Sonntag, 18. November 2012

TARANTELN - SIE KOMMEN UM ZU TÖTEN (Tarantulas: The Deadly Cargo 1977 Stuart Hagmann)


Ein Transportflugzeug mit Kaffee beladen hat uneingeladene Gäste mit an Bord. Giftige Spinnen zwingen die dahinsterbenden Piloten zur Notlandung in einer amerikanischen Kleinstadt, wo die Arachniden in Windeseile durch immer neue Todesfälle auf sich aufmerksam machen...


Nur vereint ist man stark...

Im Zuge der Tierhorror-Welle der 70er Jahre war auch die Sub-Gattung des Spinnenfilms gut vertreten. Ein schundiger "Angriff der Riesenspinne" versuchte sich noch einmal am damaligen Aufhänger eines "Tarantula", William Shattner kämpfte gegen "Mörderspinnen" und auch "Taranteln - Sie kommen um zu töten" mischte mit, blieb als kleiner TV-Film recht unerkannt, und die eher schlechten als guten Bewertungen schienen seinem Bekanntheitsgrad recht zu geben.

Nun ist "Taranteln" nicht der große Wurf seines Sub-Genres geworden, die sehr mauen Bewertungen der Internet-Filmdatenbanken hat er meiner Meinung nach jedoch nicht verdient. Klar, eher unblutig und unspektakulär kommt er daher, gekleidet in einer konservativen Mentalität und ohne etwas neues im Tierhorror-Bereich zu erzählen. Aber er weiß zu funktionieren, das ist das erstaunliche daran.

Schmecken kann einem "Tödliche Fracht" (Alternativtitel) freilich nur wenn man sich auch auf die ruhige Erzählweise der 70er Jahre einstellen kann. Da lässt man sich viel Zeit vor dem Abflug der Unglück bringenden Maschine und erzählt von Dingen, die für die eigentliche Geschichte unnötig sind. Allerdings liegt darin auch genau der Reiz und die Vorteile seiner Zeit. Man erlebt Situationen und Personen, die nicht wichtig für die Handlung sind, kann dementsprechend aber auch nicht immer mit dem Finger auf zukünftige Ereignisse zeigen, weil nicht immer alles mit der Haupt-Thematik zu tun haben muss. "Taranteln" mag mit seiner vorhersehbaren Story ein schlechtes Beispiel für dieses Argument sein, aber rein des Geschichtenerzählens wegen funktionieren kleine Abstecher in unwichtige Gebiete dennoch.

"Taranteln" befasst sich im Gegensatz zu dem was der deutsche und amerikanische Titel behauptet ("Tarantulas - The Deadly Cargo") mit der Gattung der Bananenspinnen, die laut Film und Wikipedia die giftigsten Spinnen der Welt sind, auch wenn nach letzterer Quelle nicht mit jedem Biss das Gift freigesetzt wird. Davon haben die brasilianischen Wanderspinnen, wie sie ebenfalls genannt werden, im hier besprochenen Film noch nichts gehört. Wenn sie beißen, dann wird auch gestorben, und das geht doch recht schnell.

Der Trumpf des Streifens ist es nämlich, dass sich das komplette Geschehen in einem kurzen Zeitraum von gerade mal einem Tag abspielt, was nur deshalb funktionieren kann, weil die Ereignisse flüssig ineinander greifen und konsequent fortgesetzt werden. Trotz Auseinandersetzungen stimmt die Kommunikation unter den wichtigsten Bürgern der Kleinstadt, so dass Nebensächlichkeiten Nebensächlichkeiten bleiben und im Zentrum immer das Spinnenproblem steht, bzw. zuvor das Erforschen der plötzlichen Todesfälle.

"Taranteln" zeigt uns das konservative Leben in den Vereinigten Staaten, stellt es als funktionierendes System da, denn solange man glaubend an eine Sache zusammen arbeitet kann man jedes Problem lösen. Gelöst wird es auf recht unglaubwürdige Art, etwas lächerlich kommt somit das Finale daher, das eigentlich Spannung erzeugen wollte. Aber wirklich spannend ist der Streifen nie, trumpft nur durch seine sympathische Erzählung, und das war es auch schon.

