Mittwoch, 22. August 2012

BODO (1989 Gloria Behrens)


Bodo ist ein intelligenter Junge, aber ein Verlierer. In der Schule wird er von den stärkeren Jungs gehänselt und von den Mädchen ignoriert. Seine erfolgsverwöhnten Eltern wünschen sich einen Gewinnertyp, so dass Bodo regelmäßig einen Psychiater zur Selbstbewusstseinsstärkung aufsuchen muss. Das Computergenie hat es satt und bastelt sich einen Klon, der all die Charakteristiken verkörpert, die dem Original fehlen. Zur Herstellung seines Ersatz-Ichs zapft Bodo einen Firmencomputer an. Auf diese Weise wird ein Detektiv auf den Jungen aufmerksam, der sich immer seltsamer zu benehmen scheint...


Klon sucht Herz...

Die Welt außerhalb des Hauses von Bodos Familie tickt ziemlich normal und ist nicht so schön, wie sie vielleicht sein sollte. Daheim selbst geht es schon etwas schräger zur Sache: ein Kampfsport-vernarrter Vater der Bodo auf recht ungewöhnliche Art und mit Übermut zu mehr Tatendrang animieren will, ein Roboter in der Küche, der sich nicht immer an seine Programmierung hält und einiges mehr. Die schrägen Erfindungen gehen auf das Konto des Genies Bodo, aber warum seine Eltern so comichaft übertrieben sind, obwohl sie Alltagsprobleme vermitteln sollen, ist nicht ganz verständlich, zumal Bodo kein Fantast ist. Dem Film schadet es aber ohnehin nicht, höchstens mit zu strengen Erwachsenenaugen.

Die Story um einen Loser, der sich einen coolen Klon schafft, ist trotz einiger Szenen die sich in die Länge ziehen recht kurzweilig ausgefallen. Dem kleinen Zuschauer hilft der Film ungemein sich besser zu fühlen und für einen kurzen Augenblick über sich hinaus zu wachsen. Die beiden Bodo-Darsteller haben sichtlich Spaß an ihren Rollen, und das schwappt auch auf den Zuschauer über.

Die hübsche Teenagerin, deren Herz Bodo erobern will, ist als einzige Rolle eher unpassend besetzt. Sie darf nur hübsch sein und grinsen, einzig das ist ihr Part. Dass sie außerdem viel zu alt für Bodo ist, ist leider ein Manko welches Komödien mit jungen Teenagern häufig besitzen, so z.B. auch „Hausarrest".

Die einzigen "Comicfiguren", die außerhalb des Elternhauses agieren, sind die Detektive, die sich Bodos Klonwissen zu eigen machen wollen. Sie sorgen für einige mehr oder weniger gute Lacher und steuern den Handlungsverlauf zum Finale hin. Die Rolle des Psychiaters bleibt ziemlich normal gezeichnet, dafür wirkt die Therapie selbst charmant überzogen.

Die Musik kann Erwachsene schon nerven, es sind allerdings lauter kleine Ohrwürmer, die genau für das Zielpublikum komponiert wurden. Aufgrund der sehr kindlichen und uncoolen Songs mag es sein, dass im Gegensatz zu den Jung-Teenies der 80er Jahre, den heutigen Kids das zu Hörende nicht mehr schmeckt.

Das Drehbuch ist trotz seiner Logiklöcher recht einfallsreich und wartet mit einigen kleinen Seitenhieben auf. Wenn der Bahnhof z.B. am Ende des Streifens auf dem Schild am Gleis als Zielbahnhof "Herzfeld" anzeigt ist das nicht zufällig: Klon-Bodo sehnt sich nach einem Herzen (ob er es in Oz finden könnte?). Und wenn Bodo 1 Bodo 2 erklärt: "Ein Herz kann man nicht programmieren", kommt direkt hinterher: "Oh man, das klingt ja wie ein deutscher Schlager." Lindenbergs Hit ist halt bis heute nicht vergessen. Dieses Beispiel bleibt kein Einzelstück an Gags, die für das eher unwichtige Erwachsenenpublikum gedacht sind. So gibt es beispielsweise eine Situation in welcher Bodo von Bodo 2 ausgesperrt wird und das Original gegen die Haustür bummert während es ruft: "Lass mich rein! Ich habe Dich erschaffen!" Dann grübelt er kurz und sagt: "Jetzt höre ich mich ja schon wie Frankenstein an."

Neben allem Augenzudrücken (Warum benötigt Bodo Energie? Warum nimmt der Vater beim Schwertkampf Verletzungen seines Sohnes in Kauf? Warum besetzten die Macher keine Zwillinge die sich ähnlicher sehen?...) bleibt als eine der wenigen echten Wermutstropfen das peinliche Rumgehampel der beiden Freunde von Bodos Gegenspielers bei deren Musikproben. Andererseits wirkt das Schauspiel der Kinder, auch der für Hauptrollen besetzten, ohnehin überraschend amateurfilmhaft, was schon verwundert, da „Bodo“ offiziell im Kino lief. Der Streifen ist aber ohnehin nichts großes von den "Männer"-Machern, aber er sorgt für Kurzweile im Kinderzimmer. Besorgte Eltern können zugreifen: der Film an sich ist doch sehr harmlos.


1 Kommentar:

  1. Ich kann mich noch an meine "Bill & Teds Bogus Journey" VHS erinnern. Dort war ein Trailer von Bodo drauf und irgendwann habe ich mir dieses Filmchen in der Videothek gekauft. Nur seltsam das ich mich auch jetzt nur vage an den Trailer erinnern kann denn wirkliche Spuren hat dieser Film nicht hinterlassen. Sehen würde ich ihn der guten alten Zeiten willen trotzdem wieder mal gerne.

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