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Sonntag, 9. April 2017

ARSEN UND SPITZENHÄUBCHEN (Arsenic and Old Lace 1944 Frank Capra)


Am Tag seiner Hochzeit erfährt Mortimer Brewster, dass seine beiden Tanten Abby und Martha in ihrem Haus Menschen vergiften und sie vom Neffen Teddy, der sich für Präsident Roosevelt hält, im Keller vergraben lassen. Mortimer versucht die Toten Teddy in die Schuhe zu schieben und ihn in eine Anstalt einweisen zu lassen. Während er die Vorbereitungen dazu trifft, stößt sein krimineller, lange verschollener Bruder ins Geschehen, der ebenfalls eine Leiche zu verstecken sucht...


Ein Taxifahrer wird zur Kaffeekanne...

Der ganz offensichtlich auf einem Theaterstück basierende „Arsen und Spitzenhäubchen“ erinnerte mich heute bei meiner ersten Sichtung an die erst später entstandenen „Cocktail für eine Leiche“, bei der ebenfalls eine Leiche in einer Truhe versteckt wird, während allerlei Menschen das Haus heimsuchen, in welchem die Truhe steht und an „Ladykillers“, dem ich zutrauen würde, dass sein Autor durch das hier aufgeführte Stück inspiriert worden ist, gehen doch auch hier morbide Geschehnisse und schwarze Komik, in Kombination mit Rentnern in wichtigen Rollen und Kriminellen im Haus, wunderbar harmonierend nebeneinander einher.

Ich weiß dass Frank Capras „Arsenic and Old Lace“ (Originaltitel) einen hohen Ruf besitzt, und dies rein von der Situationskomik und den schrägen Einfällen am Rande auch zu Recht, allerdings empfand ich den im Mittelpunkt stehenden Cary Grant als fehlbesetzt, ließ dessen Spiel doch eher vermuten was an seiner Rolle witzig ist, anstatt dass er mich tatsächlich zum Lachen brachte. Der Running Gag alles erst einen Moment zu spät zu kapieren, die Gefahr selbst in den Wahnsinn abzurutschen und auch die Slapstickeinlagen mit vollem Körpereinsatz hätten manch andere humortalentierte Schauspieler gewitzter hinbekommen, auch wenn ich Grant die ein oder andere gelungene Szene durchaus zugestehe.

Ansonsten gibt es nichts zu beklagen in einem Stück in welchem alte Ladys das Ermorden älterer Herren für selbstverständlich halten, ein Mann Bücher gegen das Heiraten schreibt, ein Polizist sich für einen tollen Theaterautor hält, ein Taxifahrer für seinen ihn ewig warten lassenden Dauerkunden ein Taxi ruft, ein Massenmörder wie Frankensteins Monster aussieht (worauf er auch stets aufmerksam gemacht wird) und eine Ehefrau am Tag ihrer Hochzeit von ihrem Gatten gebeten wird nun nach Hause zu gehen, um sich schlafen zu legen. Irrwitzige Ideen überschlagen sich in einem Tempo, dass man kaum an ein glückliches Ende glaubt, so turbulent wie es hier zugeht, teilweise mit einer Komik garniert, die sich so modern schaut wie Werke heutiger Tage.

Es ist kaum zu glauben, dass dieser kleine, lustige Klassiker noch nicht neuverfilmt wurde. Wahrscheinlich ist es auch besser so, denn eine Modernisierung des Stoffes ist überhaupt nicht nötig. Warum der benachbarte Friedhof nicht mehr ins Geschehen integriert wird, will sich mir nicht ganz erschließen, aber die Selbstverständlichkeiten gegen die unser Held hier stets anzukämpfen hat, entschädigen für so manche erklärungsbedürftige Lücke. Letztendlich konzentriert sich „Arsen und Spitzenhäubchen“ lediglich auf das wichtigste, den funktionierenden Humor, verwirrende Verwicklungen und eine funktionierende Dynamik in der Story, und dass er sich eigentlich wie abgefilmtes Theater schaut, lässt das alberne Getue nur um so ehrlicher wirken, ist die Komödie in Wahrheit doch nicht weit entfernt von diesem Urzustand.


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