Dienstag, 9. Oktober 2012

KOMMISSAR KLEFISCH 4 - TOD AM MEER (1993 Kaspar Heidelbach)


Herr Heiderscheidt, ein Rentner den es nach Frankreich gezogen hat, stirbt. Kurz zuvor wurde er von seinem Enkel besucht, mit dem er sich verstritten hatte. Angeblich soll er sich mit diesem jedoch wieder versöhnt haben. Ein natürlicher Tod? Ermordet vom Enkel? Oder hat mit dem plötzlichen Dahinscheiden des ehemaligen Gemüsehändlers die sehr junge Lebensgefährtin Heiderscheidts zu tun? Klefisch ermittelt...


Was Frauen wollen...

Blieb die Besetzung vor der Kamera stets die selbe, so wechselten bis einschließlich Teil 3 die Regisseure der Klefisch-Filme von Folge zu Folge. An die dritte Fortsetzung wagte sich nun wer Klefisch-erfahrenes, und ob es eine gute Wahl war, ausgerechnet Kaspar Heidelbach auf den Regiestuhl zu setzen, der mit Teil 3 den bislang schlechtesten Beitrag der ohnehin nicht überdurchschnittlichen Krimireihe ablegte, darf im Vorfeld zu Recht angezweifelt werden. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Mit Blick auf Teil 4 scheint der Vorgänger ein Ausrutscher gewesen zu sein. Die Langeweile, die dort herrschte, war weder hier noch in den ersten beiden Filmen um den pensionierten Kriminalkommissar zu entdecken. Orientierte man sich in „Ein unbekannter Zeuge“ an der Klefisch-Charakterisierung des Pilotfilms, so präsentiert man den Ermittler diesmal wieder eine Spur sympathischer, wie in „Dienstvergehen“. Freilich muss man dafür Klefisch mit Klefisch vergleichen, denn eine nette Person sieht trotzdem anders aus.

Über diese unübliche Herangehensweise, die Hauptperson einer TV-Reihe derart zu charakterisieren, kann sich in einem Teil 4 eigentlich keiner mehr wundern. Das Rezept dürfte bekannt sein. Und da mit Überraschungen nicht zu rechnen ist, lockt der Film ohnehin nur jene Menschen, die schon den ein oder anderen vorangegangenen Teil geschaut haben.

Kommissar Klefisch“ lebt seit je her von Willy Millowitsch, und das ruft nicht nur Fans des verstorbenen Volksschauspielers auf den Plan, sondern auch Trashliebhaber. Und in Teil 4 werden auch beide Gruppierungen wieder bestens bedient, was nach dem Ausrutscher von Teil 3 nicht zwingend hätte sein müssen.

Neben Dauer-Nebendarsteller Dietmar Bär taucht allerhand Prominenz auf. Die Band Brings ist vertreten, und Eberhard Feik dürfte als ehemaliger „Tatort“-Partner Schimanskis das bekannteste Gesicht am Rande sein. „Tatort“-unerfahren ist auch nicht gerade Regisseur Heidelbach, der hat schon so einiges zu Deutschlands wohl beliebtester Krimireihe beigesteuert. Dass sein „Ein unbekannter Zeuge“ der Klefisch-Reihe eher eine Ausnahme war, scheint zudem sein TV-Film „Zwei vom Blitz getroffen“ zu bestätigen, der überraschend erfrischend die ewig wiedergekauerte Geschichte vom Körpertausch erzählte.

„Tod am Meer“ klingt reißerisch, was weder zur Klefisch-Reihe passt, noch nötig gewesen wäre, ist der Ort des Versterbens doch Nebensache und nur deshalb von Bedeutung, um darauf hinzudeuten wie vermögend der ehemalige Gemüsehändler war. Eine Tatsache, die dessen junges Weib in den Kreis der Mordverdächtigen rückt.

