Donnerstag, 20. September 2012

SAW 2 (2005 Darren Lynn Bousman)


Der Massenmörder Jigsaw ist gefangen. Aber mit dem Polizisten, der ihn aufspürte, hat er noch ein Spiel zu spielen und zwar um das Leben seines Sohnes...


Genug gesägt, jetzt wird gecubed...

Da „Saw“ in meinen Augen ein überschätztes Etwas mit pseudointellektuellen Zwischentönen war, hat es gedauert, bis ich mich an die Fortsetzung herangewagt habe. Dass man vielerorts zu lesen bekam, die Fortsetzung sei plumper ausgefallen, gab immerhin Hoffnung auf Besserung, klang es doch danach, dass die ach wie tiefsinnige Philosophie des Originals keine Beachtung mehr geschenkt bekommt.

Das bekam sie leider trotzdem und einige andere Fehler wurden auch gemacht, insgesamt kann sich die Fortsetzung aber sehen lassen, wenn auch nur als kleiner Genrebeitrag für die Wartezeit zwischen zwei guten Filmen.

Was gegenüber Teil 1 auf jeden Fall positiv hervorsticht, ist die sinnigere Kombination aus Ermittlung und Opferszenen. Beide Handlungsstränge gehen Hand in Hand und halten einige Überraschungen bereit. Die größten kommen zum Schluss, doch auch zuvor weiß die Geschichte deshalb zu interessieren, weil es immer wieder kleine Neuigkeiten zu entdecken gibt.

Da stört es auch nur bedingt, dass einen das Szenario verdächtig an „Cube“ erinnert. An dessen Klasse kommt er allein deswegen nicht heran, weil „Saw 2“ einfach das Mystische fehlt. Die Hintergründe sind bekannt und somit verfolgt man das Treiben der Gruppe wesentlich sachlicher als in „Cube“. Passend zur übereinstimmenden Situation, ähneln sich auch die Filmfiguren stark. Das muss nicht wirklich verwundern, so oft wie Hollywood mit Schablonencharakteren um sich wirft, durch des ähnlichen Plots wird die Parallele jedoch unübersehbar und erlebt ihre stärkste Übereinstimmung in der Figur des Aggressors.

Man darf harte und blutige Szenen erleben, und doch war ich überrascht über die Zurückhaltung in diesem Bereich. Zarten Gemütern wird es noch immer schummrig werden, aber für einen modernen Folterfilm hielt man sich erstaunlich und erfreulich zurück. Die wahren Schocker werden ohnehin nicht auf die blutige Art geboten. Eine Frau in einem Spritzenbad mit allerhand Nadeln im Körper geht mir wesentlich näher, als ein Kopf in einer tödlichen Metallfalle, ist die Identifizierung dank persönlicher Erlebnisse damit doch wesentlich höher, und der Fremdschmerz wesentlich persönlicher, als in den vielen anderen, arg konstruierten Fallen des Psychopaten. Nicht falsch verstehen, auch diese sind fies und foltern den Zuschauer recht intensiv.

Um weiterhin bei den positiven Elementen der Fortsetzung zu bleiben, kann ich voller Freude berichten, dass man diesmal einige Hintergründe zu Jigsaw, dem wahnsinnigen Fallensteller, erfährt. Beweggründe wurden teilweise schon im Erstling angesprochen, diesmal geht es eine Etage tiefer. Das gibt nicht wirklich ein tolles Aha-Erlebnis, aber ich war seinerzeit enttäuscht, wie man in Teil 1 nach der Mörderauflösung einfach stehen gelassen wurde, ohne dem Ganzen nun noch einen psychologischen Sinn zu geben.

In gewisser Weise wirkt Teil 2 eine Spur trashiger, ist Jigsaw für ein völlig ernstes Produkt doch eigentlich viel zu comichaft böse dargestellt. Er ist nicht schmerzfrei, doch Schmerz ist ihm egal. Selbst unter Folter gibt er nur die alten ollen philosophischen Kamellen von sich, und äußerlich steht er der Gruselfigur Gevatter Tod in nichts nach, sieht aus wie ein Mix aus Andre Toulon aus der „Puppet Master“-Reihe, aus Peter Cushing zu Zeiten von „Krieg der Sterne“ und „Die Schreckensmacht der Zombies“ und aus dem gealterten Josef Mengele von „Nichts als die Wahrheit“. Das wirkt dick aufgetragen, würde in einem anspruchsvollem Genrebeitrag wie „Sieben“ sicherlich auch verärgern, dem „Saw“-Universum tut es jedoch richtig gut, nimmt es sich doch ohnehin viel zu ernst.

Insgesamt bleibt immer noch ein zu gewöhnlicher Eindruck. Die Figuren sind austauschbar, vieles hat man bereits woanders gesehen, ungefähr weiß man was das ganze soll. Gegen Ende gibt es nach der ersten großen Überraschung eine zweite, die jedoch nicht sehr glaubhaft ist, und deswegen eher einen unangenehmen Nachgeschmack hinterlässt. Auch hier steht sich „Saw 2“ mit seiner zur extremen Ernsthaftigkeit selbst im Weg. Für ein augenzwinkerndes Produkt wäre diese zweite Überraschung sogar eine gute Idee gewesen.

Insgesamt verlässt man sich noch immer zu sehr auf perverse Folterideen, geht aber inhaltlich den Schritt in die richtige Richtung, indem man diesmal auch wirklich eine Geschichte erzählt, wenn auch immer noch eine recht dünne. Die Überraschungen sorgen immerhin für Kurzweile und hin und wieder kommen leichte Spannungsmomente auf. Gerade hier hätte ich mir jedoch einen höheren Gehalt gewünscht, zeigte doch „Hostel“ im selben Jahr in diesem Punkt, wie es auch in diesem fragwürdigen Subgenre möglich ist.


Trailer,   OFDb

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen