Schlombies Filmbesprechungen auf Facebook:

Samstag, 4. Juli 2015

DOC WEST - NOBODY IST ZURÜCK (Doc West 2009 Terence Hill u.a.)


Erst wurde West durch einen Bankraub das Geld gestohlen, weswegen er sich auf die Suche nach den Dieben macht, und dann wird er um sein rechtmäßiges Geld beim Poker spielen betrogen, wofür er in den Knast wandert. Zwar versteht er sich mit dem Sheriff ganz gut, dennoch soll er die Stadt nach der abgesessenen Haft verlassen. An sich hat West damit kein Problem, aber als er den Bankräubern aufgrund eines markierten Geldscheines auf die Spur kommt, kehrt er zurück in die Stadt und gelangt mitten in einen Interessenkonflikt zweier rivalisierender Familien...


Die heile Welt des Terence Hill...

Es ist zwar schade dass der deutsche Verleih wieder einmal glaubt mit einem Nobody im Titel durch Täuschung ein breiteres Publikum erreichen zu müssen („Nobody ist der Größte“ war ebenfalls keine Fortsetzung von „Mein Name ist Nobody“), aber der Titel Doc West revidiert die Behauptung im selben Atemzug. Das ist ein merkwürdiges Vorgehen, aber was soll‘s. Eine nähere Verwandtschaft zur Hauptfigur hat der Streifen ohnehin nicht zu Nobody, sondern viel eher zu „Lucky Luke“, in welchem Terence Hill in die titelgebende Rolle geschlüpft ist, die sich sein Sohn zu Lebzeiten schon immer von Papa gespielt gewünscht hatte. Nach dessen frühen Tod erfüllte Terence Hill seinem Sohn diesen Wunsch.

Die tragischen Umstände zeigen bereits wie viel Emotion hinter einem solchen Vorhaben steckt. Terence Hill ist sanft geworden, wurde dies eigentlich schon beim 90er Jahre Comeback-Versuch „Die Troublemaker“, und den Kurs hält er noch immer bei. Klar, es ist schön ihn, wenn auch sichtlich gealtert, in Cowboy-Kluft wieder im Sattel sitzen zu sehen, aber diese arg brave Grundstimmung steht doch im extemen Gegsatz zu den frechen Frühwerken, die es schafften auf unverkrampftere Art eine komplette Familie zu unterhalten. Gibt man „Doc West - Nobody ist zurück“, der gleichzeitig mit der Fortsetzung „Doc West - Nobody schlägt zurück“ abgedreht wurde, eine Chance als das was er ist, gibt es trotzdem genug Gründe kritisch mit dem abgelieferten Stoff umzugehen.

Mit der tragischen Hintergrundgeschichte, die dazu führen wird dass aus West Doc West wird, und dem einsamen Reiter damit seine Mystik beraubt wird, kann ich in einem familienfreundlichen Film noch leben. Aber dass man sich atmosphärisch keine Mühe gegeben hat, verärgert richtig. Die Stadt wirkt frisch erbaut, die Leute auf der Straße sehen aus wie das was sie sind: Statisten, die Bärte der jungen Männer sind fein frisierte Modebärtchen und die Zähne strahlen so weiß wie es sie im Wilden Westen nie gegeben hätte.

Der Film strahlt ein steriles Kunstbild aus und verweigert dem Zuschauer damit die Möglichkeit so weit eintauchen zu können, um das Schauspiel für einen Moment zu ignorieren und für echt zu halten. Damit bleibt „Doc West“ ein zu theoretisches Stück Film, welches zudem inhaltlich altbekannte Storyfragmente vergleichbarer Filme uninspiriert abarbeitet. Neben den Themen Familienzwist, Sheriff mit fragwürdigem Hintergrund und verbrecherische Erweiterung von Weideland werden selbstverständlich auch Terence Hill-Klischees abgespuhlt, die sich zwar als augenzwinkernde Verbeugung verstehen und die in solch einem Film auch konsequenter Weise dabei sein müssen, aber selbst die werden nicht gerade toll eingebaut.

Wenn Hill den Tolpatsch beim Kartenmischen spielt, schaut sich das nicht so komisch wie einst. Und wenn er dann als Voll-Profi die Karten mit allerlei Tricks sehr geschickt mischt, schaut sich das nicht halb so flüssig und belustigend wie in den guten alten 70er Jahren. Zumindest Terence Hill selbst weiß gealtert zu wirken, strahlt noch immer den charmanten und attraktiven Blauäugigen aus, der ihm überhaupt erst seine Karriere ermöglichte, und mit der Schwarzenegger-Synchronstimme weiß er in seiner sanften Art zu wirken.

Letztendlich ist der Streifen jedoch viel zu politisch korrekt ausgefallen, etwas das ich bei einem italienischen Filmbeitrag nie in solch einer Extreme vermutet hätte. Da darf der Familienzwist schließlich ohne Waffen in einem Wettbewerb geklärt werden, und selbst Prügelszenen schauen sich nicht wie damals. Prügelorgien gibt es schon mal gar keine, und wenn West einem Typen mehrmals eine runterhaut, wird dies so sanft und mit größten gewissenhaftem Tathintergrund präsentiert, dass selbst strengste Katholiken nicht über die ausgelebte Gewalt meckern würden. Und warum muss West gerade heraus sagen und damit unnötig betonen, dass er die Waffe nur zur Verteidigung bei sich trägt?

Mit alten Terence Hill-Filmen hat das alles nichts mehr zu tun, zumindest nicht mit jenen die vor den 90er Jahren entstanden sind. Da kann der Deutschtitel noch so provozierend lügen und manipulieren. Sicher gibt es an „Doc West“ als reinen Kinderfilm nichts zu meckern. Man kann ihn in jungen Jahren gucken, sich kurzfristig unterhalten und ihn dann wieder vergessen. Aber mit Terence Hill im Sattel ist eine Enttäuschung quasi vorprogrammiert. Aus diesem Blickwinkel heraus betrachtet ist der Streifen sogar extremst enttäuschend. Andererseits ist dies auch ein sehr unfairer Blick auf einen Film der nur eines sein will: ein harmloser Spaß für Kinder.


Weitere Reviews zum Film: 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen