Sonntag, 17. März 2013

KAMPFSTERN GALACTICA (Battlestar Galactica 1978 Richard A.Colla)


Im Kampf Menschheit gegen Zylonen hat auf menschlicher Seite lediglich die Besatzung der Galactica, einem Kriegsraumschiff, überlebt. Da der Heimatplanet zerstört ist, macht man sich auf den Weg zur Erde, dem letzten Ort, auf dem man Menschen angesiedelt hatte. Die Zylonen versuchen die letzten Überlebenden zu vernichten...


Seifenoper im Weltenraum...

Es gibt in diesem Genre Freunde von Science Fiction, die richtige Werke dieser Richtung gucken („Welt am Draht“, „Lexx“, „Matrix“, „Contact“, ...) und es gibt Freunde von Trivialem und Bauernphilosophie. Während Letztgenannte in der heutigen Zeit viele Serien zu sichten haben („Andromeda“, „Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“, „Superman – Die Abenteuer von Lois und Clark“, „Stargate“, ...) und auch den ein oder anderen Film („Matrix 2“, „Lost In Space“, ...), in denen sie eine Soap-Opera unter dem Deckmantel angeblicher Science Fiction sichten können, gab es Ende der 70er für diese Gruppierung noch nicht so viel zu ernten. "Kampfstern Galactica" war eine der wenigen Ausnahmen zu denen man als Pseudo des Genres greifen konnte, um sich banal unterhalten zu lassen.

Während die heutigen Werke dieser Art auf schlichter Ebene etwas anspruchsvoller geworden sind, war der hier besprochene Film noch plump in seiner ganzen Art. Durch "Krieg der Sterne", einem der wenigen Filme der beide Gruppierungen glücklich machte, war das Science Fiction-Genre gerade in Mode und somit massenkompatibel geworden. In "Kampfstern Galactica" wurde ihnen nun geboten was sie wollten: alles was gerade in war.

Bis auf das Grundgerüst der Handlung und eines heute unbekannten Kartenspiels ist hier nichts fremd oder futuristisch. Die Frisuren sind die angesagten zur Entstehungszeit, die Mode und kleine Elemente, wie das Einbauen eines elektronischen Kuscheltieres, die auch in anderen Genres bei der breiten Masse stets gut ankommen, ist alles vorhanden. In diesen Punkten haben sich Trivial-Science Fiction-Werke in der heutigen Zeit wirklich verbessert. Nur eines haben frühe und alte Werke im Kostüm dieses Genres noch gemeinsam: die Philosophie und die Regeln was richtig und was falsch ist sind stets an der Entstehungszeit orientiert.

Da ist es ganz egal ob etwas in der Zukunft, der Vergangenheit, in einem parallelen Raum, oder wie hier in weiter Ferne spielt. Stimmen die Regeln und die Philosophie nicht mit der heutigen Gesellschaft überein, wird ein Werk für dieses Publikum orientierungslos und uninteressant. Somit dürfte "Kampfstern Galactica" in diesen Kreisen wirklich zum Höhepunkt des Genres gehören. Man könnte hier vor lauter Plumpheit schon Kopfschmerzen kriegen.

Die Bösewichter sind billige Klone des gerade beliebt gehasst gewordenen Darth Vader aus „Krieg der Sterne“. Trotz extremster Probleme in einer durchaus gar nicht mal uninteressanten Ausgangssituation haben alle stets Zeit für Nichtigkeiten, Herzschmerz und grausigste Dialoge, die so herüberkommen als hätte man die Katastrophe längst vergessen (was wieder zum Publikum passt: Ignoranz ist der Schutz der breiten Masse sich in ihrer Welt wohl zu fühlen).

Die gängigen Klischees dieser Zeit werden breitgewalzt. So darf z.B. einer der Helden ein Frauenschwarm sein, der sich zwischen zwei Frauen nicht entscheiden kann ohne deshalb gleich Schuldgefühle haben zu müssen. Und eine der Frauen darf in ihrer Rolle fast nur weinen und ist zu allem Überdruss damit auch noch die einzige an Bord die derartige Gefühlsregungen zeigt. Männer weinen schon mal gar nicht, selbst wenn sie gerade den Sohn verloren haben, und auch die moderne Frau von damals musste im Irrglaube falschbefolgter Emanzipation den harten Mann mimen. Aber in der Ausnahme gab es dafür noch die eine klassische Frau, die weinen durfte. Klingt fast großzügig von den Verantwortlichen dieses Filmes.

Was ich bisher geschrieben habe klingt nach einem Film, der maximal wegen unfreiwilliger Komik funktioniert. Aber damit würde man "Kampfstern Galactica" seine guten Seiten aberkennen. Und die sind ernsthaft vorhanden. Es gibt verschiedene Formen von Trash. Der pseudophilosophische und Soap Opera-mäßige Gehalt ist der nervige, den man aus diesem Werk am liebsten weggeblendet haben möchte. Der triviale Science Fiction-Gehalt dieses Werkes ist allerdings gelungener Trash, wohl ein Mix aus gewolltem und ungewolltem.

