Mittwoch, 19. September 2012

TOBOR THE GREAT (1954 Lee Sholem)


Weil die Raumfahrt für Astronauten in seinen Augen noch zu viele Unklarheiten bereithält um Menschen hoch zu schicken, erfindet ein Wissenschaftler einen Roboter der die Rakete fliegen soll. Bei einer ersten Vorführung des Roboters Tobor vor einem kleinen, ausgewählten Publikum schleicht sich auch ein ausländischer Spion mit ein, der den Plan verfolgt die Erfindung zu stehlen. Das erweist sich für ihn als schwieriger als erwartet...


Ein metallener Superheld...

Dies ist ein kleiner naiver Roboterfilm aus den tiefen 50er Jahren, der es, soweit ich informiert bin, nie in den deutschsprachigen Raum geschafft hat. Viel verpasst haben wir da eigentlich nicht, recht unterhaltsam ist dieses Science Fiction-Werk allerdings schon.

Der Film beginnt mit der Aufzählung der Errungenschaften der Menschheit und steigt erst dann in eine fiktive Story ein, in der uns der Roboter Tobor lange Zeit vorenthalten wird. Man lässt sich für die Vorgeschichte also Zeit und baut eine Erwartungshaltung beim Zuschauer auf, die zumindest optisch ihren Zweck erfüllt. Wenn Tobor endlich präsentiert wird, bekommen wir eine interessant gestylte Maschine mit Glühbirnenaugen vorgesetzt, die zwar den Körper typischer Klischeeroboter besitzt (quasi ganz im klassischen Stil eines Benders oder des alten „WWF-Club"-Roboters), im Gesicht aber ein völlig eigenes Design vorweisen kann, das meines Erachtens noch von keinem anderen Film kopiert wurde. Tobor sieht interessanter Weise nicht zu menschlich aus, auch wenn der Körper unserer Spezies ihm zum Vorbild diente. Da hätten Filme wie "I Robot" mal besser von gelernt.

"Tobor The Great" handelt nicht, wie manch einer vermuten könnte, von einem bösen Roboter oder einer Maschine die durchdreht, sondern von einer liebevollen Gestalt seiner Spezies. Die Story ist, spätestens mit Einführung des Enkels, recht kindgerecht erzählt. Mich würde es nicht wundern, wenn Tobor eine Comicverfilmung wäre, sie ist der Art damaliger SF-Comics zumindest recht ähnlich.

Tobor reagiert auf Gefühle und Gehirnwellen und baut in der kurzen Zeit ihrer Bekanntschaft eine Art Freundschaft zu dem Enkel des Erfinders auf. Bis zu diesem Zeitpunkt ist der Film ein reines Science Fiction-Märchen mit kleinen Spionagefilm-Einflüssen, denn während einer Tobor-Präsentation für ein kleines Publikum schleicht sich ein ausländischer Spion ein, der ein Russe zu sein scheint. Sobald dieser wieder bei seinen Leuten ist, um zu berichten was er sah und um zu planen wie man diese Erfindung stehlen kann, wandelt sich der Film zu einem Krimi, in dem der Science Fiction-Gehalt fast zweitrangig wird.

Auf billigste Art und Weise, und nicht gerade leise und clever ausgetüftelt, brechen die Banditen auf dem Gelände des Erfinders ein. Auf ebenso plumpe Art lassen sie sich auch wieder von diesem Grundstück vertreiben. Das hatte mehr von "Kevin - Allein zu Haus" als von einem erwachsenen Film, war aber sehr unterhaltsam. Die ganze Prozedur war allerdings derart naiv erzählt, dass es fast schon weh tut sich bewusst zu machen, dass „Tobor The Great" ein Kinofilm war, Menschen also für eine derart blauäugige Geschichte ins Lichtspielhaus gewandert sind.

Da es den Dieben um die Erfindung und nicht um Tobor speziell geht, entführen sie den Erfinder und seinen Enkel, damit man dem Wissenschaftler seine Formeln entlocken kann. Eine Tobor-Steuerung getarnt als Stift aktiviert den Roboter in seinem zu Hause und nun eilt Tobor zur Rettung. Als dieser zunächst zu Fuß in aller Seelenruhe in seiner verhältnismäßig verkrampften, da roboterhaften Art schleichend losmarschiert, denkt man sich als Betrachter dieses Films seinen Teil. Das kann ja ewig dauern bis Tobor zum Retter wird!

Aber dann schnappt sich der Roboter ein Auto, er wurde ja schließlich erfunden um mit Maschinen zu reisen, auch wenn ursprünglich die Rakete gemeint war. Zumindest erlebt man nun die lustigste Optik des Films, denn wie Tobor mit dem Auto umherfährt ist ein Augenschmaus für sich. Eigentlich vermisste ich die Marionettenfäden der späteren Augsburger Puppenkiste, so klassisch und skurril wirkte das ganze auf mich. Zum Schluss ist Tobor der große Retter, schnappt sich auch noch die Verbrecher, beweist spätestens dort was für einen Superhelden-Charakter er hat (so kann er z.B. mit seinem Bein ein ganzes Auto stoppen) und ist der strahlende Held, den es nach besagter Tat sofort zu seinem Freund den Jungen führt, um ihn in den Arm zu nehmen und nach Hause zu tragen.

In der nächsten Szene sitzt Tobor bereits in der Rakete auf dem Weg zum Mars, und der Junge beobachtet den Start und verabschiedet sich von Tobor und wünscht diesem viel Glück. Eigentlich hätte man nun in Folgefilmen eine Art braven „RoboCop“ drehen können, vielleicht sogar mit bekloppten Abenteuern auf den Mars, aber zu einer Fortsetzung kam es nie. Vielleicht, sollte meine Vermutung stimmen, gibt es ja dafür ein paar Comichefte, in denen ähnliches passiert. Ich weiß es nicht.

Bis zum Auftauchen Tobors ist der Film leider etwas zu langweilig geraten. So viel Hintergrund-Story und Charaktervertiefungen sind gar nicht nötig, um für ein solch simples Werk so viel Zeit zu vertrödeln. Taucht Tobor aber dann endlich auf, steht naiver Kurzweile nichts im Weg. Die Darsteller sind o.k. zu nennen, die Musik folgt den aus heutiger Sicht typisch nostalgischen Pfaden, und hin und wieder wird man als Zuschauer mit lustigen Gimmicks überrascht (der Erfinder hat schließlich nicht nur Tobor erfunden, sondern ist auch sonst ein einfallsreicher Mensch). Spaß hat‘s auf jeden Fall gemacht, aber das etwas langatmige Ergebnis ist dann doch eine Spur zu plump und ereignislos geraten, um ihn ernsthaft als Geheimtipp zu empfehlen. Science Fiction-Nostalgiker, die es auch mal weniger böse mögen, sollten jedoch auf jeden Fall einmal reinschalten. Die restlichen Cineasten können das tun, was ohnehin mit dem Film getan wurde: Ihn einfach vergessen! 


Trailer,   OFDb

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