Dienstag, 27. November 2012

EOLOMEA - UNHEIMLICHE ZEICHEN AUS DEM ALL (Eolomea 1972 Herrmann Zschoche)


Die Zukunft: Menschen leben und arbeiten im Weltall, manch einer ist dort geboren, ohne die Erde kennen gelernt zu haben. In letzter Zeit werden einige Raumschiffe vermisst. Ein Flugverbot wird durchgesetzt gegen den Willen eines Doktors, der etwas wichtiges zu verschweigen scheint. Dieser beschäftigte sich vor vielen Jahren mit dem Projekt Eolomea...


Zschoche auf den Spuren Erlers...

Allein dass die eigentliche Hauptrolle in der von mir geschriebenen Inhaltsangabe keine Erwähnung findet, deutet schon darauf hin, wie interessant „Eolomea“ geworden ist. Will man nicht spoilern, so kann man höchstens berichten, dass der Mann seinen Beruf im Weltall satt hat und lieber auf einer Insel leben will, einer, wo er den ganzen Tag am Strand herumlungern kann. Der Mann hockt aus beruflichen Gründen mit einem Kollegen älteren Kaliebers auf einem ferneren Außenposten fest, und beide sinnieren über das Leben, ihre Wünsche und den Sinn und Unsinn der Forschung.

Was nach Nebensächlichkeiten klingt, ist eigentlich das Zentrum des Films. Hier geht es nicht um große Abenteuer, außerirdische Begegnungen oder allgemein um den großen Knalleffekt. Ganz im Gegenteil! „Eolomea“ hört da auf, wo Filme von heute eigentlich anfangen. Die Geschichte von Zschoches Werk würde heute in 5 Minuten abgehandelt werden, um dann in die Haupthandlung einzusteigen. Schade, denn damit verpatzt man sich die Möglichkeit mit Science Fiction auf eine sensible Art zu philosophieren.

In der DDR wurden nicht viele Science Fiction gedreht. „Eolomea“ gehört einer kleinen Genregruppe an, die nicht einmal eine zweistellige Zahl erreicht haben dürfte. Verwundern tut es mich ohnehin, dass ein Film wie dieser in seinem Land öffentlich aufgeführt werden durfte. Ist doch eine der Hauptaussagen des Werkes, dass man sich gegen die Gesetze und Regeln des Heute stellen muss, um die Menschheit voran zu treiben.

Das ist nicht die einzige Aussage die getroffen wird. „Eolomea“ beleuchtet mehrere Blickwinkel zu nah verwandten Themen. Worin liegt der Sinn des Forschens im All? Soll man für ein angeblich höheres Ziel die eigentlichen Bedürfnisse hinten an stellen, bzw. gar auf sie verzichten? Fragen über Fragen, zwischen den Zeilen Antworten über Antworten mit genügend Raum zum selber grübeln.

Grübeln, ein Wort das nicht nur Schriftsteller Max Goldt in unserer heutigen Gesellschaft zu vermissen scheint. „Eolomea“ soll den Geist anregen. Das ist ein lobenswertes Anliegen. Das mag seinerzeit auch funktioniert haben. Ich denke mir allerdings auch schon damals nur bedingt.

Zschoches Science Fiction-Film ist sehr naiv erzählt, präsentiert uns Bilder aus dem Weltall, mit liebevoll gestalteten Kulissen und richtig schön anzuschauenden Bauten und mixt dies mit Bildern, die aus dem Urlaub zu kommen scheinen. „Eolomea“ ordnet sich noch nicht den Regeln unter, die ein Genrebeitrag von heute leisten muss. Hier wagt man Stilmittel, die heute nicht nur fremd wirken, sondern leider auch lächerlich: Die Art wie brav sich zwei Kontrahenten unterhalten, die flinke Art mit der Wahrheit herauszurücken, nur weil man gerade sein Wort gegeben hat zu ihr zu stehen und dies alles in einer Ambiente, die fast aus dem Heimatfilm zu kommen scheint.

Dass man in den 70er Jahren noch Zukunftsvorstellungen mit riesigen Computern hatte und auch der klassische SF-Freund des Menschen, ein bescheuert aussehender Roboter, nicht fehlen dürfen, darf sich nur bedingt zu dieser Aufzählung zählen, haben diese beiden Bereiche doch einen charmanten Trash-Charakter, den man ihnen nicht übel nehmen will. Ersteres ist ohnehin verziehen, konnte man ja nicht wissen. Zweites kann es vom Sympathiewert locker mit dem Roboter ohne Gesicht aus „Futureworld“ aufnehmen, jedoch mit der Lächerlichkeit eines WWF-Club-Roboters. Wer den Schrotthaufen aus „Alarm im Weltall“ schon belustigend fand, wird hier einen Lachkrampf kriegen.

Aber solch belustigende Momente sind von kurzer Dauer. Der Roboter diente damals sogar der freiwilligen Komik, ein Bereich, der in „Eolomea“ eigentlich nur gestreift wird, wahrscheinlich weil Lustigkeit einfach zum Leben dazugehört und an dem wollte man sich nah orientieren. Ein Punkt der „Eolomea“ eigentlich zu menschlich wirken lässt, in Zeiten, wo ein Science Fiction konstruiert und fremd wirken muss. Ist „Eolomea“ überhaupt naiv, oder ist er in dieser menschlichen Art einfach nur zu ehrlich, so dass er uns Konsumenten von heute so fremd vorkommt? Ist es nicht viel naiver Science Fiction von heute zu erzählen, mit strengen Charakteren ohne individuellen Bedürfnissen und Wünschen in komplett fremder Kulisse? Eine interessante Frage...

So sorgt „Eolomea“ schlussendlich bei mir doch noch dafür, dass er mich zum philosophieren anregt. Trotz all seines Charmes und meiner Sympathie dem Film gegenüber, schafft sein eigentlicher Inhalt dies kaum, obwohl er sich größte Mühe gibt, diesen Knopf beim Zuschauer zu aktivieren. Dass er mit diesem Ziel, und mit der Tatsache, dass der Film mit dem eigentlichen „Abenteuer“ endet, recht geschwätzig ausfällt, lässt sich nicht verneinen. Das ist eigentlich auch o.k., macht es doch Spaß den Worten und damit dem Zeitgeist von einst zu lauschen. Dennoch kann man ruhig kritisieren, dass selbst für einen Dialogfilm eine Spur zu viel geredet und zu wenig gehandelt wird. Zumal Zschoches Genrebeitrag häufig interessante Gebiete streift, ohne diese, trotz ihres Reizes, zu vertiefen.

Nach all den Jahren bleibt am Ende nur noch ein sympathisches, verstaubtes Werk, mit lobenswerten Zielen, einer interessanten Art seine auf dem ersten Blick banale Geschichte zu erzählen, aber auch einem Haufen Banalitäten und einer arg naiven Umsetzung, wenn auch nur mit einem Hauch unfreiwilliger Komik versehen. Nach all den Jahrzehnten wäre die Wahrscheinlichkeit dafür wesentlich höher gewesen.


Trailer,   OFDb

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