Freitag, 30. November 2012

DOLL GRAVEYARD (2005 Charles Band)


Einst gab es ein Mädchen, das spielte mit ungewöhnlichen Puppen. Der Vater sah dies gar nicht gerne und zwang das Mädchen die Puppen zu vergraben. Am besagten Grab geschieht ein Unglück, das Mädchen stirbt und landet mit in der für das Spielzeug bestimmten Grube. Fast ein Jahrhundert später stößt ein Teenager auf eine der Puppen, nimmt sie mit nach Hause, und sie erwacht dort zum Leben. Die zwei anderen Puppen erwachen ebenfalls, dringen in das Haus ein, und zu dritt vereint machen sie Jagd auf die Schwester des Teenagers und ihre Freundinnen...


Unglück vor der Puppertät...

In seinem ca. zehnmilliardensten Puppenhorror übernahm Produzent Charles Band mal wieder selbst die Regie. Der Schriftzug auf diversen Covers und Plakaten ließ, trotz anders aussehender Puppen, eine Fortsetzung von "Dolls" vermuten, dem wohl besten Puppenhorror Bands. Allerdings ließ das Durchlesen der Handlung wieder daran zweifeln, und wenn man "Doll Graveyard" sichtet, ist der Schriftzug des Titels im Film dann auch ein völlig anderer. Diese kleine Produktion steht für sich allein, mit Puppen die den Dämonen aus "Totem" leicht ähneln, in einer Geschichte, die der "Puppet Master"-Reihe am nächsten kommt.

Von einem Film der Firma Full Moon erwartet man nicht viel. Er sollte möglichst nur die Art Trash-Unterhaltung bieten, die dem weniger anspruchsvollen Genrefan auch außerhalb unfreiwilligem Humors Freude bereitet, im besten Falle aber gleich beides bieten sollte. Und die geringen Erwartungen wurden wie so oft bei Mr. Band mal wieder erfüllt. Einem echten Filmfreund kann man von "Doll Graveyard" natürlich nur abraten, aber Freunde kleinen guckbaren Horrorschrotts kann man durchaus nahe legen mal einen Blick zu riskieren, auch wenn es im Schundfilmbereich dieser Art auch besseres zu gucken gibt.

Die Einleitung, die 1918 spielt, ist direkt auch der beste Part des Films. Man wundert sich zwar mit was für Puppen das Mädchen da spielt, aber wenn man sein Klischeedenken ablegt und an die Wirklichkeit denkt, wird einem bewusst mit was für Sachen Freunde oder man selbst als Kind damals gespielt hat, die heute nicht mehr ins Bild des Erwachsenendenkens passen. Also ist das auch völlig o.k. von Band solch abstruse Gestalten auf den Filmfreund loszulassen.

Der Vater der Tochter, der auch im späteren Verlauf des Films den Vater des Hauptdarstellers im Jetzt spielen darf, ist von allen Darstellern der talentierteste. Er muss allerdings auch nur eine stark überzeichnete Figur verkörpern, das ist ohnehin leichter zu spielen als die realeren Charaktere.

Wenn die erste Szene vorbei ist, in der das Töchterchen durch einen Sturz stirbt, von dem sie im Normalfall höchstens Nasenbluten bekäme, wird der Vorspann eingeleitet. Und der hat es in sich. Zu atmosphärischer Musik (einer Band die fast den kompletten Film mit solch netten Liedern untermalt) darf man die Schriftzüge durch eine Nachtwanderung über einen Friedhof beobachten. Dabei wird die Schrift des öfteren auch mal von Sträuchern u.ä. im Vordergrund überdeckt. Für eine Firma wie Full Moon, die alles schnell, schnell, schnell dreht und dazu noch so preisgünstig wie möglich, ist das schon erstaunlich. So stört es auch nicht weiter, dass der Vorspann eine etwas längere Laufzeit benötigt.

