Dienstag, 9. April 2013

THE DEAD PIT (1989 Brett Leonard)


Einst wurde ein durchgedrehter Arzt einer Nervenheilanstalt nach illegalen Versuchen an Menschen von seinem Kollegen getötet und im besagten Trakt der Anstalt eingemauert. 20 Jahre später verursacht ein Erdbeben die Öffnung seiner Ruhestätte und er kehrt zum Leidwesen der Bewohner und Mitarbeiter der Irrenanstalt wieder zurück...


Wahnsinn und Tod...

In Horror-Fan-Kreisen genießt der relativ unbekannte „The Dead Pit“ einen recht hohen Ruf, gilt er doch als Geheim-Tipp seines Fachs, wenn auch nicht als unumstrittener. Merkwürdig, denn Sinn macht in Leonards Regie-Debut recht wenig. Das mag nicht gerade unüblich für einen Film aus dem Horrorbereich sein, und in den 80er Jahren war das den Verantwortlichen der Streifen noch egaler als jenen von heute, einfach weil sich die Mentalität geändert hat Filme müssten realitätsorientiert erzählt sein, aber „The Dead Pit“ macht so wenig Sinn, dass das Zusehen schon weh tun kann.

Das meiste Ärgerliche in diesem Punkt klammert sich aber immerhin an den Spielregeln und eingefahrenen Klischees eines Horrorfilms, also kann man, so blödsinnig sich die ganze Geschichte und ihre Rahmenbedingungen auch gucken mögen, den Streifen durchaus gourmieren. Und da er sich verhältnismäßig atmosphärisch guckt, zumindest für einen auf die Schnelle zusammengeschusterten Streifen, weiß „The Dead Pit“ durchaus zu unterhalten, wenn auch nicht auf einem Niveau welches ich dem Freund des Genres auch wirklich weiter empfehlen würde.

In dem altbekannten Plot aus zusammengeflickten Storyfragmenten, die man aus vielen anderen Genrebeiträgen zusammen gesammelt hat (z.B. „Poltergeist 2“, „Nightmare - Mörderische Träume“), schlich sich für wirkliche Kurzweile zu viel Langstrecken einer ohnehin schon dünnen Geschichte ein. Wer vor dem Sichten schon von den Zombies gelesen hat, welche der Film zu bieten hat, wird um so mehr enttäuscht sein, tauchen diese doch erst kurz vor Schluss auf, warum auch immer, das wird nicht erklärt, aber erst dann sind sie da. Da kann ich nur von Glück reden, dass ich mich völlig ohne Vorkenntnis der Geschichte auf „The Dead Pit“ eingelassen habe.

Aber auch in diesem Zustand guckt sich Leonards Debut recht zäh, arbeitet der Regisseur doch viel zu mühsam auf ein Geheimnis hin, das man selbst dann schnell voraus ahnt, wenn man kein Dauergast in diesem Genre ist. Währenddessen beschränkt sich der Horrorpart auf einen eher spukenden anstatt Zombie-artig umherschlurfenden wieder aufgewachten Gehirnchirurgen, welcher mit Ausnahme der Opfer immer nur wieder von der Heldin gesichtet wird, die man ohnehin schon für bekloppt hält, was ja logisch ist, da sie sonst nicht in der Anstalt verweilen würde.

Dass die Heldin und ihr in der Anstalt gefundener Freund sich wesentlich normaler benehmen als das Personal, mag man noch als gewollte, augenzwinkernde Kritik am System einer Nervenheilanstalt ansehen, aber selbst darüber kann man diskutieren, wirkt der Rest des Streifens doch wenig geistreich oder von versteckter Gesellschaftskritik beherbergt. Auch ist „The Dead Pit“ für seine lächerliche Thematik noch viel zu ernst erzählt, was man je nach Meinung aber auch als den Vorteil eines 80er Jahre Horrorfilmchens sehen könnte. Auf jeden Fall schaut es sich schon komisch, wenn die Verrückten normaler wirken als der Rest, und es ein Drehbuchautor trotzdem nicht schafft einen der wichtigsten Bösewichte des Streifens als solchen wirken zu lassen.

Der Leiter der Anstalt hält die Heldin der Geschichte für verrückt, und der Film nimmt die Haltung ein, dass das gemein ist, obwohl die Heldin ihre Beobachtungen, welche der Zuschauer mit ihr gemeinsam durchgemacht hat, sehr verwirrend wiedergibt. Dies in Kombination mit einer provokativen Meinung zu etwas Verdrängtem aus ihrer Vergangenheit, mag dem Glauben und der Erfahrung des Arztes nur Recht geben. Und trotzdem erkennt man an der Haltung Leonards das fehlinterpretierte Brandmarken dieser Mann sei aufgrund der Ungläubigkeit der Heldin gegenüber ein Schurke.

