Sonntag, 15. Dezember 2013

EINE JUNGFRAU IN DEN KRALLEN VON ZOMBIES (Christina, princesse de l'érotisme 1971 Jess Franco)


Wegen einer Testamentseröffnung reist Christina auf ein englisches Schloss kaum gesehener Verwandter und stellt schnell fest, dass hier irgend etwas nicht mit rechten Dingen zugeht...


Die unendliche Geschichte vom Nichts...

Und wieder habe ich einen Film aus der Reihe „Jess Franco-Filme, die ich mögen möchte“ ausgebuddelt, diesmal ein recht frühes Werk mit Zombies im Titel, das könnte mich doch reizen, dachte ich mir, auch wenn mir Francos 80er Jahre- Untoten-Beitrag „Oase der Zombies“ so gar nicht gefallen hat. Trotz vieler schlechter Erfahrungen mit Werken dieses Schund-Regisseurs ging ich vorurteilsfrei heran, bestätigt durch eine recht interessante Grundatmosphäre, die den Film trotz aller offensichtlicher Mängel positiv unterstützte.

So wird in der kompletten ersten halben Stunde diese Grundatmosphäre aufrecht erhalten, während wir rätselhafte Figuren vorgesetzt bekommen, von denen wir schnell lernen, dass der deutsche Titel Unsinn ist. Entweder geht es um Spuk oder um Wahn, stellt man in dieser Phase fest, mit Zombies hat das alles nichts zu tun. Durch die langsame Erzählweise bekommt man jedoch außerdem das Gefühl, dass „Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies“ einer jener Hinhalte-Horrors wird, in dem erst in den letzten 5 - 10 Minuten wirklich etwas passieren wird.

Nach einer Stunde Laufzeit fühlt man sich in diesem Denken bestätigt, während man wesentlich weniger gut auf den Streifen zu sprechen ist als zuvor, wurde aus einer für den Schundbereich stimmigen Grundatmosphäre doch pure Langeweile durch ewiges Hinhalten, zumal Franco sich mal wieder mehr auf den Erotik- als auf den Horrorpart konzentriert, wobei ich diesbezüglich erstmals einen Franco-Film gesehen habe, deren weibliche Darsteller man auch wirklich nackt sehen will. Sie sehen niedlich aus, 70er Jahre-Intim-Look hin oder her, und nicht so unansehnlich wie im Extremfall beispielsweise die grauenhafte Darstellerin in „Lust für Frankenstein“.

Erotik kann Grusel nicht ersetzen, und von Grusel kann man leider überhaupt nicht sprechen. Das wollte Franco wohl auch nicht, geht es ihm doch scheinbar mehr um eine surreale Story, in die man aber dank mangelndem Gespür für Psychologie nicht eintauchen kann. Zumindest weiß man in dieser Phase des Films, warum im Titel im weitesten Sinne von einer Jungfrau die Rede ist, habe ich in Filmen doch noch seltenst ein solch naives Persönchen erlebt, das sich derart von anderen ahnungslos an der Nase herumführen lässt, wie hier gezeigt. Umgekehrt: je nachdem wie man für sich das Nichts dieser Story interpretiert, ist sie zugleich auch eine Figur, die so gut wie keinen Druck jeglicher Art aushält. Sie ist ein zartes Persönchen, das bereits beim kleinsten Anklang von Unbehagen halluziniert, ausflippt und in einer solchen Extreme schlecht träumt, dass sie jeder sofort in die Klappse stecken würde.

Würde die Figur der Christina nicht ständig leiden, im Film würde nichts weiter passieren. Was aber gleichzeitig bedeutet, dass sie ja eigentlich wegen gar nichts überempfindlich reagiert, eben weil nie wirklich etwas passiert, bzw. kaum. Wäre das nicht alles so penetrant langweilig umgesetzt, könnte dies wahrscheinlich auf unfreiwilliger Komik-Ebene ungemein punkten. So aber kitzelte die Lachmuskeln nichts mehr. Tapfer blieb ich dennoch weiter dran, wollte ich doch unbedingt den finalen Horror-Part miterleben.

Da der Film ohnehin nur 75 Minuten läuft, war ja auch nicht mehr viel Laufzeit auszuhalten. Und im Finale, das muss ich gestehen, hat es Jess Franco dann auch tatsächlich geschafft mich zu überraschen: es passiert nichts. Das ganze Warten auf finale Horror-Geschehnisse war umsonst. Der Film schließt ereignislos surreal wie er begann und über die komplette Laufzeit langweilte. Ein persönlicher Stinkefinger des Regisseurs, so penetrant vor die Augen gehalten wie noch selten erlebt.

Okay, das ist jetzt meine enttäuschte Wahrnehmung, denn wie bereits erwähnt schwebte Franco ja ohnehin eine andere Art Film vor als von mir vermutet. Aber wenn ein Mann in seinen anderen Arbeiten schon die simpelsten Grundregeln eines Schundfilmes nicht beherrscht, kann er nur bei dem Versuch scheitern ein Werk auf anspruchsvollerer Ebene zu gestalten. „Das Grauen von Schloss Montserrat (Alternativtitel) ist wie bereits erwähnt psychologisch völlig daneben, zudem uninspiriert erzählt und versteckt auch keine clevere Geschichte im Hintergrund. Franco dachte, wenn er alles rätselhaft und unerklärt erzählt, müsste dies bereits reichen. Aber das tut es eben nicht.

Auch surrealer Horror ist kein billiger Taschenspielertrick. Auch ein solcher Film braucht einen Hintergrund, einer der im Film selbst ungenannt bleibt und wenn überhaupt nur durch Beobachtung zu entdecken ist. An falscher Stelle getrickst, lieber Franco! Dumm gelaufen! Dabei fällt Dein liebloses Blenden mit unnötiger Füllzeit bereits in viel banaleren Stoffen auf. Selbst dort kannst Du nicht täuschen. Und da dachtest Du, Du könntest mit billigen Tricks einen auf surreales Filmerlebnis machen, bei dem keiner merkt, dass kein Hintergrund existiert? Du bist scheinbar genauso naiv wie Deine Heldin Christina.


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