Der Hauptteil des Films ist nun der Part, der besonders viel unfreiwilligen Humor bietet. Wenn die Puppen zum Leben erwachen, warum auch immer, werden sie auf zwei Arten getrickst: zum einen gibt es Marionettenszenen, die bessere Variante von beidem, und dreist wie Band ist darf man ansonsten die Puppen nie komplett im Bild sehen, damit sie wer per Hand bewegen kann. Es ist immer das gleiche billige Prinzip. Allerdings ist das Zielpublikum in Amerika auch ein jüngeres, schließlich gibt es nicht umsonst zu all den Puppenfilmen Bands auch immer Produkte aus der Spielzeugbranche dazu.

Aber auch wenn der Film für die Jugend gedacht ist, so könnte man sich bei der Puppenanimation ruhig trotzdem mehr Mühe geben. Andererseitsdarf man sich auf der anderen Seite aber auch ruhig mal schützend vor Charles Band stellen. Er ist nämlich einer der wenigen Fließband-Horrorfilm-Produzenten, die noch nicht auf Computereffekte umgesattelt haben a la Nu Image. Da gucke ich mir lieber schlecht getrickste handgemachte Viecher an, als die miserablen animierten Computerwesen, die viel weniger Wirkung besitzen. Es wäre nur schön Band würde seine Werke wieder mehr im Stil seiner 80er Jahre-Filme drehen, dann kämen sogar richtig nette Werke bei rum wie "Demonic Toys" und "Dolls".

Der Lächerlichkeiten gibt es wie erwähnt genug. Bestes Beispiel: wenn die Puppen erwacht sind, laufen die geschockten Teens durchs Haus, immer wieder auf eine der vier Puppen treffend. Warum sie das Haus nicht einfach verlassen, wird wohl für immer ungeklärt bleiben. Außerdem sind die Puppen nicht einen Hauch bedrohlich. Sie bewegen sich langsam und dürften leicht zu vernichten sein. Aber unsere Teens warten lieber geduldig bis die Puppen in der richtigen Position stehen, wo es bereits schwieriger wird sich gegen sie zu wehren (freilich nur im Vergleich zu vorher, einfach ist das ganze immer noch).

Die Art wie sie sich gegen die Kreaturen wehren, wenn sie es denn dann mal tun, ist einfach nur erbärmlich zu nennen, auch für überzogen dargestellte Tussen (jetzt hätte ich fast Püppchen geschrieben, aber das wäre dann zu verwirrend geworden). Auch die Dialoge sind mal wieder unter aller Sau, wobei es da aber auch schlimmere Filme wie z.B. "The Dark Area" gibt.

Charles Band klaut mal wieder fleißig bei sich selbst. So erinnert die schießende Puppe (die dabei entweder nie jemanden trifft oder einfach keine tödliche Munition hat) unweigerlich an den sechsarmigen Cowboy aus "Toulons Rache". Der 1. Weltkrieg-Soldat attackiert die Menschen mit seiner Spitze auf dem Helm, was ungefähr wirkt wie der Bohrerkopf aus der "Puppet Master"-Reihe.

Dass man blutige Effekte hier mit der Lupe suchen kann und es so gut wie keine Toten gibt, brauche ich kaum noch zu erwähnen. Letzteres wäre eh kaum möglich, wo doch maximal 10 Personen in diesem Streifen mitspielen.

Das Ergebnis ist immerhin freiwilliger Schund geworden, der recht flott inszeniert wurde. Das liegt unter anderem an der sehr kurzen Laufzeit von etwas über 70 Minuten. Zieht man den langsamen Vor- und Abspann ab, bleibt nur noch etwa eine Stunde über. Der Abspann ist übrigens derart lahm, dass der Text wenn er unten steht 28 Sekunden braucht um den oberen Bildrand zu erreichen. Ob ich nichts besseres zu tun habe als mich mit solchen Unnötigkeiten zu beschäftigen? Hmmmm... gute Frage! 


Trailer,   OFDb

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