Dienstag, 9. Oktober 2012

TRÄUME DES WAHNSINNS (Deadly Dreams 1988 Kristine Peterson)


Dass er als Kind mit ansehen musste, wie seine Eltern erschossen werden, hat Alex nie verarbeiten können. Und seit er den Mörder mit der Reh-Maske nicht mehr nur in seinen Träumen sieht, sondern auch draußen auf der Straße, zweifelt er komplett an seinem Verstand. Ist der Elternmörder, der sich kurz darauf selbst richtete, aus seinem Grab entstiegen? Bildet sich Alex alles ein? Oder will gar wer ein übles Spiel mit ihm spielen?...


Bambi-Rambo...

Vielleicht sollte man eine Art Führerschein einrichten für all jene Menschen, die glauben für andere ihrer Artgenossen einen Film drehen zu wollen. Dann bliebe einem so ein Müll wie „Träume des Wahnsinns“ erspart. Aber gut, was darf ich überhaupt meckern? Warum wühle ich auch in der Filmvergangenheit herum und packe einen Streifen aus, der es in den 80er Jahren als B-Movie auf deutsche VHS-Tapes geschafft hat und dann nie wieder etwas von sich hören ließ?

Oberflächlich betrachtet ist die Geschichte von „Deadly Dreams“ (Originaltitel) nicht wirklich schlecht zu nennen. Sie ist auch nichts bahnbrechendes, halt lediglich Durchschnitt, aber immerhin. So hätte in den Händen eines ebenso durchschnittlichen Regisseurs zumindest Routine-Kost für den Hardcore-Fan daraus werden können. In der Theorie erkennt man meist, was Kristine Peterson ungefähr vorgeschwebt hat, jene Frau, der wir diesen Thriller im Horrorgewand zu verdanken haben. Aber es ist erschreckend wie selbst simpelste Momente einfach nicht wirksam eingefangen wurden.

Da erwacht der Held aus einem Alptraum, in welchem ihn der Hals aufgeschlitzt wurde. Alex schreckt liegestützartig hoch, streckt den Hals weit nach oben, und doch will sich keine Brücke zu jenem Moment aufbauen, der dieser Choreographie voraus ging. Eine solche vermisst man ebenso im emotionalen Bereich, was sich besonders in dem sprunghaften Verhaltenswechsel jener Frau erkennen lässt, der Alex zu Beginn nachsteigt.

Für nichts lässt Peterson ihren Figuren Zeit, aber im Film drin haben will sie das komplette Paket: die Anmache, das Versagen, der Ekel der Angesprochenen, der zweite Versuch, das Ertricksen einer zweiten Chance, das Date, das Verlieben, intensives Vertrauen, usw. Nichts davon steckt den Zuschauer an. Im Gegenteil, das Pingpong-Spiel der Gefühle und Geschehnisse entfremdet den Zuschauer um so mehr von der Geschichte, so dass es effektiver gewesen wäre Alex lediglich eine Freundin zur Seite zu schreiben.

Und das von mir gewählte Beispiel gehört zu den Nichtigkeiten der Geschichte, so dass der Leser nun erahnen kann wie schlecht bröckelnde Freundschaften, Familienkrisen und Verrat eingearbeitet wurden, jene Aspekte, die für die eigentliche Geschichte wichtiger sind.

Zu dumm dass Peterson und ihrer Crew wirklich jedes Fingerspitzengefühl fehlt. Da wählte man eine bescheuerte Killermaske. Die Hintergrundmusik weiß erst Richtung Finale halbwegs zu gefallen. Und über das Casting sollte man am besten gar kein Wort verlieren, ist es doch bereits lächerlich Alex im Drehbuch den sehr soften und sensiblen Charakter zuzuschreiben, jenen einer ängstlichen Jungfrau, die sich verzweifelt gegen alles undjeden zur Wehr setzt und das niemals mit Erfolg. Warum man diese Rolle mit einem muskulösen Schönling besetzt, von dem man so viele oben ohne-Aufnahmen wie nur möglich in den fertigen Streifen integrierte, bleibt dabei ein Rätsel.

