09.12.2020

BUFFY - IM BANN DER DÄMONEN - STAFFEL 4 (2000)

Frei vom Rat der Jäger und mit dem Wechsel auf das College ist für Buffy alles anders und fremdartig geworden. Zudem mischt eine geheime Organisation auf dem Campus parallel zu Buffys Aktivitäten ebenfalls bei der Dämonenjagd mit...

Das Militär wildert im Revier der Anarchisten...

Passend zum Wechsel aufs College wird auch der Ton der eigentlichen Serie erwachsener, nicht ohne gänzlich auf die romantische Teenie-Rezeptur zu verzichten, aber doch spürbar rauer erzählt. Es geht mitunter um unangenehme Veränderungen. Altes ist zerstört, es kommt zu Abschieden, Entfremdungen, Neufindungen, dem Gefühl des Alleinseins, alles vom Drehbuch gewollt, was der schließende Kreis am Ende von Staffel 4 sehr deutlich macht, aber erneut den Zugang zu den neuen Geschehnissen zu Beginn sehr schwer machend, wie man es bereits von den beiden vorausgegangenen Jahren kennt. Diesmal ist es jedoch noch schwerer den Zugang zu finden, gehört für mich zum Zusehen der Serie doch stets das Wohlgefühl, welches sie zu entfachen vermag, mit dazu. Zunächst ist jedoch alles lediglich bitter anzusehen, und mit Buffy zusammen empfindet man sich inmitten einer großen Welt klein, schwach und allein. Wenn erstmals die Räumlichkeiten der Institution gezeigt werden, unterstreicht dies den Eindruck, zeigen diese doch ebenfalls wie gewollt diese psychologische Wirkung von den Autoren eingearbeitet wurde, während die sterilen Kammern und die schockierende Größe der Anlage, sowie das Mitmischen des Militärs auch den erwachsenen Grad der Geschichte deutlich machen. Derartiges hätte es im Teenie-Alltag zuvor nicht gegeben. Der kleine private Rahmen um Buffy und ihre Gang wird aufgebrochen. Was hier stattfindet ist überregionaler Natur, hier mischen andere Autoritäten mit. Willkommen mitten im Leben, wo sich die wenigsten für deine Persönlichkeit oder dein Empfinden interessieren - ganz zu Schweigen von einer angeblichen Berufung des Schicksals.

Das Zurechtfinden in dieser bitteren neuen College-Welt wird zudem durch die Entwicklung diverser Figuren erschwert. Angel und Cordelia sind weg und machen in der Serie "Angel - Jäger der Finsternis" weiter (von der bei manch holprigem Bruch der Ereignisse der hier erzählten Geschichte, gerade gegen Ende, wohl erwartet wird, dass man diese Serie parallel mitverfolgt), Xander wird immer uninteressanter bei seiner ewigen Jobsuche und bleibt lediglich durch die sympathische Idee seiner neuen Lebensgefährtin halbwegs im Rennen, auf Oz muss man nach einigen Folgen leider verzichten, der wird aus der Serie geschrieben, obwohl er Buffys Truppe gut tat, und Giles agiert in unangenehmen, da zu privatem und menschlichem, Umfeld nach dem Verlust der Bibliothek und seinem Job als Wächter. Ein unnatürlich wirkender Angel-Ersatz als Buffys neuer Liebhaber und die Frau, die den Platz von Oz einnimmt, erweisen sich zwar inhaltlich als interessant und förderlich für die Geschehnisse, sie erobern aber nicht das Herz des Zuschauers und bleiben gefühlt dennoch Randfigur, anstatt zu neuen Sympathisanten zu werden. Gelungen ist hingegen der Cordula-Ersatz, darf doch Spike als eines der Opfer der Institution als nicht wirklich aktiver Teil der Truppe hinzu stoßen, von Buffy und Co angeekelt, jedoch nicht in der Lage seine Aggressionen auszuleben. Er ist trotz mangelnder Sympathie zur Truppe irgendwie doch immer mit in deren Abenteuer involviert - eben so wie es bei Cordula stets der Fall war.

