Sonntag, 13. Januar 2013

SHERLOCK 3 - DAS GROSSE SPIEL (Sherlock: The Great Game 2010 Paul McGuigan)


Ein Mann hat das Interesse für Sherlock entdeckt und stellt dem Detektiv Aufgaben, die bis zu einem gewissen Zeitpunkt gelöst werden müssen, da ansonsten ein unschuldiger Zivilist in die Luft gesprengt wird...


Sherlock 3 - Jetzt erst recht...

Der Tiefpunkt der Reihe war mit „Der blinde Banker“ überwunden, da wurde es mit „Das große Spiel“ zwar wieder besser, aber noch lange nicht so gut wie im Piloten oder gar in der großartigen zweiten Staffel der Kriminalserie um Sherlock Holmes, die pro Season auf drei Teile in Spielfilm-Länge konzipiert war. Sympathisch ist die hier besprochene Episode definitiv, und das liegt fast ausschließlich an der gelungenen Charakterisierung der beiden Hauptrollen Holmes und Watson.

Man muss es den Verantwortlichen dieser Serie einfach hoch anrechnen den Mut aufgebracht zu haben aufgrund der Genialität des Meisterdetektivs die Konsequenz gezogen zu haben ihn derart unsympathisch zu charakterisieren. Das ist so logisch wie das Denken der Hauptfigur und sorgt für das gewisse Etwas womit sich diese britische Produktion von den vielen anderen Verfilmungen um den berühmtesten Detektiv der Literatur unterscheidet.

Wie in den beiden Vorgängern hapert es noch ein wenig an den thematisierten Kriminalfällen selbst. Konnte sich die Pilotfolge mit dem Kennenlernen der beiden Helden über Wasser halten, so war der zweite Fall schon erbärmlich zu nennen. „Das große Spiel“ erreicht ein akzeptables Ergebnis wie erwähnt über seine Figuren, die für den Film wieder mehr in den Vordergrund rücken als in Teil 2 und durch den Verzicht des in „Der blinde Banker“ angewendeten hektischen wie auch reißerischen Stils, der überhaupt nicht zur Reihe passt.

Episode 3 mag schwächer sein als die bisherigen vier geglückten Folgen, aber wenigstens ist sie in ihrer Art ein dazugehöriger Teil der Reihe, etwas das man vom Vorgänger nicht wirklich behaupten kann. Dass „Das große Spiel“ gut genug unterhalten kann, verwundert dennoch ein wenig, ist das erpresserische Spiel mit den Fähigkeiten Holmes doch etwas arg stark angelegt an die Schnitzeljagd aus „Stirb langsam 3 - Jetzt erst recht“, auch wenn diese nicht nur auf logischen Aspekten aufgebaut war. Der Vergleich verstärkt sich um so mehr, wenn außerdem eine Parallele im Sinn der ganzen Aktion gegen Ende deutlich wird.

Etwas das außerdem erst gegen Ende benannt wird, ist etwas das der Zuschauer sich (von den Verantwortlichen allerdings gewollt) seit Beginn der Folge gedacht hat: der Strippenzieher hinter diesem Kriminalfall ist Holmes Erzgegner Moriarty, der zu diesem hier erst wird. Erstmals lernen sie sich kennen, erstmals darf Genie gegen Genie arbeiten, wenn auch noch nicht so ausgeklügelt wie in Teil 6 oder gar so unterhaltsam wie in „Sherlock Holmes 2 - Spiel im Schatten“, der Kinoadaption mit Robert Downey, Jr.

Moriarty ist ohnehin das inhaltliche Zugpferd, das der Geschichte die nötige Mystik beschert um den Zuschauer neugierig bei der Stange zu halten. Kenner der Sherlock-Materie können es nicht erwarten ihn zu Gesicht zu bekommen. Neulinge des Sherlock-Universums werden aus schlichteren Gründen wissen wollen wer hinter all diesen unmenschlichen Aufgaben steckt, die dem Meisterdetektiv gestellt werden zu einem für Sherlock perfekten Zeitpunkt, langweilte der sich doch gerade, da es zu wenig zu tun gibt. Um Mitleid geht es dem Ermittler nicht, und wieder muss Watson feststellen wie sehr Genie und Asozialer in einer Haut stecken.

Der zusätzlich in die Geschichte integrierte Kriminalfall, um einen Auftrag den Holmes‘ Bruder interessiert, gehört in der Art wie er eingebracht wurde zu den Schwachpunkten von „Das große Spiel“. So stark wie er in die Geschichte involviert wird, wird zu schnell klar dass ein direkter Zusammenhang zu beiden Kriminalfällen besteht, auch wenn versucht wird durch das Desinteresse Holmes und der versteckten Beleidigung den Fall lediglich durch seinen Assistenten Watson lösen zu lassen davon abzulenken. Gerade diese beiden Aspekte sind es jedoch auch, die diesem Subzweig der Geschichte den nötigen Bogen geben doch noch für die Geschichte förderlich zu sein, sind sie doch ein weiterer interessanter wie witziger Nährboden dafür Holmes Intelligenz auf ein neues zu beweisen und sorgen sie doch für humoristische Dialoge zwischen den wichtigsten Betroffenen.

Wirklich interessieren tun einen die Ermittlungen des Zweitfalls jedoch nicht. Und parallel dazu lässt auch die Begeisterung für die anfangs willkürlich wirkenden Aufgaben im Laufe der Zeit immer mehr nach, bis sich Regisseur Paul McGuigan endlich erbarmt und für ein Treffen zwischen Moriarty und Holmes sorgt. Und was soll man sagen: so mystisch wie erhofft ist der gute Erzgegner nicht besetzt. Ganz im Gegenteil ist er etwas gewöhnungsbedürftig, hinterlässt hier noch keinen wirklich positiven Eindruck, was sich in der zweiten Staffel jedoch ändern wird, wenn die Serie beweisen darf, dass sie mit dieser ungewöhnlichen Charakterisierung Moriartys voll ins Schwarze trifft und Holmes einen gleichwürdigen Gegner serviert, der in seinem krankhaften Verhalten fast geradezu unheimlich wirkt.

An dieser Stelle sollte man also nicht zu früh meckern. Hier wird lediglich etwas vorbereitet, das gekonnt an anderer Stelle beendet wird. Dennoch darf man sicherlich zu recht etwas enttäuscht sein, wenn diese Vorbereitung nicht bereits hier schon eine gewisse positive Wirkung besitzt. Wenigstens lässt man den Zuschauer in dieser etwas mauen Phase mit einem interessanten Cliffhanger allein, das nenne ich Wiedergutmachung auf die fiese wie positive Art.

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