Mittwoch, 20. März 2013

BLACK CHRISTMAS (2006 Glen Morgan)


Die Mädels einer Studentenverbindung werden nach und nach massakriert von einem Mann, der einst im Haus der Studentenverbindung hauste und seine Mutter und deren Geliebten tötete, nachdem diese ihn zum Psychopathen machten. Doch was ist mit der jüngeren Schwester, die er hatte?...


Er ist heim gekommen...

Wenn man das Original einer Neuverfilmung nicht kennt, hat das den Vorteil, dass man unvoreingenommen an das Remake herangehen kann, man weiß aber nicht, ob die Fehler dort schon das Original schmückten. „Black Christmas“ von 2006 ist auf jeden Fall ein unausgegorenes Stück Horrorfilm geworden, dem man nicht ganz ansehen kann, was er eigentlich will. Am Ende wirkt er lückenhaft, teilweise sehr unlogisch und holprig erzählt.

Dabei ist es gerade letzter Punkt, der ihn zunächst so angenehm gucken lässt. Das übliche Slashermuster geht man nur bedingt an. Orte und Personen werden ebenso häufig gewechselt wie Zeiten. Man merkt Morgan an, dass der Film keine Dutzendware werden sollte. Trotz aller Bemühungen das Werk anders wirken zu lassen, ist es aber genau das geworden. Mag es das Einmischen der Produzentenseite gewesen sein oder Morgans eigenes Unvermögen? Wurden Szenen nachgedreht oder das fertige Werk umgeschnitten? Ich weiß es nicht, aber irgendetwas stimmt damit nicht.

Da heißt es die Menschen hätten schon lange in den Wänden gehaust. Und die haben nie was getan? In welchem Jahr war dann der Ausbruch aus der Irrenanstalt? Ein Fehler in der deutschen Übersetzung? Was soll die Aussage mit der längeren Anwesenheit der Täter? Etwas falsch oder ungenau Übernommenes aus der ersten Verfilmung?

Schade dass es der Hintergrundgeschichte ebenso lückenhaft ergeht, wenn man erfahren darf wie Billy zu dem Unmenschen wurde, der er nun ist. Dass man ihn aufgrund seiner gelben Hautfarbe vor der Welt versteckte ist noch glaubhaft. Aber wurde dies mit dem normal aussehendem Töchterchen auch gemacht? Weiß sie von Billy? In einer Szene macht es den Eindruck, dass ihr im Kinderalter die Anwesenheit Billys auf dem Dachboden nicht bewusst ist. Hat sie nie etwas entdeckt? Und konnte sie wenn Entdeckungen weiterplaudern oder war sie ebenfalls Gefangene im eigenen Elternhaus? Fragen, die nicht beantwortet werden. Der leicht themenähnliche „Haus der Vergessenen“ von Wes Craven guckt sich wesentlich angenehmer.

Aus der merkwürdigen Hautfärbung Billys wurde wenig Potential herausgeholt, zumal Andy aus „Dead Of Night“ wesentlich unheimlicher wirkt als der blassgelbe Billy aus „Black Christmas“. Nur in wenigen Szenen sorgt sein ungewohntes Aussehen für unheimliche Szenen, meist wenn man nur die gelbe Haut um sein Auge durch ein Loch erhaschen kann.

Was dem Film fehlt um in solchen Punkten besser zu wirken ist die unheilvolle Stimmung, die Gruselatmosphäre. „Black Christmas“ ist einfach nicht spannend, was sehr schade ist, da er sich in der ersten Stunde recht angenehm guckt. Sein gelbes Gesicht im kleinen Sichtfeld einer zugeeisten Autofensterscheibe mag für einen kurzen Schocker herhalten. Als einziges Gruselelement in einer sonst routinierten Atmosphäre ist die Wirkung einer solch nett klingenden Szene jedoch wesentlich geringer als dessen was machbar wäre.

Dennoch ist „Black Christmas“, die Neuverfilmung von „Jessy – Die Treppe in den Tod“, teilweise recht geglückt umgesetzt. Von der Existenz einer Schwester bzw. einer Tochter von Billy erfährt man recht spät. Das weckt Vermutungen. Was wurde aus ihr? Ist sie Teil der Studentenverbindung? Und falls ja: Opfer oder Täter? Arbeiten beide zusammen oder ist nur einer der Täter? Ist Billy auf Schwesterherz gut oder schlecht zu sprechen? Obwohl man Billys Ausbruch miterlebt, fragt man sich ob seine Schwester der Täter ist und er doch nicht. Durch die gewollt wirre Erzählweise ist vieles Spielerei mit dem Zuschauer und somit alles möglich. Das macht Spaß, das weckt Neugierde zum Dranbleiben.

Der Ausbruch Billys selbst gehört zu den atmosphärischsten Stellen des Streifens inklusive der Irrenhausszenen, die dieser voraus gehen. Die Situationen in der Studentenverbindung sind alle recht routiniert umgesetzt, nie zu gut oder zu schlecht, um eine Extreme zu erreichen. Die weiblichen Darsteller sind nicht hilfreich beim Erwerb von mehr Qualität. Sie alle können nicht schauspielern, was im völligen mimischen Unvermögen gipfelt, wenn die Ladys auf eine geköpfte Person stoßen. Aber wer hätte im kleinen Horrorfilm für zwischendurch bei Teendarstellerinnen schon mit Schauspielprofis gerechnet?

Glen Morgan gelang nur drei Jahre zuvor die geglückte Neuverfilmung eines anderen Horrors aus den 70er Jahren. Es war „Willard“, der zwar glattpolierter als sein Original war, aber zu überzeugen wusste. „Black Christmas“ weiß dies nur phasenhaft und selbst dann nur beim Genrefreund. Am Ende ist man fast so schlau wie vorher und wird mit Lücken in der Geschichte allein gelassen, die man gerne geklärt gehabt hätte, bevor der Abspann erscheint. Ein wenig Frieden schließt Morgan mit einem düster umgesetzten Zusatzfinale im Krankenhaus. Damit allein ist der Film aber freilich auch nicht mehr zu retten.


Trailer,   OFDb

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