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Samstag, 10. Oktober 2015

FISCH ODER FLEISCH (Ni vu, ni connu 1958 Yves Robert)


Der Wilderer Blaireau ist dem Bürgermeister und der Polizei des friedlichsten Dorfes Frankreichs mit seinen ungesetzlichen Taten ein Dorn im Auge. Die Bürger erfreuen sich jedoch an seiner Beute, die Blaireau mit List und Tücke dem Volk heimlich verkauft. Als der oberste Polizist nachts im Dunkeln von jemand Unbekanntes verprügelt wird, nutzt man die Chance zu behaupten Blaireau sei der Schuldige. Trotz seiner Beteuerungen unschuldig zu sein landet er im Gefängnis...


Leben oder gehorchen...

„Fisch oder Fleisch“, ein Louis de Funès-Film der es ausnahmsweise einmal nicht auf zig weitere deutsche Alternativtitel geschafft hat, ist ein herrlich unverfrorenes und unverkrampftes Stück Plädoyer gegen die Unsinnigkeiten von Politik und Gesetz und damit gleichzeitig ein Plädoyer für freies Leben. Das Treiben Blaireaus ist Anarchie von seiner positiven Seite, eine Rebellion gegen unsinnige Gesetze und hirnlose Menschen, welche die Einhaltung dieser fordern oder bewachen. Das Thema Menschlichkeit steht im Zentrum, und in seiner Kritik wählt man zwar einen äußerst albernen Ton, aber auch einen treffsicheren, der auf einfachem Wege Fehler in der Gesellschaft in ihrer eigenen Unsinnigkeit entlarvt.

Louis de Funès spielt wie so oft in seinen etwas früheren Werken nicht so zappelig und damit weniger nervig als später oftmals, verzichtet trotzdem aber nicht auf Zoten und übertriebenes Mimenspiel. Es wäre auch Perlen vor die Säue wenn nicht, denn die Geschichte ist absichtlich infantil erzählt, Parallelen zu Dick und Doof, oder zumindest zur „Klamottenkiste“, sind nicht zu übersehen, wahrscheinlich sogar als Verbeugung vor der frühen Stummfilm-Slapstick-Zeit gedacht.

Das wirksame an dem manchmal etwas wirr erzählten „Ni vu, ni connu“ (Originaltitel) ist seine teilweise bis zur schwachsinnig hochgeschaukelten Extreme angegangene verspielte Art, mit der hier fröhlich gekalauert wird. Für keine Idee ist man sich zu schade, und die Spielfreude der Beteiligten ist nicht zu übersehen. Polizisten die sich völlig bescheuert in Blaireaus Wohnung verstecken, ein Gefängnisdirektor der seine Gefangenen verwöhnt weil er ein zu weiches Herz hat, ein Gesetzeshüter welcher der trotteligen Art der „Pippi Langstrumpf“-Polizisten in nichts nachsteht, ... „Fisch oder Fleisch“ ist lockerflockig erzählt, sich seiner Albernheiten bewusst, diese jedoch zielgerecht einsetzend als Spiegelbild der hier angegangenen Gesellschaftskritik. Sich nicht dem Klamauk zuzuwenden würde quasi nicht zur Aussage des Filmes passen. Und das ist das wundervolle daran.

Leider verliert der Streifen in seinem Finale etwas an Tempo, ist zwar dann auch gefüllt mit allerhand treffsicheren Seitenhieben auf die Obrigkeit, die Hälfte des Szenarios nach der Freilassung Blaireaus hätte man jedoch locker kürzen können. Auch die eingeflochtene Love Story, die Einfluss auf das teilweise Episoden-artige Treiben des Wilderers hat, wirkt nicht immer überzeugend eingebracht, wirkt manchmal wie ein ausbremsendes Anhängsel, aber dies zumindest nur in der Ausnahme. Auch hier sind die meisten Szenen geglückt. Sehenswert ist „Fisch oder Fleisch“ auf jeden Fall, auch wenn er an mancher Stelle etwas zu wackelig geraten ist.


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