Ist er ja auch, er brachte vor 20 Jahren einen Kollegen um und rief nicht die Polizei um seine Karriere zu schützen. Und später in der Geschichte darf er von dem Wiedererwachen seines ehemaligen Kollegen erfahren und lässt vor Angst die Heldin weiterhin glauben, sie würde sich das alles einbilden. Aber nicht alles was ein negativer Charakter treibt ist negativ. Zumindest im wirklichen Leben! Nicht aber im Psychologie-mageren Blickwinkel eines durchschnittlichen Horrorfilms, der viel zu streng auf andere mit dem Finger zeigt.

Aber an solchen Schuldzuweisungen sieht man auch immer wieder die so häufig auftretende konservative Ader von Kreativen und Anhängern des Horror-Genres. Diesbezüglich braucht man sich auch nicht darüber wundern, dass im Laufe der Geschichte eine durchgeknallte Nonne zur finalen Hilfe etwas beizutragen vermag, denn ab einem gewissen Zeitpunkt wird „The Dead Pit“ plötzlich christlich, und die olle Nonne verwandelt Wasser in Weihwasser.

So wahnsinnig der finale Plan auch klingt, so sehr hängen sich die Helden der Geschichte rein, um diesen zu erfüllen, ohne je an einem positiven Ergebnis zu zweifeln. Und das Drehbuch soll ihnen Recht geben. Ende gut, alles gut! Spätestens hier hätte ein guter Drehbuchautor mit dem möglichen Irrsinn und der eventuellen Berechtigung, dass die Helden Patienten einer Irrenanstalt sind, spielen können. Nicht aber ein Autor und ein Regisseur, der konservative und eher unkreative Pfade abgrast.

Dass sich das ganze trotzdem nicht auf dem komplett konservativen Niveau eines „Witchboard“, „The House Next Door“ und Co guckt, liegt an der recht radikalen Art Leonards, dessen Umsetzung nicht gerade Mainstream geworden ist und noch leicht das Feeling eines Underground-Filmes streift. Da wird recht blutig gestorben, und da wissen die späten Zombies optisch zu wirken. Dem Horror-Fan wird in solchen Momenten schon gefallen was er sieht.

Nur leider bleibt der Film, trotz teilweise vorhandener, wirksamer Atmosphäre, zu spannungsarm, selbst zum Finale hin, so dass sich „The Dead Pit“ in seiner etwas unausgegorenen Art noch eine Spur zu theoretisch guckt, um in dem Unsinn trotzdem noch genug eintauchen zu können, so wie es bei vielen anderen, ebenso unsinnigen und konservativen Horrorfilmen möglich ist. Nein, ein Identifizieren mit Personen und Situationen will nie aufkommen, und somit bleibt dieses Werk auch in seiner Wirkung nur ein Routinefilmchen. Schade, aber zu verkraften!

Brett Leonards Folgefilm sollte der ebenso umstrittene „Der Rasenmähermann“ werden. Damit geht Leonard schon eher Richtung Mainstream, aber noch nicht ganz. Auf jeden Fall lieferte er mit dieser Stephen King-Täuschung meiner Meinung nach einen wesentlich besseren Film ab, zumindest für jene Gattung Cineast, die sich nicht nur an guten Spezialeffekten ergötzen kann. Danach ging es mit der Dean Koonzt-Verfilmung „Hideaway - Das Versteckspiel“ endgültig Richtung Mainstream, und da ist Leonard mit einem Film der „Highlander“-Reihe und seinem „Man-Thing“ auch weiterhin hängen geblieben. Lediglich „Feed“ dürfte wieder etwas radikaler ausgefallen sein, ich habe den Streifen aufgrund seiner Thematik jedoch nie gesichtet.

Was seinen „Dead Pit“ angeht, so kann ich die meist lobenden Worte der Horrorgemeinde nicht wirklich teilen, aber ich sehe Lichtblicke und einen Hauch Talent inmitten eines hirnverbrannten Streifens auf den braven Pfaden des Christentums. „The Dead Pit“ weiß genug zu unterhalten um dran zu bleiben. Mitreißen kann er einen aber in keinem Moment. Damit bleibt ihm selbst die Wirkung anderer simpler Filmchen wie „Abominable“ oder „Maniac Cop 3“ verwehrt, genau jene Wirkung, die einen solchen Film wenigstens zur Empfehlung für Genre-Freunde macht.

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