Da haben wir zunächst die Gegner der Menschen, die optisch herrlich bescheuert aussehen, aber auch sehr klassisch (schon zu seiner Zeit). Ihre Bösartigkeit und Mentalität wirkt wie aus einer billigen Zeichentrickserie entnommen, ebenso wie die Hilfsbereitschaft einzelner Menschen ihnen gegenüber. Eingebracht wird das ganze in eine Geschichte, die zu Beginn sogar auf einer sehr gute Idee aufbaut. In der Hand talentierter Produzenten, Regisseure und vor allen Dingen Drehbuchautoren hätte man daraus etwas sehr Gelungenes basteln können.

Doch der Irrwitz setzt schon dann wieder ein, wenn man sich auf der Suche nach der Erde macht, dem letzten Unterschlupf der menschlichen Rasse. Oh weh! Was erwarten die da, wenn sie erst einmal dort sind? Dass wir uns freuen denjenigen zu begegnen, von denen wir ausgestoßen und in die letzte Ecke des Alls verband wurden? Ewig haben sie von unserer Existenz gewusst und uns hier hängen lassen mit unseren Problemen, die in der Welt dort teilweise überwunden zu sein scheinen. Wie schwer tun sich viele schon mit Gastarbeitern? Und da soll sich die Welt auf menschenverwandte Aliens freuen? In "V" wurde eine ähnliche Thematik im Pilot bereits gestreift.

Wenn die Geschichte dann soweit ist, dass die letzten Menschen ihre Reise beginnen, beginnt gleichzeitig ein großes schwarzes Loch gähnender inhaltlicher Leere. Der Mittelteil ist in dem mit 120 Minuten ohnehin zu lang gewordenen Serienzusammenschnitt recht langatmig. Der Witz ist, dass gerade in diesem eher öden Bereich viele Themen angesprochen werden, die anders umgesetzt sogar recht tiefsinnig und gesellschaftskritisch hätten werden können und unterhaltsam noch dazu: das Entstehen eines neuen 12er-Rates, der aus dem alten Prinzip nichts lernte! Die Lebensmittelknappheit! Sowie einige unausgesprochene Probleme, die einem automatisch in den Sinn kommen, wenn man sieht wie Menschenmassen notdürftig untergebracht sind ohne das Elementarste zum Leben zu haben! Verräter in der eigenen Gattung! Menschen verschiedenster Klassen! Und nicht zu vergessen ewig die Verfolgung der Bösewichter im Rücken.

Es gibt damit wirklich viel interessanten Inhalt, dem man sich näher hätte zuwenden können (Wie wurde der 12er-Rat gewählt? Wurden da notgedrungen weniger qualifizierte Leute genommen als einst? ...). Stattdessen erleben wir das Hofmachen und Balzverhalten typischer moderner Leutchen der 70er Jahre, das Trösten eines kleinen Jungen, das völlig unnötige Arbeiten der Wissenschaftler an elektronischen Hunden und andere Nichtigkeiten. Erst mit dem Plan ein Minenfeld zu durchkreuzen, bekommt die Story wieder mehr Pepp. Und wenn das Minenfeld erst einmal hinter unseren Helden liegt, bekommt die Geschichte ihren besten Part.

Fast zu vergleichen mit den gelungenen Serien "Raumschiff Enterprise" und mehr noch mit "Lexx", landet die Crew auf einem Spielhöllenplaneten, auf dem die Gäste heimlich verspeist werden. Das ist dann endlich wieder die Form Trash, die auch dem Stammpublikum des Genres schmeckt. Diese Schlussgeschichte ist einfach so angenehm plump und blöde, dass die bescheuerten Figuren mit ihrer dümmlichen Lebensart nicht mehr fehl am Platz wirken. In diesen letzten 30-45 Minuten ist "Kampfstern Galactica" einfach am ehrlichsten zu sich selbst, und deswegen funktioniert der Mist dann auch so gut.

Lange Rede kurzer Sinn: „Kampfstern Galactica“ ist Schund, aber er ist Schund aus zwei Bereichen. Zum einen hätten wir den anspruchsvollen Teil, der bei all seiner Dämlichkeit und damaligen Moderne völlig zum scheitern verurteilt ist, und wir haben den Trashteil der Science Fiction, der zwischen gewollt und ungewollt mit ausgeschaltetem Kopf zu unterhalten weiß. Hätte man sich bei der Umsetzung dieses Streifens nur auf Letzteres konzentriert wäre ein fröhliches Happening bei herumgekommen. Aber da Ersteres so dominant vorhanden ist und so extrem nervt (und das während einer überdimensionalen Laufzeit von unnötigen 120 Minuten) wird das theoretisch sympathische Konstrukt lediglich zur Mittelmäßigkeit degradiert.

Auf diese Art kann eine Soap Opera im Science Fiction-Gewand noch Spaß machen. Da Filme und Serien dieser Art mit der Zeit aber immer ernster, bauernphilosophischer und damit dümmlicher wurden, bleibt dieser Spaß bei „Andromeda “, „Matrix 2“ und wie sie alle heißen einfach aus. 


Trailer,   OFDb

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