten, manchmal sogar auf Trash-Basis darüber hinaus. „Grizzly Rage“ ist im Lebenswerk DeCoteaus eine spezielle Nennung wert, dürfte der Streifen doch zu den kostengünstigsten Produktionen seines Lebens gehören, alles andere würde mich zumindest wundern. Man kommt mit gerade mal vier Darstellern aus, lässt diese nie auf den Bär stoßen und schnappt sich stattdessen Nahaufnahmen eines brüllenden Grizzly-Gesichtes und Aufnahmen gemütlicher Spaziergänge des Teddys, die nicht gerade nach Aktion, Bedrohung oder Rache schreien.

Auf dem Finanzplan stand dann noch ein Auto, ein kostengünstiger Drehort in der Botanik und das Einkaufen fetziger Lieder, die nicht nur für fehlende Stimmung sorgen soll, sondern auch noch dafür geeignet sind den Film auf Spielfilm-Länge zu strecken, in dem man minutenlange Aufnahmen des Fahrens, Laufens oder anderer Banalitäten mit besagten Songs untermalt und damit Aktion vortäuscht.

Selbst Liebhaber solcher Stücke werden damit nicht ausgetrickst, aber scheinbar dachte unser Stammregisseur des Trashs es wäre dennoch einen Versuch wert. Die Wahrheit sieht erschreckend anders aus. Vier Figuren, nicht eine einzige Nebenfigur (und sei sie auch nur dafür da vom Grizzly getötet zu werden), - da kann einem schon mal langweilig werden. Klar gibt es Filme wie „Strays - Blutige Krallen“, die es schaffen ohne besondere Vorkommnisse eine längere Laufzeit interessant zu gestalten, so dass man Aktionen, für die man einen Horrorfilm gucken möchte, gar nicht erst vermisst. Aber DeCoteau hatte nicht nur Kostengünstigkeit auf dem Produktionsplan stehen, sondern auch noch einen ziemlich miesen Drehbuch-Autor an der Seite, der einen lediglich mit dem typischen Muster an Figurenkonstellationen abfertigt, wie man sie schon zuhauf ertragen musste.

So etwas wie eine Persönlichkeit ist bei keinen der Vier zu erkennen, soweit also zur Charakterzeichnung. Womit füllt man ansonsten einen Film, dessen einzige Story daraus besteht, dass eine trauernde Bärenmama Jagd auf vier junge Menschen macht, wenn dem Zuschauer keine Figuren nahegebracht werden müssen? Ganz einfach: orientiert an der botanischen Umgebung wirft man ein Auge auf „The Blair Witch Project“ und lässt die Gestalten einfach verschiedene Emotionsphasen durchmachen, wobei man sich besonders intensiv dem Aggressions-Potential der Truppe zuwendet, denn Streit weiß ja bereits im Daily-Talk niedere Gelüste zu befriedigen.

Und was streiten sich die vier Dumpfbacken, eine davon weiblich und blond, um unnötigste Themen. Was werfen sie sich alle berechtigter Weise gegenseitig Dummheit vor, während sie sich unberechtigt von jeder Mitschuld freisprechen. Sie schimpfen und streiten, werden einem dabei von Minute zu Minute unsympathischer, und der erfahrene Genre-Fan weiß bereits durch die kleinen Bärenaufnahmen, die DeCoteau einem gütiger Weise zuwarf, dass die Rettung nicht in Form von Tieraction zu erwarten ist.

O.k., es ist lobenswert keinen Teddy aus der Computerwelt vorgesetzt zu bekommen, doch wenn man sich eines echten Tieres annimmt, so wäre doch ein Hauch Tierdressur wünschenswert gewesen, anstatt zufällige Aufnahmen des Tieres sichten zu müssen, bei dem sich der Zuschauer selbst zusammenreimen muss, dass das Tier von Rache getrieben wird und gefährlich ist. Die spannende Musikuntermalung hilft dem Filmfan dabei dies zu erkennen, während der Teddy gemütlich durch die Gegend stapft, so als könne er keinem Lebewesen ein Haar krümmen.

Wie gesagt sind Mensch und Tier nie gemeinsam im Bild, höchstens mal eine künstliche Bärentatze, und schlägt diese einmal zu, wird CGI-Blut auf die Kameralinse gespritzt, und Menschenkörper fliegen durch die Luft. Gore-Freunde erleben das höchste Gut des Streifens in der Beinverletzung einer der Nervensägen, die betroffener Person nicht sonderlich geschadet zu haben scheint, legte er damit doch die Strecke in der halben Zeit zurück, für die er im gesunden Zustand auf dem Hinweg doppelt so lange brauchte.

Aber da streifen wir bereits den Bereich der Logik, die man in Projekten wie „Grizzly Rage“ suchen kann bis man so bescheuert wird wie die Protagonisten selbst. Autoschäden, die keine sind, Fehler die schwer zu glauben sind, es ist auf dem ersten Blick nicht viel was hier unsinnig ist, man muss jedoch auch bedenken, dass der Film nicht viel erzählt. Und unter diesem Aspekt wird klar, dass gar der Großteil vor Unsinnigkeit nur so trieft.

Diese Aneinanderreihung an Untalent und Unverschämtheit dies einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, sorgt immerhin dafür, dass Trash-Freunde im lustigen Beisammensein Freude mit dem Werk haben können. Zumal DeCoteau ab und an das Talent aufblitzen lässt einen Spannungsbogen zu kreieren, der jedoch von den schlechten Tieraufnahmen direkt im Keim erstickt wird. Echten Freunden der Gattung Tier-Horror sei jedoch von diesem Un-Werk abgeraten.


Trailer,   OFDb

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