Ins unfreiwillig Komische rutscht man also hin und wieder ab, jedoch nie stark genug, um nur noch als Witzfigur unter den Spinnenfilmen bestehen zu können. Gewöhnt man sich an die unsinnige Schlussidee zur Bekämpfung der Bedrohung, kann auch der Schluss-Part gefallen. Zuschauer mit Spinnenangst werden bei diesen ekligen, haarigen Viechern ohnehin das Grauen und den Ekel kriegen, sehen sie zwar nie nach den im Film genannten Bananenspinnen aus, aber wen interessiert das noch wenn man haarige Achtbeiner (über menschliche Körper) krabbeln sieht, oder dabei zusehen darf, wie sie sich aus Angst verkrümmen. Wer keine Arachnophobie hat, der wird "Taranteln" auch nicht als spannend empfinden und darf sich nur an der schlichten Geschichte laben.

Interessant ist das Einbringen der typischen Klischee-Figuren, die durch die zurückhaltende Art der Erzählung einem jedoch nie so vorkommen. Es wird keine Person hervorgehoben. Wir erleben nur handelnde Menschen, die zusammen arbeiten, und da ist keiner wichtiger als der andere, so dass Stereotype nie zur Reinform verkommen können. Selbst der obligatorische Bürgermeister, der von der Bedrohung nichts wissen möchte, kommt nicht so böse daher wie die vergleichbaren Personen aus "Der weiße Hai" und den zig anderen Filmen gleicher Thematik bei gleicher Figurenzeichnung. Der Bürgermeister des hier besprochenen Tier-Horrors macht sich glaubhaft Sorgen um die Bevölkerung und setzt lediglich andere Prioritäten. Im Laufe der Geschichte wird er eines besseren belehrt und versucht ebenfalls zu helfen. Dass er dabei eher im Weg steht ist ein Thema für sich.

Freilich zeigt "Taranteln" in seiner konservativen Art auch das Gegenbeispiel auf. Eine einzige Person arbeitet nicht für die Allgemeinheit, deswegen darf sie nach dem Versuch einer bösen Tat auch sterben. Schon in der Einleitung des Kleinstadt-Alltags wurde diese Figur als schlechte Persönlichkeit eingebracht, verführte der Mann doch eine verheiratete Frau, die, von dem Gedanken des Fremdgehens nicht abgeneigt, auch gleich Opfer einer Bananenspinne werden muss. So funktionieren die Horrorfilme aus den USA, allerdings bleibt es nach diesen Beispielen und dem Unglück eines unvorsichtigen Rasers bei den belehrenden Todesfällen. Die Arachniden werden nun nicht fortlaufend als Vollstrecker der Regelbrecher eingesetzt, nicht mehr als bislang erwähnt.

Wirklich belehrend kommt "Taranteln" also nicht daher, nicht einmal durch seine Botschaft des gemeinsamen Handelns. Der Film zeigt uns lediglich eine größere Gruppe von Menschen, die ein Problem logisch und praktisch beheben, zeigt also nur die Konsequenzen die einzelne Menschen aus der Problematik ziehen um der Bedrohung Herr zu werden, und das hat sich im Vergleich zu heutigen Produktionen dieser Art doch erfrischend anders geguckt. Trotz gedrosseltem Erzähltempo wurde es nie langweilig, und kleine Einfälle am Rande, wie das autistische Mädchen, das einen Tennisschläger mit einer Bananenspinne drauf nicht hergeben möchte, bereichern die schlichte Geschichte ein wenig. Dass zudem nicht nur Figuren sterben, von denen wir es erwarten (es gibt einen recht fiesen unvorhersehbaren Todesfalle der die Regeln der damaligen Erzählweise bricht) ist ein weiterer Pluspunkt eines eigentlich unspektakulären Filmes.

PS: Der Biss einer Bananenspinne kann laut Wikipedia auch zu Priapismus führen. Klingt als hätte diese Gattung das Potential das Genre der modernen Horror-Komödie zu bereichern. Männer mit schmerzhafter Errektion bekämpfen die Bedrohung und ihre Auswirkungen, damit die männliche Bevölkerung nicht impotent wird und/oder ihren Dauerständer los wird. Das klingt doch nach der Art Trash, die heutzutage nur allzugern gesehen wird.

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