19.05.2021

THE PURGE - DIE SÄUBERUNG - STAFFEL 1 (2018)

Ein Pärchen verbringt seine Purgenacht auf der Party eines mächtigen Waffenlobby-Unterstützers, damit dieser ihre Firma finanziert. Eine desillusionierte Kauffrau engagiert eine knallharte Purgerin für ihren sexistischen Chef. Ein junger Mann sucht in der Purge-Nacht seine Schwester, die sich einer Selbstmord-Sekte angeschlossen hat. Und da gibt es noch diesen Maskierten, der zwar pausenlos Pro-Purge-Propaganda hört, aber scheinbar stets Opfern des Feiertags zu helfen scheint...

Ein Polizist als auslaufendes Gesetz...

Die einzelnen "Purge"-Teile sind stets halb durchdachte, anspruchslose Filme, die mit dem reizvollen Aufhänger der Säuberungsnacht gut zu unterhalten wissen. Eine Serienvariante dieser Nacht, in der jedes Verbrechen erlaubt ist, klingt reizvoll, bietet es in der überdimensionalen Laufzeit doch Möglichkeiten Details näher zu beleuchten, um die Purge und die Angst, die sie mit sich bringt, für den Zuschauer spürbarer einzufangen. Mit einem intensiveren Blick auf die Gnadenlosigkeit und die Radikalität der Dinge hätte man faszinierende Arbeit leisten können, um uns diese Höllennacht als den Abgrund menschlichen Verhaltens zu zeigen, die sie ist. Leider entschied man sich für einen anderen Weg. Der politische Zweig der Geschichte wird diesmal auf jenes Minimum reduziert, das automatisch durch die Thematisierung eines derartigen Feiertages aufkommt. Ansonsten entführt man uns in einzelne zwischenmenschliche Geschichten, wie es sie in dieser Art schon immer in den Filmen zu sichten gab. Der Unterschied zeichnet sich lediglich dadurch ab, dass sie seichter als in den Vorgängern daher kommen, da die Erlebnisse der Protagonisten nun gnadenlos gestreckt werden und die Geduld des Zuschauers dabei strapazieren. 

Dank manch reizvoller Ideen, wie jener der Selbstmordsekte, bleibt man tapfer dran, aber wenn sich in Folge 4 bei manch einer Geschichte nach wie vor kaum etwas tut, gerne auch gestreckt über, in solch simplen Erzählungen kaum notwendige, Rückblicke, dann schwächelt die Serie, von der man sich eigentlich ordentlichen Thrill anstatt bemühte Seifenopern-Theatralik gewünscht hat, doch etwas arg. Erschwerend kommt für das grundlegende Feeling hinzu, dass sich die Nacht in der Serie ähnlich seichter anfühlt, wie die Zombiewelt von "The Walking Dead" in der späten Phase. Während dort das Wandern durch eine Zombiewelt wie ein gemütlicher Sonntagsspaziergang anmutete, in welchem gelegentlich lästige Untote mit Leichtigkeit gemetzelt werden mussten, ist allerhand argloses Treiben in der Purge-Nacht los, da sich Ausnahmen des rücksichtslosen Miteinanders inflationär mehren. Die Pflegekraft-Neutralität hilfsbereiter Sanitäter aus einer der Filmfortsetzungen bekommt nun Unterstützungen durch einen unantastbaren Ex-Polizisten, durch Verträge, die geschlossen werden, in welchen man sein Recht zu purgen für diese Nacht ablegt, damit z.B. Firmenmitarbeiter nachts gemeinsam an Projekten arbeiten können, es geht sogar soweit, dass es plötzlich am Rande der Stadt eine Art Purge-Kirmes gibt, in welcher Leute auf etwas buntere Art purgen können, nachdem sie Opfer ersteigerten. Das will die perverse Konsumgesellschaft kritisch thematisieren, lässt die Nacht aber weit weniger pervers wirken als der Gedanke in dieser rein der Anarchie ausgesetzt zu sein. 

Viele Möglichkeiten zu wirklich bösartigen Wendungen werden nicht genutzt, ständig bekommen ein und die selben Personen erneute Chancen inmitten theoretisch vorhandener Gewalt wieder mit höchstens einem blauen Auge davon zu kommen, wenn sie sich erneut aus einer unnötigen Motivation heraus dem Leben draußen stellen und dabei eine Moral vertreten, die kaum minder fragwürdig ist als die Purge-Mentalität. Und wie die einzelnen Geschichten schließlich miteinander verknüpft werden, ist schon äußerst plumper Natur, zumal damit ein weiteres Kapitel beginnt, nachdem die Einzelgeschichten beendet wurden, anstatt durch die Zusammenführung gemeinsam beendet zu werden. Dennoch bereitet diese Phase, die in etwa die letzten 2 1/2 Folgen umfasst, den höchsten Unterhaltungswert, so dass die erste Staffel der Serie "The Purge - Die Säuberung" angenehmer schließt, als sie sich insgesamt schaut. Die Serienversion kommt zu bedeutungsschwanger, geschwätzig, langgestreckt und zahm daher. Sie macht aus einer Nacht der Angst und des Terrors eine wilde Welt, die man überstehen kann, schenkt den Protagonisten zu viel Glück und Leichtsinnigkeit und hofft mit seinen häufigen Offensichtlichkeiten, dass man naivst nichts von dem kommen sieht, was sich da mehr als deutlich ankündigt. 

Das könnte funktionieren, wenn man auf Neulinge dieses Stoffes setzen würde, die Kenntnis der Regeln und Hintergründe der Purge-Nacht werden jedoch von Beginn an vorausgesetzt, was ein derart ideenloses Drehbuch umso ärgerlicher erscheinen lässt. Gelegentlich kommt es immerhin zu manch guten neuen Ansätzen, so z.B. die Privatsammlung des sexistischen Bosses betreffend, der uns mit dieser zudem daran erinnert, dass es in der Purge-Nacht nicht nur um Mord geht, sondern auch um das Ausleben anderer Verbrechen. Leider sind derartige Momente zu rar gesät, werden nicht vollends ausgekostet und werden ebenfalls gern für plumpe Moral, anstatt für bissige Satire genutzt. Die angenehme Kopfaus-Unterhaltung, wie man sie aus den sympathischen ersten fünf Filmen der Reihe kennt, findet sich in der Serienvariante kaum, ihren Anteil an politischer Systemkritik sogar gar nicht mehr. Und die optischen Leckerbissen der von Film zu Film immer krasser werdenden Kostümierung gewaltgeiler Purger wird ebenfalls viel zu stark reduziert. Das war leider nichts, "The Purge" die Serie ist die Magerkost-Variante der Filme, auf denen sie basiert.  OFDb

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