Mittwoch, 18. Juli 2012

IN DEN KLAUEN DER TIEFE (The Mole People 1956 Virgil W. Vogel)


Im Inneren der Erde entdecken Forscher eine versteckte Kultur. Nichts von der Welt von oben wissend leben diese Menschen dort in einem Königreich. Zum Anbau ihrer Nahrung versklaven sie Maulwurfmenschen. Viel Zeit zum staunen bleibt den Forschern nicht, denn sie werden für eine Bedrohung gehalten...


Keine guten Aussichten für blinde Maulwürfe...

Die "Mole People" sind nicht, wie das Cover vermuten lässt, böse Monster, die über Menschen herfallen. Mit diesem simpleren Rezept hätte er mir vielleicht sogar besser gefallen. Nein, die Maulwurfmenschen, wenn auch bei ihren ersten Auftritten als Gruselelement eingesetzt, sind unterdrückte Wesen einer Kultur unter der Erde, die auch ihresgleichen unterdrückt. Der Alltagstrott dort wird nun auf „Raumschiff Enterprise"-Art gestört. Ein paar Amis stoßen in diese Welt, heißen das System dort nicht gut und mischen sich ein.

Die Mole People sehen recht putzig aus, und auch die menschenverwandte Spezies, die Untertage regiert, ist interessant zurecht gemacht. Wegen mangelnder Pigmentierung sind sie blass geschminkt. Das ist so simpel wie effektiv. Gleichen billigen Charme weiß auch die Landschaft zu versprühen. Pappkulissen, wie man sie ebenfalls später aus „Raumschiff Enterprise“ kennt, vergnügen hierbei das Auge des Filmfreundes.

So trivial das Ganze auf den Zuschauer auch wirken mag, einige Elemente der Story sind gar nicht mal von schlechten Eltern. Allerdings haben es diese schwer zu wirken, wenn gleichzeitig so ein Unsinn eingebaut wird wie die Allmacht der Taschenlampe. Die Leute unter der Erde vertragen kein grelles Licht, und da die Helden Taschenlampen bei ihrer Expedition dabei haben, werden diese Menschen für Götter gehalten. Interessant ist nur, dass sich der Trupp nie Sorgen um die Batterien macht und ziemlich verdutzt guckt wenn die Lampe ihren Geist aufgibt.

Toll ist hingegen die Idee, dass aus Platzmangel Menschen geopfert werden. Hierfür wird eine Stelle im Inneren der Erde genutzt, durch welche das Sonnenlicht hereinbricht. Da die Menschen in Kontakt mit besagtem Licht sterben, wurde dieser Bereich zur Mordkammer umfunktioniert. Wenn nun unsere Helden dort hineingeschupst werden, nachdem ihre Götterlüge enttarnt wurde, hat das Sonnenlicht selbstverständlich nicht die gewünschte Auswirkung auf sie, kommen sie doch schließlich von oben. Interessant wie sich hier gute Ideen mit trivialen mischen, so dass der augenzwinkernde Charme, den bereits Kostüme und Settings zu entfachen wussten, teilweise auch von der Geschichte eingefangen wird.

„The Mole People“ erinnert durch seine Grundidee ein wenig an "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde". Die Helligkeit unter der Erde wird in beiden Werken sogar ähnlich begründet. Die zwei Rassen (genetisch durch den Beweis einer blonden Frau kompatibel) erinnern hingegen ein wenig an "Die Zeitmaschine", allerdings wurde hier deren Gesinnung verdreht. Die Monster sind die Unterdrückten, die Menschen die Unterdrücker. Die Darsteller spielen typisch billig bis routiniert, wie es im Science Fiction-Genre dieser Zeit üblich war. Auch die Regie fällt durch nichts besonderes auf. Die Musik erinnert sehr stark an den Soundtrack von „Tarantula", ist also nicht ganz verkehrt, aber damit ebenfalls typisch für seine Entstehungszeit.

Letzten Endes fehlt es dem Film lediglich an etwas mehr Pepp, um auf simpler Ebene zu gefallen. Alles ist irgendwie eine Spur zu steril und lustlos umgesetzt. Die netten Ideen halten einen zwar wach, so dass man „In den Klauen der Tiefe“ durchaus komplett gucken kann, sie tragen den Film aber nur schwerlich. Die titelgebenden Mole People stehen leider zu sehr im Hintergrund, mehr Präsenz hätte diesem Werk sicherlich gut getan. Zumindest Retro-Fans können einmal ein Auge riskieren. Freunde der eben erwähnten Vergleichsfilme sollten nur dann einschalten, wenn sie sich auf noch naivere Werke einlassen können. Die zwei Vergleiche mögen zwar ebenfalls ihre naiven Seiten besitzen, sind aber weit vom hier vorliegenden Niveau entfernt und zählen nicht zu Unrecht zu den großen Science Fiction-Klassikern. „The Mole People“ blieb dieser Ruf verständlicher Weise verwehrt.


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