06.06.2021

EVIL BOY (2019)

Ein Ehepaar verliert seinen 9jährigen Sohn. Einige Jahre später versucht man es mit einer Adoption und stößt im Keller des Kinderheims zufällig auf das verwahrloste Kind des Hausmeisters. Heimlich nimmt man den Jungen zu sich, der in jenem Alter ist, welches auch das leibliche Kind nun hätte. Es ist schwer das neue Mitglied der Familie in die Normalität, die es bisher nicht kannte, zu integrieren. Aber da ist etwas, was mit dem Jungen nicht stimmt, das nichts mit seiner Verwahrlosung zu tun zu haben scheint...

Der Imitator...

Ich bin mit dem russischen Kino, welches seit wenigen Jahrzehnten verstärkt auf dem deutschen Filmmarkt mitmischt, nicht sonderlich vertraut. Mit Blick auf "Evil Boy" scheint es nicht sonderlich anders zu sein, als das was wir aus den USA kennen, sonderlich europäisch guckt sich das Ergebnis von der Mentalität her zumindest nicht. Reizvoll ist jedoch der andersartige Aufhänger und Hintergrund der Geschichte um ein böses Kind. Wir haben hier keinen Psychopath wie "Mikey", keinen Außerirdischen wie in "Das Dorf der Verdammten" und auch nicht Satans Sohn, wie in "Das Omen". An Letztgenannten kommt der Bengel jedoch am ehesten heran, ohne dass der Autor genau benennt, was das nun ist, was wir als Jungen kennen gelernt haben. Faszinierend ist dieser andere Ansatz in sofern, als dass der sich animalisch verhaltende Adoptivsohn sich in seinen Taten dem Kind nähert, welches seine neuen Eltern einst verloren haben. Das gibt freilich Rätsel auf, denn wie sollte ein Kind dieses Alters kognitiv derartiges verstehen und inszenieren können, ganz zu schweigen von der Frage, woher es überhaupt seine Informationen darüber nimmt, wie sich der verstorben geglaubte Junge einst verhielt. 

Kann es tatsächlich der verloren geglaubte Sohn sein? Das glaubt zumindest die Adoptivmutter, die derart fanatisch an dieser Idee festhält, dass es nicht gesund zu nennen ist. Dass sich im Laufe der Spielzeiten die Fronten verdrehen, und aus dem kritischen Elternpart der liebevollere wird und aus der klammernden Mutter die Verstoßende, nun wo ein leibliches Kind in ihr heranwächst, bereichert nicht nur den Unterhaltungswert, nun wo damit die Ereignisse strapaziert werden und die Eifersucht im Jungen kocht, es dient auch einer hervorragenden Abrechnung mit jener aktuell verwöhnten Gesellschaft, die alles so haben will, wie sie es sich wünscht und das am liebsten sofort. Allein deshalb weiß es zu gefallen, dass uns mit der Charakterzeichnung des Ehepaares gebildete Leute vorgesetzt werden und keineswegs stumpfe, die es eventuell nicht besser wissen. Manche Computeranimation wirkt zu unecht, und trotz diverser Innovationen guckt sich "Tvar" (Originaltitel) zu routiniert, um ihn über den grünen Klee zu loben. Aber mit seinem durchschnittlich angenehmen Spannungsbogen, der interessanten, wenn auch etwas zu distanziert ausgefallenen, Figurenzeichnung, dem Mix aus übernatürlichen Elementen, sowie dem Thema Verwahrlosung und einer funktionierenden Besetzung bietet er zumindest solide Horrorunterhaltung der nicht komplett genormten Art.  OFDb

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