Sonntag, 12. August 2012

JESUS CAMP (2006 Heidi Ewing u.a.)


Sie nennen sich die Evangelisten, eine kompromisslos gottesgläubige Absplittung des Christentums, die in den USA immer mehr Anhängerschaft erhält. Ihre Kinder bilden sie in einem Sommercamp zu Kriegern Gottes aus, um sie für ihre wichtige Aufgabe vorzubereiten, die Vereinigten Staaten in Zukunft wieder christlicher zu gestalten...


Christen - The Next Generation...

Den durchschnittlichen Christen halten sie nicht für konsequent genug, Harry Potter verteufeln sie, ihre Kinder unterrichten sie meist daheim, da die Schule Kreuze aus ihren Unterrichtsräumen verbannt hat, und ihr Ziel ist es Amerika wieder christlicher zu gestalten. Die Evangelisten, allen voran die Pastorin Becky Fischer, bereiten die heutige Kindergeneration auf den friedlichen Krieg vor, der Letzteres ermöglichen soll. Sie trichtern der heranzüchtenden Generation ein, die wohl bedeutendste zu sein, denn sie bringen Gott zurück in die Vereinigten Staaten. Sie werden in Zukunft Abtreibung ebenso verhindern wie die Trennung von Kirche und Staat.

„Jesus Camp“ berichtet kommentarlos von diesen Absichten, und Becky Fischer zeigt zwanglos die Ausbildung ihrer Schützlinge und wie sie diese angeht. Auf Gegner der Evangelisten wirken die Bilder entlarvend, aber allein die Formulierung ist falsch, steht Becky doch sehr konsequent zu ihren Zielen und behauptet nie demokratisch zu sein oder widerspricht nicht, wenn man ihr vorwirft zu indoktrinieren anstatt zu lehren. Zudem wird ihrer Seite mehr Zeit gewidmet als der gegnerischen, die über die Rolle eines Radiomoderators Platz in Ewings und Gradys Dokumentarfilm findet. Gegen Ende kommt es gar zum Dialog zwischen beiden Parteien, der den Fanatismus und die Naivität beider Seiten noch einmal recht deutlich macht.

Für Außenstehende wirkt es erschreckend was in diesem Sommercamp mit Kindern geschieht. Zurecht dürfen hier Worte wie Gehirnwäsche und Manipulation fallen. In meinen Augen gehört es ohnehin zu den größten legalen Verbrechen unserer Zeit Kinder in irgendwelche Glaubensrichtungen zu drängen. Aber es ist nun einmal erlaubt, und wo Religionsfreiheit gepriesen wird, da gibt es immer auch den Extremismus.

So erschreckend ich die Tatsachen in „Jesus Camp“ fand, so distanziert stehe ich auch zu dem Problem für das die Evangelisten stehen, immerhin stehen akzeptierte Mentalitäten wie der Turbokapitalismus, Glaubensgemeinschaften mit einem Rachegott, usw. für die gleichen Probleme. Manche dieser Formen durften unsere Gehirne schon seit vielen Jahren waschen, so dass die Extreme ihrer Manipulation harmloser wirkt als die übereilte, konzentrierte Form der Evangelisten. Fragwürdig bleiben sie alle, akzeptieren sie doch alle nicht das Andersartige und haben sie doch alle das Ziel der Angleichung vor Augen, wohl die zentrale, elementarste Eigenschaft, die eine Glaubensrichtung und eine politische Haltung grundsätzlich als extremistisch outen.

„Jesus Camp“ bestätigt mich in meinem Glauben. Aber er manipuliert nicht. Er schürt keinen Hass. Denn mit seiner kommentarlosen und manipulationsfreien Art zeigt er lediglich wie es ist. Und da werden z.B. Anhänger der Evangelisten ganz andere Dinge aus dem Film herausziehen als ich und sich eventuell durch das Gucken von „Jesus Camp“ gar bestätigt fühlen. Dennoch kann man diesen Dokumentarfilm trotz seiner Neutralität durchaus als Warnung vor dem religiösen Extremismus verstehen.


Kommentare:

  1. Eine krasse Doku. Hab Jesus Camp mittlerweile schon einige mal im Freundeskreis rumgezeigt und trotzdem fällt es mir jedes mal schwer den Film zuende zu sehen weil mich das gezeigt wirklich fertig macht. Es ist so unglaublich das es sowas gibt. Ganz schlimm.

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    1. Definitiv! Ich finde besonders deutlich wird dieses Gehirnwäsche-Verbrechen in den Szenen, in welchen die Kinder vor Glück weinen, weil sie Gott spüren können. Deswegen war es mir so wichtig davon einen Screenshot reinzusetzen.

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