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Montag, 22. Juni 2015

FRANKENSTEINS HORRORKLINIK (Horror Hospital 1973 Antony Balch)


Ein Rockmusiker glaubt eine sexy Wellness-Buchung gemacht zu haben und landet in seinem Urlaub stattdessen in einem Schloss, in welchem ein durchgeknallter Wissenschaftler an den Gehirnen junger Menschen herumpfuscht, um sie sich gefügig zu machen...


Die Lobotomie-Schlägertrupp-Rocker...

Harter Tobak kann ich nach Sichtung von „Frankensteins Horrorklinik“ nur sagen, einem völlig durchgeknallten Werk, wie es auch nur in den 70er Jahren mit seinem schrägen Mix aus Sex und Horror entstehen konnte. Freilich hat das Ganze im Gegensatz zu dem was der deutsche Titel behauptet nichts mit Frankenstein zu tun. In Deutschland zog es damals immer eine der klassischen Horrorgestalten im Titel zu nennen, obwohl das Genre sich längst von ihnen löste und mutigere, ja geradezu bizarrare Wege ging.

Der hier besprochene Film ist das beste Beispiel dafür, ist der Wissenschaftler im Zentrum, der passend zum Deutschtitel in der Synchro auch ständig Frankenstein genannt wird, durchgeknaller als alles was üblich ist im beliebten Bereich der Genre-Beiträge um Mad Scientists. Hier wird kein Grenzbereich geboten der zwischen Genie und Wahnsinn zweifeln lässt. Dr. Frankenstein ist ein durchgeknaller Irrer, der idiotischste, menschenverachtende Experimente durchführt, einfach aus dem Grund weil er es kann. Ein weiteres persönliches Interesse hat der gute Mann zwar ebenfalls an seiner Forschung, da dies aber zur Auflösung der Geschichte gehört, sei hier diesbezüglich lediglich verraten, dass es zum Grundton des Streifens passt was wir gegen Ende erfahren.

Für seine Zeit ist „Horror Hospital“ (Originaltitel) recht blutig ausgefallen. Der sexuelle Hintergrund wird optisch nicht all zu sehr ausgeschlachtet. Hin und wieder gibt es nackte Tatsachen zu sehen, die Thematik ist da jedoch schon wesentlich amouröser ausgefallen, passend zum frisch aufgeklärten Stil der europäischen Welle des Erotikkinos, glücklicher Weise aber auch nicht so dominant eingebaut, als dass es das Grund-Genre des Horrors verraten würde. Ein „La bête“, wie zwei Jahre später in Frankreich entstanden, braucht hier niemand befürchten. Antony Balchs Werk ist eine völlig überdrehte Groteske, die ihre wahnsinns Ideen möglichst ernst umsetzt, um damit ein solch skurriles Ergebnis zu erzielen wie erreicht. Komik gibt es lediglich in der Rolle des recht eigensinnigen Dieners Frankensteins zu entdecken, die Restinszenierung tut fast so, als würde sie ihre Story ernst nehmen.

Das tut sie natürlich nicht wirklich, dafür geht Balch viel zu verspielt mit den Zutaten um, badet nicht nur in gängigen Klischees des klassischen Gruselfilms, sondern bläst diese unübersehbar auf, und vermischt sie mit damals modernen Elementen. So fallen z.B. die Leibwächter in ihrer Motorradkluft samt Helm als ungewöhnlich auf, und sie wissen zu wirken. So simpel kann man eine wirksame Schräge ins Geschehen einbauen. 10 Jahre später und in Amerika gedreht und Charles Band wäre am Film beteiligt gewesen, garantiert.

So sehr sie auch wirken, etwas zu viel werden die Motorrad-Bodyguards des Wissenschaftlers dennoch eingebaut, kloppen sie sich doch ständig mit den Helden des Streifens, denen es immer wieder gelingt sich zu befreien, ohne dabei aus ihren Fehlern zu lernen oder so etwas wie einen halbwegs sinnigen Plan zu erschaffen. Dass es ihnen beim x-ten Versuch gelingt den Sieg über das Geschehen zu erhaschen, ist eher dem Zufall geschult. Zunächst ist der Motorrad-Schlägertrupp fast übermenschlich stark, und wenn es Balch inhaltlich in den Kram passt, bekommen sie plötzlich die Prügel ihres Lebens von den Helden beschert.

„Computer Killers“ (Alternativtitel) atmet pausenlos den Zeitgeist der 70er Jahre, ohne zum typischen Produkt seiner Zeit zu werden. Er ist ein andersartiges Underground-Projekt, das sich individuell guckt, sich in seiner ewig inhaltlichen Wiederholung aber auch hin und wieder unnötig ausbremst, so dass eine kürzere Laufzeit dem Streifen definitiv gut getan hätte. Nicht falsch verstehen, ich mag „Madhouse“ (Alternativtitel), und ich mag es wie wacker sich die gar nicht so talentierten Jungdarsteller schlagen, aber etwas weniger Leerlauf hätte dem an sich einfallsreichen Film gut getan.

Nach dem Horrorfilm „Secrets of Sex“ war dies der zweite und letzte Langfilm des eigentlichen Kurzfilmers Balch, und mit Blick auf dieses einzige Werk was ich von ihm kenne, ist es schon schade dass er nicht noch mehr Genre-Beiträge fabriziert hat. Immerhin konnte er für „Doctor Bloodbath“ (Alternativtitel) Horror-Legende Michael Gough für die Rolle des irren Wissenschaftlers an Bord holen, der später auch den Alfred in den „Batman“-Filmen der 80er und 90er Jahre spielen durfte.

P.S.: Zum Schluss muss mir nur noch wer verraten, warum die herrlich schräge Idee eines Guillotine-Autos Menschen köpft, wenn das scharfe Messer, welches seitlich aus dem Auto herausschießt, doch maximal auf Schenkelhöhe angebracht ist.


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