Samstag, 24. Mai 2014

ZOO (2007 Robinson Devor)


Der Todesfall eines älteren Mannes stößt die Behörden auf eine Farm, auf der Zoophilie betrieben wurde. Zu Wort melden sich Menschen mit dieser Neigung, die sich als Opfer einer Gesellschaft voller Vorurteile sehen...


Prinz Eugen von der Lahn...

Regisseur Robinson Devor bricht absichtlich typische Gesetzmäßigkeiten eines Dokumentarfilms. Er mischt Reales mit Gespieltem, wobei Letzteres immer auf realen Aussagen beruht, und diese Aussagen holte er sich aus Interviews, die bewusst nicht vor der Kamera stattgefunden haben, damit die Menschen mit ihrer sodomistischen Neigung freier sprechen konnten. Zudem wurde vieles nicht an originalen Schauplätzen nachgespielt, was der Authentizität aber sicherlich nur einen kleinen Bruch verleiht.

Wie im amerikanischen Dokumentarfilm typisch spielt jedoch die Hintergrundmusik eine große Rolle, die den Zuschauer so gar nicht sachlich in eine bestimmte Gefühlslage bringen soll, sprich ihn manipulieren soll. Das finde ich an solchen Werken grundsätzlich verkehrt, aber zumindest schafft es der eher beruhigende Sound auch weniger empathische Zuschauer  in eine Lage zu versetzen diesen Menschen aus einer ruhigen Gefühlslage heraus zuzuhören und dabei wirklich nur den Mensch in ihnen zu sehen, der wie jeder andere Opfer und Täter zugleich ist. Jeder Mensch, egal was er getan hat, hat ein Empfinden, seine Gründe und seinen Hintergrund der ihn zu dem machte was er geworden ist. Genau darauf stützt sich „Zoo“, und das ist auch völlig in Ordnung, denn Menschen verstehen lernen bedeutet noch nicht gut zu heißen, was sie tun.

Die Musik kann nichts an meiner Meinung zu dem Thema ändern. Vielleicht will sie das auch gar nicht. Und mein Verständnis der eigenen Sicht der Betroffenen hätten sie auch ohne dieses Stilmittel erhalten. Ich interessiere mich immer sehr für die Wahrnehmung von Leuten jenseits der Norm. Als wahrer Cineast ist das sicherlich auch nichts ungewöhnliches, und TV-Erfolge wie „Dexter“ und „Breaking Bad“ zeigen auf, dass auch das Mainstream-Publikum Gefallen daran findet sich mit gesellschaftlich abnormale Denkweisen auseinander zu setzen.

„Zoo“ kommt mir jedoch eine Spur zu romantisierend daher. Klar, man möchte Täter und Zeugen frei sprechen lassen, eine Position der Verurteilung oder der Verharmlosung nehmen die Filmschaffenden nicht ein. Ihre Interviewpartner, die mal durch Schauspieler ersetzt werden, manches mal aber auch sie selbst sind, idealisieren in den Interviews ihren Zustand aber sehr wohl. Lügen tun sie sicherlich nicht, aber sie verharmlosen meiner Meinung nach, gibt es doch einfach Themengebiete zum Gesamtbild Sodomie, die schlichtweg übergangen werden. Und scheinbar hatte Devor nicht vor bei solchen Lücken nachzubohren. Er hätte seine Interviewpartner auch frei sprechen lassen können und zu einem späteren Zeitpunkt womöglich entlarvende Fragen zu ausgelassenen Themengebieten stellen können. Der Authentizität der Sichtweise eines Betroffenen hätte das nicht geschadet. Es hätte das Thema lediglich erweitert.

Sicherlich wäre es auch interessant gewesen aufgrund der Aussagen Psychiater und Psychologen zu befragen ob ein Krankheitsbild zu erkennen ist und wie ein solch anderer Blick auf die Dinge aufkommen kann. Sicherlich werden auch sie nicht die Frage beantworten können ob wir Tunnelblickdenker sind, die dringend ihre Realität von Recht und Unrecht benötigen, um uns in der Welt zurecht zu finden, oder ob das auf uns anstößig wirkende Verhalten das Naturrecht von Freidenkern ist.

„Zoo“ konzentriert sich jedoch einzig auf den Empathie erzeugenden Blickwinkel für Sodomie-betreibende Menschen, die immer wieder betonen wie lieb sie ihre Tiere haben. Der Sex wäre nur ein winziger Teil des Gesamtbildes, heißt es einmal kurz im Film. Und die eher selten aufkommende Gegenstimme, die nicht gut heißt was diese Menschen treiben, bekommt im Laufe der Zeit immer mehr Verständnis für diese Menschen, eben so wie es vielleicht auch dem Zuschauer gehen kann: verstehen lernen ohne gut zu heißen, in der Ausnahme vielleicht sogar mehr. Das macht „Zoo“ durchaus interessant, aber auch zu einseitig. Allein deswegen ist es schon gut, dass er eine relativ kurze Laufzeit besitzt. Besser wäre „Zoo“ bereits ausgefallen, wenn er sich nicht absichtlich den Dokumentarfilm-Regeln widersetzt hätte. Er hätte auch auf klassische Art Empathie für Randgäner der Gesellschaft erzeugen können.

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