Schlombies Filmbesprechungen auf Facebook:

Samstag, 26. Dezember 2015

INSIDIOUS (2010 James Wan)


Die Lamberts wohnen noch nicht lang in ihrem Haus, da wacht ihr Sohn nach dem Schlafen gehen nicht mehr auf und liegt in einer Art Koma. Zeitgleich nimmt die Mutter übernatürliche Vorkommnisse im Haus wahr...


Die rote Tür...

„Insidious“ beginnt wie der klassische Spukhaus-Film und wirkt aufgrund der eindimensionalen Figuren zunächst ziemlich austauschbar und vorhersehbar. Doch das ändert sich ziemlich genau zu jenem Zeitpunkt, in welchem die Familie Lambert aus dem vermeintlichen Spukhaus auszieht. Zwar bleiben die Figuren weiterhin ziemlich oberflächlich und damit lediglich Figuren in einem Film, aber die Geschichte wird zu einer interessanten, die zwar theoretisch gesehen lediglich die Geschehnisse von Spielbergs „Poltergeist“ erneut erzählt, dabei jedoch völlig andersartig wirkt. Auf den zeitlichen Unterschied beider Werke kann man dies wohl kaum zurückführen, vertraut Regisseur Wan doch dem klassischen Erzählstil, sowie den typischen inhaltlichen Komponenten dieser Thematik. Nicht einmal die Geisterexperten überraschen mit neumodischen Methoden.

Wan gibt den einzelnen Elementen aus Spielbergs Film jedoch ein anderes Gesicht. So wirkt das Medium menschlicher und weltoffener als die rein esoterische Vergleichstante aus dem berühmten Vorbild. Die Familie wirkt anders, die Gründe sich an Geisterexperten zu wenden wirken nachvollziehbarer, das Jenseits ist anders dargestellt. So gaukelt der Film einem gekonnt vor etwas halbwegs Frisches im immergleichen Sub-Genre des Spukfilms zu sichten.

Dank einer aufregenden Geschichte und eines hohen Gruselpotentials reicht diese Täuschung auch vollkommen aus um Gefallen an „Insidious“ zu finden. Etwas überrascht darf man sein, war Wan für mich doch nie der Gruselexperte. Sein Holzhammer-Thriller „Saw“ hat mich nicht vom Hocker gehauen, seinen „Dead Silence“ empfand ich lediglich als ganz nett, womit besagter Film allerdings wesentlich besser wegkommt als der vergeigte „Conjuring - Die Heimsuchung“, der trotz gruseliger Momente nicht wirklich zu überzeugen wusste. Warum „Insidious“ sich über all diese anderen Werken Wans hinweg setzt, liegt vielleicht bei Olen Peri begründet, der als Produzent mit an Bord war und uns mit „Paranormal Activity“ und „Chernobyl Diaries“ so einige spannende Momente bescherte, die ich als Film-Fan nicht missen möchte.

Wem auch immer wir das angenehme Ergebnis von „Insidious“ zu verdanken haben, der Film ist ein Glückstreffer - zwar einer der auf etwas wackeligen Beinen steht, da das enge Klammern an Klischees die positive Wirkung manches Mal blockiert und auch Schuld daran ist, dass man am Einstieg ins Geschehen zunächst nicht wirklich interessiert ist. Aber die positiven Aspekte überwiegen schließlich. Die Geschichte ist spannend und wendungsreich erzählt, die Musik kitzelt selbst dann noch eine Gänsehaut hervor, wenn sie im Abspann keine Szenen mehr untermalt, und auch die Optik weiß den Zuschauer so manches Mal zu erschrecken. Auch gelegentliche Momente von Stille wurden sinnvoll für den Grusel-Effekt eingesetzt, und im Gegensatz zu vielen anderen Gruselfilmen geht der spannungsgeladene Effekt nicht flöten, wenn die zunächst unsichtbaren Kreaturen sichtbar werden.

Menschliche Geistererscheinungen wissen auch in vielen Konkurrenzprodukten noch zu wirken. Aber wenn dämonische oder monströse Gestalten ins Geschehen treten, ist es oft vorbei mit der Gruselwirkung. In „Insidious“ steht uns eine Begegnung mit Erstgenanntem bevor, und da das Wesen zunächst in einem düsteren Rückblick in Erscheinung tritt und später in einem aufregenden Szenario, zerstört es nie die Wirkung der jeweiligen Szenen in denen es auftaucht. Und das darf schon verwundern, entspricht es doch optisch einigen Klischees die üblicher Weise dem Teufel zugeschrieben werden. Und das hätte dann so peinlich ausfallen können wie das Aussehen des Dämons in „Devil's Rock“.

Eine gute Inszenierung sei Dank blieb uns dies im hier besprochenen Film erspart. Stattdessen erleben wir mit „Insidious“ einen wirksamen, wenn auch etwas innovationsfreien, Horrorfilm, der einem wahrlich das Gruseln lehrt. Dass man Ahnung davon besitzt etwas wirksam in Szene zu setzen, beweist allein schon der Schriftzug im Vor- und Abspann, der mit seiner Schriftart und der Tonabfolge, mit welchem er untermalt wurde, etwas Bedrohliches ausstrahlt und einem für diesen Bruchteil von Sekunden suggeriert gerade großes Kino zu sehen. Das ist freilich von der Wahrheit ein wenig entfernt, „Insidious“ erfindet das Kino nicht neu, aber als Freund von gruseligen Stoffen sollte man sich Wans ersten Teil der bislang dreiteiligen Reihe ruhig einmal angesehen haben.


Weitere Reviews zum Film: 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen