Samstag, 18. August 2012

GENESIS - STADT DER LEBENDEN TOTEN (The Stepford Children 1987 Albert J. Levi)


Eine Familie zieht nach Stepford. Dort angekommen stellen die beiden jugendlichen Kinder der Familie fest, dass ihre Altersgenossen sich vergleichsweise viel zu brav und bieder benehmen. Auch Stepfords Frauen verhalten sich merkwürdig, agieren sie doch wie brave Hausmütterchen. Wer zunächst normal scheint, wird mit der Zeit wie die anderen. Während der Sohn der Familie Unglaublichstes erlebt, zweifelt die Mutter sehr lange, bis auch ihr ein böser Verdacht kommt. Der einzige der alles als normal empfindet ist der Vater der Familie. Dieser wohnte allerdings vor 18 Jahren schon einmal in diesem ominösen Ort. Eines Tages mutiert die Tochter der Familie zur Spießbürgerin...


Erst grinsende Jeannie, dann Grinsebekämpferin...

Im dritten Teil der Stepford-Reihe arbeitet man wieder mit der Idee des ersten Teils: Menschen werden durch Roboter-Doppelgänger ersetzt. Es sind welche auf organischer Ebene, aber dennoch Roboter. Da diesmal nicht nur die Frauen Stepfords betroffen sind, sondern auch die Kinder, wirft dies die Frage nach einem Alterungsprozess auf. Die Frau mag ja ewig jung aussehen sollen, aber wollen die Männer Stepfords tatsächlich ein Leben lang Kinder bei sich zu Hause wohnen haben? Werden die Roboter alle paar Jahre ausgetauscht, um sie an ein neues Alter anzugleichen? Das sind Fragen, auf die es keine Antwort gibt.

Wie schon in den Vorgängern erfahren wir ebenso wenig über die Entsorgung der ersetzten Originale. Und Teil 2 schien man inhaltlich komplett zu ignorieren, dabei wäre es doch ganz nett gewesen zu erfahren, wie die Stepfordfrauen-Revolution wieder ins Lot gebracht wurde.

Man liest es heraus, das Grundgerüst von „The Stepford Children" (Original) ist noch wackeliger als das seiner Vorgänger. Doch ebenso wie „Terror in New York", so ist auch „Genesis - Stadt der lebenden Toten" lediglich eine TV-Produktion. Im Gegensatz zu Teil 2 will man den Kino-Hit diesmal nicht fortsetzen, man möchte ihn eher neu erzählen. Und um nicht komplett zu klauen, griff man zur Ergänzung jenes Thema auf, welchem sich auch später „Dich kriegen wir auch noch" bediente: wie manipuliert man Teenager zu braven Mitbürgern?

In Amerika ist das Thema braver Teens seit langer Zeit ein brisant diskutiertes, immerhin werden dort viele Jugendliche mit Drogen in strebsamere Menschen verwandelt. Die Verwandtschaft zur Gesellschaftskritik im dritten Stepford ist unübersehbar! Die Kinder laufen konservativ gekleidet umher, benehmen sich wie junge Erwachsene und erzielen freilich nur Bestnoten im Unterricht.

Das Thema könnte so zeitlos sein, gerade im immer weiter um sich schlagenden Sog der Leistungsgesellschaft, wäre da nicht der Gothic-Haarlook der Tochter und andere Modeerscheinungen, die sofort auf die 80er Jahre verweisen. Zudem, wie geradezu typisch für das Jahrzehnt in welchem „Die Kinder von Stepford" (Alternativtitel) erschien, greift die vorhandene Gesellschaftskritik nie zu tief, soll doch der Unterhaltungswert im Vordergrund stehen, und aus irgendeinem Grund erschien die Kombination aus beidem nicht mehr möglich, ein Irrtum der sich bis in die heutige Blockbuster-Zeit hinein zieht.

Etwas überrascht darf man über die Besetzung mit Barbara Eden in der Hauptrolle sein. Würde man nach ihrer berühmtesten Rolle, jene aus „Bezaubernde Jeannie“ gehen, könnte man vermuten sie eher als klassische Stepford-Bewohnerin erleben zu dürfen. Gegen den Strich besetzt fällt Eden in der gegenbesetzten Rolle der Rebellin nicht sonderlich negativ auf,  auch wenn ihre Charakterisierung schon wesentlich braver und dem US-Familienbild typischer ausfällt, als jene ihrer Vorgängerinnen aus „Die Frauen von Stepford" und dessen Fortsetzung.

Selbiges gilt für die Geschichte von Teil 3. Erzählt wird die immergleiche Story, diesmal wird sie jedoch routinierter angegangen und weist manch geglättete Spuren auf, die in den Vorgängern noch einen individuelleren Touch beschert bekamen. Der Unterhaltungswert ist dennoch hoch genug ausgefallen, um auch von „Genesis - Stadt der lebenden Toten" nicht enttäuscht zu werden, vorausgesetzt man weiß zuvor, dass man eine kleine TV-Produktion sichtet, die lediglich 90 Minuten unterhalten soll.

Wie glaubwürdig die Schlüsselszene ist, in welcher die Rolle der Barbara Eden auf dem Friedhof die Exfrau ihres Gatten ausbuddelt, einen alten, funktionsunfähigen Roboter, ist zu diskutieren. Ob die Gemeinde, bei all dem was sie zu vertuschen hat, tatsächlich Beweise vergraben würde, die durch Zufall entdeckt werden könnten, darf zurecht bezweifelt werden. Wahrscheinlicher wäre die Alternative, dass in diesem Punkt selbst die Stepfordmänner von den Drahtziehern des Männervereins betrogen werden, so dass die Mitläufer weiterhin glauben ihre Frauen wären beerdigt, während die Särge in Wirklichkeit leer sind.

So wenig konsequent diese Idee angegangen wurde, so sehr muss ich doch gestehen dass sie effektiv und atmosphärisch umgesetzt wurde. Somit ist bis auf einige Wermutstropfen aus „Die Kinder von Stepford" ein nettes Durchschnitts-Filmchen geworden, nicht mehr und nicht weniger. Man kann ihn auch gucken ohne die Vorgänger zu kennen, sollte sich dann aber nicht vom irre führenden deutschen Titel „Genesis - Stadt der lebenden Toten" verarschen lassen, der absichtlich die Zombiethematik suggeriert, und das obwohl sie im Entstehungsjahr bereits abgeflaut war.

Interessant an der zweiten Fortsetzung ist die Tatsache, dass die Geschichte sich diesmal hauptsächlich um die Teenager dreht, man aber dennoch die Mutter ins Zentrum allen Erlebten setzten, anstatt in der Teenie-Welle mitzuschwimmen, die seit Anfang der 80er Jahre im US-Kino einfach nicht abreißen wollte. Eben auch weil hier sehr wichtige Themen gestreift werden, die immer mehr aus unserer Gesellschaft ausgeblendet werden, ist dies eine gute Entscheidung gewesen. „Genesis“ mag sich hauptsächlich dem Unterhaltungssektor zuwenden wollen, aber da unsere Gesellschaft immer mehr einem Gruselkabinett gleichgeschalteter Roboter gleicht, ein Fakt der mich schon ein wenig verängstigt und sehr geglückt in „Shaun Of The Dead“ thematisiert wurde, freut es mich um so mehr, dass es Filme wie den hier besprochenen gibt, und mag er noch so simpel ausgefallen sein.


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