Wer nun glauben mag die dritte Fortsetzung würde zum heiteren Mörderraten einladen, liegt jedoch falsch. Spätestens zur Hälfte hin spielt der Film mit offenen Karten, zeigt uns wer zu recht verdächtigt wurde, lässt jedoch die Frage offen, ob Klefisch selbst sich dessen bewusst ist. Diese Herangehensweise ist eigentlich bescheuert zu nennen, befinden wir uns doch in einem Teil 4, so dass der Kenner der Reihe weiß, dass Klefisch allwissend ist und sich niemals irrt. Der Hinweis auf einen Anruf nach Terminabsprache weist zwar darauf hin, eine Unachtsamkeit Klefischs lässt jedoch vermuten, dass der Drehbuchautor scheinbar mit dem Zuschauer spielen wollte.

Entweder das, oder es hat sich eine Unlogik eingeschlichen, die ziemlich im Zentrum steht. Auch das wäre nicht gerade unüblich für diese Krimi-Reihe. Zwar sind die Ungereimtheiten eigentlich eher am Rande zu bemerken, aber sie sind seit Teil 1 vorhanden, was im Meer an weiterem Untalents jedoch nicht weiter wundert, boten Drehbuch, Regie und Besetzung doch nie die hohe Qualität, die ein Film besitzen könnte, selbst wenn er nur für das Fernsehen produziert wurde.

Während Millowitsch von Jahr zu Jahr älter wurde (ist ja ein Ding...), strahlt „Tod am Meer“ in einer Frische, die ihn von seinen Vorgängern ein wenig unterscheidet. Sei es die lässigere Frisur Döppers, die ihn ein wenig wie Axel Stein erscheinen lässt, oder die freizügigere Thematik, Teil 4 gibt sich eine Spur moderner, auch wenn man in diesem Punkt betonen muss, dass man hierfür nur Klefisch mit Klefisch vergleichen darf. Wir schreiben das Jahr 1993, da sind solche Veränderungen nichts radikales mehr. Aber zumindest blieb in dieser TV-Reihe, die mit jedem neuen Jahr eine weitere Episode präsentierte, die Zeit nicht stehen.

Das tut sie auch beim Betrachten dieser vierten Folge nicht. Zwar fehlt dem Film die halbwegs interessante Geschichte von Teil 1 und 2, langweilig wird es jedoch trotzdem nie, allein schon deshalb weil es so interessant anzuschauen ist, wie Willy neben der greisengeilen Lady wirkt, die ihn nach dem Tod ihres Mannes umgarnt. Brav sitzt er da, jede Anmache ignorierend, nie vom festen Weg abkommend und unschuldig dreinschauend wie ein Schuljunge. Und doch, die Frauen, das größte Rätsel des Universums der Gattung Mann, können Klefisch nichts vormachen, dem Frauenversteher, dem Mann, der das schwache Geschlecht als einziger wirklich verstanden hat.

Man liest es schon heraus, in diesem Bereich siegt der Trash-Gedanke. Aber genau auf diese Art gucken sich solche Momente, die an eher unbedeutendere der Vorgänger erinnern, in welchen Klefisch auch schon die Frauen seit je her zu verstehen und manipulieren wusste.

Frauen kommen in der Klefisch-Reihe ohnehin nur selten positiv weg. Da müssen sie schon Rentnerinnen sein, um die Sympathie des Zuschauers zu erobern. Und um auch kein Alter auszulassen, zeigt uns die Reihe seit eh und je anhand der Figur der jungen Sabrina, dass Frauen schon im Mädchenalter ganz schön nerven können. Ein Glück, dass Sabrina diesmal weniger Präsenz als üblich beschert bekommt, denn die kleine Zicke weiß mit ihrer prolligen Bissigkeit extremst zu nerven und schürt den Wunsch keine Kinder in die Welt zu setzen.

Aber so ist sie halt, die Klefisch-Reihe. Nie darum bedacht politisch korrekt zu sein und die Welt einfach zeigen wie sie ist: von unsympathischen Menschen bevölkert. Denn so sehr man auch behaupten kann, dass Frauen in diesen Filmen nicht gut wegkommen, so führt die Schlange aller negativen Menschenbilder doch noch immer Klefisch selbst an, der selbst auf sympathischerem Level wie hier und in Teil 2 charakterisiert, noch immer der Oberarsch ist.


Episodenführer,   OFDb

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