Samstag, 9. Februar 2013

THE STAR WARS HOLIDAY SPECIAL (1978 David Acomba u.a.)


Die Wookies haben einen Feiertag und Chewbaccas Familie wartet auf seine Ankunft. Während die Familie mit Vorbereitungen und Fernseh gucken beschäftigt sind, werden Han und Chewbacca von Raumschiffen des Imperiums angegriffen...


Die dunkle Seite des Sternenkrieges...

Nachdem ich durch diverse Berichte im Internet vorgewarnt war, wagte ich mich an dieses Unding von „Krieg der Sterne“-Special, das 2 Jahre vor der Kinopremiere von „Das Imperium schlägt zurück“ im US-amerikanischen Fernsehen lief, heran. Nach den von mir eingeholten Informationen dachte ich, dies wäre ein unglaublich unfreiwillig komisches Happening, was zwar nicht unbedingt seine komplette fast 100 Minuten lange Laufzeit zu unterhalten weiß, aber wenigstens einen Teil davon. Also trafen wir uns in fröhlicher Runde, auf alles gefasst und unterstützt von Whisky-Cola. Ja, wir waren auf alles gefasst, auch darauf dass es eventuell todlangweilig werden könnte. Und so war es dann leider auch.

Man mag es sich nicht vorstellen, aber diese Aneinanderreihung von Lächerlichkeiten kann nur in den wenigstens Szenen belustigen (dies geschah bei erster Wookiefamilien-Sichtung, bei der Szene wo ein Typ sich Trinken in den Kopf schüttete, bei Sichtung der schlichten Animation in der Zeichentricksequenz und beim Gesang Carrie Fishers). Meist guckt man nur entgeistert den Fernseher und seine Mitgucker an. Was hatte das alles mit „Star Wars“ zu tun? Und wer um Himmels Willen sollte das Zielpublikum sein? Kinder? Privatfernsehverstrahlte? Das fertige Werk hätte sogar die anspruchsloseren Freunde von „Kampfstern Galactica“ verschreckt. Ich weiß nicht für wen das Holiday Special gedreht wurde, aber nicht für den Freund des Sternenkrieges.

Man muss bedenken, dass das Holiday Special einst als ernstes Produkt gedacht war. Ich habe zwar gelesen, dass George Lucas eine Zeit lang behauptet hat, dieses Special habe es nie gegeben, aber da gab es ja immerhin andere Zeiten, bevor klar wurde welcher Flop da produziert wurde. Irgendwer muss irgendwann diese Produktion doch mal so gut gefunden haben, dass er sie finanziert hat.

Immerhin machen bis auf Alec Guinness und Peter Cushing auch alle wichtigen Figuren des ersten Teils mit, erstgenannter wird über Szenen des Originalfilmes hin und wieder kurz eingeblendet. Dass Harrison Ford besonders gelangweilt agiert kann ich nicht bestätigen, dafür sieht Mark Hamill noch mehr wie ein Bauerntrottel aus als im Original, und nur Carrie Fisher ist mit vollem Einsatz dabei, singt zum Schluss auch noch ein irre schnulziges Lied, wohl in der Hoffnung dass man ihr bis dahin noch unbekanntes Zusatztalent nun endlich anerkennen würde. Aber Fehlanzeige! Ihr Lied ist grausam wie der komplette Soundtrack des Specials, ausgenommen Williams großartige „Star Wars“-Musik, die für diese Zuschauervergewaltigung ebenfalls verwendet wurde.

Die meist schmalzige Musik passt sich der unpassend schnulzigen Geschichte an, die nur hauchdünn ist, und eher als Ausrede für dieses Special dient. Dies erinnert an den ersten „Cube“, wenn in einem Denkversuch der Würfel begründet wurde: Er wird genutzt weil es ihn gibt. Das „Star Wars Holiday Special“ musste dieser Theorie nach sein, damit es existiert, nicht aber weil es etwas erzählen will.

Die unangenehme Hauptstory wird immer wieder von Zwischensequenzen unterbrochen. Manche sollen visuell interessante Experimente sein, wie man sie auf anspruchsvoller und künstlerisch wertvoller Ebene immer wieder in der „Muppet Show“ zu sehen bekam (und als Kind auch gelangweilt erduldete). Das Niveau dieser für Erwachsenenaugen gedachten visuellen Spiele mit Puppen, Licht und Musik erreicht das „Star Wars Holiday Special“ aus gleicher TV-Zeit nicht, ja nicht mal ansatzweise. Wäre ja noch schöner wenn auch nur irgend etwas nach einem Deu Mühe aussehen würde.

