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Dienstag, 23. Februar 2016

WILLKOMMEN BEI DEN SCH'TIS (Bienvenue chez les Ch'tis 2008 Dany Boon)


Weil er sich bei einem Versetzungantrag, um sich einen Vorteil zu verschaffen, als behindert ausgab ohne dies zu sein, wird der Postbeamte Philippe in den tiefsten Norden Frankreichs strafversetzt, eine Gegend von der er nur die übelsten Dinge gehört hat. Zu seiner Überraschung stößt er dort auf ein freundliches Volk, welches lediglich aufgrund seines merkwürdigen Dialektes ungewöhnlich auffällt. Während seine in der Heimat zurück gebliebene Frau glaubt Philippe erlebe die Hölle auf Erden, schließt der gutherzige Beamte neue Freundschaften und genießt das Leben mehr denn je - zumal auch seine Ehe aufgrund der Lüge besser funktioniert als zuvor...


Dasch isch ein herzlisser Film, hääää?...

Viele Jahre versuchten mir diverse Lehrer die französische Sprache ins Hirn zu hauen, und hätten sie es geschafft hätte ich „Willkommen bei den Sch‘tis“ im Originalton sichten können, was sicherlich die vorzuziehende Variante ist, wenn sich ein Großteil der Handlung um einen ungewöhnlichen Dialekt aus Nord-Frankreich dreht. Man sollte meinen, dass es kaum möglich ist die Komik auf eine andere Sprache umgemünzt zu bekommen. Aber auch wenn ich von diversen Quellen vernommen habe, dass der Deutschton nicht komplett die Qualität des französischen Originaltons erreicht, so kann man bei der Synchronisation doch trotzdem von einem überraschend gelungenem Ergebnis sprechen, welches u.a. dadurch erzielt wurde, dass man sich für keinen wirklichen deutschen Dialekt entschied, sondern einen eigens für den Film erfunden hat.

Es funktioniert wunderbar, auch wenn man als Zuschauer die Sch‘tis besser versteht als die Hauptfigur selbst. Ich wage es zu behaupten, dass Dany Boons Film sogar dann noch eine Empfehlung wäre, wenn der künstlische Dialekt nicht funktioniert hätte, gehen die Sympathien welche der Streifen ausstrahlt doch weit über die Sprachenkomik hinaus, zumal sie sich das Zentrum der Komik mit den Vorurteilen über Nord-Franzosen teilt, ein menschlischer Aspekt, der glücklicher Weise ohne erhobenen Zeigefinger aufgefangen wird. Anstatt moralisch zu werden zeigt uns Boon die Freuden des Lebens auf, die man erlebt wenn Fremde zu Freunden werden.

Aufgrund einer kitschfreien Umsetzung diesbezüglich innerhalb eines angenehm humorvollen Rahmens, der nie in irgend eine Form von umstrittener Extremkomik abgleitet, erschafft Boon mit seinem Rezept einen herzlichen Wohlfühlfilm, der durch gute Beobachtungen des Alltäglichen und trotz comicartiger Übertreibungen stets realistisch und gefühlsecht bleibt, so dass der Zuschauer sich schnell von der guten Laune und der seichten Dramatik anstecken lässt. „Bienvenue chez les Ch‘tis“ (Originaltitel) schafft dies ohne den Zuschauer trivial zu unterfordern. Es sind die stillen Töne, die das fertige Werk so liebenswert machen. Und dank gut aufgelegter und sehr talentierter Darsteller und einer wunderschönen Optik  schaut sich das auch alles so toll wie es klingt.


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