BREAKING BAD - STAFFEL 1 (Breaking Bad - Season 1 2008 Vince Gilligan u.a.)


Als der Chemielehrer Walter White erfährt dass er Lungenkrebs hat, und ihm bewusst wird dass er der Familie kaum etwas hinterlassen wird, kontaktiert er seinen ehemaligen Schüler Jessy Pinkman, von dem er zufällig weiß dass dieser Chrystal-Meth kocht. Er schlägt ihm eine geschäftliche Partnerschaft vor, in welcher er chemisch professionelles Meth kocht, wie es der Markt noch nicht gesehen hat, während Pinkman das Zeug verticken soll. Doch der Plan ist so naiv wie er zwielichtig ist, und es dauert nicht lange bis beide Geschäftspartner sich in solch enormen Schwierigkeiten befinden, dass diese nur schwer vor Walters Familie und insbesonders vor Whites Schwager Hank, einem DEA-Agenten, zu verheimlichen sind...


Die Geburtsstunde eines neuen Heisenberg...

"Breaking Bad" ist eine Serie, mit der sich damals (das ganze ist immerhin wieder ganze erschreckende 10 Jahre her) jede andere ernst erzählte Serie messen musste. Und das ist meiner Meinung nach trotz einer seit dem vielfältig gewachsenen Serienlandschaft noch immer der Fall. Nur selten findet man so viel Feingefühl für die kleinen Nebensächlichkeiten innerhalb einer mal aufregend und mal ruhig erzählten Serie, die konstant interessant bleibt, frei von Widersprüchen und Serienkrankheiten ist und ein Gespür für die psychologische Raffinesse ihrer Figuren und Situationen besitzt, so dass trotz etlicher Ausflüge in den Comicbereich und anderweitiger Übertreibungen das Geschehen als Ganzes doch innerhalb seines eigenen Universums glaubwürdig bleibt. Einiges von dem hier Aufgezählten ist erst im Laufe der Zeit zu entdecken, die erste Staffel ist im Vergleich zu später mit ihren sieben Folgen recht kurz und schlicht ausgefallen, aber sie weiß von Anfang an den Zuschauer zu packen und signalisiert trotz relativ kurzer Laufzeit kompromisslos ein Interesse an seinen komplexen Figuren, bishin zu kleinen Nebenrollen und damit einen Hang zum liebevollen Umgang mit Details.

Mehr noch ist es die fast schon penetrant angegangene Intensität, mit welcher die Geschichte so detailreich erzählt ist, ohne sich währenddessen einem Zielpublikum anzubiedern, welche die extreme Wirkung des Erzählten dieser Serie ausmacht. Nach flotten drei Folgen fährt "Breaking Bad" herunter und nimmt sich erst einmal die Zeit, dass seine Figuren verarbeiten können was Aufregendes geschehen ist und nimmt in der vorletzten Folge noch einmal ordentlich Anlauf mit einer gewaltigen Wirkkraft, um mit der letzten Episode das Ende einer Geschichte zu präsentieren, die zwar noch viele Fragen und Möglichkeiten offen lässt, aber an einem Punkt endet, der fasziniert hätte, falls es nie zu einer zweiten Staffel gekommen wäre, eben weil sie endgültig bewusst macht was sich Walter White mit seiner fixen Idee eigentlich selbst angetan hat. Glücklicher Weise blieb es nicht nur bei dieser einen Staffel, und die Verantwortlichen der Serie bewiesen mit der Zeit wieviel mehr sie noch aus diesem Thema möglich machen konnten. Der Freund guter Geschichten dankte es ihnen, bis "Breaking Bad" schließlich sogar zu einem Massenphänomen wurde, was mich unglaublich überrascht hat, so komplex und tiefsinnig wie die Serie erzählt ist, und so sehr wie die Masse, auf Kinoproduktionen bezogen, sonst eher das inhaltlich schlichte Event bevorzugt.

Wie erwähnt blitzen besagte Vorzüge in der ersten Staffel zunächst noch eher schlicht auf, auch wenn man ihre Qualität nicht unter den Scheffel stellen muss, so großartig wie sie sich bereits in diesen wenigen Folgen präsentiert, schließlich gilt es zunächst einem die wichtigsten Figuren nahezubringen (und die Möglichkeiten die sich mit ihnen untereinander jeweils bieten), später wichtige Randbereiche müssen bereits ausgelotet werden, und die Geschichte muss einen glaubwürdigen Beginn erhalten und eine ebenso glaubwürdige Fortsetzung der Taten, nach dem Walters Pläne einen anderen Verlauf nahmen als anvisiert wurde. Das Geheimnis der Serie liegt neben den bisher aufgezählten Vorzügen von ihrem unglaublich ausgewogenem und kompatiblen Mix aus Drama, Thriller und Komödie, gerade obwohl man sich mit den Themenbereichen Schwangerschaft und Lungenkrebs schnell ein Beinchen stellen kann, welches Zuschauer eher auf Distanz gehen lässt. Im späteren Bereich werden beide Beispiele zu einem leicht lästigen Ballast, mit welchem die Autoren aber gekonnt umzugehen wissen, in Staffel 1 ist davon noch nichts zu spüren, alles greift nahtlos ineinander. Mit erschreckender Realität bekomme wir einen Einblick in die Behandlungsmethoden eines Krebskranken. Dramatische Momente mixen sich mit zynischen und satirischen, ohne der Sache den nötigen Respekt zu nehmen. Auch hier beweist sich "Breaking Bad" als hervorragend erzählt.

Es ist interessant nach all den Jahren nun einen erneuten Ausflug ins "Breaking Bad"-Universum zu nehmen, nun alles wissend was kommen wird, und mein erneuter Blick auf die Dinge macht allein schon deswegen umso mehr Spaß, als dass mich während der zweiten Sichtung zwei Freunde begleiten, welche die Serie noch nicht kennen. Deren Ahnungslosigkeit was noch alles auf sie zukommt und ihre Spekulationen darüber geben der Serie einen ebensolchen Mehrwert wie die Beobachtung aus dem Zustand heraus über alles Kenntnis zu besitzen. Denn mal ehrlich, den wilden Ritt von "Breaking Bad" vergisst man nicht, da hat man noch das meiste an Erlebtem in Erinnerung. Deswegen kommt gerade hier der Hang zur Detailversessenheit der Autoren einer zweiten Sichtung sehr gelegen, da man nun die Raffinesse hinter allem Erzählten näher erblicken kann, wie all das Kommende vorbereitet und nach und nach entfesselt wird, seien es nun Zuschauertäuschungen, Nebensächlichkeiten oder Hauptattraktionen. Es war interessant zu sehen wie stark "Breaking Bad" bereits beginnt, aber auch wie seicht und simpel sich die gar nicht unkomplexe erste Staffel im unfairen Vergleich mit späteren schaut, strenge Adjektive, die nur im direkten Vergleich mit dem Kommenden zutreffend sind, das gebe ich zu. Aber allein dass man in Staffel 1 noch manches voraussehen kann, später aber so gut wie gar nicht mehr, macht doch deutlich dass die erste Staffel im direkten Vergleich eine Spur einfacher begonnen hat, als sie fortgesetzt wird.


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