Samstag, 25. August 2012

HOUSE (1986 Steve Miner)


Nachdem seine Tante stirbt, zieht Schriftsteller Roger Cobb in das Haus der Verstorbenen. Dass es hier spuken würde, hat seine Tante immer behauptet, und nun muss Cobb feststellen wie recht sie hatte. Ein ungünstiger Zeitpunkt: Rogers Roman über den Vietnamkrieg muss endlich fertiggeschrieben werden, und ein nerviger Nachbar macht sich Sorgen um den Geisteszustand des Autors...


Tanz der Teufel Junior...

"House" ist ein kleiner Klassiker im Bereich der Horror-Komödien. Und auch wenn er sich überwiegend auf den Komödienteil konzentriert, so wird der Horrorpart doch trotzdem mehr als nur gestreift. Vom Typ her ist "House" für mich eine jugendfreundlichere Variante von "Tanz der Teufel 2". Rein thematisch gehen beide Filme in verschiedene Richtungen, aber beide spielen auf die selbe Art und Weise mit dem Zuschauer.

Aufgebaut auf einer  relativ dünnen Geschichte werfen sie beide dem Zuschauer jede Menge Zutaten zum Lachen, Gruseln und Erschrecken zu, so dass man meist nicht vorhersehen kann, was wohl als nächstes passiert. Man muss jederzeit mit allem rechnen, weil man weder Regeln noch Beweggründe kennt. Dass "Tanz der Teufel 2" dabei schlussendlich besser abschneidet, liegt an seiner klareren Linie. Aber auch "House" weiß zu punkten.

Neben seiner sympathischen und eher ruhigen Erzählweise hat Steve Miners Horror-Komödie als Trumpf zwei wirksame Charaktere vorzuweisen. Da wäre zum einen die Hauptfigur Roger Cobb, die in der deutschen Fassung auch eine passende Synchronstimme beschert bekommen hat. Roger ist intelligent, aufgrund privater Probleme zur Zeit etwas neben der Spur, aber vom Herzen her ein guter Mensch. Zum anderen gibt es den herrlich nervigen Nachbarn, der es auf seine schlampige Art nicht einmal schafft seine Bücher zu lesen ohne diese komplett zu zerstören - was laut seiner Ansicht freilich an der Schluderigkeit wie Bücher heutzutage gebunden werden liegt. Diese unterschiedlichen Typen werden allein in ihren gemeinsamen Dialogen konsequent durch ihre Wortwahl stilistisch getrennt, ihr Verhalten entfernt sie noch mehr voneinander.

Weiterer Trumpf des Films ist die düstere Cello-lastige Musik. Sie weiß den Zuschauer zu fangen, so dass dieser sich schnell in der Atmosphäre des Streifens wiederfindet. Hat man sich gerade an den dunklen Sound gewöhnt, wird auch gerne einmal plötzlich ein kleines, flotteres Lied eingespielt. Somit wechselt der Soundtrack ebenso wie die Handlung zwischen Horror und Komödie und weiß mit beidem gelegentlich zu überraschen.

Auch die vielen Kreaturen des Filmes sind fantastisch und mit viel Liebe umgesetzt. Sie wirken heutzutage freilich ein wenig überholt, aber sie sind zumindest noch handgemacht, was sie charmant genug erscheinen lässt um über kleine optische Defizite hinwegzusehen. Wer qualitativ als echter Hingucker herausragt, ist der Endgegner, der Jason schon etwas von sein Aussehen aus „Freitag der 13. 7 - Jason im Blutrausch“ vorwegnimmt und auch gleich den lustigsten Spruch des Films präsentieren darf: "Da komme ich extra aus dem Grab zurück und dann geht mir die Munition aus!"

Was die Geschichte betrifft, so kann ich nicht nur lobende Worte äußern, leider, dabei wurde vieles recht gut umgesetzt. Die wechselnden Erzählstränge zwischen Vietnamkrieg und Gruselhaus laufen interessant parallel nebeneinander her und werden später gut miteinander verbunden. Auch der Aufbau der Charaktere weiß zu gefallen, und ebenso lobend kann man darauf verweisen wie gelungen die ersten Gruselmomente im Haus inszeniert wurden. Im Gegenzug dazu ist das Finale erfrischend flott umgesetzt und mit dem Herabsteigen in die Welt hinter dem Spiegel sogar sehr mystisch eingeleitet. Gerade diese Szene regte meine Phantasie in der Jugend extremst an, und Momente wie jener, als der geflügelte Dämon aus dem Nichts zu kommen schien, verfehlten ihre Wirkung nicht, ganz im Gegenteil.

Andere Elemente werden hingegen leider recht stümperhaft eingeführt. Sehr deutlich zeigt sich z.B. ein Defizit im witzig gemeinten, aber zu ruppigen Übergang, in welchem der Schriftsteller kurzfristig zum Babysitter wird. So witzig einzelne Momente dieses überraschenden Zwischenplots auch ausgefallen sind, er wirkt zu zwanghaft eingebracht, bringt den Erzählrhythmus arg durcheinander, und zum Charaktzer Cobbs will es so gar nicht passen sich derart plump überrumpeln zu lassen. Spätestens wenn Cobb den kleinen Jungen nachts im Gruselhaus badet, macht überhaupt nichts mehr Sinn. Spätestens hier ist man an dem Punkt angekommen zu resignieren, da man in Sachen Nachvollziehbarkeit und Storyzusammenhang nicht mehr viel zu erwarten und zu erhoffen hat.

Am Schluss bleibt einem ein atmosphärisch dichter Film in Erinnerung, der neben einigen ruppigen Elementen im Erzählstrang auch irgendwie etwas lückenhaft und wackelig wirkt. Da man aber die Mühe hinter all dem sieht, die Darsteller mit Spaß an der Freude dabei waren und der Zuschauer immer wieder mit Überraschungen bei Laune gehalten wird, gehört der Film trotz aller negativen Elemente meiner Meinung nach zu Recht zu den kleinen Klassikern seines Genres.

Manche Szenenwechsel sind zu ruppig angegangen, was sich manchmal auch recht unpassend an der ebenso plötzlich abgebrochenen Musikuntermalung zeigt. Im Gegenzug ist der inhaltliche Situationswechsel, von der Babysitter-Situation einmal abgesehen, stets gelungen und weiß den Zuschauer immer wieder auf andere Art zu überraschen. Humor und Grusel geben sich die Hand und vereinen sich trotz Herstellungszeit-bedingter Gemütlichkeit zu einem flotten Cocktail, der nicht nur Horrorfans gefallen wird.


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