Warum man diese Charakterzeichnung für den Helden wählte, ist dafür um so klarer, gibt es in diesem Thriller, der Elemente von Horrorfilmen wie „Nightmare On Elm Street“ und „Halloween“ aufblitzen lässt, doch keine finale Teenagerin, die um ihr Leben rennen muss. Es ist ein Mann, der vom Killer verfolgt durch den Wald hastet. Und das ist schon ein gewollter Bruch des Standards. Augenzwinkernd ist dieser wohl kaum gemeint, präsentiert sich der Rest des Filmes doch bierernst, außer dass er dem Elternkiller den Namen Norman Perkins beschert, einem Mix des Rollennamen Norman Bates aus „Psycho“ und dessen Darsteller Anthony Perkins.

Auch wenn da ein Mann in der viel zu kurzen finalen Waldszene vor dem Killer davonläuft, so ist doch dieser Punkt, der gegen die Welle des Standards arbeitet, viel zu banal, um den sonst komplett routiniert runtergedrehten Streifen einen Hauch Klasse zu verleihen. Werke wie „The Slumber Party Massacre“ waren da schon radikaler, wussten aber auch was sie darstellen wollten. „Träume des Wahnsinns“ weiß dies nicht. Mal will er Horrorfilm sein, dann wieder Thriller, und in keinem Bereich ist er gut.

Auflösende Überraschungen sind viel zu vorhersehbar, als dass Spannung aufkommen könnte. Außerdem ist das zu frühe Erkennen der Hintergründe genau jenes Manko, das den erfahrenen Cineasten ohnehin schon sehr früh klar macht, dass der Horrorgehalt nur der Ablenkung gilt. Schade? Nein, nicht wirklich, denn halbwegs passablen Ersatz aus der selben Nische Film gab es schon damals zuhauf, beispielsweise mit dem unterhaltsamen B-Movie „Buried Alive - Lebendig begraben“.

Ein Geschichtenerzähler mit Talent hätte übrigens an mindestens zwei Stellen des Drehbuchs Hand angelegt, um dem Film einen interessanten Touch zu bescheren. Erster ist jene Anfangsszene, in welcher der Killer den jungen Zeugen auffordert nach draußen zu rennen, damit der Mörder seiner Eltern nun auch ihn jagen kann. Daraus hätte man die komplette restliche Geschichte erzählen können, im Fahrwasser des Klassikers „Graf Zaroff - Genie des Bösen“, einen Film der von „Träume des Wahnsinns“ ohnehin des öfteren gestreift wird.

Zweiter ist das Aufbauen auf die durchaus gelungene Schluss-Situation des Helden. Der folgt nämlich eine Pointe, mit welcher der Film positiv hätte schließen können. Zu dumm, dass Peterson es jedoch für nötig hielt die Szene zu erweitern, um ihr eine weitere Pointe darüber zu bescheren, was sich wahrscheinlich jeder Zuschauer sowieso schon gedacht hat.

Kurzum: „Träume des Wahnsinns“ ist billig und plump, einen winzigen Hauch unfreiwillig komisch genug um kurze Atemzüge des Trashs zu genießen, aber nicht in einem Umfang, der Freunde cineastischen Mülls das Einschalten lohnen lässt. Filmfreunde, denen Momente mit nackter Haut und Gewaltszenen mit ein wenig Blut zusagen, können ihre geringen Bedürfnisse auch in diesem schlechten Film stillen. Wer aber in diesem Genre einen Spannungsgehalt benötigt oder gar psychologisch nachvollziehbares Agieren, bzw. überhaupt einen Grad Logik oder Glaubwürdigkeit, der wird mit diesem zu recht vergessenen Videoproduktion keine Freude haben.


Trailer,   OFDb

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