Sonntag, 2. September 2012

THE APE (Ape 1976 Paul Leder)


Ein eingefangener Riesenaffe entkommt, trampelt Bauwerke nieder und entführt eine erfolgreiche Schauspielerin...


Dancing King...

Im selben Jahr, in dem das Original nach Edgar Wallace neu verfilmt wurde, ganz klassisch unter dem Titel „King Kong“, drehten die Südkoreaner in Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten von Amerika einen dusseligen Mitläufer für die schnelle Mark und kreierten damit eine unterhaltsame Lächerlichkeiten des Horror-Genres. Regisseur Paul Leder, dem wir nicht nur den hier besprochenen Streifen zu verdanken haben, sondern auch Werke mit Titeln wie „Cobra Attack“, „Der Würger“ und „Zeit der Geier“, stellt sich selten dämlich dabei an dem Streifen möglichst Gehalt zu bescheren..

„A*P*E*“ (Alternativtitel) ist sinnlos zusammengeschustert, logisch löchrig wie ein Schweizer Käse, folgt keinem roten Faden, lässt Figuren uninspiriert durch die Handlung hüpfen und ist dabei so unendlich mies getrickst, dass es eine Freude ist beim Scheitern zuzusehen. Sicherlich ist „The Ape“ nicht völlig frei von Komik erzählt. Einen nach Zigaretten gierenden Kommandanten zum Aschenbecher nach Zigarettenstummeln greifen zu lassen, um die Hand dann doch wieder wegzuziehen, ist ebenso freiwillig komisch gemeint wie eine Kuh in Großaufnahme zu zeigen, um den umherwandernden Riesenaffen dann doch über sie hinweg laufen zu lassen. Der Affe besitzt nun einmal Herz.

Das hat er tatsächlich mit seinem Kollegen „King Kong“ gemein. Denn der südkoreanische Konkurrent rettet nicht nur eine in seinen Augen bedrohte Filmschauspielerin, ohnehin betrachtet das Riesenvieh auch gerne mal still schweigend und vor sich hinträumend (so interpretiere zumindest ich die zu sehende Mimik) das Treiben der Menschen und wird dabei trotz seiner 12 Meter-Größe nicht einmal von denen wahrgenommen. So braucht es auch nicht verwundern, dass die eben erwähnte zu Rettende geradewegs in die offene Faust der Kreatur hineinläuft, ohne die Gefahr zuvor wahrgenommen zu haben.

12 Meter groß und doch nicht gesehen werden, das ist nur eine von den vielen lustigen Unsinnigkeiten dieses Streifens. In der deutschen Synchronisation darf ein südkoreanischer Gesetzeshüter im bayrischen Dialekt vor sich hinfaseln, was ihn in unserer Runde zur beliebtesten Figur des ganzen Filmes gemacht hat. Der Affe selbst bewegt sich eher wie ein Discotänzer als wie ein Affe, was dem Streifen weitere Lustigkeit beschert. In wie weit man hier von freiwilligem oder unfreiwilligem Humor sprechen kann, ist äußerst schwierig zu beurteilen, ist aber auch nicht relevant um "Ape" Charme zuzugestehen.

Wie oben erwähnt spricht einer der Übersetzer seine Rolle auf bayrisch. Die Synchronisation des Streifens ist aber ohnehin recht merkwürdig ausgefallen. So bleibt der Affe beispielsweise den kompletten Film über stumm. Manche Mundbewegungen wurden nicht übersetzt und bleiben dementsprechend still, was selbst dann passiert, wenn die selbe Person vorher oder hinterher in der selben Sequenz etwas sagt. Diese Stille ist um so lustiger, wenn man bedenkt, das an anderer Stelle gar das Geräusch von Wasser eingebracht wurde. Aber selbst da stellte man sich dämlich an. Antatt reißendem Wasser hört man ein Plätschern, so als würde der Verantwortliche für die Geräuschkulisse in der Badewanne sitzen und mit den Händen planschen.

Witzig ist bereits der Anfang des Streifens. Da „Der weiße Hai“ noch nicht lange her war, provozierte Paul Leder, ähnlich wie es Emmerich mit dem T-Rex aus „Jurassic Park“ bei seiner Promo zu „Godzilla“ getan hat, die Stärke seines Monsters, um die Überlegenheit bezüglich der Promi-Konkurrenz deutlich zu machen. So stapft der Riesenaffe durchs Meer und schnappt sich dabei einen angriffslustigen Hai, den er amüsanter Weise versucht zu töten, indem er ihn ertränkt. Es fehlten nur noch Sequenzen eines an der Wasseroberfläche nach Luft japsenden Hais, um die Lächerlichkeit zu perfektionieren. Schlussendlich wird der Fisch recht gewalttätig ins Jenseits befördert, wenn der nasse Affe ihm den Kiefer teilt.

Das ist nur ein Schauwert von vielen, denn genau aus diesen besteht das eigentliche Zentrum des Films. Leder zeigt in jedem noch so verborgenen Winkel seines Streifens, dass es ihm wichtig ist immer ein tatsächliches Geschehen aufkommen zu lassen. Wo „King Kong“ erst durch eine Expedition entdeckt und dann eingefangen wird, da startet „Super Kong“ (Alternativtitel) mit einem bereits eingefangenen, auf einem Schiff verfrachtenden Riesengorilla durch, der auch schon nach zwei bis drei Dialogminuten das Weite sucht und dabei das Schiff in einem Feuerhagel zerstört. Genau diese Szene zeigt aber schon den zur Stärke zugehörenden Schwachpunkt. Zwar legt Leder Wert auf Action und Aktion, Geld für Spezialeffekte gab es jedoch kaum. Und so gehört das in Feuer aufgehende Schiff gleich zu den nennenswerten Peinlichkeiten des fertigen Filmes.

Während die Spezialeffekte, das Affenkostüm und der Schauspieler innerhalb diesem für Lustigkeit sorgen, lässt auch der Inhalt der Geschichte manch unfreiwillige Komik auf den Zuschauer los. Fehler wie das Evakuieren des Nordens des Landes, während eine Szene zuvor berichtet wurde, der Affe würde im Süden des Landes wüten, machen „The Ape“ zu einem Meilenstein des schlechten Kinos. Ebenso bescheuert wirkt die Rolle eines Film drehenden Regisseurs, der während der Aufnahme einer Vergewaltigungsszene ruft, der Akteur möge doch bitte zärtlicher vorgehen. Es ist zum Schießen.

Wer also Spaß an Schund hat, der sollte sich dieses Werk der Millionen Alternativtitel („The New King Kong“, „Attack Of The Giant Horny Gorilla“, ...) nicht entgehen lassen. „The Ape“ ist ein Partyknüller. Als ernstzunehmender Film ist er jedoch eine Niete und eine Beleidigung zugleich. Der Zuschauer durfte in den 70er Jahren zurecht empört im Kino sitzen und sich verarscht vorkommen.


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