Sonntag, 25. Mai 2014

DAS BLUTGERICHT DER REITENDEN LEICHEN (La noche de las gaviotas 1975 Amando de Ossorio)


Dr. Stein übernimmt die ärztliche Versorgung in einem kleinen Küstendorf. Die Anwohner haben kein Interesse an seinem Engagement und nachts beobachten der Arzt und seine Frau die Ortsansässigen bei ungewöhnlichen Ritualen am Strand. Erst als einige junge Frauen im Dorf nicht mehr auftauchen mischt sich Neuling Stein ein. Ein fataler Fehler...


Die treuen Diener der reitenden Leichen...

Die lediglich nur schluffenden Leichen aus dem Vorgänger „Das Geisterschiff der reitenden Leichen“ waren nicht sonderlich aufregend. Nun reiten sie wieder, und das ist doch eigentlich das, was der Fan der Reihe sehen will. Aber auch unter den Fans spaltet sich die Meinung, ob die Filme Ossorios reiner Trash sind oder ob man eine gewisse Achtung vor ihnen haben sollte. Doch so sehr der Sound inmitten von Irrsinn auch wieder für ein gewisses Grad Atmosphäre sorgt, und so charmant die übernatürlichen Übeltäter auch ausschauen mögen, ich gehöre zu jenen Freunden der Streifen, die in den Werken lediglich unbeholfenen unfreiwillig komischen Trash erkennen. Ich liebe die Filme und ich schätze die Bemühungen Ossorios, aber der gute Mann war einfach kein guter Geschichtenerzähler, und sein Scheitern amüsiert mich mehr als die wenigen Punkte seines Gelingens.

Ganz anders geht es mir jedoch mit seinem vierten und letzten reitenden Leichen-Projekt. Es ist erstaunlich wie stark sich dieses in seiner Art von den drei Vorgängern unterscheidet, schafft es Ossorio doch, dass man sein Werk tatsächlich ernst nimmt, so langsam wie er die eher banalen Geschehnisse aufbaut und so stimmig wie er einen klassischen Grusler erzählt. Dass die Templer die Auflösung der rätselhaften Ereignisse sind, ist für einen Teil 4 ungewöhnlich. „Das Blutgericht der reitenden Leichen“ hätte als ein Teil 1 dementsprechend auch mehr Potential gehabt anstatt als dritte Fortsetzung. Aber so wie eigentlich jeder Teil der Reihe, so steht auch Nummer 4 für sich allein und sollte auch so betrachtet werden um ihm eine echte Chance zu geben.

Man sollte jedoch ein geduldiger Zuschauer sein, der Kleinigkeiten in Filmen zu schätzen weiß, um am letzten Auftritt von Ossorios Templern seinen Gefallen zu finden. Die Kraft des Filmes liegt in der Ruhe und dem langsamen Voranschreiten der Geschichte. Wahrscheinlich fand ich den Streifen als Teenager deshalb so langweilig. Beim kürzlichen Neusichten ist er für mich zum gelungendsten Teil der Reihe aufgestiegen, wusste ich es doch zu schätzen wie toll Ossorio die Küstenkulisse und das originale, alte Dorf einzufangen wusste, es fast schon wichtiger werden zu lassen als die Protagonisten.

Und ob Zufall oder nicht: es tut der Geschichte gut, dass ein Neuling frei jedem Verständnis für andere Kulturen auf Kirk-Art die Geschehnisse ungefragt an sich reißt, um damit eine Katastrophe herauf zu beschwören. Wer die Vorgänger kennt weiß dass Ossorio damit keine Kritik am Umgang mit anderen Kulturen übt, er wendet diesen Charakter lediglich auf der Grundlage der von ihm entwickelten Geschichte an. Glücklicher Weise geht Kino aber immer wieder über das hinaus was die Beteiligten eines Filmes wollten, und das betrifft auch diesen Punkt des hier besprochenen Werkes.

Dass die Geschichte so löchrig wie die seiner Vorgänger erzählt ist, ist nicht von der Hand zu weisen. Allein das unsinnig wirkende Ritual mit zwei Schritten zurück betrachtet und die Frage warum die Anwohner bei solch einem Schicksal weiterhin im Heimatdorf verweilen, sind Fragen die sich geradezu aufdrängen. Aber die stimmige Inszenierung lässt einen da nicht zu streng sein. „Das Blutgericht der reitenden Leichen“ guckt sich dafür viel zu sehr wie ein klassischer Gruselfilm, diesmal im Ergebnis in einer Variante wie sie vom Regisseur auch gewollt war und diesmal zielstrebiger einem roten Faden folgend. Und das weiß man einfach zu schätzen.

Einzig das zunächst endlose Wiederholen der immergleichen Geschehnisse kann einem ein wenig auf den Wecker gehen, aber auch das hat mir nicht wirklich den Spaß an diesem stimmigen kleinen Stück Horrorfilm vermiest, das freilich noch immer über klassische unfreiwillige reitende Leichen-Komik verfügt, insgesamt aber, und sei es nur durch den Vergleich zu seinen Vorgängern, durch seine stimmige Atmosphäre zu überzeugen weiß. In einer Zeit in welcher andernorts das moderne Terrorkino begann, besann sich Ossorio auf die Kraft des klassischen Gruselfilms. Ob er die Zeichen der Zeit einfach nur verschlafen hat oder absichtlich klassischen Horror als Alternative zur Moderne ablieferte, ist mir nicht bekannt, ist für das überraschend charmante Ergebnis des diesmal nicht nur mit unfreiwilliger Komik punktenden Streifens aber auch egal. Zutrauen würde ich Ossorio beides.

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