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Freitag, 25. September 2015

LEFT BEHIND (2014 Vic Armstrong)


Während eines Fluges verschwinden Menschen spurlos. Ihre Anziehsachen und persönlichen Gegenstände sind noch da. Auf der Erde ist selbiges passiert. Alle Menschen die an Gott glauben sind ins Himmelreich gelangt, der Rest fristet ein Dasein im Chaos. An diesem ersten Tag des Endes versucht ein Pilot seine Maschine sicher zu landen, während seine Tochter unten auf der Erde so langsam die Zusammenhänge dessen begreift was gerade passiert...


Liebe ersetzt nicht den Glauben...

Sich des anfänglichen Aufhängers von „Die Langoliers“ zu bedienen, dass Menschen in einem Flugzeug spurlos verschwinden und dies mit dem Hintergrund aus „Das ist das Ende“ zu verbinden, dass der jüngste Tag gekommen ist an dem die Gottesgläubigen die Erde verlassen und alle Ungläubigen zurück bleiben, klingt doch eigentlich nach einem recht vielversprechenden Plot, allein schon weil „Left Behind“ keine humorvolle Adaption dieser Idee ist, im Gegensatz zu Seth Rogens Anarcho-Komödie, sondern ein ernster Fantasyfilm mit starkem Drama-Gehalt.

Ich weiß nicht wie es bei den anderen Verfilmungen „Left Behind“ aus dem Jahr 2000, „Left Behind 2“ und „Finale - Die Welt im Krieg“ aussieht, aber die Verfilmung von Regisseur Vic Armstrong, der in den 90er Jahren diverse Beiträge zur Serie „Die Abenteuer des jungen Indiana Jones“ abgeliefert hat, konzentriert sich leider fast ausschließlich auf das was im Flugzeug passiert, was dazu führt dass auch das komplette Finale sich um eine Frage dreht: gelingt die Notlandung oder nicht.

Ein Flugzeug-Drama vor dem Hintergrund dessen was biblisch passiert ist schon ein etwas dünner Plot bei all dem was da zu erzählen wäre. Zwar schließt man den Film mit den Worten dass dies erst der Anfang vom Ende wäre, was scheinbar eine Fortsetzung andeutet, aber trotzdem hätte man doch gerne mehr von den Geschehnissen auf der Erde erfahren. Da crashen Autos, Flugzeuge und Motorräder, Feuer gehen auf, es wird geraubt und getrauert, Verzweiflung zeichnet sich in den einen Gesichtern ab, eine Chance andere abzuzocken in den anderen, aber für ein Geschehnis dieses großen Ausmaßes wirkt doch alles trotzdem noch recht friedlich umgesetzt.

Hier hätte man „Left Behind“ ein größeres Budget gewünscht, um die Katastrophe auf Erden, welche die logische Konsequenz daraus ist, dass Menschen von einem auf den anderen Moment spurlos verschwinden, konsequent umzusetzen. Das Budget allein trifft jedoch nicht die einzige Schuld. Wenn die Tochter auf einen hohen Punkt klettert mit Blick auf die Stadt, und dort alles friedlich aussieht, dann ist dies ganz klar ein faustdicker Filmfehler den nur ein Blinder übersehen kann - zumal im Finale im Hintergrund eine Stadt zu sehen ist, die in Feuer und Chaos versinkt. „Left Behind“ ist keine Großproduktion, das wagt wohl niemand mehr mit Nicolas Cage in der Hauptrolle, aber solch ein Fehler dürfte einfach nicht passieren.

Zumindest begeht der Film jedoch nicht den anderen möglichen Fehler, dass nun alle zu gläubigen Menschen werden, immerhin haben die Menschen alles verloren was sie hatten, sehen sich nun, wenn sie schon glauben, von einem egoistischen Rachegott betrogen, der alles andere als anbetungswürdig ist, bei all der Beachtung die er scheinbar haben möchte. Das ist schon eine recht mutige Interpretation für eine Geschichte, die eigentlich den Gläubigen Recht gibt, auch wenn so mancher im Film seinen Glauben aufgrund dessen was passiert ist neu entdeckt.

So schön das für einen Atheisten wie mich auch ist, so schwierig gestaltet sich solch ein Blick auf die Dinge jedoch für den Film, der dadurch etwas unausgegoren wirkt. Man weiß nicht was er eigentlich mit seiner Erzählung erreichen will. Weicht er deswegen auf diesen eigentlich fast unnötigen Hauptplot um eine Flugzeugnotlandung aus? Hoffte man mit einem Familien-Drama im Zentrum, kombiniert mit der Tragik und dem Spannungsbogen eines Katastrophenfilms, von der wackeligen Basis abzulenken? Schließlich ist es schwer einen Film zu diesem Thema zu drehen, der wahrscheinlich eher Ungläubige lockt, so phantastisch und gewagt die Idee klingt der Bibel Recht zu geben.

Nicolas Cage weiß in seiner Rolle wunderbar aufzugehen und beweist um ein neues, dass er nicht nur überagieren kann, wie ihm gerne vorgeworfen wird, sondern dass er ein talentierter Schauspieler mit dem Mut zu ungewöhnlichen Stoffen ist. Die Filmtochter ist süß, meistert die meisten Szenen ordentlich, sticht jedoch eher durch ihre Wirkung als durch ihr schauspielerisches Talent hervor. Der junge Held an der Seite des Piloten, ein Nachrichtenreporter, lässt einen zwiegespaltenen Eindruck zurück, ist ein bisschen zu arg auf guter Charakter und Krisenmanager getrimmt, wobei die Krise im Flugzeug ebenso überschaubar abläuft wie auf der Erde. Ein paar hysterische Mütter die ihre Kinder verloren haben und Menschen welche die Nerven verlieren, um sich auch kurz darauf wieder zu fangen, lassen den Zuschauer nicht gerade eine Endzeitstimmung nachempfinden, mehr wissend als die Personen an Bord.

Kurzum: „Left Behind“ ist ein Film dessen Geschichte viel Potential bot, und der auf ein reines Flugzeug-Notlande-Drama reduziert wurde. Zwar weiß die Umsetzung nicht wirklich zu gefallen, man kann Armstrong jedoch zugestehen, dass bei solch gewagtem, fast schon naiven Stoff, die Chose auch wesentlich lächerlicher und peinlicher hätte ausfallen können. Dieser Fantasyfilm mag nicht wirklich geglückt sein, aber seine etwas zu schlichte Geschichte inmitten vom großen Chaos meistert er zumindest souverän, so dass man zumindest das Ende des Streifens erreichen kann ohne sich zu langweilen oder all zu arg die Augen zu verdrehen. Ich persönlich hatte mir wesentlich mehr erhofft, hätte bei einem möglichen Scheitern aber auch gleichzeitig mit einem schlimmeren Ergebnis gerechnet.


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