Montag, 26. August 2013

BATMAN UND ROBIN (Batman And Robin 1997 Joel Schumacher)


Der kaltblütige Mr. Freeze droht Gotham City einzufrieren, unterstützt von der giftigen Öko-Frau Poison Ivy. Da kommt es Batman und Robin recht gelegen, dass jemand neues in ihrem Superhelden-Clan hinzu stößt: Batgirl...


Warum die Reihe auf Eis gelegt wurde...

Joel Schumacher machte sich bereits mit „Batman Forever“ nicht viele Freunde unter den Kinozuschauern, machte er aus Burtons so düster begonnener Reihe doch ein buntes Popkorn-Kino der spaßigen Art. Ein toller Film ist ihm damit nicht gelungen, aber richtig unterirdisch sollte es erst mit dem Nachfolger „Batman und Robin“ werden, der völlig würdelos mit den Kult-Figuren umgeht und uns ein knallbuntes, schrilles und überdrehtes Etwas präsentiert, das die alte „Batman“-TV-Serie wie ein zurückhaltendes Kammerspiel wirken lässt.

Schumacher dreht derart auf, dass man sich für nichts mehr was im Film passiert interessiert. Das merkt man bereits in den ersten 12 Minuten, in welchen Mr. Freeze eingeführt wird, der vor den Titelhelden fliehen muss. Die Kamera macht den Eindruck immer zu spät zur Stelle zu sein, so dass manche Geschehnisse plump von Robin per Off-Kommentar erklärt werden müssen. Der kunterbunte Augenkrebs eines völlig überzogenen Szenarios einer Welt, die durch ihre Extreme schon gar nicht mehr erklärt werden möchte, macht einen geradezu blind für das was tatsächlich im Film passiert, und das ist viel und wenig zugleich.

Schade dass der gute Mann, der sowohl für manchen Kultfilm wie „St. Elmo‘s Fire", „The Lost Boys“ und „Die unglaubliche Geschichte der Mrs. K“ verantwortlich war, wie auch für solch populäre Werke wie „8 mm“, „Flatliners“ und „Falling Down“, sein Werk derart in die Tonne kloppt, so sehr, dass sein Film übelst floppte und es für lange Zeit keinen weiteren „Batman“-Film mehr gab. Denn die Besetzung kann sich eigentlich sehen lassen: George Clooney wirkt als Batman und Bruce Wayne nicht halb so schlecht wie gerne behauptet wird, bekommt aber ohnehin keine Chance dem an sich so vielschichtigen Charakter Tiefe zu verleihen. Arnold Schwarzenegger, damals noch immer auf dem Hoch seines Erfolges, hätte ein Gegner mit Schmackes werden können, und Alicia Silverstone darf zumindest süß aussehen.

Einzig das Talent von Uma Thurman darf inmitten dieses Irrsinns ab und an aufblitzen, ist aber auch hoffnungslos verloren in einem visuell überfrachteten Film, der sich um viel zu viele Figuren kümmern muss, als dass er auch nur eine wirklich zur Zufriedenheit des Zuschauers vertiefen könnte. Da dürfen nicht nur Mr. Freeze und Poison Ivy gemeinsam als Gegner tätig werden (was noch okay wäre, da doppelte Gegner im Vorgänger immerhin halbwegs und spätestens in „The Dark Knight“ tatsächlich funktioniert haben), nein auch Batgirl und Bane müssen mit eingebracht werden, Erstgenannte ganz besonders unnötig, da bereits Robin an der Seite von Batman zu viel des Schlechten ist.

Wenn man erst einmal abgehärtet den Film weiter verfolgt und die grellen Abscheulichkeiten halbwegs akzeptieren kann, dann fällt einem auf was an „Batman und Robin“ endgültig stört: die Helden sind heterosexuell, während der komplette Film das schrille Klischee und Vorurteil des Homosexuellen visualisiert. Ob Mr. Freeze dämliche Puschelpantoffel tragen darf, Bösewichter mit neonleuchtender Ketten Ivy attackieren dürfen, oder das Kostüm der beiden Helden Brustwarzen-Nippel aufweist, alles bekommt solch einen schwulen Touch beschert wie ein „Im Himmel ist die Hölle los“, freilich ohne dessen Charme zu erreichen. Selbst das Logo zu Beginn muss sich eines schwulen Vergleiches stellen. Ebenso wie Erni und Bert umwehten auch schon immer die Figuren Batman und Robin Spekulationen um eine mögliche Homosexualität. Schumacher scheint diese zu bestätigen, ohne sie dies auch sexuell ausleben lassen zu dürfen. Nein, innerhalb der Geschichte sind sie Heteros. Fast schon schade, dann würde vielleicht heute die nervige Debatte um einen schwulen Spider-Man nicht mehr geführt werden.

„Batman und Robin“ genießt den Ruf der schlechteste „Batman“-Film zu sein, der bislang gedreht wurde, und ich kann da nicht widersprechen. Im Gegensatz zu dem ebenfalls unbeliebten „Catwoman“ funktioniert Schumachers zweiter Abstecher nach Gotham City nicht einmal als Trash. Das Teil nervt und enttäuscht um so mehr, als dass Batman meiner Meinung nach der interessanteste Superheld am Kino- und Comichimmel ist. Es ist wahrlich eine Schande ihn in ein derart albernes Licht zu rücken, vor dem wahrscheinlich selbst Adam West schockiert zusammenzucken würde. Wäre der Film so düster wie sein Trailer, hätte er funktionieren können. Allein deswegen ist dieser einen Blick wert. Der Film selbst nicht.


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