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Montag, 10. April 2017

EHEINSTITUT AURORA (1962 Wolfgang Schleif)


Über das Eheinstitut Aurora nimmt Eva Horn, die unschuldig wegen des Mordes an ihrem Mann verhaftet wurde und sich eine Woche auf Freigang befindet, Kontakt zu dem dort arbeitenden Vorzeige-Ehewilligen Christinov Tomkin auf, den ein Freund der jungen Witwe für den wahren Mörder hält. Während sich zwischen den beiden eine Liebschaft anbahnt, zweifelt Eva immer mehr an der Unschuld Christinovs...


Der abge-Brandt-e Sohn...

Der auf einem Hörzu-Roman basierende „Eheinstitut Aurora“ ist angereichert mit allerhand persönlicher Schicksale, die der Kriminalgeschichte nicht immer dienlich sind. Dominant wie sie auftauchen, nimmt des öfteren das Genre Drama die Überhand und der Kriminalfall schleicht unauffällig nebenher. Das liegt aber auch daran, dass die Kriminalgeschichte mit Fehlen eines echten Ermittlers wenig klassisch daher kommt. Wer aufgrund der Zeitüberschneidung also auf einen Wallace-ähnlichen Stoff hofft, ist im falschen Film gelandet. Da die Heldin bereits verurteilt ist, wird privat ermittelt, und davon bekommen wir herzlich wenig mit, da der befreundete Schnüffler (der dies nicht beruflisch ist) uns stets nur Vermutungen und Ergebnisse liefert, aktiv untersuchend jedoch nie gezeigt wird.

Er ist ohnehin nur eine der Nebenfiguren einer Geschichte, die sich darauf konzentriert zu zeigen was während ihres Freiganges mit Eva Horn passiert und was parallel dazu im gerne mogelnd agierenden Eheinstitut Aurora passiert. Eva weiß nicht genau was sie zur Wahrheitsfindung beitragen soll, so dass auch sie nur selten zum Werkzeug einer funktionierenden Kriminalgeschichte wird. Und das Einbringen des ewig verschuldeten Sohnes der Betreiberin besagten Eheinstitutes, bringt den Kriminalfall keinen Deu vorran, stiftet lediglich ein wenig Verwirrung, benötigt dafür aber viel mehr Spielzeit als für die Geschichte förderlich wäre.

Dementsprechend kommt der oftmals flott und sympathisch erzählte Film über einige längere Phasen eher sperrig daher und kann sich nur deshalb mager über Wasser halten, weil er auch immer wieder humoristische Momente aufblitzen lässt, beispielsweise im überraschenden Opern-Vorsingen einer reichen Millionärin oder in der zwielichtigen Art der Eheinstitutsleiterin, die von Elisabeth Flickenschildt verkörpert wird. Diese hat Erfahrung mit solch halblegalen Charakteren, irgendwo schwankend zwischen hassenswert und sympathisch, im hier vorliegenden Fall, aufgrund der harmlosen Betrügereien, aber hauptsächlich Sympathien beim Zuschauer einsteckend.

Ob es richtig ist sich zu beklagen, dass der Kriminalpart zu kurz kommt, weiß ich nicht, ist das dominierende Genre doch jenes des Dramas. Dieses wiederum ist mir jedoch zu episodenhaft und zu zerfahren ausgefallen, würde es ohne den Kriminalfall wiederum doch nur zum Teil, und dann ziemlich gehaltlos, funktionieren. Somit ist „Eheinstitut Aurora“ für mich trotz unterhaltsamer Momente, gerade gegen Ende, wenn der Film endlich zu seiner Geschichte steht, ohne sich mit Nebensächlichkeiten ablenken zu lassen, nichts Halbes und nichts Ganzes. Sicher kann der geduldige Stammzuschauer beider Filmgattungen ein Auge riskieren, zumal die Schauspieler in ihrer Leistung nichts zu wünschen übrig lassen. Aber ein tadelloser, kleiner Film zur Ablenkung für zwischendurch ist hier leider nicht zu entdecken.


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