Samstag, 17. November 2012

BARRACUDA (1978 Harry Kerwin)


Barracudas attackieren Menschen im Wasser. Weshalb sind die sonst so harmlosen Tierchen plötzlichen so aggressiv?...


Horror-Krimi mit grünem Daumen...

Gerade einmal zwei Jahre nach dem großen Erfolg "Der weiße Hai" gedreht, sollte man meinen, dass einem mit "Barracuda" ein waschechter Nachahmer begegnen sollte. Nach Sichtung dieses Öko-Krimis in Gewand eines Horrorfilms weiß ich nun, dass dem nicht so ist. Meine Genrebezeichnung verrät es bereits: hier kämpfen Menschen gegen ein Umweltdelikt, das sich den Umweltschützern über aggressive Barracudas offenbart. Dass man hierfür Tiere wählte, die Menschen im Wasser angreifen und das Wasser blutrot färben ist lediglich die Strategie durch den Erfolg von Steven Spielbergs Tierhorror mehr Menschen auf dieses Werk aufmerksam zu machen. Und bis auf einige wenige Tierattacken wäre dass dann auch das einzige, was man vom Haifilm aus dieser Sichtweise klaut. Vorrausgesetzt man lebt ernsthaft in einer Welt, in der man glaubt Spielbergs "Der weiße Hai" war der erste Tierhorror.

"Barracuda" ist ein Film in dem eigentlich recht wenig passiert. Aber er hat das Glück ein gemütliches 70er Jahre-Feeling zu versprühen, kann mit akzeptablen Darstellern aufwarten und ist glaubhaft erzählt. Auch wenn es in vielen Köpfen und Programmzeitschriften ein Widerspruch ist, aber ein Horrorfilm kann manchmal auch ohne Spannung, Blut oder Trash ein positives Ergebnis erzielen. Langweilen tut sich hier nur der, der die Action vermisst und mit Geschichten nichts anfangen kann, die sich besonders aufmerksam ihren Charakteren widmen. So etwas ist in meinen Augen aber auch kein Cineast, sondern vielmehr ein Genrefan.

Wie auch immer, was jetzt klingen mag wie ein anspruchsvoller Film, ist lediglich ein kurzweiliges Etwas aus einer anderen Zeit, das einem hin und wieder das Gefühl gibt, dass dem Kino von heute die ein oder andere Eigenschaft fehlt, die selbst in solchen Billigfilmen zu dieser Zeit enthaltenwar.

Trotz der FSK-12 überraschten mich umherschwimmende Körperteile, Viecher die man beim Menschenbeißen beobachten kann und Blut im Wasser aus allen Blickwinkeln, selbst von unten gefilmt. Hier wird nicht mit untergetauchten Leuten getrickst, deren Lebenssaft aus dem Wasser blubbert. Hier tritt das Kunstblut in Erscheinung noch während die Opfer um ihr Leben kämpfen. Hier sehen wir, wie sich das Blut auf recht realistische Art im Wasser verteilt. Als negativ hervorzuheben sind lediglich die menschenbeißenden Fische selbst, denen man ihre Unbeweglichkeit arg deutlich ansieht. Der ein oder andere Schnitt mit ihnen in Großaufnahme hätte ruhig etwas kürzer ausfallen dürfen.

Die Attacken der Fische darf man in der ersten Hälften hin und wieder sichten, in der zweiten wird es still um die Barracudas, denn das kriminelle Geschehen an Land muss aufgedeckt werden. Ein interessanter Zusatzaspekt der Geschichte wird bereits in der ersten Hälfte angedeutet. Auch einige Menschen im Dorf benehmen sich aggressiver als zuvor. Es betrifft also nicht nur die Barracudas. Leider lies man dies aber nun nicht im Stile eines "Panik in der Sierra Nova", "Maniac City" oder "Crazies" ausarten, sondern nutzt das sonderliche Verhalten der Bewohner lediglich als Grundlage einer Verbrechergeschichte über einen Forscher, der ein Dorf für seine Experimente missbraucht hat. Das ist aber zumindest auch eine nette Idee.

Da sich der ganze Film sehr idealistisch in Sachen Umweltschutz gibt, erfreut es dass das Drehbuch im späteren Verlauf auch die Regierung als Beteiligten des Skandals einbaut. „Barracuda“ ist somit nicht blind erzählt, auch wenn es in diesem Bereich ein wenig mehr Vertiefung hätte geben können.

Neben den Gefühlen, die der Film ganz typisch für sein Genre im Zuschauer entstehen lässt (und sei es beim ein oder anderen nur die Langeweile), bekommt man beim Schauen aus heutiger Sicht ein zusätzliches, ganz anderes unschönes Gefühl, wenn man bedenkt wie schnell Umweltschützer heute als Spinner dargestellt werden und wie sehr sie eigentlich heute schon den Kampf verloren haben, nicht nur auf die kaputte Umwelt gesehen, sondern auch in der Präsenz solcher (ernstgemeinten) Filmbeiträgen. Ebenso wie am Rauchverbot und der politisch korrekten Gesellschaft erkennt man durch Filme wie "Barracuda", dass die Zeiten der Freiheit vorbei sind und Demokratie nur noch vorgibt eine zu sein. Das macht den Streifen schon fast zu einem Zeitdokument, wäre er nicht in seiner eigentlichen Form so banal.

Gesamt betrachtet kann man "Barracuda" als kurzweiligen und etwas trockenen Durchschnitt einordnen, der in der geschnittenen gängigen deutschen Fassung mit einem sehr plötzlichen Schluss verärgert, mit seiner Synchronisation teilweise belustigt (Cliff Emmich hat nicht nur die Körperform von Oliver Hardy sondern auch dessen deutsche Trottelstimme erwischt) und dessen Hauptdarsteller optisch an den jungen Dustin Hoffman erinnert. Ansonsten gibt es eine Routine-Krimihandlung mit einigen wenigen netten Fischattacken und jeder Menge 70er Jahre-Atmosphäre, mit der sich ja auch oft relativ schlechte TV-Serien noch zu retten wissen. Tierhorror-Fans werden nur bedingt bekommen was sie suchen. Freunde von Öko-Krimis, sofern es die noch gibt, haben hier einen tollen Beitrag ihres Subgenres. Wenn man mal bedenkt wie klein und kindlich 12jährige noch sind, finde ich es schon etwas bedenklich einem solchen Werk die FSK 12 zu geben, auch wenn es im Vergleich härtere Filme dieser Art gibt.


Trailer,   OFDb

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