Als ideales Beispiel dient die Zeichentricksequenz, die erbärmlich animiert ist. So viel mehr hätte eine etwas bessere Animation (musste ja keine perfekte sein) wirklich nicht kosten können. Aber wozu Mühe geben? „Krieg der Sterne“ war 1 Jahr her. Damals liefen schon weniger beliebte Filme Monate im Kino, „Krieg der Sterne“ also sicherlich auch nach einem Jahr noch (zum Vergleich: „Didi und die Rache der Enterbten“ lief laut Audiokommentar 14 oder 16 Monate). Man hatte also einen festen Fankreis, ein hoher Einschaltquoten-Erfolg war sicher. Also noch mal: Wozu Mühe geben?

Dreist! Mehr kann man dazu nicht sagen. Mal davon abgesehen würde es mich brennend interessieren wie hoch die Einschaltquoten in der letzten halben Stunde waren im Vergleich zum Anfang der Sendung. Der Unterschied dieser Zahlen müsste erschreckend hoch sein.

George Lucas selbst taucht in den Credits nicht auf. Selbst wenn er komplett unbeteiligt war, und das würde mich doch stark wundern (hat er nicht schon damals die Rechte gehabt?), so hätte er wenigstens aus dieser Peinlichkeit lernen können. Aber nein, Lucas ist ein Sturschädel. Ebenso wie er in der späten Trilogie behauptete er hätte Jar Jar Binks schon immer so eingeplant und seine Reduzierung von Folge zu Folge wäre nicht das Ergebnis der Zuschauerproteste (kann der Kerl denn nicht einfach mal Fehler zugeben?), akzeptierte er hier nicht die Gründe des Totalreinfalls und kopierte das Wookie-Outfit des Jünglings und änderte die Lebensumgebung ein wenig ab, um daraus in Episode 6 die Ewoks zu erschaffen. 

Aus dem modernen Leben der Wookies mache man noch schnell den Stamm eines primitiven Volkes und schon wird es keiner mehr bemerken. Der Zuschauerprotest der Ewoks betreffend war ähnlich stark wie jener Jar Jar Binks betreffend, zeitlich verglichen versteht sich, damals gab es schließlich kein Internet.

Man muss das „Star Wars Holiday Special“ ernsthaft gesehen haben um zu begreifen was dies für ein Murks ist. Gelungen ist hier nichts, aber auch rein gar nichts. Das Mitwirken der original Stars ist verblüffend, wahrscheinlich wollten sie die Fans nicht enttäuschend und fanden es spannend eine Zeit lang im Rampenlicht zu stehen. Mit „Star Wars“ hatte das ganze nur in kleinen Elementen zu tun, so dass die Freunde des Filmes überhaupt keine Freude erlebten.

Ein anderes Zielpublikum will mir nach Sichtung aber auch nicht in den Sinn kommen. Und ich persönlich war in meiner Position als Trashfan auch sehr enttäuscht. So belustigend einzelne Dinge auch waren, im traurigen, schockierenden Gesamtbild und auf die ewige Lauflänge gesehen waren das einfach zu wenig unfreiwillig komische Highlights. Zu Beginn schmunzelt man noch viel, aber da vergehen keine 15 Minuten, und es stellt sich nur noch Langeweile ein (die sich mit dem Gefühl des Entsetzens paart, welches von Beginn an aufkam). Spätestens ab der halben Laufzeit erscheinen die Stop-Taste und die Bildvorspultaste immer attraktiver.

Für Soziologen ist die Wookie-Familie als Abbild der amerikanischen Durchschnittsfamilie sicherlich interessant, da schockierend, wenn man bedenkt wie viel Glotze dort geguckt wird, an einem für Wookies immerhin bedeutsamen Tag. Auch wenn es widersprüchlich klingt: Das Reinschalten lohnt in jedem Fall, einfach um mal einen Einblick in diese Katastrophe zu erhaschen. Das vorzeitige Ausschalten lohnt aber ebenso.

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