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Freitag, 23. August 2013

DIE AUSBILDUNG (2011 Dirk Lütter)


Jan befindet sich im letzten Ausbildungsjahr, arbeitend in einem Großraumbüro per Laptop den Kundenservice absolvierend und darauf hoffend übernommen zu werden. Er steht unter Druck, wie alle, und er sieht wie man seinen Weg in dieser Branche macht und wie man scheitert...


Optimierung ist alles...

Eiskalt, steril und streng wirkt der Film „Die Ausbildung“, bildet auf diese Art aber sehr zielgenau das ab, was in Wirtschaftsberufen heutzutage Alltag ist, Berufe die eiskalt, steril und streng sind. Dass Dirk Lütters Langfilm-Debut sogar sehr sensibel erzählt ist, fällt kaum auf, eben weil er von etwas erzählt, das fern jeglicher Ethik und menschlichem Miteinanders stattfindet. Wer in Berufen wie dem hier gezeigten arbeitet, für den ist der hier präsentierte Umgang unter- und miteinander oftmals schon ganz normal, und das ist das erschreckende daran, zeigt sich doch damit ein Verständnis für solch ein unterdrückendes Berufsbild und damit Akzeptanz für Arbeitsplätze, in denen es nur noch um Optimierung geht und der Mensch nur noch Ressource ist.

Das gelungene an „Die Ausbildung“ ist, dass er mit seiner nüchternen Art nicht nur diesen traurigen Alltag zeigt, von den manche Menschen glauben er müsse so ablaufen. Er zeigt mit der Figur des Jan auch überdeutlich, warum manche Leute mit einiger Zeit in diesen Berufen an das System glauben und die Gesetzmäßigkeiten der Branche gutheißen. Jan wächst in dieser kommunikationsfreien Umgebung einer typisch modernen Familie auf in unserer Zeit, jener Zeit, die von sich behauptet dank modernster Techniken ach wie kommunikativ zu sein. Jans Leben ist so leer wie die Gespräche die er führt. Auch sein Seelenleben wirkt verkümmert. Alles ist optimiert, selbst im Alltag. Der Intimbereich ist glattrasiert, das Sexualbedürfnis durch die Pornoauswahl im Netz auf das aktuelle Bedürfnis abgestimmt, die Musik mit ihrem synthetischen Elektroklängen emotionslos, rein für den Rhythmus ausgelegt. Hierzu zu tanzen oder schnell Auto zu fahren, darin sieht Jan seine Ventile.

Wo Jan theoretisch einmal enden könnte, zeigt ein Blick auf seinen Chef, der durch langsames sprechen und sozialer Phrasen vorgaukelt die Mitarbeiter wären ihm wichtig. Aber einzig die Zahlen haben zu stimmen, und um diese zu optimieren nutzt er die Naivität und die mangelnde Lebenserfahrung des Auszubildenden aus, manipuliert ihn, benutzt ihn, was Jan spätestens merkt wenn eine Kollegin, der er helfen wollte, weinend erzählt wie sie abgezockt wurde, als es um das Loslösen des Arbeitsverhältnisses ging. Jan ist auf dem besten Weg so zu werden wie sein Chef, ist in sozialen Gebieten nicht sonderlich sensibilisiert obwohl seine Mutter engagiert für den Betriebsrat tätig ist, für den Kleinbereich, auf den dieser überhaupt noch Einfluss hat. Und doch erleben wir Jan, noch nicht ganz manipuliert von seinem Alltag, am Scheideweg, frustriert durch das was er erlebt hat.

Beziehungen müssen räumlich unterbrochen werden, denn wem der Job wichtig ist, der muss auch umziehen dafür. Wer Kritik äußert oder im knappen zeitlichen Rahmen sein Ziel nicht erreicht wird gekündigt oder zur Kündigung gedrängt. Sicher fühlt man sich nicht in einem solchen Job, gebraucht auch nicht. Und Jan beginnt zu begreifen, dass es das nicht sein kann. Ob er auch begreift, dass er an einer solchen Welt nicht teilhaben muss, ist am Ende von „Die Ausbildung“ nicht sicher, wird doch auch er, wenn im Film auch nicht gezeigt, die Gehirnwäsche mitgemacht haben wie jeder Jugendliche, die einen Einbläuen will das wichtigste sei ein Ausbildungsplatz, private Bedürfnisse und damit das soziale Miteinander haben hinten an zu stehen.

Dirk Lütters Film zeigt Courrage, und mit der Art wie er endet Größe, lässt er den Zuschauer doch nun mit einer Frage allein, die er nach allem was er miterleben durfte nun für sich selbst beantworten muss. Spätestens an diesem Punkt erwartet Lütter das Mitdenken des Zuschauers. Aber das sollte eigentlich auch schon zuvor geweckt worden sein, ist doch „Die Ausbildung“ ein Film der den Zuschauer für mündig genug hält selbst zu entdecken und sich selbst über das Gezeigte Gedanken zu machen. Erklärungen liefert der Film nicht, kitschige Sozialmomente umgeht er ebenso wie die Arbeitswelt die er kritisiert. Wer nicht weiß was der Film will, sich gar langweilt oder empört über das ist was dieses Drama kritisiert, der ist längst angekommen in der verkümmerten Einbahnstraße wirtschaftlichen Denkens und Optimierens, in welchen Ethik ein Fremdwort geworden ist.


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