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Montag, 15. Februar 2016

OUR IDIOT BROTHER (2011 Jesse Peretz)


Weil er einem Polizisten Gras verkauft hat, landete Ned im Gefängnis. Wegen guter Führung wird er 8 Monate später entlassen, und kaum zu Hause angekommen setzt ihn seine Lebensgefährtin vor die Tür. Nun kommt Ned abwechselnd bei seinen drei Schwestern unter und wirbelt deren Leben aufgrund seiner höchst naiven Art derart durcheinander, dass keine von ihnen mehr gut auf ihn zu sprechen ist...


Ein guter Kerl...

Es ist schade dass die sentimentale Komödie vom „Dein Ex - Mein Alptraum“-Regisseur Jesse Peretz solch einen missverständlichen Namen erhalten hat. Und ausnahmsweise ist einmal nicht der deutsche Titelgeber Schuld, denn den dämlichen Namen „Our Idiot Brother“ trägt der Streifen leider auch im Original. Dabei geht es gar nicht um einen Idioten, sondern lediglich um einen äußerst naiven Menschen, der an das Gute in seinen Mitmenschen und an die Ehrlichkeit glaubt. Er ist die einzige Person im Film, die sich selbst treu bleibt und, komme was wolle, zu dem steht was sie tut. Die Idioten sind die anderen. Sie sind Selbsttäuscher, Lügner und verkrampfte Idealisten. Zwar sehen sie in ihrem Bruder einen Idioten, so dass der Titel nach dem Sichten durchaus Sinn ergeben kann, aber letztendlich lockt er den Nichtkenner des Streifens mit falschen Erwartungen.

In diesem Falle zum Glück, würde das Einfangen von Erwartungen diesmal doch bedeuten, dass man eine dieser Volltrottel-Komödien zu sichten bekäme für die Adam Sandler einst berühmt und Pauly Shore einst berüchtigt war. Peretz jedoch setzt uns eine gefühlvolle, kleine Komödie vor, die zwar durchaus austauschbar ist, da sie einzig von den Charakteren lebt und nicht mit einer besonders interessanten oder gar einfallsreichen Geschichte trumpfen kann, aber wer wie ich gut herausgearbeitete Figuren aufdringlichen Oberflächlichkeiten, welche die meisten Kinobesucher anlockt, vorzieht, der wird von „My Idiot Brother“ (Alternativtitel) sicherlich nicht enttäuscht werden.

Das Ergebnis ist recht simpler Natur, da gibt es auch in diesem Filmbereich besseres zu entdecken, aber als kurzweiliger Zwischendurchverzehr geht diese liebenswerte Produktion durchaus als unterhaltsam, okay und amüsant durch. Paul Rudd steckt diesmal hinter einem Vollbart und einer Langhaar-Perrücke. Der auf seichte Rollen abonnierte Schauspieler verkörpert die Softie-Nummer auch trotz völlig anderem Erscheinungsbild - aber genau das kann er einfach unglaublich gut. Auch die Schwestern wissen alle zu überzeugen und die deutschen Synchronstimmen ebenso, so dass „Our Idiot Brother“ sowohl im Originalton als auch in der Deutschvertonung zu gefallen weiß.

Die unaufgeregte Geschichte braucht sicherlich ein wenig um in die Gänge zu kommen, zu ziellos wirkt das Treiben vor der Kamera zunächst, aber wie so oft beim Medium Film zahlt sich die Geduld aus, und wenn man erst einmal begriffen hat worum es geht, kommt einem auch der Anfang nicht mehr so orientierungslos vor. Deswegen dürfte ein zweites Sichten sicherlich besser ausfallen als das kritische erste. Dann kann man sich entspannter auf all die Familien- und Gesellschaftsfallen einstellen, in welche Ned tritt, wissendlich dass am Ende alles für alle gut ausgehen wird. Wem das zu naiv ist: bitte sehr, schaut lediglich gesellschaftskritische Werke ohne Happy End. Aber wer sich in dieser gefühllosen Welt ein wenig mit Ned identifizieren kann, wird mit dem Film und seinen schlicht ausgefallenen, aber nie moralisch daherkommenden, Botschaften sicherlich zufrieden sein.


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