Das trotz dieser Schwächen eine gelungen zu schauende und geradezu kreative und mutige Chose voll von Überraschungen auf den Zuschauer wartet, zeigt sich z.B. in der Zutat, dass Spike in seiner wehrlosen Art in der Lage ist zumindest Dämonen zu vermöbeln, wenn schon nicht Menschen zu schaden, dieser Aspekt aber keinesfalls zur naheliegenden, arg plumpen Konsequenz führt, dass er somit aktiver und geläuterter Teil der Clique wird. Ganz im Gegenteil spinnt die Geschichte ganz andere Konsequenzen aus seinem Treiben. Selbiges gilt für die Hauptgeschichte, die einem einen ganz anderen Verlauf der militärischen und wissenschaftlichen Aktivitäten der Institution erwarten lässt, als das was uns tatsächlich erwartet, was sogar soweit führt, dass der eigentliche Hauptgegner sich als jemand völlig anderes entpuppt als zunächst gedacht. Ist man erst einmal in die ersten Geheimnisse um die unterirdische Organisation eingeweiht, schaut sich die vierte Staffel gleich um einiges angenehmer, was aber auch daran liegt, dass etwa zeitgleich der Zugang zu den Figuren wieder besser funktioniert. Die Distanz zueinander verhindert noch immer das angenehme Gefühl, welcher der Zusammenhalt ansonsten dem Zuschauer vermittelte, aber Staffel 4 lebt nun einmal mehr von den Herausforderungen einer Geschichte, die den Wahrnehmungsradius der kleinen Buffy zu überschatten weiß, anstatt von den Abenteuern einer eingeschweißten Teenager-Bande. Umso wichtiger ist der weiterhin vorhandene Humorfaktor der Reihe, der zwar oftmals bitterer wirkt als sonst, gerade mit Spike jedoch angenehme Seiten erfährt und die gnadenlosere Realität aufzulockern vermag. Der humoristisch lockere Umgang erleichtert auch das Fehlen der Theatralik rund um die Liebe inmitten eines sachlichen, ernsteren Plots. Der dennoch vorhandene Herzschmerz der hier besprochenen Staffel wirkt nicht mehr so empirisch aufgebläht wie zuvor, und das was uns diesbezüglich tatsächlich emotional bewegt betrifft ohnehin eher Willow, an deren Empfinden man bezüglich Oz nah dran ist.

Nicht nur die Hauptgeschichte überrascht mit weit greifenden Blickwinkeln und kreativem Einfallsreichtum, auch das Gesamtkonzept der Staffel überrascht in seiner durchdachten und verästelt entwickelnden Art. Das zeigt sich zwischenmenschlich am ständigen Wechsel der Besetzung im Vorspann, im erwachsenen Umgangston allgemein, in der Härte der Erwachsenenwelt, in der Kühle und Unübersichtlichkeit des Experiments und dessen Verlaufes samt Nachwirkungen, Opfer und unnahbarer Strippenzieher, aber auch daran, dass das Finale der Hauptgeschichte nicht das Finale der Staffel bedeutet. Die Endschlacht findet in der vorletzten Folge statt, für die letzte hat man sich eine schräge Zusatzgeschichte einfallen lassen, die anders erzählt ihren Platz zwar besser irgendwo mittendrin gefunden hätte, so verloren wie sie sich am Schluss guckt, sich inhaltlich allerdings in ihrer Begründung als Konsequenz der vereinten Taten der Finalschlacht erweist. In dieser Episode erfahren wir nicht nur etwas über die allererste Jägerin, hier dürfen sich zudem die Autoren, ebenso wie die Darsteller, ordentlich austoben, handelt es sich doch um Traumwelten, die herrlich bizarr anmuten und gekonnt mit Wirklichkeit und Spinnerei herum spielen - einschließlich des Mannes mit dem Käse, welch herrliche Idee. Auch zwei weitere Geschichten inmitten der Staffel, die für einen Augenblick das Hauptgeschehen unterbrechen, erweisen sich als ähnlich kreativ, innovativ und sympathisch. Zum einen wäre dies die Episode, in welcher jeder Einwohner Sunnydales seine Stimme verliert. Hier sind die Gegner ein Augenschmaus, die Herausforderung individueller Natur und das Ganze zudem äußerst magisch und märchenhaft orientiert am Stummfilm-Flair erzählt. Zum anderen ist es die Folge um einen Superstar, der im Alltag alles lenkt. Der Kniff dieser Folge, um eine bislang und hinterher unbedeutende Figur, die wir glücklicher Weise bereits von früher kennen, ist jener, dass wir einmal in eine typische Situation des Buffy-Universums geschubst werden, ohne vorher darauf vorbereitet zu werden. Alles ist anders in dieser Episode und dies von Beginn an. Wir finden mit den Protagonisten zusammen heraus, wie es zur alternativen Realität kommen konnte, ein Aspekt der allein schon dadurch reizt, dass wirklich jede Identifikations-Figur, ohne Ausnahme, die neue Realität für völlig normal und selbstverständlich hält. 

An Ideen mangelt es also nicht, so dass Staffel 4 trotz starker emotionaler Ernüchterungen ein aufregendes Erlebnis bleibt, das nur noch selten auf die Seifenoper-artige Gefühlswelt der Teenager setzt. Es ist erstaunlich, dass ich dies als Verlust ansehe, wird die Reihe doch theoretisch qualitativer und weniger trivial durch diese Methode. Ich mochte aber schon immer die Unschuld und die Naivität der Reihe und mit ihr diese Leichtigkeit, welche die Serie ausmachte. Es ist etwas schade, dass diese immer mehr verloren geht. Zumindest ist es gut, dass im Gegenzug wahrlich Interessantes erzählt wird und einem durch die Zusammenfindung am Schluss von Staffel 4 scheinbar im fünftem Jahr zumindest wieder der Zugang zu den Figuren erleichtern wird. Das hoffe ich zumindest, es kann freilich auch täuschen. Ich bleibe so oder so neugierig dran, bei all den Möglichkeiten, welche die neue Tonart der Serie ermöglicht. Jede unschuldige Teenager-Zeit hat nun einmal irgendwann ihr Ende. Ich hätte dieses lediglich noch nicht zu Beginn der College-Zeit erwartet.  OFDb

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