DIE TÖDLICHEN BIENEN (The Deadly Bees 1966 Freddie Francis)


Nachdem die beliebte Sängerin Vicky Robins aufgrund von zu viel Stress zusammenbricht, verschreibt ihr der Arzt einige Wochen Urlaub auf einer Insel. Dort hat jemand Unbekanntes eine Methode entwickelt giftig gezüchtete Bienen auf gezielte Personen abzurichten, so dass an Erholung kaum zu denken ist. Vicky beginnt zusammen mit einem netten Mann aus dem Ort ihren Gastgeber, einen Bienenzüchter, zu verdächtigen...


Der Schrei des Nachtfalters...

Als ich damals in meiner jungen Jugend damit angefangen habe Filme zu sammeln, hauptsächlich indem ich welche aus dem Fernsehen auf VHS aufgenommen habe, kam ich erstmals in Berührung mit "Die tödlichen Bienen", mochte ihn, sah ihn gelegentlich, und ich weiß nicht mehr warum ich ihn irgendwann nicht mehr hatte (wahrscheinlich habe ich ihn gedankenlos überspielt), aber auf jeden Fall habe ich ihn im Erwachsenenalter angekommen nie mehr gesehen. Die britische Produktion, die drei Jahre nach Hitchcocks "Die Vögel" heraus kam, lief in Deutschland lediglich im Kino und selten auch mal im TV, so dass an den mir lieb gewonnenen Streifen, den ich so gerne noch einmal geguckt hätte, als Original auf einem Medium nicht heranzukommen war. Dementsprechend konnte ich es kürzlich kaum glauben, dass die Leute von Wicked-Vision eine Veröffentlichung in Form eines Mediabooks ankündigten. Voller Freude bestellte ich es mir vor, pünktlich war es im Briefkasten, und es dauerte keine zwei Tage, bis ich mich wieder heranwagte an den ersten Bienenhorror der Filmgeschichte, der sich mir inhaltlich fest eingebrannt hatte.

Dementsprechend war ich bereits vorgewarnt, dass es sich trotz aller Sympathie um einen recht naiv gestrickten Streifen handelt. Die Auflösung, die mich als unerfahrener Zuschauer damals überraschte, müsste Meter weit vorauszusehen sein aus meiner Erinnerung heraus, und so war es dann auch, zumal die Hinweise überdeutlich gelegt sind und der wahre Täter viel schurkischer besetzt ist als der Hauptverdächtige. Vieles was wir hier liebevoll auf klassische Art, ruhig inszeniert zu sehen bekommen, macht wenig Sinn, gerade bezogen auf die Auflösung, fragt man sich doch warum der Täter, der eigens gezüchtete Todesbienen als Mordwerkzeug benutzt, so viel von seinem Wissen preis gibt. Was hat er von dem was er tut, sagt und plant? Ein großer, unnötiger Rückblick, in welchem der böse Mann am Ende alles erklärt, selbst das was die Person, welcher er es offenbart, längst schon weiß, wirft nur noch mehr Fragen auf die Methode auf, mit welcher der Bösewicht vorging. Da der Plot nicht gerade knifflig ausgefallen ist, konnte man sich alles andere dort Verkündete längst selbst zusammenreimen. Auf welche Art der Todesbienenzüchter in einem auf Klassikgrusel getrimmten Werk sterben wird, ist längst vorher klar, also ebenso Pflicht wie der finale Brand, der den Ort allen Übels vernichtet. Einen modernen Film wollte man nicht schaffen.

Wenn ich nun noch erwähne, dass die Bienenangriffe sehr gekünstelt aussehen, mit den herrlich dämlichen, leuchtend wirkend, gemalten Bienen in Zusammenarbeit mit ein paar echten, dann wird manch einer die Lust verlieren sich "The Deadly Bees" (Originaltitel) anzuschauen. Allerdings steh ich trotz aller Schwächen, die man dem Werk nicht abstreiten kann, nach wie vor zu meiner Position, "Die tödlichen Bienen" ist ein charmanter Streifen, einfach weil er sympathisch erzählt ist. Seine Naivität schadet ihm nicht, sie beschert ihm erst das wohlige Zuschauen auf Nostalgieart, welches einem das Fehlen eines funktionierenden Spannungsbogens verzeihen lässt. Der Retrocharme weiß sicher nicht nur aufgrund meiner Jugenderfahrung zu funktionieren, das wird bei genügsamen Filmfreunden, die auch mit einem schlichten Filmergebnis zufrieden sein können, ebenfalls der Fall sein. Inszeniert hat den sich anfangs wie einen Musikfilm anfühlenden Streifen Hammer-Regisseur Freddie Francis (allerdings nicht für die Hammer Studios), der auch für "Frankensteins Ungeheuer", "Die Todeskarten des Dr. Schreck" und "Draculas Rückkehr" verantwortlich war. Selten eingestreute Humoreinlagen harmonieren gekonnt mit dem ansonsten ernst angegangenen Stil des Streifens und bereiten eine wundervolle Schlusspointe für Freunde stillen Humors vor, der diesen kleinen, unbedeutenden Grusel-Krimi so entspannt abschließt, wie er eigentlich die ganze Zeit über erzählt ist.


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